CIVB Interview Teaser
Winzerverband

Im Interview: Der CIVB über seine Arbeit und die Bordeaux-Weine

Seit 1948 ist der Conseil Interprofessionnel du Vin de Bordeaux (CIVB), also der Verband der Bordeaux-Weine, das Bindeglied für Vertreter aller Bereiche der Bordelaiser Weinindustrie. Die übergreifenden Ziele des Verbandes liegen in den Bereichen Marketing, Wirtschaft und Technik – z.B. in der Wahrung der allgemeinen Interessen der Branche, dem Schutz des Anbaugebietes, dem Kampf gegen Produktfälschung sowie der Entwicklung des Weintourismus. Gerade im Bereich Marketing ist der CIVB auch in Deutschland sehr aktiv: Mit verschiedenen Aktionen und Events für Verbraucher und Handel sowie spannenden Inhalt, die über die Social-Media-Kanäle verbreitet werden, sollen die Menschen weiter für die Bordeaux-Weine begeistert werden. 

Im Interview mit dem CIVB geht es um die Aufgaben des Verbands, die Eigenschaften der Bordeaux-Weine, verschiedene Produkte aus dem Anbaugebiet sowie die Rolle der Weine in Deutschland.

Was ist das Conseil Interprofessionnel du Vin de Bordeaux (CIVB)?

CIVB: CIVB steht für „Conseil Interprofessionnel du Vin de Bordeaux“. Es ist der Verband der Bordeaux-Weine, der die drei Säulen oder – wie wir sie nennen – die drei Familien des Bordeaux- bzw. Bordelaiser Weinsektors vertritt: die Winzer, die Weinhändler (négociants) und die Weinbroker (courtiers).

Wann und warum wurde der Verband gegründet?

CIVB: Der Winzerverband Bordeaux wurde 1948 gegründet.

© CIVB / Favoreat Design

Was sind die Aufgaben des CIVB?

CIVB: Der CIVB setzt sich für die Region Bordeaux ein und stärkt sie durch die Sammlung und Untersuchung von Daten, durch technische und ökologische Analysen und durch globale Kommunikationsinitiativen.

Seine drei Aufgaben im Interesse des gesamten Weinsektors sind:

  • Marketing: Förderung des Bekanntheitsgrades der Bordeaux-Weine in Frankreich und im Ausland durch Werbekampagnen, digitale Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Schulungen.
  • Wirtschaft: Erfassung von Daten und Verbesserung der Kenntnisse über die Produktion, die Märkte und den Verkauf von Bordeaux-Weinen in der ganzen Welt.
  • Technik: Verbesserung des Verständnisses der Branche für die verschiedenen technischen Fragen im Zusammenhang mit der Produktion und der Qualität der Bordeaux-Weine und Antizipation neuer umwelt- und gesundheitsbezogener Anforderungen.

Wie ist der Verband in Deutschland aufgestellt?

CIVB: Der Verband hat eine deutsche Marktberaterin mit Sitz in der Nähe von Bremen, Christine Berthold, und arbeitet mit verschiedenen Agenturen für z.B. PR, Handelsbeziehungen und Handelsförderung sowie Social Media zusammen, um seine Aktivitäten durchzuführen.

© CIVB / Chloé Crane-Leroux

Erzählen Sie ein wenig über die Weinregion Bordeaux. Was sind die wichtigsten Fakten?

CIVB: Sie können alle Fakten in unseren Kennzahlen hier nachlesen.

Lassen Sie uns über den Wein sprechen: Was macht den Bordeaux-Wein aus und wie kann man ihn charakterisieren?

CIVB: Obwohl Bordeaux sehr bekannt ist und 81% der deutschen Weinkonsumenten Bordeaux kennen, wäre es passender, ihn „Les Bordeaux“ zu nennen. Bordeaux ist viel vielfältiger als man denkt. Die Vielfalt liegt in den Terroirs, den AOCs (Appellation d’Origine Contrôlée), den Winzerinnen und Winzern, den produzierten Weinfarben und Weinstilen. Es ist die inspirierende Mischung aus Tradition und Innovation, aus Handwerkskunst und modernster Technik, aus einer lebendigen Stadt und Region, dem Lebensstil an der Atlantikküste und einem kollektiven Ansatz für Nachhaltigkeit, die Bordeaux so attraktiv macht.

Auch wenn 89% der Weinberge mit roten Trauben bepflanzt sind, finden die Verbraucher eine breite Palette von Weinen, die von leicht zu trinkenden, fruchtigen und modernen Rotweinen ohne oder mit nur einem Hauch von Holz bis hin zu den klassischen, ikonischen Weinen aus Bordeaux reichen. Weniger bekannt als die Rotweine aus Bordeaux ist, dass in Bordeaux auch feine Schaumweine wie Crémant de Bordeaux, frische, knackige trockene Weißweine, Rosés und die einzigartigen Clairets sowie Süßweine hergestellt werden. Ob für ein zwangloses, ungezwungenes Essen, im Kreise von Freunden und Familie oder zur Feier besonderer Momente: Bordeaux-Wein ist immer ein guter Begleiter.

Eine neue Generation von Winzern verbindet das Beste aus Alt und Neu, lässt die Retro-Önologie wieder aufleben und ist experimentierfreudig und innovativ – sowohl im Weinberg als auch im Keller. Neben den klassischen Assemblagen vor allem aus Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc erleben andere Rebsorten wie Malbec oder Côt, Petit Verdot und Carménère eine Renaissance. Interessant ist auch, dass immer mehr ungewöhnliche Cuvées oder sogar rebsortenreine Weine auf den Markt kommen.

© CIVB / Favoreat Design

Welche besonderen Eigenschaften muss ein Bordeaux-Wein erfüllen, um ein solcher zu sein? 

CIVB: Wie bereits gesagt, gibt es „den einen“ Bordeaux-Wein nicht. Alle AOC-Weine aus Bordeaux müssen den Vorschriften ihrer AOC entsprechen, die Faktoren wie die Grenzen des Terroirs, die Rebsorten oder den Ernteertrag bestimmen. Wie beim Crémant de Bordeaux schreibt die AOC-Regelung die Handlese vor.

Les Bordeaux steht für eine Vielfalt von kleinen, mittleren und größeren Erzeugern und Vermarktern. Eine weniger bekannte oder vergessene Tatsache ist, dass in Bordeaux bis in die 1970er Jahre hauptsächlich Weißweine produziert wurden. Erst nach den Auswirkungen eines verheerenden Frostes im Jahr 1956 wurden mehr Weinberge mit roten Sorten bepflanzt.

Einige Schlüsselzahlen in Bezug auf die Mengen/Produktion:

  • 85% Rotweine
  • 9% trockene Weißweine
  • 4 % Roséweine
  • 1 % Crémant
  • 1 % süße Weißweine

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema in der Wachstumsregion. Erzählen Sie uns davon!

CIVB: In den letzten 20 Jahren hat sich die Weinindustrie in Bordeaux gemeinsam auf den Klimawandel, die Wasserproblematik, die gesellschaftlichen Anforderungen und die Verringerung des Pestizideinsatzes eingestellt und angepasst. Die Maßnahmen und Initiativen zielen darauf ab, die Ressourcen zu erhalten, die Ökosysteme zu schützen und die biologische Vielfalt zu entwickeln, die für die langfristige Nachhaltigkeit des Weinbaus unerlässlich ist. Ein Schwerpunkt der Umweltpolitik von Bordeaux ist der Schutz der Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen. Damit wird die wichtige Rolle der Natur bei der Anpassung der Kulturen an die Veränderungen in ihrer Umwelt und bei der Verbesserung ihrer Widerstandsfähigkeit anerkannt. Die biologische Vielfalt ist ein Zeichen für gesunde, ausgewogene Weinberge.

Beispiele: Agroforstwirtschaft und Hecken, blühende Brachflächen, Bienenstöcke, ökologische Beweidung … die nachhaltige Entwicklung kommt in Bordeaux also auf vielfältige Weise zum Ausdruck. Man denkt sofort an Umweltfragen, aber auch an soziale und gesellschaftliche Fragen. Auch die Weinwirtschaft des Bordelais setzt sich intensiv für die Erhaltung der Ressourcen ein. Die Winzer in Bordeaux tun dies, indem sie ihre Reben im Einklang mit der Natur anbauen. Ihre Maßnahmen sind so kreativ und individuell wie die Weine selbst.

Andere Beispiele sind ein Weinkeller aus Stroh zur Reduzierung des Energieverbrauchs, ein Bambushain zur Wasseraufbereitung, nachhaltige Verpackungen …

Im Jahr 2020 – nach zehn Jahren Forschung – wurden sechs neue Rebsorten von der INAO (Institut national de l’origine et de la qualité) zugelassen, die zu maximal 5% im Weinberg angepflanzt und zu 10% in einer Cuvée für Bordeaux & Bordeaux Supérieur AOC (weiß, rosé und rot) verwendet werden dürfen.

Einige weitere wichtige Zahlen zur Nachhaltigkeit in Bordeaux:

  • 75% der Weinberge mit einem ökologischen Ansatz im Jahr 2021 (2014: 35% / 2016: 55%).
  • 85% der Weinbergsflächen mit Grasbewuchs und damit eine Quelle der Biodiversität – die ökologisch zertifizierte oder in Umstellung befindliche Weinbergsfläche in Bordeaux wuchs bis 2021 um 43%.
  • 400.0000 € werden in Bordeaux jährlich in die Forschung investiert.

© CIVB / Katja Hentschel

Wo rangiert „Les Bordeaux“ im Hinblick auf den Absatz in Frankreich, Deutschland und weltweit?

CIVB: Insgesamt werden in Bordeaux im Zehnjahresdurchschnitt etwa 4,9 Millionen Hektoliter Wein produziert, was etwa 649 Millionen Flaschen entspricht. Verglichen mit Deutschland sind dies etwa 56% der durchschnittlichen deutschen Weinproduktion.

Auf Bordeaux-Weine entfallen 1,5% der weltweiten Weinproduktion und 1% des Weinverbrauchs in Deutschland. Auf Frankreich als Inlandsmarkt entfallen 57% des Verbrauchs von Bordeaux-Weinen und 43% auf den Export. China und Hongkong, die USA und in Europa das Vereinigte Königreich, Belgien und Deutschland sind die wichtigsten Märkte für Bordeaux-Weine.

Deutschland als historisch wichtiger Markt, zu dem Bordeaux eine enge Beziehung unterhält, liegt mengenmäßig auf Platz 6 und wertmäßig auf Platz 8. Der Anteil des Bordeaux an den französischen AOP-Weinexporten nach Deutschland liegt bei 44 % des Volumens und 46 % des Wertes (Zahlen für 2020).

Wie arbeitet der Verband mit den Winzern zusammen, um die Marke der Bordeaux-Weine zu fördern?

CIVB: Der CIVB versteht sich als Dienstleister für seine Mitglieder. Er hört zu, passt sich an und liefert Lösungen für den Weinsektor und unterstützt oder führt Aktivitäten im Namen seiner Mitglieder durch. Er ist an der Seite seiner Mitglieder und in häufigem Austausch.

Das Team des CIVB steht täglich in Kontakt mit den Erzeugern. Die Männer und Frauen, die Bordeaux-Weine produzieren, werden in alle Werbeaktionen einbezogen.

© CIVB / Claudia Hettwer

Wie war der CIVB in den letzten Monaten aktiv? Gibt es Pläne für 2022?

CIVB: Die nationale Aktion „Bordeaux macht Sommerlaune“ mit rund 90 teilnehmenden Partnern ist im September zu Ende gegangen, danach liefen und laufen viele „Bordeaux Momente“ bei ausgewählten führenden Handelspartnern. Bordeaux war Sponsoring-Partner und stellte am 10. und 11. Oktober auf dem Weinfachhändlertag in Heilbronn aus und führte am 8. November in Köln einen „BORDEAUX DAY“ durch, bei dem 25 Bordeaux-Winzer aus den AOCs Bordeaux & Bordeaux Supérieur und Médoc ihre noch nicht auf dem deutschen Markt befindlichen Weine sowie 20 deutsche Importeure ihr Bordeaux-Portfolio dem interessierten deutschen Fachpublikum vorstellten. Während der ganztägigen Veranstaltung fanden mehrere kostenlose Verkostungen, wie z.B. eine „grüne“ Bar und Masterclasses zum Thema Nachhaltigkeit, statt.

Darüber hinaus finden Handel und Verbraucher inspirierende Inhalte auf den Social Media Kanälen von @bordeauxwein.

Wir freuen uns darauf, wieder nach Deutschland zu kommen und den Handel und die Verbraucher zu treffen: Im Jahr 2022 werden wir unsere Handelsbeziehungen und unser Handelsförderungsprogramm fortsetzen, Social-Media-Aktivitäten durchführen und die Medien über alle Neuigkeiten aus Bordeaux informieren. Die gute Nachricht ist, dass wir auch 2022 wieder Presse- und Handelsreisen in Bordeaux veranstalten werden. Es gibt nichts Besseres als die persönliche Erfahrung und die Entdeckung vor Ort, was Bordeaux so besonders macht!

Zum Schluss noch ein Satz von Ihnen: Jeder sollte mindestens einen Bordeaux-Wein in seinem Leben probieren, denn …

CIVB: EINEN?! Okay, einen. Denn Sie werden herausfinden, dass Bordeaux Ihnen schmeckt und das Interesse weckt, mehr Bordeaux zu probieren!

© CIVB / Favoreat Design

CIVB | bordeaux.com | facebook.com/bordeauxwein | instagram.com/bordeauxwein

+++ Wir bedanken uns beim CIVB für das offene und sehr interessante Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

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