aboutdrinks Interview Gaffel Lemon
Tradition trifft Innovation

Gaffel: Geschäftsführer Heinrich Philipp Becker über den neuen Lemon-Biermix

Die Privatbrauerei Gaffel hat mit dem neuen Gaffel Lemon die Frühlingssaison bereits eingeläutet. Doch so neu ist das Produkt gar nicht: Es wurde zunächst für den internationalen Markt produziert, entwickelte sich dort so gut, dass man kurzerhand entschloss, das Biermischgetränk auch in Deutschland zu launchen. So geht die Brauerei auf den Wunsch vieler Verbraucher nach leichten Biermischgetränken ein. Denn auch wenn es anfangs widersprüchlich erscheint: Tradition bedeutet nämlich nicht nur, alte Produkte und Dinge zu bewahren, sondern sie ebnet oft auch den Weg für Innovationen. 

Im Interview spricht Heinrich Philipp Becker, geschäftsführender Gesellschafter der Privatbrauerei Gaffel, über die Einführung des Lemon-Biermixes, die Entwicklung der Traditionsbrauerei sowie die aktuelle Situation in der rheinischen Gastronomie.

Nach der Einführung von Gaffel Wiess in der Flasche launchen Sie mit Gaffel Lemon innerhalb eines Monats bereits das zweite Produkt. Warum in dieser kurzen Zeit?

Heinrich Philipp Becker: Es sind sogar drei neue Produkte, wenn neben dem Gaffel Wiess man unser Fastenbier, das wir erstmals in der 0,33l Euro-Flasche abgefüllt haben, hinzuzählt. Gaffel Lemon ist eigentlich nicht neu. Denn wir haben dieses naturtrübe Biermischgetränk eigens für den internationalen Markt produziert und das Naming und Packaging mit unserem Importeur gemeinsam entwickelt.

Es hat sich dort in kurzer Zeit zum Topseller entwickelt. Das hat uns bewogen, die Marktfähigkeit auch hierzulande abzuklopfen. Der Handel war begeistert und so sind wir unmittelbar in die Umsetzungsphase eingestiegen. Auch wegen der Corona-Situation haben wir den Handelsbereich stärker im Fokus, so dass wir das Produkt im Frühjahr im Handel platzieren werden.

Was ist das Besondere an Gaffel Lemon?

Heinrich Philipp Becker: Gaffel Lemon schafft die perfekte Balance zwischen Kölsch und Zitrone. Es hat zwei Prozent Alkohol und besteht aus 40 Prozent Gaffel Kölsch sowie 60 Prozent naturtrüber Zitronenlimonade. Das entspricht dem Wunsch vieler Verwender nach leichten Biermischgetränken.

Zudem haben regionale Marken und Produkte aufgrund von Nachhaltigkeit und Authentizität Hochkonjunktur. Wir präsentieren das Biermischgetränk in einer modern gestalteten 0,5l-Dose, die ein perfekter Outdoor Wegbegleiter ist. Die Umweltbilanz von Getränkedosen hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Das Material ist zu 100% recyclebar.

Sie haben sich von der Monomarke zum Portfolio-Anbieter entwickelt. Wie lange dauerte der Prozess?

Heinrich Philipp Becker: Eingeleitet wurde der Prozess 2010 mit Gaffels Fassbrause. Dahinter stand auch der Gedanke, dass das Biergeschäft durchaus an Quantität verlieren könnte und wir uns breiter aufstellen müssen. Der großartige Erfolg der Fassbrause beflügelte uns, und wir haben daraufhin mit der Spirituosen-Reihe Gaffel Spirits wieder etwas Uniques mit der Gaffel-DNA entwickelt.

Unsere Strukturen erlauben es uns, immer wieder in den Markt hineinzuhorchen und flexibel über bedarfsgerechte und langfristige Produkte nachzudenken. Wir können Innovationen in unserer hauseigenen Versuchsbrauerei testen und auf Marktreife prüfen. Dieses Verfahren führte dann zum Beispiel zum Cologne Pale Ale Gaffel SonnenHopfen, dem Viking Kölsch im Rahmen einer Collaboration mit der Mikkeller Brauerei aus Kopenhagen, Gaffel Fastenbier und jetzt neu Gaffel Wiess.

Sie verstehen sich als Traditionsbrauerei, entwickeln aber immer wieder neue Produkte. Ist das nicht ein Widerspruch?

Heinrich Philipp Becker: Überhaupt nicht. Tradition und Innovation schließen sich nicht aus, sondern können aufeinander aufbauen. Denn Tradition schafft den Nährboden für Vertrauen und Verlässlichkeit und ist ein starkes Fundament, auf dem unsere neuen Produkte stehen. Der Kölner weiß, dass wir für Qualität stehen und ist offen für Innovationen aus unserem Haus. Wir fangen nicht bei null an wie ein Start-up.

Aus der Tradition heraus haben wir eine starke Marke entwickelt. Unsere Familienbrauerei wird mittlerweile in der vierten Generation von meiner Familie geführt. In den über 111 Jahren unseres Bestehens haben wir einen unendlichen Schatz an Erfahrung gesammelt, den wir in die Moderne übersetzen können. Wir verfolgen eine auf den Konsumentenbedürfnissen fokussierte Strategie, die zu einem breiten Sortiment alkoholischer und alkoholfreier Marken mit der einzigartigen Gaffel-Note führt. Dabei legen wir den Fokus auf hohe Qualität und nachhaltige Produktion bei einem Einsatz bester Rohstoffe. Ziel ist es, die Marken langfristig am Markt zu positionieren.

Gaffel ist Marktführer in der rheinischen Gastronomie. Wie sehen Sie das Thema im Zeichen der Corona-Restriktionen?

Heinrich Philipp Becker: Ich denke, dass durch den Lockdown ein Nachholbedarf entsteht, der nach Öffnung für einen sehr starken Sog in die Gastronomie sorgt. Wir werden uns weiterhin für die Zukunft der Gastronomie einsetzen und alles uns Mögliche unternehmen, um die Strukturen mit dem breiten Angebot von Veedels- und Szene-Kneipen, Bars, Restaurants sowie Brauhäusern zu erhalten.

Wir haben gerade wieder neu gelernt, wie wichtig Gastronomie als Platz der Begegnungen für das soziale Miteinander ist. In Köln ist das Brauhaus einer der noch wenig übrig gebliebenen Orte, wo sich alle Generationen und verschiedene soziale Milieus unkompliziert begegnen können. Nicht nur den Menschen, sondern auch mir persönlich fehlt das Gaffel am Dom, wo ich an der Theke ungezwungen mit Gästen „schwaaden“ kann.

Gaffel ist mit der Stadt und der Region eng verbunden. Was heißt das für Ihr Unternehmen?

Heinrich Philipp Becker: Ich bin mittlerweile seit 14 Jahren geschäftsführender Gesellschafter und bin stolz, dass wir nachhaltige Strukturen implementiert haben. Das haben wir mit der neuen Brauerei und einem breit aufgestellten Portfolio geschafft. Als Familienunternehmen fühlen wir uns unseren Mitarbeitern verpflichtet, denen wir neben einer familiären Atmosphäre auch sichere Arbeitsplätze anbieten.

Als Kölsch-Brauerei profitieren wir von der Verortung des Bierstils mit Köln, die Stadt mit einer sehr eigenen Kultur. Kölsch ist gleich Köln mit dem Dom und zudem die einzige Sprache, die man auch trinken kann. Wir möchten daher auch der Stadt etwas zurückgeben und unterstützen vieles, was den Kölnern am Herzen liegt. Neben dem 1. FC Köln engagieren wir uns auch im Karneval, in der Kultur und bei Veranstaltungen wie Jeck im Sunnesching, dem Kölner Oktoberfest oder Viva Colonia. Darüber hinaus sind wir Partner der Kölschen Musik und den Bands Brings, Kasalla und Miljö. Nicht zu vergessen den „Liedgutbotschafter“ Björn Heuser, der seit 12 Jahren sehr eng mit dem Gaffel am Dom verbunden ist.

Gaffel ist eine regionale Brauerei, konkurriert aber mit nationalen Wettbewerbern im Kernabsatzgebiet. Wie sehen Sie die Zukunftschancen?

Heinrich Philipp Becker: Wir sind keiner internationalen Konzernführung verpflichtet, die ausschließlich renditeorientiert denkt. Das ist in vielerlei Hinsicht von Vorteil. Starke Marken mit regionaler Verwurzelung geben den Verbrauchern nicht nur in Krisenzeiten Sicherheit und Verlässlichkeit. In einem Markt, der von Konzentration und Globalisierung geprägt ist, bewahren wir uns unsere Eigenständigkeit und können flexibel auf die Marktanforderungen reagieren.

Gaffel | gaffel.de | facebook.com/Gaffel | instagram.com/gaffel_koelsch

+++ Das Interview wurde uns von Gaffel zur Verfügung gestellt. Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

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