Interview: Gaffel – Besonders Kölsch

Die Kölner Brauerei Gaffel hat jüngst mitgeteilt, dass das vergangene Jahr – wie bereits 2012 – ebenfalls wieder mit einem Rekord von mehr als 480.000 Hektolitern abgeschlossen wurde. Besonders die Fassbrause der Brauerei sorgte für positive Nachrichten: Im vergangenen Jahr legte das Kultgetränk um 4% zu und steuerte 18% zum Gesamtabsatz bei. Auch für 2014 hat man einiges geplant, in der vergangenen Woche wurde bereits das neue Karnevals-Partyfässchen vorgestellt.

Thomas Deloy, Geschäftsleitung Marketing und PR der Privatbrauerei Gaffel, spricht im Interview über die Brauerei, die Fassbrause sowie den regionalen Biermarkt.

Gaffel hat als erste Brauerei eine neue Fassbrause auf den Markt gebracht und ist Marktführer in diesem Segment. Was macht Sie so sicher, dass der Erfolg nachhaltig ist und keine negative Entwicklung nimmt?
Thomas Deloy: Als starke Kölschmarke haben wir mit Umsicht Gaffels Fassbrause konzipiert und gelauncht. Dass wir den Nerv der Zeit getroffen haben, macht uns stolz. Als wir im April 2010 starteten, war Gaffels Fassbrause eine sinnvolle Ergänzung unseres Sortiments. Wir können unsere Verwender nun den ganzen Tag begleiten. Tagsüber mit der alkoholfreien Gaffels Fassbrause und abends mit Gaffel Kölsch oder mit unserer neuen Innovation Gaffels Sonnhopfen. Nach fünf Monaten hatte Gaffels Fassbrause laut Mafo einen Bekanntheitsgrad von fast 44 Prozent. Die Marke wurde von uns nicht künstlich mit einem bombastischen Marketingetat aufgeblasen. Gaffels Fassbrause ist organisch gewachsen. Das ist ein Indikator für anhaltendes Wachstum. Wir bekommen vom Verbraucher zurückgespielt, dass der ausgezeichnete Geschmack ein Kaufimpuls ist. Der Gaumen entscheidet und nicht eine Mode, die bald wieder verschwindet. So sind wir als First Mover bei Gaffels Fassbrause von einem stetigen Wachstum in den nächsten Jahren überzeugt.

Fassbrausen schießen wie Pilze aus dem Boden. Ist diese Vielfalt Ihrer Meinung nach nicht der Anfang vom Ende?
Thomas Deloy: Das wird bei Nachahmerprodukten so sein, für uns gilt das nicht. Denn wir dürfen für uns in Anspruch nehmen, dass wir die neue Fassbrause als erste Brauerei auf den Markt brachten und als rheinisches Original mit Kultcharakter positionierten. Andere Brauereien haben den Erfolg erkannt und unser Produkt adaptiert, ohne die Wurzeln zu kennen und zu wissen, wo die Reise hingeht. Es ist bemerkenswert, dass wir trotz Nachahmer und Wetterkapriolen auch im vierten Jahr unseres Bestehens kräftig wachsen. In NRW hat Gaffels Fassbrause laut einer Erhebung von Nielsen einen Marktanteil von 52 Prozent, Veltins und Krombacher liegen bei 22,8 Prozent bzw. 20,2 Prozent.

Was unterscheidet Gaffels Fassbrausen von anderen Erfrischungsgetränken?
Thomas Deloy: Gaffels Fassbrause wurde als Getränk für aktive Menschen, die Wert auf Genuss und Lebensfreude legen, konzipiert. Sie ist Erfrischung pur, schmeckt hervorragend und bietet mit wertvollen Ingredienzien wie Vitamine, Mineralien einen Zusatznutzen. Der Bestandteil an Folsäure hat beispielsweise dazu geführt, dass viele schwangere Frauen zu Gaffels Fassbrause greifen. So schaffen wir einen optimalen Konsens zwischen Gesundheit und Genuss. Wir haben auf jeden Fall neue Zielgruppen, auch aus dem Bereich der Erfrischungsgetränke, erschlossen und erreichen nun den Verbraucher den ganzen Tag über. Man beginnt mit Gaffels Fassbrause und lässt den Tag mit Gaffel Kölsch oder unserem Hopfenbier Gaffels SonnenHopfen ausklingen. Mittlerweile wird Gaffels Fassbrause von einer breiten Bevölkerungsschicht getrunken: zu besonderen Anlässen wie beim Sport, in der Freizeit, bei Tagungen oder einfach als Ganztagesgetränk. Wir gewinnen also Käufer aus allen Bereichen.

Wie hoch ist der Anteil vom Gaffels Fassbrause am Gesamtergebnis der Brauerei?
Thomas Deloy: Im vergangenen Jahr haben wir mehr als 80.000 Hektoliter abgesetzt, das entspricht einen Zuwachs von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mittlerweile erzielen wir 15 Prozent unseres Umsatzes mit Gaffels Fassbrause. Das letzte Jahr lief für die Privatbrauerei Gaffel sehr erfreulich. In unserem Brauhaus Gaffel am Dom, das wir vor fünf Jahren eröffneten, konnten wir die Gästezahl 2012 um 15 Prozent steigern. Beim Absatz von Gaffel Kölsch mussten wir dem Trend des rückläufigen Bierkonsums entsprechend nur leichte Verluste hinnehmen. Gaffel bleibt aber weiterhin mit 30 Prozent Marktanteil die beliebteste Kölschmarke in der Gastronomie. Der Marktanteil im Handel stieg in den letzten Jahren von elf auf aktuell 15 Prozent. Unsere Familienbrauerei ist der zweitgrößte Kölsch-Anbieter und hat insgesamt einen Marktanteil von 21 Prozent.

Gaffel ist seit Jahrzehnten Kölsch-Marktführer in der Gastronomie. Wie festigt man diese Position?
Thomas Deloy: Wir verstehen uns als Dienstleister für die Gastronomie, unterstützen unterschiedliche Gastronomietypen und forcieren individuelle Maßnahmen. So werden wir den Anforderungen unserer Kunden gerecht. In den letzten Jahren haben wir moderne Gastro-Konzepte und neue Events etabliert. Dies ist ein Weg, mit dem wir junges Publikum gewinnen, die in neuen Bars und Kneipen, Musik, Kultur und Gaffel Kölsch vom Fass genießen. Erfreulicherweise erlebt das rheinische Brauhaus eine Renaissance, von der wir auch als Betreiber des Gaffel am Dom profitieren. Rheinische Gastronomiekonzepte wie die Ständige Vertretung überzeugen in ganz Deutschland. Unsere Gastro-Kultur ist beliebt, und darin steckt noch eine Menge Potential.

Was muss ein Kölsch bieten, um von der jungen Zielgruppe in der Gastronomie akzeptiert zu werden?
Thomas Deloy: Kölsch ist auch bei jungen Erwachsenen absolut akzeptiert. Das können wir als Marktführer der Kölsch-Gastronomie tagtäglich beobachten. Rund 70 Prozent der jungen Menschen trinken hier Kölsch vom Fass, denn Kölsch ist nicht nur ein Bier, sondern eine Lebenseinstellung. Flaschenbiere aus anderen Regionen werden zwar auch in der Szene getrunken. Doch in Köln und Umgebung stellt der Verzicht auf Kölsch für den Gastronom eine absolute Umsatzeinbuße dar. Aber man muss auf die Zielgruppe zugehen.

Unsere Tools reichen von gemeinsamer Konzeptentwicklung mit den Gastronomen, individueller Zielgruppen-Ansprache in den Objekten, Unterstützung junger Events, zielgruppenaffiner Angebote wie z. B. Klarglas-Flasche oder Szene-Glas bis hin zu einer individuellen Außenwerbelinie. Mit Gaffels Fassbrause und Gaffels SonnenHopfen haben wir zwei neue Produkte, die in der jungen Gastronomie stark nachgefragt werden und die wir auch in Fremdobjekten anbieten können. Weiterhin haben wir eigens für die junge Zielgruppe mit Gaffel 11 ein milderes Kölsch eingebraucht, das in der trendigen 0,5 Liter NRW-Flasche abgefüllt wird. Großen Wert legen wir auf das Design bei Gaffel 11. So hat sich das führende internationale Verpackungsportals „thedieline.com“ sowohl über das Etikett als auch unsere Retro-Flasche sehr lobend geäußert.

Köln und Kölsch ist im gesamten Bundesgebiet bekannt und beliebt. Der Markt konzentriert sich aber auf die Region. Suchen Sie Absatzmärkte auch außerhalb Ihres traditionellen Vertriebsgebietes?
Thomas Deloy: In der Tat ist unser Kernabsatzgebiet der Regierungsbezirk Köln. Hier sind wir zu Hause, kennen uns bestens aus und machen rund 90 Prozent unseres Absatzes. Durch Gaffels Fassbrause haben sich aber die Vertriebs- und Marketingaktivitäten verschoben. Wir sind jetzt beispielweise am Niederrhein, in Dortmund, Münster oder Westfalen präsent. Dort hat Gaffel Kölsch als Spezialität immer eine Rolle gespielt, aber nicht in der Masse. Dass Kölsch-Kultur Konjunktur hat, spüren wir in der Tat bei nationalen Gastronomie-Konzepten. An erster Stelle sind die Ständigen Vertretungen in Berlin, Bremen, Sylt und auch Köln zu nennen.

In Berlin wird Gaffel Kölsch in über 100 Gastro-Objekten ausgeschenkt. Eine Menge Potential steckt also in der rheinischen Schankwirtschaft. Auch im Ausland – z. B. in New York, Peking, aber auch den meisten EU-Ländern – wird gerne Gaffel Kölsch getrunken. Mittlerweile ist Gaffel außerhalb des Rheinlandes Synonym für die Sorte Kölsch und hat als einzige Kölschmarke eine nationale und internationale Bedeutung. Trotzt dieser positiven Entwicklung wollen wir aber eine regionale Marke bleiben. Regionalität ist aus unserer Sicht eine Stärke. Bier braucht Heimat, gerade in Köln, wo sich die Menschen stark über Kölsch und ganz besonders über ihre bevorzugte Marke identifizieren.

Mit welchen Marketingaktivitäten unterstützen Sie Ihre Stammmarke Gaffel Kölsch?
Thomas Deloy: Wir möchten die Marke emotional aufladen und sind mit dem der 1. FC Köln als Premiumpartner verbunden. In Köln ist der Verein bekanntermaßen ein höchst emotionales Thema. Wir positionieren uns als das Fan-Kölsch und nutzen eine breite Kommunikationsklaviatur. Zum Einsatz kommen beispielsweise FC-Partyfässchen, POS-Aktivitäten im Handel, Autogrammstunden mit den Kickern und Anzeigen mit Fußballbezug. Zudem sind wir Partner von Bayer 04 Leverkusen und unterstützen Fortuna Köln. Aber auch in der Kölner Kultur engagieren wir uns bei klassischer Musik in der Philharmonie, moderner Kunst im Museum Ludwig oder als Partner der Musikhochschule Köln, des Kölnischen Kunstvereins und der Oper. Wichtig ist für uns, dass wir als regionale Marke in der Region Präsenz zeigen.

Bei der Vermarktung spielt natürlich auch das Internet eine wichtigere Rolle, zunehmend auch Facebook. Die Themen Internet und Social Media haben wir schon früh besetzt. Folgerichtig sind wir in diesem Bereich Marktführer, was die Likes und Klicks angeht. Die klassische Werbung bleibt weiterhin im Fokus. Unsere VKF, die in den WM- und EM-Jahren immer Fußball zum Thema hat, wird gerade konzipiert. Kooperationen im Handel haben bei uns eine nicht unwesentliche Bedeutung. So arbeiten wir eng mit namhaften Unternehmen wie Germanwings zusammen und bieten spezielle Aktionen und Gewinnspiele an.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach der Biermarkt Deutschland in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entwickeln?
Thomas Deloy: Bei gleicher demographischer Entwicklung dürfte der Pro-Kopf- und absolute Verbrauch weiter sinken. Der Verdrängungswettbewerb wird stärker, die Konsolidierung in der Branche nimmt zu. Zu den Verlierern dürften kleine- und mittelständige Brauereien zählen, die nicht in Innovationen investieren wollen oder können. Anbieter von Spezialitäten wie Kölsch oder sogenannte Microbreweries, also kleine, feine Marken, werden vom zunehmenden Trend der Konsumenten profitieren, Vielfalt zu genießen. Wir haben wie bei der Fassbrause antizipiert und mit Gaffels SonnenHopfen ein neues Bier gebraut, das dem Wunsch nach Neuem Rechnung trägt.

gaffel.de | facebook.com/Gaffel

[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_cta_button2 style=“rounded“ txt_align=“left“ title=“Text auf der Schaltfläche“ btn_style=“rounded“ color=“blue“ size=“md“ position=“right“]Wir bedanken uns für das offene und sehr interessante Interview und wünschen Gaffel weiterhin viel Erfolg! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt![/vc_cta_button2][/vc_column][/vc_row]