Interview: 1337MATE – Die Nerd-Limonade

1337 ist ein Begriff aus der Nerd-, Hacker- und Internetszene. Soweit, so gut. Dass ein Getränk genau diesen Begriff als Namen trägt, ist da doch schon etwas ungewöhnlicher. Nicht umsonst aber ist 1337MATE als eine Art Nerd-Limonade gestartet. Mittlerweile hat sich die Zielgruppe des Erfrischungsgetränks auf Mate-Tee-Basis um Künstler, Grafiker und Musiker erweitert. Das spiegelt sich auch in den selbst kreierten Etiketten-Designs einer jeden Abfüllung wider.

about-drinks sprach mit den drei Geschäftsführern Daniel Plötz, Claudius Holler sowie Torben Pantel, über das Getränk, Ziele und Pläne sowie die Zielgruppe der „Nerds“.

Zuerst die wichtigste Frage: Worum handelt es sich bei 1337MATE?
Daniel Plötz: 1337MATE ist eine koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk auf Mate-Tee-Basis. Es setzt sich aus aufgebrühter Mate, Wasser, Zucker, Zitronensaft, Koffein und Guarana zusammen. Es schmeckt herb-fruchtig und macht wach.

Sie kommen ursprünglich aus einer Werbeagentur. Wie haben Sie den Weg in die Getränkebranche gefunden?
Daniel Plötz: Wir arbeiteten seit 2004 in unterschiedlichen Projekten. Viele davon im Marketing und Werbebereich. Wie die Branche es so mit sich bringt, eilten wir von Auftrag zu Auftrag, um fortbestehen zu können. Wir entschieden uns des Öfteren dagegen, richtig groß zu werden, da uns die meisten Beispiele großer Agenturen oft abschreckten. Wir begannen mit technischen und grafischen Dienstleistungen. Je länger wir im Geschäft waren, desto mehr verlagerten sich unsere Schwerpunkte auf Konzeption, Marketing und Kommunikation. Oft hatten wir das Problem, dass Konzepte vom Kunden zwar gelobt wurden, diese aber trotzdem nicht umgesetzt wurden, weil sie zu radikal oder offen für die jeweilige Marke waren. Wir überlegten immer wieder, wie wir dem Hamsterrad entfliehen konnten und hatten immer Lust auf ein eigenes Produkt. Da wir selbst Mate-Junkies waren, lag dieser Schritt eines Tages also nah.

Es war im Mai 2010. Ein Blogger erhielt damals eine Abmahnung für eine Foto-Collage, welche er in seinem Blog gepostet hatte. Zu sehen war eine Kombination aus dem Blumenstrauß-Werfer von Banksy und einer bekannten Mate-Flasche. Wir waren erschrocken darüber, dass die Hauptzielgruppe von Mate so angegangen wird und waren gleichzeitig mal wieder von einem Kundenauftrag frustriert. Mit der befreundeten Marke Flora Power machten wir also aus, dass wir vier Paletten Flora Power mit eigenem Konzept versehen durften. Dies taten wir dann auch und eins kam zum anderen. Aus 4 Paletten wurden viel schneller als erwartet 15 weitere. Und kurze Zeit später 30 …

1337MATE bzw. LEETMATE? Was hat es mit dem Namen auf sich? Wofür steht der Code 1337?
Claudius Holler: 1337 ist ein Begriff aus der Nerd-, Hacker- und einer speziellen Internetszene. Die Zahl existiert schon seit den 80er Jahren und entstand zu einer Zeit, in der an Konsolen teilweise nicht mit Buchstaben getippt werden konnte oder wollte. Buchstaben wurden in optisch ähnliche Ziffern und Sonderzeichen übersetzt. 1 steht für ein L. Die 3 für ein E und die 7 für ein T. Diese Kombinationen sehen sich jeweils ähnlich. Das Wort 1337 (LEET) stammt von dem Wort Elite ab. Es war ursprünglich unser erster Gedanke zu einer Mate, welche sich genau an die größte Trinkerschaft dieses Getränks richtet: Nerds, Hacker etc. Nachdem dieser Arbeitstitel plötzlich gefeiert wurde, behielten wir ihn gerne bei, er passt auch am besten zu der grün-schwarzen Kombination, welche ebenfalls an alte Monochrom-Monitore erinnern soll.
LEETMATE war zwischenzeitig auf Etiketten zu finden, damit auch Getränkehändler, welche sich mit der Szene nicht auskennen, wissen, worum es geht. Diese Übersetzung stellten wir bei den neuen Abfüllungen ein. Wir werden nach und nach nur noch mit 1337MATE kommunizieren. Das sind wir.

Es gibt bei Ihrem Produkt verschieden Etiketten. Haben die alle eine besondere Bedeutung?
Claudius Holler: Ja. Von der ersten Abfüllung 2010 an haben wir bei jeder Abfüllung unterschiedliche Motive. Diese wurden teilweise von uns, hauptsächlich aber von externen Künstlern und Grafikern erstellt. Aus allen bisherigen Abfüllungen existieren also bisher schon ca. 35 unterschiedliche Motive. Teilweise sammeln die Leute diese sogar. Vorgaben machen wir den Künstlern keine. Lediglich im Format. Es muss quadratisch und zweifarbig sein, damit wir es in grün-schwarz einfärben können.

Handelt es sich bei dem Produkt denn um eine „Nerd-Limonade“? Ist das die Zielgruppe, die Sie erreichen wollen?
Claudius Holler: Das war die ursprüngliche Zielgruppe und die meiste Kommunikation richtet sich auch noch genau an diese Zielgruppe. Allerdings hat sie sich mittlerweile stark erweitert. Künstler, Grafiker und Musiker sind dazu gestoßen. Dies liegt unter anderem daran, dass wir bei jeder Abfüllung Künstlern und Grafikern die Möglichkeit geben, ein Etikettmotiv frei zu gestalten. Bei der aktuellen Abfüllung haben wir 16 unterschiedliche Motive auf den Etiketten.
Weitere Zielgruppen ergaben sich durch Veranstaltungen, auf denen wir mittlerweile erhältlich sind. Außerdem ist der Begriff „Nerd“ sehr dehnbar. So erreichen wir derzeit erste Fahrradnerds, Spezialisten aus besonderen Sportarten etc.

Würden Sie sich selbst ebenfalls als Nerds beschreiben?
Daniel Plötz: Definitiv ja. Keine Widerrede. Zwar nicht in dem typischen Keller-Klischee, aber diese Nerds sind mittlerweile tatsächlich immer seltener anzutreffen! ;-)

Über welche Distributionswege wird 1337MATE vermarktet?
Torben Pantel: Zum einen gibt es immer die Möglichkeit, online einen Karton mit 1337MATE zu bestellen, zum anderen bauen wir aber auch unser klassisches Händlernetz weiter aus. Wir sind dabei schon bis nach Polen, Österreich und in die Schweiz vorgedrungen.

Wie groß ist das Händlernetz in Deutschland denn schon? Wollen Sie dieses noch weiter ausbauen?
Torben Pantel: Wir sind zwar bisher nicht in größeren Ketten erhältlich, aber wir können quasi jeden Händler innerhalb von zwei Tagen mit einer Palette 1337MATE versorgen. Am liebsten über einen Großhändler in dem jeweiligen Gebiet. Solche Großhändler decken derzeit den kompletten Hamburger und Berliner Raum ab. Auch komplett NRW ist abgedeckt. In Hannover, München, Bern und bald Wien und Graz sind wir ebenfalls zu finden. Dieses Händlernetz weiter aufzubauen, ist unsere Hauptaufgabe. Wichtig ist uns hierbei, unserem Stil treu zu bleiben. Wir wollen nicht um jeden Preis in den Handel. So gibt es „No-Go“-Händler und auch Listungsgebühren werden wir nicht zahlen. Wir kommunizieren sehr stark direkt mit dem Endkonsumenten. Dies unterscheidet uns von vielen anderen Herstellern. Der normale Weg in der Branche ist von oben nach unten. Der Hersteller stellt Ware zum Großhandel. Oft gegen Freiware oder Listungsgebühren. Dann wird viel Werbung betrieben und die Großhändler vertreiben an Einzelhändler und alle hoffen, dass Endkunden die Werbung gut finden und in den Laden gehen und kaufen. Wir drehten diesen Weg um. Gar nicht bewusst. Es entstand eher aus unserer anfänglichen Naivität. Wir kommunizieren mit den Endkunden. Diese wollen uns trinken, fragen den Händler ihres Vertrauens und dieser bezieht über uns oder den Großhändler die Ware. Die angeforderte Ware hat also bereits seine Käufer und es müssen keine Listungsgebühren, Plakatkosten oder ähnliches auf Endkunden umgelegt werden.

Definitiv wollen wir unser Netzwerk weiter ausbauen und sind laufend auf der Suche nach guten Händlern und Großhändlern, Gastros und Endkunden. Hierbei wollen wir nicht nur in Deutschland bleiben und planen derzeit erste Händler in Holland und Dänemark zu beliefern. Selbst ein Weg nach Rumänien wird bereits aufgebaut und irgendwann in Zukunft würde uns auch ein Sprung über den Atlantik reizen. Das ist aber Zukunftsmusik. Wobei es auch hier bereits Anfragen gab.

Welche Kommunikationsmaßnahmen nutzen Sie bei der Vermarktung des Produkts? Was machen Sie als internetaffine Getränkehersteller im Bereich Social Media?
Daniel Plötz: Wir kommunizieren derzeit ausschließlich über unsere Social-Media-Kanäle. Dies taten wir schon immer – Twitter, Facebook und unser Blog sind hierbei die Hauptbestandteile unserer Kommunikation. Der Hauptteil der direkten Kommunikation wird direkt per E-Mail oder Telefon geregelt. Schon zu unserer Zeit als Agentur bauten sich alle Konzepte auf dieser Kommunikationsart auf. Im Werbesprech stellten wir uns immer klar gegen teures, unserer Meinung sinnloses Push-Marketing. Plakatkampagnen, Fernsehwerbung, Radio-Spots etc. entsprechen ebenfalls nicht unserer Kommunikationsart. Diese Kosten müssen immer auf den Endkunden umgelegt werden und bringen diesem meist nichts. Diesen Weg halten wir für falsch. Direkte Kommunikation schafft die größte Transparenz. Das ist uns sehr wichtig.

Sie nehmen mit 1337MATE an einem Crowdfunding-Projekt teil. Können Sie unseren Lesern dazu etwas erzählen?
Torben Pantel: Ende 2012 starteten wir ein lang angelegtes Crowdfunding. Wir konnten mit der bisherigen 1337MATE nicht weiter machen, da die Nachfrage zu groß wurde und einige Strukturen zu kompliziert waren. Wir konnten dieses Projekt nicht mehr gegenfinanzieren und wollten es auch nicht mehr. Es ist uns so ans Herz gewachsen und sollte unsere Hauptaufgabe werden. Wir benötigten also Kapital. Fast das ganze Jahr 2012 war 1337MATE nur sporadisch erhältlich und wir strickten einen sehr umfangreichen Businessplan. Problem war, dass die meisten Crowdfundingplattformen nichts mit diesem „alten“ Business zu tun haben wollen. Bei den meisten geht es um Internet-Startups mit einer riesigen Gewinnchance.

Ein Getränk zu produzieren und einen Markt aufzubauen, ist ein langsames und solides Geschäft, wenn es funktioniert. In den seltensten Fällen ist es innerhalb von einigen Jahren zig Millionen Wert. Dies ist bei Internet-Startups in Einzelfällen anders. Ob nun gerechtfertigt oder nicht. So sieht der Markt derzeit aus. Es war also schwer, eine Plattform für unser Projekt zu finden. Wir schafften es aber letzten Endes, erreichten nach 8 Wochen unsere Fundingschwelle (70.000 Euro) und konnten endlich wieder mit unserem Projekt starten. Bis zum heutigen Tag haben 110 Investoren gut 165.000 Euro in uns investiert. Bei Erreichen der 250.000 Euro ist das Crowdfunding erreicht und der bisher geplante Businessplan kann vollständig umgesetzt werden. Darüber hinaus unterhalten wir uns derzeit auch gerne mit externen Business Angels oder anderen Investoren. Unser Crowdfunding wurde gestartet für einen stabilen Aufbau des deutschen Markts. Da nun aber immer mehr Anfragen von größeren Veranstaltungen und aus dem Ausland kommen, müssen wir für die Zukunft planen und ggf. Anschlussfinanzierungen organisieren. Wir müssen hier nichts überstürzen, aber bei aktuellen Entwicklungen kann es nicht schaden, für die Zukunft zu planen.

Was sind Ihre Pläne und Ziele für die Zukunft. Wo sehen Sie 1337MATE in ein paar Jahren?
Daniel Plötz: Zu allererst sind wir auf der Suche nach Investoren für unser Crowdfunding. In dieser Branche muss man an vielen Stellen (Leergut, Speditionen, Grundstoff etc.) in Vorleistung gehen. Dies benötigt Kapital. Somit ist Kapital ein wichtiger Baustein. Des Weiteren machen wir mit dem weiter, was wir tun. Wir bauen einen stabilen Markt in Deutschland und ebenfalls unsere Struktur auf. Onlineshop, Website, interne Organisation – dies sind alles laufende Baustellen. Generell kann man unsere Marke und unser Produkt als „permanent Beta“ bezeichnen. So ist eventuell auch noch ein kleiner Feinschliff des Rezeptes notwendig. Dies machen wir vom Feedback unserer Endkunden abhängig.

In ein paar Jahren wird 1337MATE in ganz Deutschland gut zu erhalten sein. Auch angrenzende Länder wie Östereich, Schweiz, Polen, Holland und Frankreich sollen 1337MATE verkaufen. Ein mittelfristiges Ziel ist außerdem der skandinavische und englische Markt. Langfristig wäre es natürlich fantastisch, den Sprung über den Atlantik zu schaffen und im Silicon Valley, New York oder aber in den Mutterländern von Yerba-Mate (Brasilien und auch Argentinien) Fuß zu fassen. Aber nun erst einmal Schritt für Schritt nach vorne.

[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_cta_button2 style=“rounded“ txt_align=“left“ title=“Text auf der Schaltfläche“ btn_style=“rounded“ color=“blue“ size=“md“ position=“right“]Wir bedanken uns für das offene und sehr interessante Interview und wünschen 1337MATE weiterhin viel Erfolg! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt![/vc_cta_button2][/vc_column][/vc_row]

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