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Öffnungsperspektive Gastgewerbe

DEHOGA NRW: Nur 15% werden sicher ihre Terrassen öffnen

Ab 22. März kann es theoretisch wieder losgehen mit dem Terrassengeschäft. Aber nur 15 Prozent der Gastronomen werden ihre Außengastronomie nach einer DEHOGA-Umfrage unter den neuen Bedingungen sicher öffnen.

Enttäuschung und Frust herrschen im nordrhein-westfälischen Gastgewerbe nach dem letzten Bund-Länder-Beschluss weiterhin vor, weil eine Öffnungsperspektive für das Gastgewerbe bis auf den Bereich der Außengastronomie immer noch fehlt. Das Gefühl in der Branche besteht fort, dass keine Strategie existiert, wichtige Voraussetzungen für Öffnungsszenarien zu erfüllen, indem man zum Beispiel das Impfen und Testen beschleunigt. Rund 88 Prozent bewerteten die Beschlüsse vom 3. März dementsprechend als schlecht bis katastrophal für die Branche.

„Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen, weil die Voraussetzungen für eine verlässliche Öffnungsperspektive immer noch fehlen. Wir impfen zu langsam und zu wenig, wir haben keine Teststrategie und wissen nicht, ob wir genügend Tests haben und wir reden jetzt über die Digitalisierung der Kontaktdatennachverfolgung, die wir seit mehr als einem halben Jahr fordern. Wir haben alles in unseren Betrieben umgesetzt, was möglich ist und bekommen im Gegenzug eine vage Perspektive für die Außengastronomie. Das ist zu wenig“, kritisiert Bernd Niemeier, Präsident des DEHOGA Nordrhein-Westfalen und verweist gleichzeitig darauf, dass an einer Öffnung um jeden Preis die Branche kein Interesse hat: „Öffnen, um zeitnah zu schließen, wäre der Super-Gau für die Branche, aber es fühlt sich heute leider wie vor einem Jahr, als die Pandemie gerade ausgebrochen war. Das kann nicht sein.“

Außengastronomie: kaum wirtschaftlich

Gerade einmal 15,3 Prozent der befragten Gastronomen wollen ihre Terrassen und Biergärten unter den jetzt vorliegenden Voraussetzungen – stabile Inzidenz unter 50 bzw. mit Terminbuchung und Dokumentation bis 100 – öffnen. 34,1 Prozent werden gar nicht öffnen, 31,5 Prozent sind noch unsicher. Der Rest verfügt über kein außengastronomisches Angebot. „Die Unsicherheit ist mit Händen zu greifen, wie Außengastronomie im wechselhaften Übergang von Winter zu Frühling funktionieren soll, wenn die Räumlichkeiten innen unbenutzt bleiben müssen. Zum Beispiel, wenn es regnet“, beschreibt Niemeier die Schwierigkeiten, vor denen Gastronomen bei einer einseitigen Öffnung stehen werden. Zudem bereitet vielen Gastronomen die Wirtschaftlichkeit Kopfzerbrechen. Nur 3,3 Prozent geben an, dass mit der Außengastronomie allein ihr Betrieb wirtschaftlich geführt werden kann. „Wir wollen einerseits jede Möglichkeit zur Öffnung nutzen, wollen andererseits aber unsere wirtschaftliche Situation nicht noch weiter verschlechtern, weil wir unter wirtschaftlich haltlosen Bedingungen geöffnet haben“, so Niemeier.

Tests nicht in den Betrieben

Beim Umgang mit Tests fordert der DEHOGA Nordrhein-Westfalen weiterhin ein Konzept mit flächendeckenden und kostenlosen Tests, die aber außerhalb der Betriebe durchgeführt werden müssen. Zu der Frage, ob auch in Restaurants, Hotels oder Diskotheken im Rahmen einer Öffnungsstrategie für das gesamte Gastgewerbe getestet werden könnte, sagt Niemeier: „Freiwillig gerne, aber nur da, wo es geht“.

Die Branche schwankt zwischen Zustimmung und Skepsis bei der Frage, ob geimpfte oder getestete Personen wieder mehr Freiheiten zurückbekommen sollen, indem sie einen digitalen Nachweis dafür erbringen. Rund 40 Prozent können sich für solche Personengruppen wieder mehr Freiheiten vorstellen, ein Prozent weniger bewertet die Einführung eines digitalen Nachweises skeptisch. Niemeier kann die Zweifel nachvollziehen: „Wir haben über „Impfprivilegien“ gesprochen, als noch keiner geimpft war, wir reden über eine „Green Card“ und haben noch keine Teststrategie, geschweige denn die Sicherheit, was ein solches Verfahren für uns bedeuten würde. Gebt uns ein Konzept, dann werden wir die Letzten sein, die sich nicht einbringen werden“, so Niemeier.

Digitale Kontaktdatennachverfolgung: Hohe „Einsatzbereitschaft“

Mehr als 84 Prozent der teilnehmenden Gastronomen und Hoteliers können sich den Einsatz digitaler Lösungen zur Kontaktdatennachverfolgung in ihrem Betrieb vorstellen, wenn sich dadurch die Öffnungsperspektiven verbessern. „Wir machen seit Monaten positive Erfahrungen mit dem Einsatz digitaler Lösungen und warten nur darauf, dass es endlich Schnittstellen zu den Gesundheitsämtern gibt, damit durch den Austausch ein wirklicher Mehrwert für die Pandemiebekämpfung entsteht“, unterstreicht Niemeier und fordert auch hier mehr Tempo bei der Umsetzung.

Staatliche Unterstützung bleiben mehr als notwendig

Vor dem Hintergrund der fehlenden bzw. nur in kleinen Teilbereichen vorgesehenen Öffnungsperspektive und der absehbar äußerst geringen Umsätze im Gastgewerbe bedarf es weiterhin staatlicher Entschädigungsleistungen: „Wir erbringen immer noch ein Sonderopfer für die gesamte Gesellschaft, indem wir geschlossen bleiben, damit andere gesellschaftliche und wirtschaftliche Bereiche geöffnet sein können. Deshalb ist es mehr als angemessen, die Branche weiter zu entschädigen. Das bedeutet konkret, die Fixkosten zu 100 Prozent zu erstatten, alle gastgewerblichen Unternehmen in die Hilfen miteinzubeziehen, den Härtefallfonds zu konkretisieren und einen fairen Unternehmerlohn zu zahlen“, beschreibt Niemeier die Forderungen der Branche.

Der DEHOGA hatte bundesweit Anfang März eine Kurzumfrage durchgeführt, an der sich 936 Gastronomen und Hoteliers aus NRW beteiligten.

Quelle: DEHOGA Nordrhein-Westfalen
Photo: ©iStockphoto | Nikada

 

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