Catharina Cramer: Als Frau in einer „Männer-Domäne“

Wenn man über Bier und Brauereien in Deutschland spricht, dann fällt unweigerlich auch immer der Name einer Frau: Catharina Cramer. Die smarte 36-Jährige ist seit dem Tod ihres Vaters Albert im November 2012 alleinige Chefin der WARSTEINER Brauerei und führt diese mittlerweile in der neunten Familien-Generation. Bereits 2006 stieg sie in das Unternehmen ein und ist seitdem selbst der beste Beweis dafür, dass man auch als Frau in dieser „Männer-Domäne“ mit Bravour bestehen kann.

about-drinks sprach mit Catharina Cramer, der geschäftsführenden Gesellschafterin der WARSTEINER Brauerei Haus Cramer KG, über ihren Job in der Bier-Branche, die neue Markenkampagne der Brauerei sowie die weiteren Pläne für dieses Jahr.

Frau Cramer, Sie sind die geschäftsführende Gesellschafterin der WARSTEINER Brauerei. Wie muss man sich einen Arbeitstag bei Ihnen vorstellen?
Catharina Cramer: Ich führe das Unternehmen in 9. Generation und sehe meine wichtigste Aufgabe darin, es einmal gesund an die 10. Generation übergeben zu können. Ich bin täglich in der Firma und mein Arbeitspensum ist eine echte Herausforderung. Dank der Unterstützung meiner Assistenten kann ich aber Beruf und Familie prima miteinander verbinden, zumal ich zum Glück schon immer sehr strukturiert gearbeitet habe. Wenn Feierabend ist, dann ist das die Zeit für meine Familie und Freunde. Abends zu Hause sitze ich auch nicht mehr über meinen E-Mails.

War es von klein auf Ihr Ziel bzw. Wunsch, einmal das Familienunternehmen zu leiten, oder ist der Wunsch erst im Laufe der Zeit gekommen?
Catharina Cramer: Ich erinnere mich gerne an meine Kindheit und glaube auch, dass mich die Begeisterung für unsere Mitarbeiter schon sehr früh an das Unternehmen gebunden hat. Allerdings war ich auch immer der Überzeugung, dass eine meiner älteren Schwestern das Unternehmen irgendwann leiten würde. Doch dann stellte sich heraus, dass beide Schwestern andere Pläne für ihre beruflichen Laufbahnen verfolgen würden. Da fragten mich meine Eltern dann, ob ich mir vorstellen könnte, in das Unternehmen einzusteigen. Ich war sehr überrascht und zunächst etwas unsicher, ob ich einer solchen großen Aufgabe gewachsen sei. Nachdem ich aber feststellte, dass auch meine Schwestern mich bei dieser Aufgabe voll unterstützen würden, war mir klar: Ich stelle mich der Herausforderung.

Wie sah Ihr Weg vom Studium in London bis hin zum Einstieg in das Unternehmen aus?
Catharina Cramer: Nach der Schule studierte ich in London International Business. Und auch in Madrid und Paris durfte ich einige Zeit verbringen und mir dort viele Unternehmen anschauen. Nach ersten Berufserfahrungen bei einem internationalen Markenartikelunternehmen stieg ich dann ganz in unser Familienunternehmen ein, und ich muss immer wieder feststellen, dass dies genau die richtige Entscheidung für mich war. Durch meine Arbeit lerne ich viele interessante Menschen kennen, kann Dinge bewegen und bleibe trotz allem meiner Familie ganz nah, in der ich mich wunderbar aufgehoben fühle.

War es zu Beginn schwer, als Frau in der Bierbranche Anerkennung zu finden?
Catharina Cramer: Mein Vater hat mich in die Arbeit sehr behutsam eingeführt. Die Befürchtung, als junge Frau in einer männerdominierten Welt zu bestehen, hatte ich nicht, denn die Mitarbeiter konnten sich noch an mich als kleines Mädchen erinnern und mochten mich. Sicher war es für viele Mitarbeiter auch beruhigend zu wissen, dass das Unternehmen in unserer Familie bleiben würde, schließlich haben wir Mitarbeiter, die mittlerweile in der 5. Generation bei WARSTEINER angestellt sind.

Glauben Sie, dass die WARSTEINER Brauerei mittlerweile bereits Ihre „Handschrift“ trägt?
Catharina Cramer: Grundlegend hat sich nach dem Tod meines Vaters nicht viel verändert, denn mein Vater war sehr emotional und ein Macher so wie ich auch. Ich bin froh, dass ich ihm so ähnlich bin, dieselbe Passion habe und hartnäckig sein kann, wenn es darum geht, Ideen zu realisieren und Innovationen voranzutreiben. Sein Erfolgsgeheimnis war es, amerikanisches Konzern-Marketing mit dem Charme eines deutschen Familienbetriebs zu verbinden. Und dieses Marketing-Gen habe ich von ihm geerbt.

Halten Sie diese Branche dennoch für eine „Männer-Domäne“?
Catharina Cramer: In der männerdominierten Bierbranche als Frau zu bestehen, empfinde ich nicht als schwer. Historisch gesehen sind Bierbrauen und Brotbacken ja sowieso Frauensache gewesen, bis die Männer merkten, dass man damit Geld verdienen kann. Auch meine Großmutter hatte einige Zeit das Geschäft übernommen, als mein Großvater gesundheitlich eingeschränkt war. Wir sind sehr stolz darauf, dass die Brauerei seit 1753 ausschließlich von Mitgliedern unserer Familie geführt wird.

Wie stehen Sie zu der Frauenquote? Wie wird das bei WARSTEINER gehandhabt?
Catharina Cramer: Ich glaube, dass ein Geschlechter-Mix, der sich aus Neigung, Talent und Leistung der einzelnen Persönlichkeiten aus Alt und Jung zusammenstellen lässt, eine sehr praktikable und effiziente Lösung für die Besetzung von Führungspositionen ist. Die Qualifikation ist entscheidend. Quoten als Selbstverpflichtung und deren Erfüllung halte ich für weniger sinnvoll, gerade auch für uns als Mittelständler. Außerdem ist es ohnehin nicht einfach, Mitarbeiter nach Warstein zu bekommen.

Zur Brauerei selbst: In diesem Jahr haben Sie das Logo und den Slogan der Brauerei geändert, zuletzt ist die neue Markenkampagne gestartet. Ist 2014 das Jahr der Veränderungen?
Catharina Cramer: Hinter der Entwicklung und Produktion unserer neuen Kampagne stecken 19 Monate intensive Arbeit und hohe Kosten. Da kann man sich vorstellen, dass solche Veränderungen nicht Jahr für Jahr stattfinden, zumal eine gewisse Kontinuität in der Markenkommunikation ohnehin von Bedeutung ist. Unsere Maxime „Tradition durch Innovation“ hat uns seit vielen Jahrzehnten in der deutschen Brauindustrie große Erfolge beschert, und das nicht nur in der Technik, sondern auch bei unserem Produktportfolio und in der Kommunikation. In diesem Jahr haben wir mit WARSTEINER Herb Alkoholfrei und dem Saisonprodukt WARSTEINER Ginger bereits zwei neue Produkte auf den Markt gebracht, und im letzten Jahr konnten wir durch die Einführung von WARSTEINER Herb neue Verbraucher für unsere Produkte gewinnen. Veränderungen finden also jedes Jahr bei uns statt.

Gibt es denn noch weitere große Pläne, die für dieses Jahr anstehen? Wenn ja, wie sehen diese aus?
Catharina Cramer: Wir sind stolz darauf, in diesem Jahr unseren ersten Nachhaltigkeitsbericht der WARSTEINER Brauerei veröffentlichen zu können. Ein Projekt, das die ökonomischen, ökologischen und sozialen Leistungen unseres Unternehmens für den Zeitraum 2008 bis 2012 transparent abbildet. Über weitere geplante Innovationen möchten wir erst dann informieren, wenn sie zum Tragen kommen. Vor dem Hintergrund des Wettbewerbs ist das doch nachvollziehbar.

Zum Schluss noch einmal zurück zu Ihnen: Trinken Sie eigentlich zuhause auch Bier oder bevorzugen Sie andere Getränke bzw. Drinks? ;-)
Catharina Cramer: Natürlich trinke ich auch zu Hause oder am Abend zusammen mit Freunden gern Bier, am liebsten unseren Klassiker WARSTEINER Premium Verum.

WARSTEINER | warsteiner.de | warsteiner-gruppe.de | facebook.com/Warsteiner

[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_cta_button2 style=“rounded“ txt_align=“left“ title=“Text auf der Schaltfläche“ btn_style=“rounded“ color=“blue“ size=“md“ position=“right“]Wir bedanken uns für das offene und sehr interessante Interview und wünschen Catharina Cramer sowie der WARSTEINER Brauerei weiterhin viel Erfolg! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt![/vc_cta_button2][/vc_column][/vc_row]

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