Teaser Wayfarer Distillery

Wayfarer Distillery: Benedikt Brauers kreiert aromatische Erinnerungen an Orte und Regionen

Fotos und Videos erinnern die meisten Menschen an ihre schönsten Urlaube. Andere besitzen Souvenirs der Orte, die sie bereist haben. Benedikt Brauers verarbeitet seine Erinnerungen an bestimmte Orte und Regionen, die er besucht hat, in Destillaten. Im Mittelpunkt stehen jeweils charakteristische Zutaten, Düfte und Aromen, die zudem auch das Lebensgefühl der Menschen vor Ort widerspiegeln sollen. Daher trägt seine Destillerie, die er 2014 – nach der Kündigung seines Vollzeitjobs – gründete, auch den passenden Namen „Wayfarer“, was im Deutschen so viel wie „Reisender“ oder „Wanderer“ bedeutet.

about-drinks sprach mit Benedikt Brauers, Gründer und Inhaber der Wayfarer Distillery, über seinen Ausstieg aus dem Job, die Gründung der Destillerie sowie sein erstes Produkt, den Gin „Destination: Provence“.

2014 begann die Geschichte der Wayfarer Distillery – und zwar mit Ihrem Ausstieg aus dem Job. Warum?
Benedikt Brauers: Es war wohl ein schlummernder Traum von mir. Jedenfalls habe ich mich schon zu Studentenzeiten intensiv mit Spirituosen befasst. Und das nicht nur aufgrund der berauschenden Wirkung, wie manch einer jetzt meinen könnte.

In meiner Heimatstadt Bonn gab es damals (fast) nur Bars, die Cocktails mit Tetrapack-Säften und Discounter-Vodkas mischten. Ich fing daher irgendwann an, von jeder Reise und jedem Kurztrip immer die interessantesten Gins und Rums, die ich finden konnte, nach Hause mitzubringen. Meine Freunde standen dann spätestens am nächsten Samstagabend wieder vor meiner Tür und freuten sich darauf, die neuen Drinks zu probieren.

Irgendwann war ich so tief in die Welt der feinen Destillate eingetaucht, dass ich bei einer öffentlichen Führung durch eine Brennerei anfing, intensive Fachdiskussionen mit dem Personal zu führen. Die restlichen Leute in der Gruppe beschwerten sich jedenfalls irgendwann, dass sie inhaltlich nicht mehr folgen könnten.

Wie das so ist, fing ich dann auch an, mir auszumalen, wie es wäre, selbst Schnaps zu brennen in einer eigenen Destillerie. Aber mehr als ein Hirngespinst war es erstmal nicht. Nach dem Studium landete ich also in einem Bürojob und die Geschichte wäre damit wohl zu Ende, wenn mein damaliger Arbeitgeber nicht irgendwann in unruhige Fahrwasser geraten wäre.

Jedenfalls überlegte ich, wie es weitergehen soll, und da kam der Traum zurück. Nur diesmal setzte ich mich ernsthaft mit all den Unwägbarkeiten auseinander und war trotzdem naiv genug, um Anfang 2014 zu kündigen und mich mit voller Kraft ins Abenteuer zu stürzen. Denn eins stand für mich fest: Wenn ich meinem Traum vom Schnapsbrennen folge, dann komplett nach meinen Vorstellungen in einer eigenen kleinen Destillerie und nicht irgendwie nebenher, nur weil es gerade in ist. Es hat dann auch über zweieinhalb Jahre bis Ende August 2016 gedauert, bis ich meine erste Flasche verkaufen konnte.

Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie als kleines Brennerei-Start-up denn in diesem kompetitiven Marktumfeld?
Benedikt Brauers: Im Vergleich zu bereits erwähnten Retortenprodukten, ist es für uns natürlich viel schwieriger, schnell einen hohen Bekanntheitsgrad zu erlangen. Während sich manch ein Wettbewerber voll und ganz dem Marketing und der Akquise widmen kann, muss ich halt neben administrativem Kram auch die komplette Fertigung stemmen. Wenn dann eine Woche vergeht, in der die Tage in der Brennerei lang wurden, kommen (wirtschaftlich) wichtige Sachen doch zu kurz.

Daher wäre es sicher interessant, einen Partner zu finden, der vielleicht schon ein gutes Netzwerk in passenden Teilen der Branche hat und mit dem man sich ergänzen könnte. Ich sehe meine Kernkompetenzen in der Destillerie und beim persönlichen Kontakt mit Kunden. Aufbau und Pflege eines gesunden Vertriebs von Null auf ist nebenher sehr mühsam.

Woher kommt der Name „Wayfarer“?
Benedikt Brauers: „Wayfarer“ kommt aus dem spätmittelalterlichen Englisch und bedeutet in etwa „Reisender“ oder „Wanderer“. Ich kreiere Destillate als eine aromatische Erinnerung an bestimmte Orte und Regionen, die ich bereist habe. Im Mittelpunkt stehen jeweils charakteristische Zutaten, Düfte und Aromen, die auch das Lebensgefühl der Menschen vor Ort widerspiegeln sollen.

Der Gin „Destination: Provence“ ist das erste Destillat – also inspiriert von der Provence?!
Benedikt Brauers: Ja, im April 2011 lernte ich Inga kennen und im folgenden Sommer verbrachten wir unseren ersten gemeinsamen Urlaub in der Provence. Wir tourten durch die verschiedenen kleinen Örtchen, übernachteten in einfachen Chambres d’hôtes direkt bei Einheimischen zuhause und tauchten in das mediterrane Flair ein.

Die Provence ist reich an Kultur und berühmt für die südfranzösische Mentalität das Leben in vollen Zügen zu genießen. Besonders in den sonnenreichen, aber nicht zu heißen Hochlagen der Provence gedeihen viele Heil- und Aromapflanzen, die sowohl in der typischen Küche als auch in der Parfümerie Anwendung finden. Die wunderschönen Landschaften bieten also viel Inspiration – nicht nur für einen Schnapsbrenner.

Welche Besonderheiten weist der Gin im Gegensatz zu anderen Produkten auf?
Benedikt Brauers: In aromatischer Hinsicht zeichnet „Destination: Provence“ aus, dass die zwölf verschiedenen Zutaten auch im fertigen Gin jeweils wiedererkennbar bleiben. Jede einzelne spricht einen bestimmten Moment der geschmacklichen Wahrnehmung an. Lavendel, Zitronenverbene und Limonenschalen prägen am stärksten das Bouquet, während die typisch provenzalischen Kräuter, wie frischer Thymian und Rosmarin ihr Aroma erst am Gaumen entfalten. Der mediterrane Wacholder, in der Provence übrigens „Cade“ genannt, sorgt im Zusammenspiel mit französischen Mandeln für einen trockenen, weichen und ausdauernden Abgang.

Daneben betone ich gerne, dass „Destination: Provence“ ein ehrlicher handgemachter Gin aus einer eigenen kleinen Destillerie ist und die Menschen, die den Gin in ihrem Namen verkaufen, auch diejenigen sind, die die Zutaten auswählen, das Destillat brennen und die Flaschen abfüllen, etikettieren und verschicken. Jeder ist herzlich eingeladen, uns bei Köln zu besuchen und hinter die Kulissen zu schauen, um sich selbst einen Eindruck von der Arbeit zu machen, die wir in jeden Tropfen stecken.

Aber klar, es wäre sicher einfacher gewesen, ebenfalls den Weg der vielen neuen Retortenprodukte zu gehen und mir schnell eine coole, am besten noch hyperlokale, Marketingstory auszudenken. Der Gin käme dann aus einer beliebigen Großbrennerei, die einen billigen Preis anbietet und schnell in hohe Stückzahlen skalieren kann. Aber wie kann man dann noch behaupten, es handle sich um ein „handcrafted“ Produkt in „small batches“ mit viel Herzblut, wenn man das Wesentliche – und das ist nun mal die Fertigung des Destillats an sich – outsourced? Das kam für mich nicht in Frage.

Auch das Design der Flasche ist ungewöhnlich. Beschreiben Sie es uns!
Benedikt Brauers: Hinsichtlich der Gestaltung ging es uns darum, auch optisch zu vermitteln, wofür Wayfarer steht. Der Name selbst ist mit großen weißen Lettern auf allen Seiten des ansonsten klaren Flakons verteilt und daher im ersten Moment nicht direkt zu erkennen. Der Betrachter muss die Flasche also erst einmal in die Hand nehmen und sich damit beschäftigen. Ebenso soll er es ja später mit dem Inhalt machen, den Gin genießen sowie die Aromen entdecken.

Dazu hängt an jeder Flasche ein Anhänger aus wertiger Kartonage in einer zur jeweiligen Destination passenden Farbgebung. Im Falle von „Destination: Provence“ ist dieser im Lavendelton gehalten und mit sich abwechselnden Erinnerungen und Impressionen von unserer ersten Reise dorthin bedruckt. Es geht darum, die kleinen Örtchen vorzustellen, von der schönen Landschaft zu erzählen und das provenzalische Lebensgefühl zu vermitteln. Jeder kann sich in die beschriebenen Tage hineinversetzen und bekommt ein wenig Fernweh.

Insgesamt ist es ein sehr reduziertes und zeitloses Design, das bewusst, auch durch den Verzicht auf die üblichen Begrifflichkeiten, mit Klischees und Standards der Spirituosenbranche bricht.

Über welche Distributionswege wird der Gin vermarktet?
Benedikt Brauers: Natürlich unter anderem über unseren eigene Onlineshop. Ansonsten bin ich fleißig auf der Suche nach passenden, vor allem auch stationären, Einzelhändlern. Bevorzugt sind das Geschäfte mit einem sehr guten und hochwertigen Sortiment gepaart mit kompetenter Kundenberatung. Das können z.B. auch Concept Stores mit einem gemischten Angebot sein, solange der Fokus auf besondere Produkte mit hoher Qualität abseits der industriellen Masse gerichtet ist.

Daneben ziele ich auf die gehobene Gastronomie und Hotels ab. Auch hier ist mir wichtig, dass eine kompetente Beratung stattfindet und z.B. der Bartender oder Kellner auch genau weiß, was er seinem Gast empfiehlt.

Welche Kommunikationsmaßnahmen nutzen Sie bei der Vermarktung?
Benedikt Brauers: Da mein Budget sehr eng ist, sind großflächige Anzeigen natürlich nicht möglich. Wir bespielen die sozialen Netzwerke wie Facebook und Instagram mit Einblicken aus dem Alltag in einer kleinen Destillerie und versuchen so, auch denjenigen, die noch nicht persönlich bei uns waren, einen Eindruck von unserer Arbeit zu vermitteln.

Ansonsten ist Mund-zu-Mund zurzeit der Hebel, um etwas bekannter zu werden. Stolz bin ich natürlich auf Momente, in denen ausgewiesene Fachleute, wie Beispielsweise Jörg Meyer (Le Lion, Hamburg) oder Alessandro Romano (Ona Mor, Köln) meinen „Destination: Provence“ Gin explizit loben und bspw. in einem Fachbeitrag empfehlen.

Wie genießt man den Gin – neben der puren Variante – sonst am besten? Gibt es Drinkkreationen?
Benedikt Brauers: Mit dem Mixen ausgefallener Cocktails aus feinen Spirituosen hat meine Geschichte ja eigentlich angefangen. Daher experimentiere ich natürlich sehr gerne mit meinem Gin. Klar, ein klassisches oder mediterranes Tonic Water, passt aber natürlich immer sehr gut zu „Destination: Provence“.

Unter den Drinks ist der Gin Basil Smash mein persönlicher Favorit. Frisches Basilikum ist sowieso eine der zwölf Zutaten und zusammen mit der Lavendelnote des Gins wird daraus ein richtiger Sommerhit, der auch zuhause noch einfach zu mixen ist. Ich kann aber auch empfehlen, mal einen „frankophilen“ Dry Martini mit Lillet Blanc auszuprobieren. Dazu eine Zitronenzeste oder am besten ein kleiner Zweig frischer Thymian und man bekommt eine provenzalische Hommage an diesen Klassiker der Bar.

Einen eigenen Signature Drink gibt es hingegen nicht. Ich möchte es lieber den Profis und Bartendern überlassen, ihre Kreationen mit dem Gin zu finden. Ich werde dann aber gerne solche Rezepte auf unserer Homepage veröffentlichen, so wie im Falle von Alessandro Romano, der für seinen preisgekrönten „Die Krone“-Cocktail den Gin von Wayfarer empfiehlt (siehe www.wayfarer-distillery.com/drinks.html).

Sind schon weitere Gins oder andere Spirituosen in Planung? Wenn ja, von welchen Destinationen erzählen sie?
Benedikt Brauers: Die Idee ist, etwa alle paar Jahre eine neue Destination als aromatisches Motiv aufzugreifen. Das Ganze aber unregelmäßig, weil ich mir genügend Zeit bei der Komposition lassen will. Das kann dann ein Gin sein, aber auch ein anderes Destillat. Rum oder klassische Geiste und Brände beispielsweise reizen mich ebenfalls sehr.

Ganz konkret: Was als nächstes ansteht, weiß ich selbst noch nicht sicher. Ich kann aber mal kurz unsere letzten größeren Reisen erwähnen: Vor drei Jahren sind wir ein paar Monate im Campervan durch Australien getourt und vor Kurzem haben wir ein wenig Inselhopping in der Karibik gemacht. Bei letzterem läge sicher auf der Hand, was als nächstes zu erwarten wäre.

Wayfarer Distillery | wayfarer-distillery.com | facebook.com/wayfarerdistillery

[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_cta_button2 style=“rounded“ txt_align=“left“ title=“Text auf der Schaltfläche“ btn_style=“rounded“ color=“blue“ size=“md“ position=“right“]Wir bedanken uns bei Benedikt Brauers für das offene und sehr interessante Interview und wünschen der Wayfarer Distillery weiterhin viel Erfolg! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt![/vc_cta_button2][/vc_column][/vc_row]

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