Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V.: Fakten und Infos rund um den Saft von Geschäftsführer Klaus Heitlinger

Im Rahmen unseres Themen-Specials „Saft und Co.“ wird heute ein Verband vorgestellt, der den heimischen Safttrinkern weitestgehend unbekannt ist: der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V. Er ist für die Interessen der Fruchtsaft-Hersteller zuständig, vertritt sie auf nationaler und internationaler Ebene und hat den Überblick über den gesamten deutschen Saftmarkt – ein Insider der Fruchtsaft-Branche also, der einen interessanten Einblick in die deutsche Saftwelt gibt. 

Klaus Heitlinger, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V., stand about-drinks Rede und Antwort und erklärt u.a. die Funktion des Verbands, die verschiedenen Fruchsaftformen sowie die Lieblingssäfte der Deutschen.

Bitte erzählen Sie uns, was genau der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V. ist, seit wann es ihn gibt und was seine Aufgaben sind.
Heitlinger: Der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V. (VdF) wurde am 7. Januar 1951 als „Zentralverband der Süßmost- und Obstgetränkeindustrie e. V.“ in Wiesbaden gegründet. Seine Aufgabe damals war es, der Branche aus den Aufbauzeiten nach dem Krieg durch Bündelung der Interessen herauszuhelfen. Im Zuge einer Reorganisation und Satzungsänderung wurde er 1965 in „Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V.“ umbenannt. Heute ist der VdF der zentrale Verband aller Fruchtsaft-/-nektar- und Gemüsesaft-/-nektarhersteller in Deutschland. Er vertritt die gemeinsamen Interessen dieser Branche national und international und unterrichtet seine Mitglieder in allen, die Industrie betreffenden, aktuellen Fragen. Heute sind im VdF bundesweit 186 Fruchtsafthersteller organisiert, davon 176 Ordentliche Mitglieder mit 12 verbundenen Unternehmen, außerdem 70 Fördernde Mitglieder – meist traditionell mit der Fruchtsaft-Industrie verbundene Unternehmen aus den Bereichen Halbware, Transport, Verpackung, Maschinenbau und Beratung. Darüber hinaus werden ca. 168 kleinere Betriebe über 5 Landesverbände betreut. Präsident des Verbands ist seit Mai 2014 Klaus-Jürgen Philipp.

Können Sie unseren Lesern einen Überblick über den deutschen Fruchtsaftmarkt geben? Wie sah das Jahr 2014 aus Sicht der deutschen Fruchtsafthersteller aus?
Heitlinger: 2014 war ein unglaublich gutes Streuobstjahr. Mit rund 800.000 Tonnen Streuobstäpfeln war die Ernte in diesem Jahr rund 60 % höher als im Vorjahr. Hinzu kommt die besondere Situation durch das russische Importverbot. Wie der Fruchtsaftmarkt sich in diesem Jahr entwickelt hat, können wir abschließend erst 2015 bewerten, wenn die genauen Zahlen vorliegen.

Welche Trends gab es 2014 im Bereich der Fruchtsäfte und Co.?
Heitlinger: Zunehmend von Interesse im Fruchtsaft-Segment sind Direktsäfte sowie gekühlte und ungekühlte Fruchtsaftmischungen mit „Zusatznutzen“ (Vitamine, Sekundäre Pflanzenstoffe). Hier kommen sehr nährstoffreiche Fruchtarten zum Einsatz wie Acai oder Acerola. Aufgrund ihres typischen, intensiven Geschmacks und der wertvollen Inhaltsstoffe werden diese Früchte vor allem gerne mit anderen Obstarten gemischt als Fruchtsaft, -nektar oder auch -schorle angeboten. Darüber hinaus steigt die Nachfrage nach heimischen und regionalen Sorten. In der Angebotspalette Apfelsaft werden zunehmend Streuobstwiesensäfte oder sortenreine Apfelsäfte angeboten, die sich durch ihren charakteristischen Geschmack und die unverkennbaren Merkmale der jeweiligen Apfelsorte auszeichnen. Zunehmend ist auch die Nachfrage nach kühlfrischen Fruchtsäften, die besonders schonend pasteurisiert werden.

Was ist der Lieblingssaft der Deutschen und warum? Wie sah der Pro-Kopf-Verbrauch der Deutschen in den letzten Jahren aus?
Heitlinger: In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Apfel- und Orangensaft in etwas gleich auf. Derzeit ist Apfelsaft der beliebteste Saft der Deutschen. Im Jahr 2013 wurden pro Kopf 8,4 Liter konsumiert. Im Jahr 2012 war Orangensaft der Spitzenreiter. Beide Fruchtsäfte erfreuen sich in Deutschland großer Beliebtheit und wechseln sich in der Besetzung der Spitzenposition ab.
Insgesamt ist der Fruchtsaftkonsum in Deutschland rückläufig. Seit 2003 ist der Konsum von 42,0 Liter pro Kopf auf 33,0 Liter (2013) gesunken. Gründe für diesen Rückgang sind unter anderem die veränderte Frühstückssituation, hinzu kommt ein ständig wachsendes Angebot an Erfrischungsgetränken.

Der Gesetzgeber schreibt eine klare Kennzeichnung von Fruchtsaft, Fruchtnektar, Fruchtschorle bzw. Fruchtsaftschorle sowie Fruchtsaftgetränk vor. Bitte erläutern Sie uns die Unterschiede.
Heitlinger: In der Fruchtsaftverordnung und in den Leitsätzen für Erfrischungsgetränke ist genau festgelegt, wie viel Fruchtanteil die verschiedenen Varianten mindestens enthalten müssen und was sonst noch bei deren Herstellung beachtet werden muss. An diese Verordnungen und an die EU-Fruchtsaftrichtlinie müssen sich alle Fruchtsafthersteller halten.
Fruchtsäfte
Hinter der Bezeichnung „Fruchtsaft“ steckt per Definition der „Fruchtsaftverordnung“* immer ein Fruchtgehalt von 100 Prozent – selbst wenn die 100 Prozent nicht ausdrücklich auf dem Etikett vermerkt sind! Fruchtsaft enthält weder Farb- noch Konservierungsstoffe.

Nektar
Nektare werden überwiegend aus Früchten hergestellt, bei denen aufgrund eines zu hohen Säure- oder Fruchtfleischgehalt eine Verarbeitung zu 100 Prozent nicht möglich ist. Es gibt Mindestwerte für Fruchtgehalte bei Nektaren, die jedoch, abhängig von der Frucht, unterschiedlich hoch sind und im Bereich von 25-50 Prozent liegen. Aprikosennektar muss beispielsweise einen Mindestfruchtgehalt von 40 Prozent aufweisen, Johannisbeer- und Mangonektar mindestens 25 Prozent.

Fruchtsaftgetränke
Was den Fruchtsaftgehalt betrifft; dieser variiert zwischen 6 und 30 Prozent, je nach Frucht. Bei Kernobst ist ein Mindestgehalt von 30 Prozent vorgeschrieben, bei Zitrusfrüchten sind es mindestens 6 Prozent. Fruchtsaftgetränke sind mit und ohne Kohlensäure erlaubt. Außerdem hier eine Zugabe von Zucker und natürlichen Aromen erlaubt. Weitere rechtliche Bestimmungen zu Fruchtsaftgetränken sind in der Erfrischungsgetränkeverordnung geregelt.

Ebenfalls unter die Erfrischungsgetränkeverordnung fallen Fruchtsaftschorlen. Sie enthalten Fruchtsaft, Fruchtsaftkonzentrat, Fruchtmark oder Mischungen daraus sowie Trinkwasser oder natürliches Mineralwasser und Kohlensäure. Der Fruchtsaftgehalt von Fruchtsaftschorlen orientiert sich an den Mindestangaben für Fruchtsäfte bzw. Fruchtnektare. So muss Apfelschorle beispielsweise einen Mindestgehalt von 50 Prozent enthalten. Der Fruchtgehalt von Fruchtsaftschorlen definiert sich über die Fruchtgehalte von Fruchtsäften bzw. Fruchtnektaren. So beträgt der Mindestfruchtgehalt von Apfelsaftschorlen mindestens 50 Prozent, bei Rhabarberschorle liegt er bei mindestens 25 Prozent.

Wie sieht es international mit Fruchtsäften und Verbänden aus?
Heitlinger: Die europäische Vereinigung, die A.I.J.N vertritt die Interessen der Fruchtsaft-Industrie in der EU. Sie stellt Kontakt zur EU-Kommission dar und leistet Mitarbeit bei Verordnungen bzw. Richtlinien sowie Qualitätsrichtlinien (Code of Practice). Im Jahr 1994 gründete die A.I.J.N ein einheitliches Kontrollsystem für Fruchtsäfte und Nektare, das sogenannte „European Fruit Juice Control System“ (EQCS)
Die IFU (internationale Fruchtsaft-Union) ist auf internationaler Ebene tätig. Sie feierte 2009 ihr 60-jähriges Bestehen und zählt 69 Mitglieder aus 34 Ländern.

Welche Berufschancen gibt es in der Fruchtsaft-Industrie für junge Menschen?
Heitlinger: Die Karriere in der Fruchtsaft-Industrie beginnt für die meisten jungen Leute mit einer je nach Schulabschluss 2- bis 3-jährigen Ausbildung zur Fachkraft für Fruchtsafttechnik. In dieser Zeit lernen sie alle wichtigen Herstellungschritte von Frucht- und Gemüsesäften, Fruchtzubereitungen und anderen Fruchtgetränken kennen. Der Berufsschulunterricht erfolgt in dreimal jährlich stattfindenden Wochen-Blöcken an den Beruflichen Schulen Rheingau in Geisenheim am Rhein (bei Rüdesheim). Die Unterrichtsinhalte reichen von Kenntnissen über Obst und Gemüse, Anlagentechnik, Bedienung von Maschinen, Fachrechnen, Laborpraktika bis hin zu Wirtschaftskunde, Lebensmittelrecht und EDV.

Nach mindestens 2-jähriger Berufspraxis kann bei der Industrie- und Handelskammer die Prüfung als „Industriemeister – Fachrichtung Fruchtsaft und Getränke“ abgelegt werden. Der Industriemeister Fruchtsaft und Getränke ist qualifiziert für Führungsaufgaben im Bereich Produktion, Technik oder Qualitätssicherung der Getränkeindustrie. Eine Alternative zur Industriemeisterausbildung ist ein 2-jähriges Aufbaustudium mit dem Abschluss „Staatlich geprüfter Techniker für Obstbau und Obstverwertung“. Die dritte Möglichkeit besteht in einem 3-jährigen Studium an der Fachhochschule, das man als Bachelor of Science (BSc) beendet. Die Ausbildung ist eine Voraussetzung für den Weg in die Unternehmensleitung. Bachelor of Science der Getränketechnologie können darüber hinaus in einem 2-jährigen Aufbaustudium den Abschluss Master of Science (MSc) erwerben. Mit der allgemeinen Hochschulreife bietet sich außerdem ein Universitätsstudium an auf dem Gebiet der Lebensmittelwissenschaften (z. B. Lebensmittelwissenschaft und Biotechnologie, Technologie und Biotechnologie der Lebensmittel) mit den neu geschaffenen Abschlüssen als BSc bzw. MSc. Ferner gibt es einen Spezialstudiengang „Brauwesen und Getränketechnologie“. Eine Universitätsausbildung eröffnet berufliche Einsatzmöglichkeiten im Management sowie in Forschung und Entwicklung.

Können Sie uns einen Ausblick auf das Fruchtsaft-Jahr 2015 geben? Worauf kann der Verbraucher sich freuen?
Heitlinger: Der Fruchtsaftmarkt ist kein schnelllebiger Markt. Die Trends der letzten Jahre werden auch 2015 weiter bestehen und sich fortsetzen. Die Verbraucher dürfen sich auf ein breites Angebot freuen, bei dem für jeden Geschmack der richtige Fruchtsaft zu finden ist.

Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V. | fruchtsaft.de | twitter.com/saftnews

[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_cta_button2 style=“rounded“ txt_align=“left“ title=“Text auf der Schaltfläche“ btn_style=“rounded“ color=“blue“ size=“md“ position=“right“]Wir bedanken uns bei Klaus Heitlinger für das offene und sehr interessante Interview und wünschen dem Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V. weiterhin viel Erfolg! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt![/vc_cta_button2][/vc_column][/vc_row]

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