Rückblick Kaffee Campus: Zu Gast in der Spezialitätenszene

Vom 17.-19.09.2013 drehte sich im Berliner Kinohaus Kosmos alles um die Bohne. Die nationale und internationale Kaffeeszene traf sich auf der Spezialitätenkaffeemesse „Kaffee Campus“, um Neuheiten und Trends zu entdecken, aber auch zum Wissens- und Erfahrungsaustausch. Gemeinsam mit der SCAE Barista-Meisterschaft wurde die Messe zu dem Kaffee-Event des Jahres. about-drinks war live vor Ort und konnte einige Eindrücke der Messe sammeln.

Mit einem breit angelegten Programm aus Seminaren, Workshops, Fachvorträgen, Kaffee-Verkostungen, Trends beim Rösten, Networking-Möglichkeiten und den Deutschen Barista-Meisterschaften war das dreitägige Event ein Pflichttermin für alle Kaffeeliebhaber in ganz Deutschland. Etwa 60 Aussteller zeigten ihre Angebote rund um das Thema Spezialitätenkaffee. Die Besucher waren angehende Café-Betreiber, Röster, Importeure oder einfach nur Home-Baristi, die sich für Neuheiten im Bereich Röstmaschinen, Verpackungen oder Baristaequipment interessieren.

In den 50er und 60er Jahren gab es in Deutschland etwa 5.000 Röstereien, danach begann der Rückgang der kleinen Betriebe: etwa 20 Jahre später ist die Zahl auf etwa 150 gesunken. Heute gibt es um die 500 kleine Röstereien in Deutschland – Tendenz steigend.

Qualität ist Trend
Wie auch in der Lebensmittelbranche, ist die Qualität, Transparenz und Nachhaltigkeit der Kaufgrund für viele Konsumenten und ein wichtiges Marketinginstrument für die Industrie. Das Bio- und Fairtrade-Siegel ist nicht so präsent wie man es auf einer Kaffeemesse vielleicht erwarten würde. Stattdessen stehen Transparenz und Vertrauen im Vordergrund. Der „direkte Handel“ führt den Ansatz des Fairtrade Gedankens weiter. Immer mehr Röster feiern große Erfolge mit der Suche nach höchster Qualität und einer engen Verbindung zum Produzenten. Dadurch steigt das Vertrauen des Endkunden und das Bewusstsein für hochwertigen Kaffee wird geschärft. Denn Spezialitätenkaffee braucht kein Siegel, sondern die besten Bedingungen, ob beim Anbau des Rohkaffees, beim Rösten oder bei der Zubereitung.

Man schmeckt und sieht den Unterschied!
Dass man den guten alten Filterkaffee nur noch bei Oma bekommt, ist mittlerweile eine längst überholte Annahme. In Fachkreisen wird von der Renaissance des Filterkaffees gesprochen. Mit den unterschiedlichsten Brühmethoden werden neue Geschmackserlebnisse geschaffen, die mit dem einfachen Filterkaffee nichts mehr zutun haben. Aber Kaffee ist schon lange nicht mehr nur eine Freude des Gaumens, sondern auch des Auges. „Latte Art“ ist beliebter denn je und ein schwungvolles Herz oder ein filigraner Schwan im Milchschaum ist nicht nur eine Leidenschaft, sondern auch eine Meisterschaft wert.

Die Gewinner der Barista-Meisterschaft 2013 konnten sich für die Weltmeisterschaft 2014 in Rimini qualifizieren. Auf der Bühne wurde parallel zur Messe unter anderem der „Latte Art Champion“ und der „Barista Champion“ gesucht und gefunden. Die Jury war hochkarätig: Die Punkte vergaben unter anderem Gwilym Davies (Barista-Weltmeister 2009) und Chris Loukakis (Latte Art Weltmeister 2012).

Dass Latte Art gar nicht so einfach ist, wie es manchmal aussieht, durfte unser Fotograf am Stand des Kaffeemaschinenherstellers KMS Dalla Corte aus Bielefeld selbst testen. Tolga Daglum (Quijote Kaffee, Hamburg) bereitete uns in einem kleinen Kännchen den perfekten Milchschaum vor und dann ging es los. Créma, Winkel, Gießgeschwindigkeit – alles Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt bevor die Tasse voll ist. Der Kommentar des Profis: „Für das erste Mal gar nicht so schlecht!“

Angesteckt mit dem Virus „Kaffee“ zog es uns zur Brew- und Espressobar, an der jeden Tag wechselnde Filterkaffees und Espressospezialitäten von Deutschlands führenden Spezialitätenröstern ausgeschenkt wurden. Uns wurde ans Herz gelegt, Espresso, Cappuccino und Filterkaffee ohne Zucker zu probieren. „Man merkt erst, dass es guter Kaffee ist, wenn er nicht nach Kaffee schmeckt“, meinte der Barista mit einem Augenzwinker. Und so war es dann auch. Der Cappuccino war auch ohne Zucker angenehm süß. Ausschlaggebend dafür ist die Zubereitung der Milch, erklärt der Barista. Da die Milch auf nur 65 Grad erhitzt wird, karamelisiert sie leicht und schenkt dem Kaffee eine natürliche Süße. Bei Temperaturen darüber verbrennt die Milch und wird bitter.

Der Filterkaffee hatte eine angenehme Säure sowie wenig Bitterstoffe und erinnerte mehr an einen schwarzen Tee als an den Filterkaffee, den man gewohnt ist. Im Gegensatz zu den großen Kaffeemarken aus dem Supermarkt, die ihre Bohnen in 2-5 Minuten schockrösten, wird der Spezialitätenkaffee im traditionellen Trommelröstverfahren zwischen 14-20 Minuten bei rund 200° geröstet. Somit lassen sich Bitterstoffe und Säure reduzieren und selbst der Espresso hat eine fruchtige Süße.

Das Fazit: Der Kaffee Campus bietet einen guten Überblick über die Kaffeebranche und vernetzt Profis, Hersteller und Kunden miteinander. Man kann probieren, Neues entdecken, seinen Geschmack verbessern und sich mit Leuten austauschen, die ebenfalls Freude an der „besten Sache der Welt“ haben.

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