Seit 1831

Mampe: Tom Hölzner und Florian Löhlein über die älteste Spirituosenmarke der Hauptstadt

Mampe hat Tradition – und zwar die längste aller Spirituosenmarken in Berlin. 1831 entwickelte Carl Mampe Senior einen Magenbitter als erhofftes Heilmittel gegen Cholera. Diese Bitteren Tropfen sind noch heute nach übertragener Rezeptur im Portfolio zu finden. Zwischen 1920 und 1933 entstanden die wohl ersten alkoholfreien Spirituosen-Alternativen, die Mampe während der Prohibition in den USA entwickelte und dorthin lieferte. Der Grundstein für den heutigen Mampe NullNull wurde so gelegt. Seit rund zwei Jahren baut Mampe das Geschäft mit komplett neuer Strategie aus: Die Manufaktur- und Regionalprodukte wurden gestärkt, die Umsätze verdoppelt und die Zeichen für die Zukunft stehen auf Wachstum – auch dank der Spirituosenklassiker aus der über 190-jährigen Historie. 

Im Interview haben wir mit Tom Hölzner (Prokurist und Vertriebsleiter) und Florian Löhlein (Geschäftsführer) über Mampe gesprochen. Sie erzählen von der Historie, den Produkten, ihrem Ginspirator sowie den Plänen für die Zukunft.

Mampe hat eine lange Tradition. Erzählen Sie uns, wie 1831 alles begann.

Florian Löhlein: Ab 1830 grassierte in Europa die Cholera, an der 20% aller Infizierten starben. Als Antwort darauf entwickelte der geheime Sanitätsrat Carl Mampe Senior im pommerschen Stargard 1831 einen Magenbitter als erhofftes Heilmittel. Diese Bitteren Tropfen wurden daraufhin in Apotheken verkauft und Mampe zog kurz danach in die aufstrebende deutsche Hauptstadt Berlin.

Tom Hölzner (l.) und Florian Löhlein (r.) beim Verkosten der Spirituosen.

Wie sah die Entwicklung speziell in den letzten Jahren aus?

Tom Hölzner: Als Mampe 2013 wieder unabhängig wurde, nachdem die Marke nach der Blütezeit Ende der 1970er Jahre schwächelte, konzentrierten wir uns auf Berlin. Dann folgte die Corona-Krise, die die Region Berlin bzgl. Veranstaltungen und Gastronomie stillgelegt hat. Wir haben dann mit neuen Gesellschaftern und größerem Team Mitte 2020 einen kompletten Strategiewechsel umgesetzt. Wir haben zum einen die Manufakturprodukte und die Regionalprodukte gestärkt, aber auch eine Abgrenzung zu Spirituosen mit unseren Handelspartnern vornehmen und unsere Umsätze verdoppeln können.

Im Einzelhandel erzielen wir das größte Wachstum und sehen auch hier das meiste Potenzial für Gin, Vodka und unseren Klassiker Halb+Halb, der in den 1920ern bis 1970ern international einst in bis zu 11.000 Verkaufsstellen verfügbar war. Wir freuen uns außerdem über Clubs und Gastronomen in Berlin, die unsere Berliner Spirituosen aufgenommen haben, damit unsere Region stärken und alte Klassiker aufnehmen, die in kein Konzernbett eingebunden sind.

Zu guter Letzt haben wir unseren Ginspirator gebaut, mit dem Kunden ihren eigenen Gin kreieren können, den wir auch in unserer Manufaktur herstellen.

Auch das Markenbild glänzt im neuen Licht. Wie wurde die Mampe „modernisiert“?

Florian Löhlein: Mampe hat ja schon immer geglänzt und mit der Loslösung von Berentzen in 2013 enorm an Glanz gewonnen. Mampe gehört zu den ganz wenigen Marken, die generationsübergreifend bekannt ist und spannende Erinnerungen wecken. Wir haben nun das Markenzeichen von Mampe in den Mittelpunkt gestellt: Der Elefant ist sichtbarer und wir haben nach Spirituose und Likör klarer abgegrenzt.

Der Markenauftritt ist jetzt komplett bis zur Verpackung durchdekliniert. Der Elefant wird auch von weitem erkannt. Wir konzentrieren uns außerdem auf unsere Kernprodukte plus einen neu wiederaufgelegten alkoholfreien Gin mit Wurzeln zur Zeit der Prohibition ab 1920, als Mampe alkoholfreie Produkte in die USA lieferte. Marke und Produkt werden betont und erleichtern unseren unterschiedlichen Zielgruppen eine klare Identifikation.

Mit der Modernisierung der Markenerscheinung haben wir zugleich auch den Ressourceneinsatz bei Glas und Kartonagen je Flasche um bis zu 30% verringert. Wir sparen damit umweltschonend Ressourcen ein und können unsere Preise trotz aktuell explodierender Produktionskosten im Griff halten.

Im Logo spielt der Elefant seit jeder eine Rolle. Sie waren jüngst sogar in besonderer Mission im Berliner Zoo. Warum?

Florian Löhlein: Mampe war in den 1920er Jahren auf der Suche nach einem Wappentier. Im Tier-Casting fiel die Wahl dann auf einen Elefanten und die Idee war geboren, dem Berliner Zoo einen Elefanten zu vermachen, der stattliche Wappentiergröße erreichen sollte. Der Elefant mit Namen Mampe, der nach dem Nachnamen des Sponsors benannt wurde, war dann als ausgewachsener Zwergelefant, aber nur 1,76 m groß und somit unbeabsichtigt eine ganz besondere Attraktion für die Kurioses-liebenden Berliner.

Das Elefanten-Sponsoring ging bis in die 1980er Jahre. In guter Namenstraditionen der Partnerschaft zwischen dem Zoo und Mampe wurde 1974 eine Elefantenkuh „Carla“ benannt, die leider nie Nachwuchs bekommen hat. Falls Sie im Berliner Zoo bei den Elefanten sind, erkennen Sie Carla am stolzen Gang mit erhobenem Kopf.

Zum Welttag der Elefanten am 12.08.2022 übernimmt Mampe nun wieder die Patenschaft von Carla und fördert damit die Arbeit des Berliner Zoos im Bereich des Artenschutzes.

„Entweder müssen die Produkte seit der Firmengründung im Jahre 1831 in irgendeiner Form schon einmal im Sortiment von MAMPE gewesen sein, oder sie haben einen klaren Bezug zu unserer Mutterstadt Berlin“ – welche Produkte von damals sind heute noch in irgendeiner Form im Portfolio?

Tom Hölzner: Die Bitteren Tropfen werden nach übertragener Rezeptur noch heute von uns auf Basis des Apothekerrezeptes von 1831 hergestellt. Im Laufe der 190 Jahre kamen zu Beginn und Anfang des 20. Jahrhunderts noch der Sauern mit Persico, Pfefferminzlikör, Gin und natürlich unser bekanntestes Getränk Mampe Halb+Halb hinzu. Gerade Halb+Halb ist der älteren Generation unserer Großeltern gut bekannt.

Die Lufthansa-Kunden erinnern sich vielleicht auch noch an den Fliegercocktail. In unserem Archiv schlummert auch noch das eine oder andere Rezept, welches wir zur passenden Zeit wieder in den Markt einführen wollen.

Mampe NullNull ist ebenfalls aus der Historie entstanden. Mampe hatte schon damals eine Art alkoholfreien Spirituosenersatz im Angebot. Erzählen Sie uns mehr darüber.

Florian Löhlein: In den USA waren Herstellung, Transport und Verkauf von Alkohol während der Prohibition zwischen dem 17.01.1920 und dem 05.12.1933 verboten. Mampe exportierte zu dieser Zeit erhebliche Mengen alkoholischer Produkte und stand also vor der Wahl, Mitarbeiter zu entlassen oder sich der veränderten Situation anzupassen.

So entstanden wohl die ersten alkoholfreien Produkte von Mampe und damit der Grundstein unserer heute erhältlichen Alternative zum Ku’Damm-Gin, dem NullNull, der in kürzester Zeit namhafte Unterstützer gewann: Vom bekanntestem Kaufhaus über die hippeste Hotelkette bis zur einzigen Thai-Sternegastronomie Europas.

Regionalität spielt bei der Produktion eine große Rolle. Woher beziehen Sie die Rohstoffe? Werden alle Produkte ausschließlich in Berlin produziert?

Tom Hölzner: Wir sind sehr stolz darauf, dass wir einen sehr großen Teil unserer Rohstoffe aus Deutschland oder sogar Berlin und Brandenburg beziehen können. Nehmen wir zum Beispiel unseren Kreuzberg 61 Gin, in dem wir Destillate aus Weizen, Johannisbeere, Hagebutte, Pfefferminz und Gänseblume verarbeiten. Die genannten Zutaten können wir aus Berlin und Brandenburg beschaffen.

Es gibt leider natürliche Einschränkungen, so sind Zitronenschalen oder der Grundstoff für unsere Korken in Deutschland nicht zu beschaffen, weil Zitronen und Korkeichen einfach nicht so häufig in Deutschland angebaut werden.

Wir produzieren tatsächlich maximal in unserer Manufaktur im Bergmann-Kiez. Wir haben aber auch einen tollen Abfüller in Sachsen, der nach unserer Rezeptur größere Glasflaschenmengen für den Handel abfüllen kann.

Mit dem Humboldt Forum hat sich eine erneute Zusammenarbeit gegeben. Auch hier sind Historie und Regionalität ausschlaggebend. Erzählen Sie davon!

Florian Löhlein: Das Humboldt Forum im Berliner Schloss wurde 2021 eröffnet und beherbergt neben drei Gastronomen auch zwei Museumsshops. Im späten 18. Jahrhundert war Mampe nach unseren Unterlagen wohl schon Lieferant für Festivitäten aller Art im Berliner Stadtschloss mit den Produkten wie wir sie fast unverändert heute noch herstellen, sprich den Mampe-Likören, darunter der Pfefferminz und der Halb+Halb.

All diese Produkte sind in Sonderflaschen in den beiden Museumsgeschäften erhältlich. Die Gastronomen haben Mampe-Produkte auf der Karte bzw. mit uns gemeinsam eigene Spirituosenkompositionen entwickelt.

Sind die Produkte regional oder deutschlandweit verfügbar? Über welche Distributionswege wird vermarktet?

Tom Hölzner: Wir halten zunächst unsere Regionalität mit speziellen Produkten ein und grenzen ab. Seit Mitte 2020 haben unsere Anstrengungen Früchte getragen, so dass wir heute überregional bzw. bundesweit zu finden sind. So können wir mit wiederum sehr offenen Einkaufsleitern auch hochwertige Märkte in fast allen Bundesländern mit unserem Vodka, Gin und Halb+Halb ausstatten.

Manufaktur-Produkte findet man wiederum regional oder online über unseren Shop. Seit 2022 haben wir ein wunderbares Außenteam und Partnerschaften aufbauen können, das uns erlaubt, die Märkte auch immer wieder zu besuchen und qualitativ zu unterstützen bzw. auch Feedback einzuholen.

In Berlin und Brandenburg konzentrieren wir uns jetzt auch wieder stark auf die Gastronomie und konnten einige spannende Bars neu- oder zurückgewinnen. Unser beliebtes Portfolio ist hier auch sehr breit, vom Schnaps an der Bar in der Stammkneipe über den Vodka im Club bis hin zum fassgelagertem Tropfen, der auch in Sterne-Restaurants Anklang findet.

Mampe kann man sich aber nicht nur in den „Standardprodukten“ nach Hause holen, sondern auch seine ganz eigene Spirituose kreieren. Wie funktioniert das?

Tom Hölzner: Im Grunde so einfach, dass es kaum zu glauben ist: Für Jedermann/Jedefrau ist es möglich, auf unserer Homepage mit nur 11 Klicks einen eigenen Gin zu konfigurieren. Hier können bis zu 1.000 verschiedenen Geschmacksrichtungen bestimmt werden. Das Produkt ist innerhalb von drei Tagen zu erhalten. Wir können in der Manufaktur für Privat- oder Firmenkunden eigene Spirituosen konzipieren und mit eigenem Designer auch etikettieren.

Wir haben vor allem im letzten Halbjahr sehr viele Hochzeiten, Galaabende oder Firmenfeiern mit einem so genanntem Private Label aufgewertet und zu unvergesslich persönlichen Erinnerungen gemacht. Diese individuell gestalteten und befüllten Flaschen sehen im Nachgang nicht nur gut in der Bar aus, sondern schmecken meist auch trotz wilder Mischungen. Für mehrere junge Influencer haben wir ebenfalls eigene Kreationen hergestellt.

Was kann man mit/bei Mampe sonst noch so erleben?

Florian Löhlein: Kennen Sie den Film „Nachts im Museum“ mit Ben Stiller? So aufregend und fesselnd ist es bei uns in etwa, wenn man eine Tour, die wir „Schnapsgeschichten“ nennen, durch unsere Manufaktur macht.

Aber nicht nur Tasting-Touren, sondern ganze Seminare inkl. der Erstellung der eigenen Spirituose, machen uns großen Spaß. Noch interaktiver wird es dann, wenn wir für einen Gast einen Teamwettbewerb in der Manufaktur organisieren, bei dem einzelne Teams unter unserer Anleitung um die Wette Spirituosen herstellen, die dann vor einer Jury blind verkostet werden. Das Siegerprodukt können alle mit nach Hause nebst personalisiertem Etikett nach Hause nehmen.

ONLINE, OFFLINE in der MANUFAKTUR oder HYBRID: Wir unterstützen Event Kundinnen mit unserem In-house-Kreativteam bei Beratung, Organisation und Kreation von Events. Denn unsere Manufaktur ist eine ganz eigene Welt, wenn es um Firmenevents, Tagungen, Messen, Film- und Fernsehproduktionen, Fotoshootings, Weihnachtsfeiern, Konferenzen und vieles mehr geht. KundInnen feiern da, wo wir Tag ein Tag aus Schnaps herstellen: Im historischen, 150 Jahre alten Ambiente einer Weißbierbrauerei mit sakralem Ambiente an der Bergmannstraße.

Hohe Kappendecken, riesige Fenster und das typische Backsteinmauerwerk bieten den perfekten Rahmen auf 400 qm mit drei Ebenen und kleinem Hofbereich außen. Dann gibt’s noch die Roof-Top-Bar unseres Nachbarn mit Blick über die Dächer von Berlin – bekannt aus Netflix. Die Mampe Schnapsmanufaktur bietet Raum für bis zu 250 Gäste mit eigener Bar und Stammtisch sowie einer Chesterfield-Lounge und weiteren Flächen.

Was steht in diesem Jahr noch an?

Tom Hölzner: Wir stecken mitten im deutschlandweiten Rollout unserer Produkte im Groß- und Einzelhandel. Das bindet viel Kapazität. Es gibt jedoch noch ein paar Wunsch-Handelspartner die wir in diesem Jahr noch von Mampes Potenzial überzeugen wollen. Im 2. Halbjahr 2022 werden wir das Akquise- und Unterstützer-Team in der Gastronomie verstärken. Viel mehr möchten wir im Moment gar nicht verraten.

Können Sie persönlich sich bei der Vielzahl der Produkte festlegen: Welches ist Ihr Lieblingsprodukt?

Tom Hölzner: Vodka: mild bis sanft und sogar ungekühlt ist er für mich der beste Vodka. In dem Preissegment (UVP: 15,00 € für 700ml) ist er zudem sehr gut platziert.

Florian Löhlein: Halb+Halb: Am liebsten als Berlin Mule – vier gute Eiswürfel und 15 cl Ginger Ale oder noch besser Ginger Beer ins Glas geben, dann langsam und bedächtig 5 cl Mampe Halb+Halb aufgießen, Orangen oder Limettenspalte andrücken und dazu geben.

Mampe | mampe.berlin | instagram.com/mampe.berlin | facebook.com/MampeBerlin

+++ Wir bedanken uns bei Tom Hölzner und Florian Löhlein für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

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