Interview

Investition von 11 Mio. Euro: Technischer Direktor Heinz-Bernd Becker über die Paderborner Brauerei

Die Paderborner Brauerei wurde 1852 gegründet – in der Domstadt wird also Bier mit Tradition gebraut. Seit 1990 gehört das Unternehmen zur heutigen Haus Cramer Gruppe – und die investiert nun in den Standort. Bis 2025 sollen es insgesamt 11 Mio. Euro sein, die in Paderborn in „Mitarbeiter, Marken sowie in Maschinen und Beton“ fließen. Den Beginn machte die Installation von drei neuen Drucktanks im Dezember. Sie sollen ab Ende März einsatzbereit sein. Auch ein neues Verpackungszentrum soll im ersten Quartal 2024 entstehen. Durch diese Erweiterung kommt die Brauerei dem Gesamtprojekt, am Standort 1,25 Millionen Hektoliter produzieren zu können, ein Stück näher. Im Fokus stehen dabei die eigenen Marken wie Paderborner und Pilger, aber auch Produkte wie die neue Paderborner Limo Cola-Orange-Mix, die seit dem 26. Februar im Handel erhältlich ist.

Über die Investition, die Entwicklung der Brauerei und die weiteren Pläne haben wir mit Heinz-Bernd Becker im Interview gesprochen. Er ist als Technischer Direktor und Betriebsleiter für den gesamten Standort in Paderborn verantwortlich.

Zum Start: Erzählen Sie uns von der Paderborner Brauerei: Gründung, Meilensteine, Produkte.

Heinz-Bernd Becker: In Paderborn wird bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts Bier gebraut. Zunächst in der Paderborner Innenstadt und seit 1983 an unserem heutigen Standort im Industriegebiet Mönkeloh. Nach der Gründung 1852 war die Paderborner Brauerei unter verschiedenen Firmierungen und Zusammenschlüssen bekannt, bevor sie ab 1965 als „Paderborner Vereinsbrauerei GmbH“ geführt wurde.

1990 wurde sie dann von der heutigen Haus Cramer Gruppe gekauft und seither brauen wir unter dem Namen „Paderborner Brauerei Haus Cramer“ sehr erfolgreich verschiedene Biere, darunter die hauseigenen Biere Paderborner Pilsener, Export, Alt, Alkoholfrei, Radler und das alkoholfreie Paderborner Malz sowie seit Sommer dieses Jahres auch das Paderborner Hell. Außerdem werden das naturtrübe, mildsüffige Landbier Paderborner Pilger sowie die Sorten Pilger Ur-Radler, das Pilger Alkoholfrei 0,0 % und die regionalen Spezialitäten Geselle auf der Walz – helles Lagerbier sowie Liborius Dunkel und die Premium-Regionalmarken Isenbeck Premium Pils, Weissenburg Pilsener und Paderborner Gold, die lokale Fassbiermarke, an der Halbstädter Straße produziert.

Seit wann arbeiten Sie in der Brauerei? Wie sah Ihr Werdegang dort aus und was sind Ihre aktuellen Hauptaufgaben?

Heinz-Bernd Becker: Ich bin bereits seit über 30 Jahren Teil der Haus Cramer Gruppe und bis heute Brauer mit Leib und Seele. Nach meinem Brautechnikstudium in München habe ich 1990 als Betriebskontrolleur bei der Warsteiner Brauerei angefangen. Danach folgten verschiedene Stationen innerhalb der Unternehmensgruppe, dazu gehörten auch spannende Auslandseinsätze mit dem Aufbau der Lizenzbraureien in Afrika und Argentinien. 2000 wechselte ich dann innerhalb der Gruppe zur Paderborner Brauerei und übernahm die Leitung der Qualitätssicherung. Mitte der 2000er-Jahre habe ich dann die Leitung der Produktion am Standort übernommen.

Seit März 2023 bin ich als Technischer Direktor und Betriebsleiter nun für den gesamten Standort verantwortlich. Zu meinen Aufgaben gehören die technische Leitung der Paderborner Brauerei sowie die Ausbildung der Brauer & Mälzer. In dieser Funktion lenke ich mit meinem Team die Geschicke der Brauerei von der Rohstoffannahme über die Produktion, Abfüllung bis hin zur Qualitätssicherung, Instandhaltung und Logistik. Aktuell ist jeder im Team natürlich besonders fokussiert auf die Planung und Koordination der Kapazitätserweiterung im gesamten Jahr 2024 und 2025 sowie der Installation des neuen Verpackungszentrums im ersten Quartal 2024.

Die Haus Cramer Gruppe investiert bis 2025 insgesamt 11 Mio. Euro in die Paderborner Brauerei. Ein nötiger Invest oder eine bewusste Planung in die Zukunft?

Heinz-Bernd Becker: Nicht nur in die Paderborner Brauerei wird investiert, sondern die gesamte Haus Cramer Gruppe investiert in Mitarbeiter, die Marken sowie in Maschinen und Beton. Die gesamte Investition von circa 200 Millionen Euro ist eine bewusste Planung für die Zukunft unserer Getränkegruppe.

Was ist das Ziel der Investition?

Heinz-Bernd Becker: Kurz gesagt: Flexibilität und Kapazität. Das heißt, durch die Investition zu der auch die drei Drucktanks gehören, wird das Produktionsvolumen in Paderborn auf über 1,25 Millionen abfüllfertige Hektoliter steigen. Die zweite große Investition am Standort Paderborn ist das Verpackungszentrum, welches Anfang Februar mit allen Komponenten geliefert und bis Ende März installiert wird. Dadurch sind wir um einiges flexibler in Bezug auf Verpackungsvarianten – Six- oder Four-Packs sowie Dosen und Flaschen in den schönsten Kleidern sind dann für uns kein Problem mehr.

Anfang Dezember  wurden drei neue Drucktanks installiert. Wie genau funktioniert so eine Installation?

Heinz-Bernd Becker: Die Drucktanks wurden in ein bestehendes Gebäude mit dafür vorgesehenen Stellplätzen eingebracht. Deswegen haben wir zur Installation das Dach der Halle geöffnet, sodass dann die Drucktanks – jeder mit einer Höhe von über 19 Metern, einer Breite von gut 4 Metern und einem Gewicht von 10 Tonnen – durch zwei Spezialkränen von oben in das Gebäude eingebracht werden konnten. Im zweiten Schritt werden die Edelstahltanks jetzt angeschlossen und verrohrt.

Wann sind die Drucktanks einsatzbereit und was verändert sich dadurch in der Produktion?

Heinz-Bernd Becker: Mit der offiziellen Abnahme durch den TÜV und dem Druckfestigkeits- und Dichtigkeitstest sind die neuen Drucktanks dann planmäßig ab Ende März einsatzbereit. Mit der Inbetriebnahme sind wir direkt deutlich flexibler im Produktionsbereich zum Beispiel bei Mischgetränken oder der Entalkoholisierung und insgesamt bei dem Projekt Kapazitätserweiterung einen Schritt weiter.

Ist die Produktion durch diese Installation, die im „normalen Betrieb“ läuft, beeinträchtigt? Wie wird dem entgegengewirkt?

Heinz-Bernd Becker: Die Installation der Drucktanks ist eine Installation „am offenen Herzen“, das ist richtig. Allerdings bringt sie im laufenden Betrieb keine größeren Einschränkungen mit sich, da sie, sobald alles geprüft ist, einfach in den Produktionskreislauf hinzugeschaltet werden. Anders sieht es da bei dem Verpackungszentrum aus, denn hier legen wir unsere jetzige Verpackungseinheit für circa sieben Wochen still. Während dieser Zeit haben wir keine Möglichkeit Dosen auf unserer Anlage abzufüllen. Aber auch darauf sind wir vorbereitet und produzieren aktuell vor, denn natürlich hat es Priorität zu jedem Zeitpunkt lieferfähig sein.

Wie genau wird das Verpackungszentrum aussehen und welche Veränderungen bringt es mit?

Heinz-Bernd Becker: Unter einem Verpackungszentrum kann man sich mehre Anlagenteile mit Zu- und Ablaufbändern vorstellen, wir nennen sie Transporteure. Innerhalb dieser Anlagenteile werden einzelne über die Transporteure zugeführte Dosen oder Flaschen in verschiedenste Varianten verpackt und am Ende wiederum auf weiteren Transporteuren abgeführt.  Die Entnahme und das Wiederaufsetzen erfolgt hierbei mit modernster Robotertechnik. Die „Verpacker“ haben in den unterschiedlichsten Ausführungen eine Länge von über 12 Metern, positioniert auf einer Gesamtfläche von über 2.000 Quadratmetern.  Wir sind damit in der Lage die verschiedenen Verpackungsvarianten wie z.B. handelsübliche Trays, Verpackung für Baskets und lose Flaschen in Vollkartons zu ermöglichen.

Bei der Planung der Anlage haben wir zukunftsorientiert gedacht und die Möglichkeit für weitere Artikelvarianten bedacht, um bei Bedarf schnellstmöglich agieren zu können. Mit der Fertigstellung bietet unser Verpackungszentrum die Möglichkeit mit neuester Technik effizienter und nachhaltiger zu arbeiten und die Lieferfähigkeit der vielfältigen Artikelvarianten am Markt sicherzustellen.

Die Paderborner Brauerei wächsts also weiter. Das zeigt sich auch daran, dass Sie ab 2024 wieder ausbilden. In welchen Bereichen? Welche Vorteile hat die Brauerei durch eigene Azubis?

Heinz-Bernd Becker: Ausbildung junger Menschen ist für die gesamte Haus Cramer Gruppe der Grundstein für die Zukunft des Unternehmens. So versuchen wir nach Möglichkeit die jungen Kollegen langfristig an unser Unternehmen zu binden und eine Übernahme ist erst einmal in so gut wie allen Fällen garantiert. Besonders freuen wir uns natürlich, wenn die ehemaligen Azubis zurückkommen. So haben im letzte Jahr zwei ehemalige Auszubildende jeweils Führungspositionen in Produktion und Qualitätssicherung am Standort Paderborn übernommen.

Nach der Ausbildung und ein paar Jahren im Beruf entschlossen sie sich zu einem Brautechnik-Studium und kamen im Anschluss in den neuen Positionen zu uns zurück. Auch für das neue Ausbildungsjahr suchen wir noch Auszubildende. In Paderborn bilden wir die Fachkraft für Lagerlogistik, Elektroniker für Betriebstechnik und natürlich Brauer und Mälzer aus.

Wie wird sich die Paderborner Brauerei in den nächsten Jahren entwickeln? Welche Ziele gibt es?

Heinz-Bernd Becker: Gekoppelt an die Investitionen ist unser Ziel die Ausweitung der Kapazität in der Produktion auf über 1,25 Mio. abfüllfertige Hektoliter, die Vollausnutzung der bestehenden Abfüllkapazität und somit die optimale Ausnutzung der guten Strukturkosten am Standort.

Effizienz und Nachhaltigkeit werden bei allen Themen und Projekten mit höchster Priorität betrachtet. So stehen bereits weitere Energie-Zukunftsprojekte am Standort Paderborn in den Startlöchern. Schon jetzt deckt die hauseigene Windkraftanlage bis zu 48 Prozent des Energiebedarfs der Brauerei ab. Um die Eigenstromquote noch deutlich zu erhöhen, wird ein Neubau der Anlage in Betracht gezogen. Unser Ziel muss sein, 100 Prozent zu erreichen. 12 bis 15 Mio. KWh zu erzeugen ist durchaus denkbar. Außerdem beschäftigen wir uns in Zusammenarbeit mit weiteren Unternehmen mit dem Aufbau eines Fernwärmenetzes, das die Abwärme vom Heidelberg-Zementwerk nutzen könnte.

Paderborner Brauerei | Website | Instagram | Facebook

+++ Wir bedanken uns bei Heinz-Bernd Becker für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

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