Interview: „Pfand gehört daneben“ – kleine Geste, große Wirkung

Pfandflaschen und Dosen haben einen Wert von 8, 15 oder 25 Cent – trotzdem landet Pfand immer wieder im Müll. Die Kampagne „Pfand gehört daneben“ macht sich für den bewussten Umgang mit Pfand stark und appelliert an ein solidarisches Verhalten der Gesellschaft einerseits, aber auch an das ökologische Bewusstsein jedes einzelnen.

about-drinks sprach mit Initiator Matthias Gomille über die Kampagne, Kritiker und prominente Unterstützung.

Erklären Sie unseren Lesern kurz, worum es bei der Kampagne „Pfand gehört daneben“ geht.
Matthias Gomille: Der Unterschied zwischen Arm und Reich zeigt sich selten so deutlich wie beim Pfand: Für die einen sind 8, 15 oder 25 Cent so wenig, dass sie es sich leisten können, ihre Pfandflaschen und Dosen in den Müll zu werfen – für die anderen ist das Pfand so wertvoll, dass sie es dafür auf sich nehmen, im Müll zu wühlen. Mülleimer nach Pfandflaschen zu durchsuchen, ist nicht nur demütigend, sondern auch gefährlich. Deshalb bitten wir um eine kleine Geste der Solidarität: Wirf Pfandflaschen und Dosen nicht in öffentliche Mülleimer, sondern stell sie daneben. Bei PGD geht es um die einfache Aussage, dass man Dinge mit Wert nicht wie Müll einfach wegwirft, sondern an Menschen in unserer Gesellschaft denkt, die auf genau diesen Wert angewiesen sind. Aus diesem Grundgedanken heraus ist die Aussage „Pfand gehört daneben“ entstanden. Eine kleine Geste mit großer Wirkung also. Neben dem sozialen, gibt es aber auch noch einen ökologischen Blickwinkel. Auch aus diesem heraus ist es nicht gut Pfandflaschen in den Müll zu werfen, da diese so aus dem Pfandkreislauf ausscheiden und von den Herstellern (zuweilen teuer) neu produziert werden müssen. Das ist weder umweltfreundlich noch, finanziell betrachtet, der Sinn hinter einem Pfandsystem.

An wen richtet sich Ihre Kampagne? Sehen Sie bei der Jugend den größten Handlungsbedarf?
Matthias Gomille: Vor allem an die Nachtschwärmer und Draußentrinker, die Wegbiergenießer und Menschen, die zwischendurch am Spätkauf oder Kiosk etwas zu trinken kaufen, während sie von einem Termin zum nächsten hetzen. „Handlungsbedarf“ sehe ich in allen Altersklassen, jedoch sind Jugendliche und Heranwachsende in erster Linie die „Draußenkonsumierer“ und somit die am meisten mit der Frage „Wohin mit meiner Flasche“ Konfontierten.

Welche Erwartungen setzen Sie an die Bürger und Bürgerinnen?
Matthias Gomille: Erwartung wäre wohl zu hoch gegriffen. Ich habe lediglich die Hoffnung, dass PGD einige Leute zum Nachdenken anregt. Ich denke nicht, ich hätte die ultimative Lösung für alle Probleme, vielmehr hoffe ich auf eine rege Diskussion und darauf, dass meine „Idee“ als Anstoß genommen wird, weiter zu denken. Nur durch Erkennen eines Missstandes können zum Beispiel so tolle Dinge wie der Pfandring von Paul Ketz entstehen.

Gibt es Gegner und Kritiker? Was wird an Ihrer Kampagne kritisiert, und was antworten Sie darauf?
Matthias Gomille: Natürlich gibt es diese. Zum Teil berechtigt und konstruktiv, oft aber leider nur platt und Hauptsache dagegen. Zweitere versuche ich weitestgehend zu ignorieren, was manchmal schwer fällt. Erstere hingegen sind oftmals hilfreich und notwendig, um zu Lösungen zu kommen, die funktionieren. So wird zum Beispiel oft kritisiert, dass Glasflaschen, die neben die Mülleimer gestellt werden, kaputt getreten werden und somit durch die enstehenden Scherben eine Gefahr darstellen, oder dass die danebengestellten Flaschen die Umwelt verschmutzen. Kein Mensch jedoch stellt seine Flasche neben einen Mülleimer mitten im Wald, denn es ist natürlich sinnvoller Flaschen dort abzustellen, wo viele Menschen unterwegs sind und sie sofort mitgenommen werden können.

Sie erhalten Unterstützung von prominenten Personen wie Sarah Kuttner oder den Beatsteaks. Welche Idee steckt dahinter?
Matthias Gomille: Da ich das Thema auf keinen Fall politisch einseitig und auf eine kleine Zielgruppe beschränken wollte, schien es mir sinnvoll, prominente Unterstützung zu suchen, die es mir ermöglicht, Menschen jenseits meines privaten Umfeldes und einer bestimmten Musik- oder Denkrichtug zu erreichen. Ohne diese Unterstützung hätte ich es wohl nicht geschafft, so viele Menschen anzusprechen.

Web: www.pfand-gehoert-daneben.de

[box style=“rounded“ border=“full“]Wir bedanken uns für das offene und interessante Interview und wünschen Matthias Gomille und seiner Kampagne weiterhin viel Erfolg! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an c.marx@markt8.de. Wir freuen uns auf Ihren Kontakt![/box]

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