Gastbeitrag: Christoph Zalewski – Cider auf dem Vormarsch

Christoph Zalewski, Jahrgang 1971, rief 2010 den Online-Shop und Blog Cider and more ins Leben mit dem Ziel, die große Bandbreite britischer Ciderkultur jenseits von Strongbow und Magners auch dem deutschen Markt nahebringen zu können. Davor arbeitete er bereits als Online-Redakteur für den Bayerischen Rundfunk, für den er auch heute noch tätig ist. Im Gastbeitrag spricht er über den Vormarsch der Cider:

Seit einigen Jahren ist Cider englischer und auch skandinavischer Machart langsam, aber stetig in Deutschland auf dem Vormarsch. Cider besteht im wesentlichen aus Apfelwein, der mit Zucker, Wasser und Kohlensäure versetzt ist und mit einem Alkoholgehalt von ca. 4 bis 6 Prozent eine ideale, fruchtige Variante zu Bier und Wein darstellt – eine Nische, die schon seit langem ausgefüllt sein will, denn vielen Konsumenten ist Bier zu herb, Wein hingegen zu hochprozentig.

Warum aber ausgerechnet Cider? Apfelwein und Most sind im Gegensatz zu Cider sauer, trocken und still. Der französische Cidre wäre eine Alternative, doch der ausgesprochen fruchtige Geschmack, der bei vielen Supermarkt-Cidres mit einem geringen bis sehr geringen Alkoholgehalt einhergeht, scheint auch nicht jedermanns Sache zu sein. Beim Cider hingegen ist für nahezu jeden Geschmack etwas dabei: von ausgesprochen leichten Cidern mit unter vier Prozent Alkoholvolumen bis hin zu schweren Vintageprodukten mit knapp 8,5% vol.

Britisch-traditionell oder skandinavisch-fruchtig
In Großbritannien hat Cider eine jahrhundertealte Tradition, in jedem Pub gibt es auch einen Zapfhahn für Cider. Rund 10 Prozent aller dort konsumierten alkoholischen Getränke entfallen auf Cider. Auf der Insel dominieren die traditionellen Apfel-Cider, Birnen-Cider und Frucht-Cider (Cider kombiniert mit Fruchtsaft bzw. Aromen, z.B. Brombeere oder Erdbeere). Ganz anders stellt sich die Lage in Skandinavien dar: Der Alkoholgehalt der Cider ist wesentlich geringer als in England, es dominieren Birnen-Cider, vor allem aber die Fruchtvarianten. Bei vielen skandinavischen Cidern handelt es sich genau genommen um Alkopops auf Fruchtweinbasis.

Warum Cider nicht gleich Cider ist
Die große Vielfalt an Cidern ist vor allem auch dadurch bedingt, dass die Gesetzeslage in den großen Herstellerländern ausgesprochen liberal ausfällt: In Großbritannien darf im Wesentlichen alles Cider heißen, was mindestens zu ungefähr einem Drittel vergorenen Apfelsaft enthält, in Schweden liegt dieser Anteil sogar bei unter 20 Prozent. Das führt dazu, dass bekannte, industriell hergestellte Export-Cider eher am unteren Ende dieses Spektrums rangieren, während kleinere Hersteller oft auf Purismus setzen: Deren Cider können tatsächlich bis zu 100 Prozent aus vergorenem Apfelsaft bestehen. Da die genauen Inhaltsstoffe für Cider in vielen Ländern jedoch nicht deklariert werden müssen, ist letztlich der Geschmack entscheidend.

Apfelschorle für Erwachsene
Die Tatsache, dass Cider oft nicht aus purem, fermentiertem Apfelsaft besteht, sondern mit Wasser, Kohlensäure und Zucker versetzt wird, hat durchaus seine Vorteile: Cider ist nicht mit dem säuerlich-trockenen Geschmack heimischer Apfelweine vergleichbar, sondern leichter, fruchtiger und spritziger – er schmeckt den meisten Konsumenten einfach wesentlich besser. Außerdem ist er magenfreundlicher als reiner Apfelwein oder Apfelsaft, die empfindsamen Gemütern bisweilen auf den Magen oder Darm drücken können.

Wider die deutsche (Schein-)Tradition
Zugegeben: Aufgrund des jahrhundertealten Reinheitsgebotes in Bezug auf Biere scheint in Deutschland der Gedanke befremdlich, dass Apfelwein eben nicht zu 100 Prozent aus vergorenem Apfelsaft bestehen muss – mit ein Grund, warum in Deutschland hergestellte Cider ein ausgesprochenes Nischendasein führen und prinzipiell eher etwas mit Cidre zu tun haben, nicht jedoch mit Cider, wie ihn der Englandtourist kennen- und liebengelernt hat. Der zunehmende Erfolg – auch und gerade in puncto Geschmack – scheint jedenfalls für die englische und skandinavische Cider-Philosophie zu sprechen. Und in der Softgetränke-Industrie ist die Zugabe von Zucker und Zusatzstoffen seit jeher sehr viel ausgeprägter, besser gesagt: an der Tagesordnung.

Cider: mehr als nur eine Mode
Ob Hugo oder Sprizz: Modegetränke kommen und gehen, doch dem Cider scheint eine stabilere Zukunft vergönnt. Denn vor allem in UK ist Cider keine Mode, sondern getrunkene Tradition – die sich künftig möglicherweise auch auf dem Kontinent etablieren wird. Einfach mal (aus-)probieren!

Wer übrigens noch mehr über britischen Cider erfahren will, kann hier weiterlesen.

Mit durstigen Grüßen,
Ihr Christoph Zalewski

Cider & more e.K. | ciderandmore.de | facebook.com/Ciderandmore

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