Studie

fritz-kola veröffentlicht neue Pfandstudie: Zahl der Pfandsammler nimmt auch 2024 zu

Zum 1. Juli 2024 tritt eine Rentenerhöhung von 4,57 Prozent in Kraft, die die Bezüge von etwa 21 Millionen Rentnern in Deutschland spürbar anhebt. Diese Anpassung, die auf einer positiven Lohnentwicklung basiert, führt dazu, dass beispielsweise eine Rente von 1.000 Euro um 45,70 Euro steigt. Diese Entwicklung ist besonders relevant vor dem Hintergrund der neuen Ergebnisse der fritz-kola Initiative „Pfand gehört daneben“, die in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov ihre dritte repräsentative Pfandstudie veröffentlicht hat.

Die aktuellen Ergebnisse für 2024 liefern Einblicke in die Lebensrealität der Pfandsammler in Deutschland, darunter auch viele Rentner, die ihr Einkommen durch das Sammeln von Pfandflaschen aufbessern. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Die Zahl der Pfandsammler ist seit 2021 kontinuierlich gestiegen. Aktuell gibt es 1.191.700 aktive Pfandsammler in Deutschland.
  • Für ein Viertel der Befragten liegt der Hauptgrund für das Sammeln von Pfandflaschen darin, dass ihre derzeitige berufliche Tätigkeit kein ausreichendes Einkommen bietet.
  • Zudem zeigt sich, dass es kein einheitliches Profil von Pfandsammlern gibt – fast die Hälfte von ihnen verfügt über Abitur oder die Fachhochschulreife.

Credit: Nicolai Diekmann

Die Initiative „Pfand gehört daneben“ von fritz-kola zielt darauf ab, das Bewusstsein für die Lebensrealität von Pfandsammlern zu schärfen und Vorurteile abzubauen. Durch die Studie möchte „Pfand gehört daneben” anhand repräsentativer Daten die Empathie für die Lebenssituation und Herausforderungen dieser oft übersehenen Gruppe von Menschen stärken.

Immer mehr Menschen sammeln Pfand

In den Innenstädten Deutschlands gibt es eine oft übersehene Gruppe: die Pfandsammler. Sie sind bei jedem Wetter auf den Straßen unterwegs, suchen nach Leergut und verdienen sich so nicht nur ihren Lebensunterhalt, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Recycling. Doch, wie leben diese Menschen und vor welchen Herausforderungen stehen sie tagtäglich? Die aktuellen Ergebnisse der Pfandstudie liefern einen Einblick: So sammeln immer mehr Menschen Pfand. In Deutschland sind es derzeit etwa 1.191.700 Personen [1]. Im September 2022 gab es 1.031.834 [2] und im November 2021 waren es 980.000 Pfandsammler [3].

Die Hauptmotivation zum Pfandsammeln ist häufig das fehlende ausreichende Einkommen aus der aktuellen Arbeit (25 %) [4]. Rund 23 % der Pfandsammler gehen auf die Suche nach Flaschen und Dosen, um ihre Rente aufzubessern. Ebenso geben 23 % an, dass sie auf diese Weise eine staatliche Unterstützung aufstocken.

Credit: Nicolai Diekmann

Pfandsammeln – über alle Gesellschaftsschichten hinweg ein Thema

Eine weitere wichtige Erkenntnis: Es gibt keine typische Person, die Pfandflaschen sammelt. Pfandsammler unterscheiden sich stark in Bezug auf das Alter: Ca. ein Viertel (26 %) sind 35-44 Jahre alt, über 55 Jahre alt sind 30 %, immerhin 19 % sind 25-34 Jahre alt, 16 % haben ein Alter von 45-54 Jahren und 8 % sind im Alter von 18-24 Jahren. Das Geschlechterverhältnis ist ebenfalls ausgeglichen, mit 58 % männlichen und 42 % weiblichen Pfandsammlern. Auch in der Haushaltsgröße zeigen sich Unterschiede: 18 % leben zu dritt, 28 % zu zweit und 28 % wohnen allein. Der Bildungsgrad spielt beim Pfandsammeln keine entscheidende Rolle. Fast die Hälfte der Pfandsammler (43 %) verfügt über Abitur oder Fachhochschulreife.

„Unser Ziel ist es, ein Sprachrohr für eine oft unsichtbare und ungehörte Gruppe in unserer Gesellschaft zu sein, um auf die schwierige Situation vieler Pfandsammler aufmerksam zu machen und für eine fairere Anerkennung ihrer Arbeit einzutreten“, so Pascal Fromme von der fritz-kola Initiative „Pfand gehört daneben“. „Pfandsammelnde Menschen sind unverzichtbare Mitglieder unserer Gemeinschaft und es ist entscheidend, ihren Beitrag zur Gesellschaft zu würdigen und zu unterstützen. Dafür müssen wir mit Klischees aufräumen und dafür sorgen, dass weniger Menschen Pfand sammeln müssen. Unsere Studien sind die Grundlage, um die Sammler in unserer Gesellschaft sichtbarer zu machen.“

Credit: Nicolai Diekmann

Pfandgeld reicht nicht zum Überleben – ein Drittel hat zusätzliches Einkommen

Das Sammeln von Pfandflaschen ist oft ein Gelegenheitsjob. Nur 16 % der befragten Pfandsammler sammeln täglich Pfand. Eine andere Realität, als sie die meisten Menschen erwarten. Denn 37 % aus der allgemeinen Bevölkerung gehen davon aus, dass der durchschnittliche Pfandsammler täglich sammelt.

Fast die Hälfte (48 %) der Pfandsammler verdient mit Pfandsammeln weniger als 50 EUR im Monat, was etwa 7 gesammelten Flaschen mit einem Pfandwert von 25 Cent pro Tag entspricht. Nur 8 % der Pfandsammler verdienen damit 500 EUR oder mehr im Monat, was etwa 66 gesammelten Flaschen mit 25 Cent Pfandwert pro Tag entspricht.

Selten ist das Pfandsammeln die einzige Einkommensquelle. Nur 6 % der Befragten leben ausschließlich von dem Geld, das sie durch Pfandsammeln verdienen. 33 % der Pfandsammler erhalten zusätzlich Geld aus einer Erwerbstätigkeit, 23 % bekommen ergänzend eine Rente. Weitere Einkommensquellen sind Bürgergeld (12 %), Eltern-/Kindergeld (12 %), Geld von Freunden und Familie (10 %), Sozialhilfe (9 %) und Arbeitslosengeld (9 %).

Vorurteil widerlegt – die meisten Pfandsammler sind nicht obdachlos

Wer meint, Pfandsammeln und Obdachlosigkeit gehören immer zusammen, liegt falsch. Denn die Mehrheit der befragten Pfandsammler (67 %) ist nicht obdachlos und war es auch noch nie. Im Gegensatz dazu glauben 73 % der allgemeinen Bevölkerung [5], dass einer der Gründe für das Pfandsammeln Obdachlosigkeit sei und die Betroffenen auf das Einkommen durch Pfandflaschen und -dosen angewiesen sind.

„Pfandsammeln ist immer noch mit vielen Vorurteilen belegt. Mit unserer Initiative ‚Pfand gehört daneben‘ setzen wir uns dafür ein, genau diese Vorurteile abzubauen“, erklärt Pascal Fromme. „Denn nur so können wir gemeinsam aktiv Lösungen zur Verbesserung der Situation der Pfandsammler finden.“

Immer mehr Menschen sammeln Pfand – eine von der Gesellschaft unbemerkte Entwicklung

Die gestiegenen Lebenshaltungskosten spielen eine bedeutende Rolle beim Pfandsammeln: Fast ein Drittel der Pfandsammler (31 %) hat deshalb 2024 erstmals Pfand gesammelt. Weiterhin geben 36 % an, dass sie aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten öfter und mehr Pfand sammeln als zuvor. Interessanterweise nehmen jedoch mehr als die Hälfte der allgemeinen Bevölkerung (57 %) trotz der gestiegenen Kosten nicht mehr Pfandsammler auf der Straße wahr. Sollte man das Pfandsammeln in Deutschland verbieten? Nein! Sagt die eindeutige Mehrheit – 84 % der deutschen Bevölkerung lehnen ein solches Verbot ab.

Über die Studien

[1] Zur absoluten Zahl der Pfandsammler: „Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2034 Personen zwischen dem 12. und 15.04.2024 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.“

[2] Pfandstudie 2022: „Untersuchung von Appinio vom 20.09.2021 bis 23.09.2021. Diese Schätzung basiert auf einer repräsentativen Befragung via Smartphone an 2.000 Deutsche zwischen 16 und 65 Jahren. Es kann aus verschiedenen Gründen sein, dass Pfandsammler über- oder unterrepräsentiert sind in der Stichprobe, u.a. weil ggf. die Zahl an Smartphone-NutzerInnen unter Pfandsammlern oder der monetäre Anreiz der Befragung für Pfandsammler sich vom deutschen Durchschnitt unterscheiden könnten.“

[3] Pfandstudie 2021: „Untersuchung von Appinio vom 19.11.2021 bis 25.11.2021. Diese Schätzung basiert auf einer repräsentativen Befragung via Smartphone an 2.000 Deutsche zwischen 16 und 65 Jahren. Es kann aus verschiedenen Gründen sein, dass Pfandsammler über- oder unterrepräsentiert sind in der Stichprobe, u.a. weil ggf. die Zahl an Smartphone-Nutzern unter Pfandsammlern oder der monetäre Anreiz der Befragung für Pfandsammler sich vom deutschen Durchschnitt unterscheiden könnten.“

[4] Befragung aktive Pfandsammler: „Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 520 Personen, die regelmäßig Pfand sammeln, zwischen dem 04. und 10.04.2024 teilnahmen.“

[5] Befragung allgemeine Bevölkerung: „Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 1064 Personen zwischen dem 04. und 10.04.2024 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.“

Über fritz-kola

fritz-kola wurde 2002 von zwei Studenten in Hamburg gegründet. Die erste Kola kam 2003 auf den Markt, zahlreiche safthaltige Limonaden und Schorlen folgten. Der Umwelt zuliebe setzt fritz-kola seit der Gründung auf Glasmehrwegflaschen und baut die dezentrale und verbrauchernahe Abfüllung stetig aus. Darüber hinaus engagiert sich fritz-kola mit der Initiative „Pfand gehört daneben“, der Bewegung „Trink aus Glas“ und in zahlreichen Projekten für eine nachhaltige Gesellschaft. Mirco Wolf Wiegert und Florian Weins sind Geschäftsführer des Unternehmens.

Über „Pfand gehört daneben“

Die Aktion „Pfand gehört daneben“ erinnert die Besitzer leerer Pfandflaschen daran, sie ordentlich neben Abfalleimern abzustellen. Damit wird Obdachlosen das mühsame und gefährliche Wühlen in Abfallbehältern erspart. Zusätzlich landen mehr Mehrwegflaschen bei Getränkeherstellern anstelle der Müllverbrennung. Nach der Übernahme der Gründerinitiative im Jahr 2015 setzen engagierte Mitglieder ihre Arbeitszeit und Herzblut in die Initiative. Über 100 Partner, darunter Getränkehersteller, unterstützen „Pfand gehört daneben“, um Pfandgelder leichter Bedürftigen zugänglich zu machen. Die Initiative dehnt sich sogar nach Polen und in die Niederlande aus, unter dem Namen „Every Bottle Helps“.

Mehr Informationen unter: pfand-gehoert-daneben.de

Quelle/Bildquelle: fritz-kola GmbH

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