interview higgins design
Interview

„Beverage Branding seit 2015“ – Sandra Roth & Karsten Kummer über Higgins Design

Die Agentur Higgins Design wurde 2015 von Sandra Roth und Karsten Kummer im Hamburger Schanzenviertel gegründet. Higgins steht für maßgeschneidertes und zeitgemäßes Packaging- und Brand-Design im Getränkesektor. Das Team entwickelt ganzheitliche Design-Lösungen für alle gängigen Touchpoints und kann auf jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit mit namhaften Kunden im In- und Ausland zurückblicken.

Im Interview sprechen Sandra Roth und Karsten Kummer über die Gründung und Entwicklung von Higgins Design, ihren Fokus auf Getränkedesign und die Zusammenarbeit mit renommierten Marken. Zudem geben sie Einblicke in aktuelle Trends und zukünftige Herausforderungen im Bereich Verpackungsdesign, einschließlich der Rolle von KI und Nachhaltigkeit.

Seit wann gibt es Higgins Design? Mit welcher Idee ist das Unternehmen entstanden?

Sandra Roth: Higgins Design haben wir 2015 im Hamburger Schanzenviertel gegründet. Die Idee zur eigenen Agentur entstand nach vielen erfolgreichen Jahren in verschiedenen Design- und Führungspositionen.

Karsten Kummer: Wir hatten Lust, ein eigenes Unternehmen genau nach unseren Vorstellungen zu gründen, nachdem wir festgestellt hatten, dass es viele Überschneidungen gab, wie wir uns eine solche Agentur vorstellten.

Woher kam die Entscheidung, sich auf Brand- und Packaging-Design im Getränkebereich zu spezialisieren? Hatten Sie bereits vorher Erfahrungen im Getränkeumfeld?

Karsten Kummer: Für die Getränkebranche, insbesondere die Bierbranche, hatten wir schon immer ein Faible. Unsere umfangreichen Erfahrungen in diesem Bereich waren dann auch ausschlaggebend für die Spezialisierung unserer Agentur.

radeberger

©Higgins Design

Sandra Roth: Der Bereich ist äußerst dynamisch und bietet von alkoholfreien Getränken bis zu hochwertigen Spirituosen eine große Vielfalt. Unsere Arbeit beschränkt sich nicht nur auf das Etikett, sondern wir entwickeln komplette Markenwelten, einschließlich der digitalen Präsenz auf Plattformen wie Instagram.

Einen Großteil Ihrer Kunden bilden bekannte Brauerei und Biermarken. Für welche arbeiten Sie?

Sandra Roth: Higgins Design arbeitet unter anderem für Marken wie Benediktiner, Efes, Grevensteiner, Hacker-Pschorr, Havana Club, Jever, Karlsberg, Krombacher, Licher, Lichtenauer, Mixery, Brauerei Gebr. Maisel, Paulaner, Radeberger, REWE, Rhodius, Schneider Weisse, Schöfferhofer, Schweppes, Stuttgarter Hofbräu, Veltins, V+, Vitamalz und Viva Con Agua.

vitamalz

©Higgins Design

Stichwort: Tradition vs. Innovation. Wie hat sich das Packaging-Design von Bieren über die Jahre verändert? Worauf legen die Brauereien heute wert? Und gibt es Unterschiede im In- und Ausland?

Sandra Roth: Tradition bedeutet nicht, dass sich nichts verändern darf. Tradition ist natürlich wichtig, gerade bei Bierkunden, die oft eine jahrhundertealte Tradition aufweisen. Ob als Retro-Trend oder als feinjustiertes Designelement, es gilt, immer die geeignete Interpretation von Tradition zu finden.

schneiders landbier

©Higgins Design

Karsten Kummer: Was sich in den letzten Jahren geändert hat, ist aus meiner Sicht der Trend zur Individualisierung, der sich auch in Markendesigns widerspiegelt. Marken versuchen immer mehr, Nischen zu finden, da der breite Massengeschmack nicht mehr vorherrscht. Unterschiede im Design zwischen In- und Ausland gibt es zwar immer noch, doch sie werden zunehmend subtiler. Früher war es leichter, ein englisches Bier anhand des Designs von einem deutschen zu unterscheiden. Dies liegt auch daran, dass die Designs individueller geworden sind und eine landestypische Designsprache nicht mehr so stark ausgeprägt ist.

schneiders bier

Higgins Design

Zuletzt haben Sie Radeberger einen neuen Auftritt verpasst. Wie waren Sie da aktiv? Wie lief der gesamte Prozess von der Idee bis zum Roll-out ab?

Sandra Roth: Der Markenrelaunch war ein mutiger Schritt. Wir zielten darauf ab, neue, jüngere Zielgruppen anzusprechen, ohne die Stammkunden zu verlieren. Die umfassende Neugestaltung schloss wesentliche Änderungen des Logos, der Farbgebung und der gesamten Markenwelt ein.

radeberger relaunch

©Higgins Design

Karsten Kummer: Unsere Reise mit Radeberger begann tatsächlich im Radeberger Archiv, um herauszufinden, woher die Marke kommt und sie besser zu verstehen, nur so ist es möglich, authentischen Design zu entwickeln.

Blicken wir auf die Spirituosenmarken, die Sie betreuen. Welche sind das? Wie ist der Ansatz bei den Spirituosen im Vergleich zum Bier – lauter, wilder, mutiger?!

Sandra Roth: Wir haben für diverse Spirituosenmarken gearbeitet, darunter größere wie Havana Club und Jack Daniels, aber auch kleinere, wie die Spirituosenschmiede in Hessen. Der Spirituosenmarkt ist vielseitig und reicht von laut und wild bis hin zu leise und subtil.

Karsten Kummer: Unsere Erfahrungen mit Spirituosenmarken zeigen, dass hier vor allem Storytelling gefragt ist. Produkte, die Geschichten erzählen, bleiben im Gedächtnis. Spirituosenmarken haben viel zu erzählen und bieten viel Platz dafür. Die Zielgruppe für Spirituosen ist aufgrund der höheren Preise besonders anspruchsvoll, weshalb wir hier aus dem Vollen schöpfen können, was beispielsweise Druckveredelung angeht.

weinschorle

©Higgins Design

Rückblickend: Gab es ein Projekt, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? Vielleicht, weil es besonders komplex war oder die Umstellung auf ein neues Design sehr radikal?

Sandra Roth: Die Antwort fällt schwer, da jedes Projekt einzigartig ist und wir jede unserer Marken lieben. Aber der Relaunch von Warsteiner bleibt mir besonders in Erinnerung. Was wir mit dem guten alten Herrn Cramer nicht hätten umsetzen können, gelang mit seiner mutigen Tochter. Ein modernisierter Warsteiner Schriftzug und ein helles, aufgeräumtes Rundlogo war wirklich ein Meilenstein für die Marke.

Karsten Kummer: Dieses Projekt war unser erstes großes Projekt bei Higgins und ist mir noch sehr gut in Erinnerung. Mittlerweile fällt mir eine Antwort schwerer, da unsere Projekte ein bisschen wie unsere Babys sind und wir alle unsere Kinder gleich lieben.

hacker pschorr

©Higgins Design

Konsumenten kaufen ein Produkt längst nicht mehr nur aufgrund der Qualität. Das Markendesign und Packaging nehmen eine immer wichtigere Rolle ein. Sind sie beim Erstkontakt sogar das entscheidende Kaufkriterium?

Sandra Roth: Ein schlechtes Produkt lässt sich nicht allein durch gutes Design verkaufen. Produktqualität ist natürlich wichtig. Aber bei Produkten, die sich nur marginal unterscheiden, ist die Markengestaltung und Markenführung ausschlaggebend. Der erste Eindruck ist dabei der wichtigste.

schöfferhofer biermix

©Higgins Design

Karsten Kummer: Meiner Meinung nach wird die Kaufkraft, die gutes und durchdachtes Design entfachen kann, oft noch unterschätzt. Brand-Design ist meist der erste Berührungspunkt für den Kunden mit dem Produkt und daher ein wichtiges Kaufkriterium.

Wie wird sich das Thema Design Ihrer Meinung nach in Zukunft noch entwickeln? Welche Möglichkeiten, Chancen, aber vielleicht auch Risiken sehen Sie für die Branche?

Sandra Roth: Technische und gesellschaftliche Veränderungen müssen auch im Packaging-Design berücksichtigt werden. Ob Individualisierung und Diversifizierung, Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit oder künstlich generierte Inhalte, all diese Aspekte sind extrem wichtig.

Karsten Kummer: Design war schon immer ein Spiegelbild seiner Zeit und wird es auch in Zukunft sein, deshalb wird es sich stets verändern und in Bewegung bleiben. Welche Möglichkeiten es für die Branche in Zukunft geben wird, ist aus diesem Grund unmöglich vorherzusagen, denn die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

Das Thema KI ist aktuell in aller Munde. Welche Rolle spielt es in Ihrem Bereich und welche Rolle wird es in Zukunft spielen?

Sandra Roth: Es ist faszinierend, was mit KI heute schon umsetzbar ist. Viele Tools, die wir heute nutzen, konnten wir uns vor einigen Monaten noch nicht einmal vorstellen. Ich erinnere mich an eine Zeit, in der Verpackungen ohne Computer gestaltet wurden – heute unvorstellbar. Doch eine Blackbox, die perfekte Ergebnisse auswirft, wird es auch mit KI nicht geben.

Karsten Kummer: KI ist eine industrielle Revolution, die keine Branche unberührt lässt und auch bei uns grundlegende Veränderungen bewirken wird. Wir nutzen verschiedene KI-Tools bereits heute und empfinden sie als sehr hilfreiche Werkzeuge, aber was die Zukunft angeht, bleibt sie ungewiss. Auf jeden Fall bleiben wir beim Thema KI am Ball und sind zuversichtlich.

Higgins Design | Website | Facebook | Instagram | LinkedIn

+++ Wir bedanken uns bei Sandra Roth und Karsten Kummer für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

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