Bacardí-Familienmitglied Enrique Comas: „152 Jahre unzähmbare Markentradition“

BACARDÍ blickt in diesem Jahr mit seiner globalen Kampagne „Untameable Since 1862“ auf 152 Jahre Markentradition zurück. Dass der Weg in all diesen Jahren nicht einfach war, zeigten Erdbeben, Brände, die Prohibition sowie die Vertreibung ins Exil. Doch in diesen Situationen bewies das Familienunternehmen seine Unverwüstlichkeit und seinen ungebrochenen Willen. Das Ergebnis dessen ist heute wohl bekannt: BACARDÍ ist der meist ausgezeichnete Rum der Welt.

Noch immer liegen die Geschicke des Unternehmens in Händen der Bacardí-Familie. about-drinks sprach mit Enrique Comas, Familienmitglied in der sechsten Generation sowie Global Brand Manager für BACARDÍ Rum, über die Geschichte des Unternehmens.

Herr Comas, in welcher Position sind Sie bei BACARDI tätig?
Enrique Comas: Ich bin Global Brand Manager für BACARDÍ Rum. In meiner Rolle als Global Brand Manager bin ich auf Trade Advocacy spezialisiert, also verantwortlich für die Schulung von Bartendern zu BACARDÍ Rum und inspiriere sie zur Kreation großartiger Cocktails aus dem BACARDÍ Rum Portfolio.

Darüber hinaus sind Sie auch Familienmitglied der Familie Bacardí, richtig?
Enrique Comas: Ich gehöre zur sechsten Generation der Familie Bacardí und bin ein direkter Nachkomme von Don Facundo Bacardí Massó, dem Gründer der Firma BACARDÍ und Schöpfer von BACARDÍ Rum. Mein Familienzweig hat seinen Ursprung bei Emilio Bacardí Moreau, Don Facundos ältestem Sohn. Meine Großmutter war Ana Maria Bacardí. Aufgrund der Tatsache, dass nach der spanischen Tradition der Namensgebung Kinder den Nachnamen von jedem ihrer Elternteile annehmen und somit einen Doppelnamen haben, wurde aus meinem Vater Comas Bacardí. Ich habe das „Bacardí“ in meinem Namen jedoch verloren. Mein Vater ist Totén Comas Bacardí, ein ehemaliger Maestro de Ron BACARDÍ (Bacardí Rum Master Blender).

Erzählen Sie unseren Lesern vom Ursprung der Marke: Wie hat alles begonnen?
Enrique Comas: Don Facundo Bacardí Massó, der Gründer unseres Familienunternehmens, hatte keinen leichten Start. Von seinem Geburtsort Sitges in Spanien reiste Don Facundo nach Santiago de Cuba, um dort in dem Gemischtwarenladen seiner Brüder zu arbeiten. Er sparte lange und eisern jeden Peso, den er verdiente, sodass er 1844 endlich sein eigenes Geschäft eröffnen konnte. Doch bereits wenige Jahre später sollte ihn die erste Katastrophe ereilen. 1852 erschütterte ein Erdbeben die Stadt. Durch das Erdbeben, die Nachbeben und den darauf folgenden Cholera-Ausbruch verlor ein Drittel der Einwohner von Santiago de Cuba sein Leben – darunter auch Don Facundos Sohn Juan und seine Tochter María. Am Boden zerstört floh Don Facundo nach Spanien, um seine Familie zu schützen. Als er nach Kuba zurückkehrte, fand er sein Geschäft, für das er so lange gespart hatte, geplündert vor. Da sich die Wirtschaft Kubas an einem Tiefpunkt befand, hatte er keine andere Wahl, als Konkurs anzumelden.

Doch für Don Facundo offenbarte sich selbst in dieser finstersten Stunde eine Chance: Rum wurde Mitte des 19. Jahrhunderts lediglich als billiges, zuckerhaltiges Feuerwasser angesehen. Don Facundo ahnte aber, dass in diesem Getränk noch sehr viel mehr steckte. Und da ihm der Konkurs einen Neuanfang ermöglichte, machte er sich unaufhaltsam auf den Weg, seiner wahren Leidenschaft nachzugehen: der Rumherstellung.  Um seiner Idee eines leichten, veredelten Rums näher zu kommen, war Kreativität gefragt. Er beobachtete, wie ein Freund Bonbons und Weinbrand herstellte und erkannte: Die gleiche Ausrüstung könnte durchaus auch seinem eigenen Zweck dienlich sein. Also begann Don Facundo, zu experimentieren. Da es bisher keine Anleitung für diese Art der Rumherstellung gab, konnte er nur ausprobieren und verbrachte in den eigenen vier Wänden jede freie Minute damit, zu kreieren und zu destillieren.

Nachdem er die Ausrüstung perfektioniert hatte, konzentrierte er sich darauf, jeden Aspekt des Produktionsprozesses zu optimieren: Er probierte zunächst einheimische kubanische Hefen, bevor er sich auf einen bestimmten Bakterienstamm spezialisierte. Er verkostete und testete, bis er die beste Melasse für die Gärung gefunden hatte und kaufte anschließend Fässer aus amerikanischer Weißeiche, in denen sein Basis-Rum reifen konnte. Und schließlich, im Jahre 1862, war es endlich so weit. Über zehn Jahre hatte Don Facundo den Herstellungsprozess seines Rums immer wieder perfektioniert und war nun bereit, das Getränk zu präsentieren, an dem er so lange getüftelt hatte: einen leichten, veredelten Rum. Auch heute noch basiert jede Flasche BACARDÍ auf genau diesem Originalrezept.

Die Geschichte war nicht immer nur positiv: Feuer im Jahr 1880, Prohibition in den 1920ern oder die Revolution in den 1950ern. Wie ist man mit alledem umgegangen?
Enrique Comas: Mit kompromissloser Leidenschaft und dem unzähmbarem Willen, jede Herausforderung zu meistern – egal, was das Schicksal bereithält. Diese Einstellung liegt in der DNA unserer Familie und wird durch „El Coco“ symbolisiert, eine Kokospalme, die Facundo Bacardí Moreau, der damals 14jährige Sohn von Don Facundo, zur Eröffnung der ersten Destillerie im Jahre 1862 pflanzte. Der Legende nach sollte das Unternehmen in Kuba nur so lange bestehen, wie es die Palme gab. Und genau wie die Leidenschaft unserer Familie trotzte auch „El Coco“ allen Katastrophen, die sie in den folgenden Jahrzehnten erwarteten: Ob Erdbeben, Kriege oder Brände, sie gedieh einfach weiter – so wie die Männer in der Destillerie weiterhin den BACARDÍ Rum herstellten.

Der 28. Oktober 1919 war kein guter Tag. Der US-Kongress verabschiedete den Volstead Act, besser bekannt als die Prohibition. Von nun an war es verboten, in Amerika Alkohol herzustellen, zu transportieren, zu importieren, zu exportieren oder zu verkaufen. Den Rum zu verkaufen, war für unsere Familie also keine Option mehr. Ihn einfach zu vernichten, kam aber auch nicht in Frage. Was also tun mit den Unmengen an Rum? Die Lösung fand Don Facundos Schwiegersohn Enrique Schueg. Als Chef von BACARDÍ verkündete Schueg den Verkauf von 60.000 Aktien der BACARDÍ U.S. Bottling Company. Nach dieser Ankündigung wurde das Unternehmen stillgelegt und Schueg zahlte jedem Aktionär pro Aktie eine Kiste Rum als Entschädigung aus. Die neuen Aktionäre waren glücklich, Schueg hatte BACARDÍ noch bekannter gemacht und nicht ein Tropfen war verschwendet worden. Kurz nach der Einführung der Prohibition begann ein regelrechter Massentourismus nach Kuba. Fluggesellschaften warben für Reisen zur Heimat BACARDÍs und das Fortune Magazine bezeichnete die Hauptstadt als „inoffiziellen US-Saloon“.

1960 wurde BACARDÍ allerdings erneut auf die Probe gestellt. Als Kubas Revolutionsregierung alle ausländischen Immobilien auf der Insel übernahm, geriet BACARDÍ ebenfalls ins Visier – obwohl das Unternehmen zu dieser Zeit als Ikone des kubanischen Patriotismus galt. Das war ein großer Schock für unseren Familienbetrieb, der in kubanischem Besitz, gut geführt, vorbildlich organisiert und human ausgerichtet war. Zu dieser Zeit wurden ohne Entschädigung insgesamt 400 Immobilien in Privatbesitz beschlagnahmt, darunter auch BACARDÍs kubanisches Eigentum. Mit einem Enteignungsdokument betraten Offiziere die BACARDÍ-Zentrale in Havanna, um den Besitz in Beschlag zu nehmen. Allerdings war das Gebäude, in das die Armee einmarschierte, genau genommen nur das Verkaufsbüro. Das eigentliche Büro befand sich auf der anderen Seite des Landes, in Santiago de Cuba. Dieser Fehler der Regierung bewahrte BACARDÍ zwar nicht davor, beschlagnahmt zu werden, er gab unseren Master Blendern aber genügend Zeit, den geheimen Hefestamm zur Herstellung des Rums zu vernichten. So konnten wir unser Geheimrezept behüten, verloren aber sonst fast alles – die Brennereien, Brauereien, Büros, Lagerhallen, reifende Rumvorräte und sogar unsere Elternhäuser. Der gesamte kubanische Besitz wurde illegal und ohne Entschädigung von der revolutionären Regierung beschlagnahmt. Die Prophezeiung zu „El Coco“ bewahrheitete sich: Sie verkümmerte und ging bald darauf ein, während unsere Familie ins Exil ging. Heute steht an jedem unserer Standorte weltweit auch immer eine Kokospalme, die uns an unsere Herkunft und Geschichte erinnert.

Wie ging es dann weiter? Wie wurde BACARDI zu der großen Marke, die sie heute ist?
Enrique Comas: Der Grundstein für den weltweiten Erfolg wurde bereits 1910 gelegt. Als erstes kubanisches Unternehmen überhaupt expandierte Enrique Schueg – Don Facundo Bacardí Massós Schwiegersohn und dritter Präsident des Unternehmens BACARDÍ – ins Ausland.

Im Jahr 1928 kam es zur riskantesten Expansion in der Geschichte des Unternehmens: Schueg schickte den Mann seiner Nichte, Pepín Bacardí Fernández, nach Mexiko, um dort einen neuen Betrieb aufzubauen. Die Anfangszeit in Mexiko war hart und nach zwei Jahren starb Fernández an einer Lungenentzündung. Er wurde durch Schuegs Schwiegersohn Pepín Bosch ersetzt, der der Geschichte eine positive Wendung brachte: Mit dem Auftrag, den enttäuschenden mexikanischen Betrieb zu schließen, lieh sich Bosch stattdessen 100.000 Pesos von der National City Bank von Mexiko und eröffnete 1931 die erste BACARDÍ Brennerei außerhalb von Kuba. Er investierte sein eigenes Geld in eine LKW-Flotte, um den Lieferprozess innerhalb Mexikos zu beschleunigen. Zudem stellte er Texcoco Indianer an, um Holzkörbe um die gläsernen Rumflaschen flechten zu lassen – da diese bei den Mexikanern überaus beliebt waren. Boschs unerschütterlicher Glaube, sein Wissen um die mexikanischen Besonderheiten und die Tatsache, dass er niemals aufgab, machten sich bezahlt. Innerhalb eines Jahres wurden in Mexiko 80.000 Kisten BACARDÍ verkauft.

Es waren zweifellos turbulente Zeiten. Doch mit viel Einfallsreichtum und dem Mut zur Expansion verfolgte unsere Familie weiter ihr Ziel: Kubas erstes multinationales Unternehmen zu erschaffen und sicherzustellen, dass BACARDÍ im Geschäft bliebe – was auch immer die Zukunft in Kuba bringen möge. Mit der Revolution, der Beschlagnahmung aller kubanischen Besitztümer und der Vertreibung ins Exil gab es erneut einen entscheidenden Rückschlag. Doch auch in diesem Moment war Pepín Bosch die Rettung: Es stellte sich heraus, dass er die Marke BACARDÍ in den 50er Jahren außerhalb Kubas hatte registrieren lassen. Und da es bereits Niederlassungen in anderen Ländern gab, konnten wir die weltweite Produktion legal fortführen. Dreißig Jahre lang waren diese im Ausland registrierten Unternehmen für die kubanische Regierung unerreichbar und konnten bis zu ihrer Wiedervereinigung Anfang der 90er Jahre weiterhin Rum produzieren. Die Kombination aus Weitblick, unternehmerischem Talent und nicht zuletzt einer gesunden Portion Glück machte Pepín Bosch zum Retter unseres Unternehmens.

Was hat es mit der Fledermaus auf sich – warum ziert sie das Logo?
Enrique Comas: In der ursprünglichen BACARDÍ Destillerie hingen sie zu Scharen von den Dachsparren und nisteten in den dunkelsten Ecken. Doña Amalia, Don Facundo Bacardí Massós Frau, war sich der positiven Symbolik von Fledermäusen bewusst – diese galten bei den ehemaligen Ureinwohnern Kubas, den so genannten Taínos, als Hüter aller Kulturgüter. Und auch die Spanier sahen sie als Boten für Gesundheit, Glück und Familienzusammenhalt.

Da Doña Amalia eine vorausschauende Frau war, erkannte sie bereits vor allen anderen, dass der Rum ihres Mannes eine starke visuelle Identität benötigte, um Erfolg zu haben. Sie wusste, dass die meisten Kubaner weder lesen noch schreiben konnten. Ein einprägsames Logo konnte ihnen jedoch helfen, ihren Lieblingsdrink wiederzuerkennen und diesen problemlos an der Bar zu bestellen. Darum erhielten von nun an alle BACARDÍ Fässer ein Brandzeichen mit schwarzer Fledermauskontur. Jeder, egal aus welcher Schicht der kubanischen Gesellschaft, konnte dieses Logo zuordnen und sicher sein, dass es sich garantiert um den leichten, puren BACARDÍ Rum handelte – wo immer er die Fledermaus auch sah. Und bis zum heutigen Tag hat sich daran nichts geändert: Die Fledermaus ziert noch immer jede Flasche BACARDÍ.

Sie kennen BACARDI wohl wie kaum ein anderer. Wie genießen Sie den Rum am liebsten?
Enrique Comas: Es gibt verschiedene Rumsorten im BACARDÍ Portfolio, die mir besonders gut schmecken und die ich je nach Anlass auf unterschiedliche Weise trinke. Wenn ich mich zurücklehnen und in guter Gesellschaft einen tollen Drink genießen möchte, fällt meine Wahl wahrscheinlich auf BACARDÍ 8 Años, serviert auf Eis mit einem Hauch von Orangenschale, oder auf einen BACARDÍ 8 Años Old Fashioned. Wenn der Anlass allerdings etwas Leichtes, Erfrischendes fordert, greife ich zum BACARDÍ Superior für einen Original Daiquirí oder zum BACARDÍ Gold für einen Cuba Libre. Das Schöne an Rum und einer Marke wie BACARDÍ, die über ein umfangreiches Rumportfolio verfügt, liegt darin, dass es ein Getränk für jeden Anlass gibt und jedes geschmacklich etwas Besonderes ist.

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[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_cta_button2 style=“rounded“ txt_align=“left“ title=“Text auf der Schaltfläche“ btn_style=“rounded“ color=“blue“ size=“md“ position=“right“]Wir bedanken uns für das offene und sehr interessante Interview und wünschen Enrique Comas sowie BACARDÍ weiterhin viel Erfolg! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt![/vc_cta_button2][/vc_column][/vc_row]

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