Interview

Spirituosen-Subkultur: Carsten Baade über Abyme Vodka, Rhizom Gin und Ambiq Bitter Aperitif

„Unabhängige Spirituosen für eine freie Subkultur“ – dafür stehen Carsten Baade, Jonas Westphal, Jens Claaßen und David Shifren mit ihren Produkten Abyme Vodka, Rhizom Gin und dem neuen Ambiq Bitter Aperitif. Als kreative Außenseiter mit Wurzeln in der Berliner Musik- und Clubkultur richten sie sich an alle, die Wert auf Nachhaltigkeit und fairen Handel legen. Die J. Westphal & C. Baade, Abyme GbR ist Mitgliedsunternehmen in der Gemeinwohlökonomie und sogar die erste in der GWÖ bilanzierende Spirituosenfirma in Deutschland.

Was das genau bedeutet, erzählt Carsten Baade im Interview. Wir haben mit ihm über die Produkte, deren Herstellung, die Idee hinter den Marken und die Spirituosen-Subkultur gesprochen.

„Unabhängige Spirituosen für eine freie Subkultur“ – seht Ihr Euch als Subkultur innerhalb der Spirituosenbranche?

Carsten Baade: Ja, unbedingt. In der Branche gibt jede Menge Mainstream und edle Premiummarken – das ist auch gut so. Aber unser Ansatz ist ganz anders. Auf der einen Seite sehen wir uns selbst als kreative Außenseiter mit biografischen Ankern in der Berliner Musik- und Clubkultur. Auf der anderen Seite sind wir vor allem für all jene Bars, Clubs und Festivals interessant, die sich kulturell mit großen Marken schwertun, die Wert auf Nachhaltigkeit und fairen Handel legen. Letztendlich geht es immer auch ein bisschen um Politik, um Haltung. Dazu gehört eine kritische Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus und eine klare Position gegen Rassismus und Diskriminierung.

Jonas Westphal, Carsten Baade, Jens Claaßen, David Shifren. (Foto: Patrick Rüegg)

Wie habt Ihr diese Subkultur und Eure Idee in die Marken übertragen?

Carsten Baade: Das geht vom Design bis zu unseren Markennamen: Unsere Spirituosen tragen Konzepte, Stimmungen, Kunst und etwas Philosophie in Namen und Design. Manchmal etwas kryptisch aber plausibel. Dabei sind die Verbindungen zur Trinkkultur nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. Im Kern geht es darum, dem Charakter des Schnapses, den unterschiedlichen Trinkkulturen und unserer eigenen Identität Ausdruck zu verleihen. Vielleicht mögen wir es auch einfach etwas rätselhaft.

„Wichtig ist uns immer, den Wert und Sinn von Arbeit als solche im Blick zu behalten. Und den Feierabend.“ – Carsten Baade

Welche Werte vertretet Ihr? Und welche Rolle spielt das Thema Gemeinwohlökonomie bei Euch?

Carsten Baade: Wir stehen für Nachhaltigkeit, Fairness und Transparenz bei den Spirituosen. Und in Sachen neuer Arbeitswelt versuchen wir unkonventionelle Wege zu gehen, alle etwas besser zu machen. Dabei orientieren wir uns unter anderem an der Matrix der Gemeinwohlökonomie. Dabei geht es darum, sich selbst in seinem Handeln als Unternehmen auf allen Ebenen kritisch zu reflektieren. Von den Lieferketten über die Produktion bis zum Umgag mit Geld, Mensch und Ressourcen. „Wichtig ist uns immer, den Wert und Sinn von Arbeit als solche im Blick zu behalten. Und den Feierabend.“

Das erste Produkt war der Abyme Vodka. Erzähle uns etwas über das Produkt!

Carsten Baade: Das Konzept des Mise en Abyme beschreibt die unendliche Spiegelung, das Bild im Bild, die visuelle Täuschung, den ewigen Loop. Ein bisschen wie das Leben in der Nacht, im Club, am Tresen. Der Wodka selbst ist einfach gut, ehrlich, bio, keine Ackergifte und ohne Zauberei aus Weizen produziert. Unser Konzept ist kein Geheimnis: höchste Bio-Qualität zum bestmöglichen Preis. Unserer Idee nach kann nachhaltige Landwirtschaft nur so im Mainstream ankommen. Bio für alle – und das ist ein Anfang.

Es folgte dann Euer Rhizom Gin. Was macht ihn aus?

Carsten Baade: Unser Rhizom Gin ist trocken, fruchtig und dezent. Wir haben so lange mit Botanicals jongliert, bis wir den für uns perfekten Gin & Tonic hatten. Quasi ein urbaner Wald, ein Zitronenbaum aus Berlin. Der Name spielt auf das philosophische Konzept des Rhizom an, bei dem Autorität und Hierarchien infrage und gleichwertige Verbindungen in den Mittelpunkt gestellt werden.

Ganz neu ist Euer Aperitif namens Ambiq. Wie ist er entstanden?

Carsten Baade: Unser Ziel war es, einen natürlichen Bitter Aperitif zu machen, nach 23 Veränderungen am Rezept waren wir dann zufrieden und sind es immer noch.

Wo kommt Euer Ambiq am besten zu Geltung? Wie wird er getrunken?

Carsten Baade: Am besten trinkt man ihn als Spritz, Negroni, mit Soda oder Tonic. Gerne mit einer Orangenscheibe. Für muss so ein Aperitif sein: herb, fruchtig, bitter, aber natürlich.

Welche Zielgruppen sprecht Ihr mit Euren Spirituosen an?

Carsten Baade: Wir wenden uns alle, die sich über schöne Designs, hohe Qualität und Nachhaltigkeit freuen. Hinzu kommen unsere moderaten Preise. Wenn dann noch unser Konzept gefällt, großartig!

Über welche Distributionswege werden die Produkte vermarktet?

Carsten Baade: Wir vertreiben direkt und über den Fachhandel sowie GFGHs im Bereich Gastro. Es gibt immer einen Weg. Innerhalb Berlins liefern wir mit dem CO2-neutralen Kurier*Innen Kollektiv Fahrwerk.

Welche Pläne habt Ihr mit den Produkten und im Allgemeinen für dieses Jahr?

Carsten Baade: Zunächst sagen wir mit unserem Ambiq dem Sommer Hallo! Dann geht es in die Festivalsaison. Wir freuen uns auf eine Reihe von Tastings und dann planen wir unser 10-jähriges Bestehen.

Abyme Vodka | Website | Instagram | Facebook

+++ Wir bedanken uns bei Carsten Baade für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

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