Simon’s Feinbrennerei: Mehr Heimat geht nicht!

Im bayerischen Vorspessart mitten im Kahlgrund liegt die Heimat der Feinbrennerei Simon´s: der idyllische Dörsthof. Seit 1707 ist das Hofgut Simon in Alzenau-Michelbach im Spessart beheimatet. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden aus dem ursprünglichen Mischbetrieb das Weingut und die Brennerei für Gaumenfreunden erster Güte. Seit mittlerweile fünf Generationen werden hier alte Traditionen gepflegt und überlieferte Rezepturen mit frischen Ideen zu unverwechselbaren Destillaten kombiniert.
Inzwischen entwickelt sich die einst auf Obstbrände spezialisierte Brennerei unter der Leitung von Severin Simon zu einer Manufaktur für Obstbrände von heimischen Streuobstwiesen, die unter Kennern hoch geschätzt und von der Fachpresse vielfach ausgezeichnet sind. In der neuen, nach Severin Simons Vorgaben erbauten Destille werden nun der Simon´s Rum und der Whiskey gebrannt. Der Gin genießt das Vorrecht auf die bewährte kleinere Apparatur. So bringt die Feinbrennerei für jedes Destillat die optimale Brennereitechnik zum Einsatz.

Im Interview spricht Severin Simon über den ersten deutschen Rum, das Besondere an Nachhaltigkeit und Regionalität, die Liebe zum Brennen und welche Ideen er noch hat.

Herr Simon: Deutscher Rum? Haben wir das richtig verstanden: Sie brennen den ersten deutschen, den ersten bayerischen Rum auf Ihrem Dörsthof mitten im Spessart?
Severin Simon: Ja, tatsächlich. Das machen wir. Ob wir die ersten sind? Ich weiß es gar nicht. Spielt für mich auch gar keine Rolle. Wichtig ist, wie wir es machen.

Wie machen Sie es denn?
Severin Simon: Wir legen in unserer Feinbrennerei Simon´s extrem viel Wert auf Nachhaltigkeit und Regionalität. Das aber ist für mich kein Widerspruch zum Herstellen von Rum. Klar, dafür braucht man Zucker und der wächst in Europa nicht. Wir haben lange nach einer Lösung gesucht und sind jetzt sehr glücklich darüber, ein paar „Verrückte“ gefunden zu haben, die uns die Zuckerrohrmelasse aus der Karibik per Windkraft hierher bringen: Die Melasse wird tatsächlich gesegelt! Quer über den Atlantik, mit einem 32 Meter langen Schoner. Ein großartiges Schiff, wie aus dem Bilderbuch oder einem Hollywood-Blogbuster-Piratenfilm. Es gibt keinen Motor, nur Segel, ein knarzendes Holzdeck, riesige Taurollen und alles, was so zu einem alten Segelschiff dazugehört. Das ist echtes Abenteuer und einfach genial. So spielt die Entfernung plötzlich keine Rolle mehr. Der Rest ist dann wieder ganz lokal: gelagert wird in Spessarteiche. Das ist ein großer Bogen, aber wir schaffen es, ihn zu spannen. Gerade diese Herausforderungen sind das Salz in der Suppe. Weil: Einfach kann ja jeder!

Wie lassen sich die anderen zwei Exoten in Ihrem Sortiment – Whiskey und Gin – mit Ihren selbstgewählten, strengen Vorgaben der Regionalität und Nachhaltigkeit vereinbaren?
Severin Simon: Ich drehe eher den Spieß um und sage: Dieses Konzept könnte ich mit nichts anderem deutlicher machen, als mit meinem Whiskey! Beim Gin müssen wir nur eine Handvoll Botanicals von auswärts holen. Und das schaffen wir mit guten, regionalen Partnern auch auf einem fairen Weg. die gerste für unseren Whiskey bauen wir selbst an, das Wasser zum maischen kommt aus der eigenen Quelle, das Holz zum beheizen der Brennblase stammt aus dem eigenen Wald, die Fässer zur Lagerung des Whiskeys werden aus heimischer Spessarteiche gefertigt. Und das waren nur die groben Eckpunkte. Mehr Heimat in einem Produkt geht gar nicht!

Ihren ersten Gin, den „Bavarian Pure Pott Still“, haben Sie schon 2008 kreiert. Sie lassen ihn gerade auslaufen, d.h. Sie produzieren ihn nicht mehr nach. Der Grund: Sein Nachfolger, der „Bavarian Pure Pott – Next Level“ macht seinem Namen alle Ehre und läuft seinem Vorgänger den Rang ab! Was ist besonders an ihm?
Severin Simon: Der „Next Level“ ist eine Hommage an unseren ersten Rum. Sehr besonders machen ihn die ausgesuchten, karibisch „angehauchten“ Botanicals, sprich: Tahitivanille, Jamaica-Piment, Tonka-bohne, Lemon-Myrte und, und, und… All diese Kräuter und Gewürze machen den Next Level so rund und harmonisch. Dazu geben sie ihm eine große Kraft und verleihen ihm seine herrliche Aromenvielfalt.

Ihr Whiskey – mit „e“! – ist bewusst in irischer Tradition gebrannt. Erklären Sie uns, warum? Lässt sich denn irische Tradition mit der bayerischen leicht vereinen? Bzw.: Geht das überhaupt?
Severin Simon: An einer bayerischen Tradition arbeiten wir ja erst. Aber um eine gute Grundlage zu schaffen, muss man irgendwann einmal mit etwas richtig anfangen und auch Neues wagen. Mir hat an der irischen Variante – das ist die mit dem Teil ungemälzter Gerste – der rebellische und zugleich innovative Gesichtspunkt gefallen. Die Iren haben sich mit dem Verwenden von ungemälzter Gerste ja einst die überhöhte Malzsteuer sparen wollen, die ihnen von den englischen Besatzern aufgedrückt wurde. So wollten sie ihren Whiskys einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Ein bisschen Rebell muss man als leidenschaftlicher Brenner wohl auch heute noch sein.

Sie sind Winzer und Kellermeister. Wie haben Sie Ihre Liebe zum Brennen entdeckt? Was treibt Sie? Woher haben Sie Ihre Ideen? Und: Auf welche Köstlichkeiten können wir uns in Zukunft noch freuen?
Severin Simon: Wenn man die Alkoholproduktion mal im Blut hat… (lacht) Nein, ich habe als kleiner Bub schon beim Großvater auf dem Schoß gesessen und die kalten Wintertage viel bei ihm in der Brennerei verbracht. Die Landschaft, aus der ich komme, zwingt einen ja schon fast dazu, ihre herrlichen Früchte und alles, was da sonst noch wächst, zu konservieren, zu veredeln, zu konzentrieren. Das ist eine unheimlich reizvolle und spannende Aufgabe. Ich ernte, was ich sähe – und sehe! (grinst) – und veredle das zu einem Konzentrat im Glas.

Es stecken schon noch ein paar Pfeile im Köcher: Im Whiskeybereich habe ich noch ein paar Getreidesorten im Kopf, die ich gerne erobern möchte. Die Äcker dafür sind schon ausgesucht. Beim Rum wird es bald die ersten Single-Cask Abfüllungen geben, und auch auf etwas Süßeres darf man sich schon freuen. Beim Gin wird es eine Seasonal-Serie geben: je einen besonderen Gin mit typischen Kräutern und Gewürzen passend zum Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Mit dem Sommergin sind wir gestartet, jetzt ist der Herbstgin in den Startlöchern….

Simon’s Feinbrennerei | feinbrenner.eu | facebook.com/FeinbrennereiSimons
[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_cta_button2 style=“rounded“ txt_align=“left“ title=“Text auf der Schaltfläche“ btn_style=“rounded“ color=“blue“ size=“md“ position=“right“]Wir bedanken uns für das offene und sehr interessante Interview und wünschen Severin Simon weiterhin viel Erfolg! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt![/vc_cta_button2][/vc_column][/vc_row]

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