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Interview

„Mission: Korn wieder salonfähig machen“ – Johann Dallmeyer über NORK

Korn hat eine lange Tradition. Doch viele verbinden mit der Spirituose immer noch den typischen Fusel aus alten, heruntergekommenen Eckkneipen. Das Bremer Spirituosen-Start-up NORK zeigt, dass es auch ganz anders geht: Seit der Gründung im Jahr 2016 haben sich die Geschwister Ann-Katrin und Johann Dallmeyer die Ehrenrettung der traditionsreichen wie unterschätzen Spirituose Korn zur Aufgabe gemacht. Und das ziemlich erfolgreich. Mit hochwertigen und geschmacklich überraschenden Körnern, spannenden Likören und einer Attitüde weit weg von Eichenkranz und Eber haben sie in den letzten Jahren Vorurteile abgebaut und Skeptiker zu Fans gemacht.

Im Interview haben wir mit Johann Dallmeyer darüber gesprochen, was die Korn-Kreationen von NORK auszeichnet, wie sich die Spirituose in den letzten Jahren in Deutschland entwickelt hat und was die weiteren Zukunftspläne sind.

Bitte stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor und erzählen uns, was genau Ihre Funktion bei NORK ist.

Johann Dallmeyer: Moin! Mein Name ist Johann Dallmeyer, ich bin inzwischen 36 Jahre alt und einer der Gründer von NORK. Ich bin hochoffiziell der Geschäftsführer, oder – in anderen Worten – das „Mädchen für alles“.

Krasse Körner & leckere Liköre – seit 2016 räumen Sie mit Vorurteilen in etwas angestaubtem Segmenten auf. Was genau ist Ihre Mission mit NORK?

Johann Dallmeyer: Der Kern ist, die traditionsreiche wie unterschätzte Spirituose Korn salonfähig zu machen – und das vor allem in den Städten und im urbanen Raum, wo Korn einen besonders schweren Stand hat. Mit unseren Likören wollen wir zeigen, dass sich mit natürlichen Zutaten und ohne Unmengen von Zucker spannende Geschmackskombinationen kreieren lassen, die auch den eher hochprozentigen Spirituosen-Trinkerinnen und Trinkern schmecken.

Gerade Korn hat ja eine lange Tradition in Deutschland. Wie stehen Sie zur Geschichte dieses traditionsreichen Brands und wie sehen Sie die Entwicklung in den letzten Jahren?

Johann Dallmeyer: Das ist ja das Dramatische. Wir haben hier eine Spirituose mit über 500 Jahren Tradition und deutschem Reinheitsgebot und sie wird lediglich im absoluten Billigsegment wahrgenommen. Dies zu ändern, war und ist unsere Motivation. In den letzten sechs Jahren haben wir gemerkt, dass die Idee auf eine Menge Interesse stößt. Waren wir 2016 noch eine der ersten Marken, die mit qualitativ hochwertigem Korn in einem modernen Gewand auf den Markt ging, sind in den letzten Jahren ein paar Dutzend dazugekommen. Davon sind aber auch einige schon wieder verschwunden, denn der neue Gin ist Korn noch lange nicht. Hier ist Durchhaltevermögen gefragt!

Was zeichnet die Korn-Kreationen von NORK besonders aus?

Johann Dallmeyer: Unsere aktuelle Range an ungelagerten Körnern enthält eigentlich das komplette Spektrum – von mild bis wild, von sanft und weich zu hocharomatisch und intensiv. Gestartet sind wir 2016 mit unserem reinen Weizenkorn NORK Original, der in erster Linie mit dem Vorurteil aufräumen sollte, dass Korn sprittig und billig schmeckt. Er ist deswegen so mild wie möglich, ohne komplett an Geschmacksprofil zu verlieren.

NORK Original misst sich mit hochwertigen Vodkas und hat viele Kornskeptiker zu Fans gemacht. 2020 haben wir dann unseren NORK Derbe heraus gebraucht und der Name ist Programm. Derbe viel Geschmack, derbe viel Aroma. Dieser Korn aus Weizen, Roggen und getorftem Gerstenmalz hat schon viele Spirituosen-Fans aus ganz anderen Kategorien überzeugt. Tatsächlich wird er in einer Blindverkostung zunächst für Whisky, Grappa oder Mezcal gehalten.

nork etikett

Auch das Flaschendesign kommt eher untypisch für Korn daher. Worauf haben Sie dabei den Fokus gelegt?

Johann Dallmeyer: Uns war schon klar, dass, wenn wir so ein schwieriges Thema wie Korn angehen wollen, auch das Packaging stimmen muss. Das Auge trinkt mit! Dadurch, dass mit meiner Schwester eine Grafikerin und Gestalterin als Gründerin mit an Bord war, konnten wir hier mehr Zeit und Energie hineinstecken, als wir uns das als Firma in Gründung eigentlich hätten leisten können. Uns war wichtig, dass wir mit dem klassischen „Korn-Bild“ brechen wollen, soweit wie möglich. Also weit weg von Eichenkranz, Eber und Tradition seit 1874.

Wie bei guten Immobilien ist bei Ihnen auch die Lage entscheidend. Stichwort Kurvenkorn. Wie kam es zu dieser verrückt-genialen Aktion?

Johann Dallmeyer: Wie erwähnt hat Korn ein Reinheitsgebot. Dieses besagt unter anderem, dass keine Aromatisierung, keine Süßung oder Ähnliches erfolgen darf. Dann würde aus dem Korn sofort ein Vodka werden. Was aber erlaubt ist, ist das Lagern und Veredeln in Holzfässern. Für uns war das der logische nächste Schritt. Parallel zu den Fässern in unserem Fasslager haben wir uns aber Partner gesucht, der für die Fässer besondere Locations zum Reifen bietet.

Als Bremer Unternehmen hatten wir schon Kontakt zu Werder und nach dem Abstieg haben wir zusammen entschieden, zwei Fässer NORK in den Katakomben unter der legendären Ostkurve zum „Kurvenkorn“ reifen zu lassen. Das dieser Kurvenkorn nun als Zeitzeuge dieser, hoffentlich letzten und damit historischen, Zweitliga-Saison des SV Werder Bremens veröffentlicht werden konnte, setzt dieser tollen Geschichte noch die Krone auf. Er war blitzschnell ausverkauft. Aber es gibt auch weitere Projekte und Kooperationen. So liegt zum Beispiel in einem Ex-Gin Fass der nächste NORK auf der Alexander von Humboldt – ein historisches Schiff, welches vor allem durch die Werbung von Becks Weltruhm erlangte.

Einen weiteren Siegeszug aus dem hohen Norden hat das Franzbrötchen hinter sich. Mit Franzi, Ihrem Franzbrötchenlikör, haben Sie dem Gebäckstück gleich einen ganz eigenen Likör gewidmet. Wie lange haben Sie an dieser Idee gefeilt?

Johann Dallmeyer: Die Idee ist inzwischen über vier Jahre alt und entsprang einem mazerierten Croissant in unserem NORK Original. Allerdings gestaltete sich die Umsetzung schwierig. Die Lösung war, dass wir Fett brauchten. Also nahmen wir Sahne als Basis für unseren überzeugenden und superleckeren Franzbrötchenlikör. So ist dann letztendlich 2021 mit FRANZI nicht nur der Franzbrötchenlikör, sondern auch die zweite Marke aus dem Haus NORK erschienen.

Was können wir in Zukunft noch von Ihnen erwarten?

Johann Dallmeyer: Jede Menge! Als immer noch „Nebenher-Projekt“ zweier Gründer mit starken Partnern machen wir gerade entscheidende nächste Schritte und hoffen auch dadurch, weiterhin spannende Produkte, Geschichten und Veranstaltungen abzuliefern. Von Sahnelikör bis Single Cask, von Weserstadion bis ISS – ausschließen werden wir erstmal gar nichts!

Noch ein kurzer Serve-Tipp: Wir genießt man Korn eigentlich am besten?

Johann Dallmeyer: „Am besten“ ist natürlich relativ. Unser Anspruch ist immer, dass man unsere Körner auf jeden Fall pur und ungekühlt genießen kann. Gerade der Derbe entfaltet so sein komplexes Aroma am besten. Gleichzeitig passen unsere Produkte super in Cocktails. Auf unserer Seite www.thisisnork.com findet man einige sehr spannende Inspirationen!

NORK | thisisnork.com | facebook.com/thisisnork | instagram.com/thisis.nork

+++ Wir bedanken uns bei Johann Dallmeyer für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++