BSI Likör
BSI meldet

Likör bleibt absatzstärkstes Spirituosen-Segment in Deutschland

Mit einem Anteil von rund 28 Prozent bleiben Liköre vor Wodka (16 Prozent) und Korn nebst anderen klaren Spirituosen (15 Prozent) das absatzstärkste Spirituosensegment in Deutschland. Liköre konnten sich zwar in 2025 nicht vom leicht rückläufigen Trend des Spirituosensektors abkoppeln, aber behaupten den Spitzenplatz im Spirituosenabsatz-Ranking dank Premiumisierung, Innovationskraft und veränderter Konsumgewohnheiten. Sie profitieren dabei von In-Home-Konsum, neuen Geschmacksprofilen und einer wachsenden Bedeutung als Aperitif- und Mixprodukte. Mehr als zwei Drittel der Verbraucherinnen und Verbraucher genießen Liköre ein bis drei Mal pro Monat. Bei den Likör-Fans stehen ein anlassbezogener Konsum und Aspekte wie Gemütlichkeit, Beisammensein und der Geschmack im Vordergrund.

Besonders Kräuter- und Halbbitterliköre bilden weiterhin das Rückgrat des Marktes. Gleichzeitig sorgen Frucht-, Aperitif- und moderne Fun-Flavour-Liköre für Wachstumsimpulse – vor allem bei jungen, erwachsenen Zielgruppen. Ein prägender Trend im Jahr 2025 war die fortschreitende Premiumisierung. Verbraucher greifen verstärkt zu hochwertigen Produkten, regionalen Spezialitäten und Manufakturprodukten. Storytelling, Herkunft und Authentizität spielen dabei eine entscheidende Rolle.

BSI Spirituosen Konsum 2025et

Parallel dazu verändert sich das Geschmacksprofil vieler Produkte: „Weniger süß, mehr Charakter“ lautet die Devise. Reduzierter Zuckergehalt, natürliche Zutaten und kräuterbetonte Rezepturen gewinnen weiter an Bedeutung. Klassische Marken reagieren mit Sondereditionen, während junge Marken mit Bio- oder Craft-Anspruch Marktanteile aufbauen. Ein weiterer Wachstumstreiber ist der Aperitif- und Low-Alcohol-Trend. Liköre mit niedrigem Alkoholgehalt werden zunehmend als Genussprodukte in Longdrinks oder Spritz-Varianten positioniert. Italienisch inspirierte Zitrus- und Kräuterliköre sowie regionale Aperitif-Konzepte auf Wein- oder Verjus-Basis verzeichnen steigende Nachfrage. Auch das Segment der sogenannten Fun-Flavours bleibt relevant. Fruchtige und kreative Geschmacksrichtungen wie Peach, Bubble Gum oder exotische Früchte sorgen für Impulskäufe im Lebensmittel-Einzelhandel.

Eine Studie der NielsenIQ (Germany) GmbH im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V. (BSI) zum Konsum von Spirituosen in Deutschland zeigt, dass 68 Prozent der Likör-Genießer „selten“ (1x pro Monat u. seltener) oder „gelegentlich“ (2-3x pro Monat) Liköre konsumieren. Die Zahlen unterstreichen den Trend zur Premiumisierung – mehr Qualität statt Quantität. Liköre finden Anklang in allen erwachsenen Altersgruppen von 26 bis 65 Jahren und werden überwiegend in Gesellschaft und am Wochenende getrunken. In den „Likör-Momenten“ stehen bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern Aspekte wie Gemütlichkeit, Beisammensein, besondere Anlässe und der Geschmack im Vordergrund.

Ausblick 2026: Evolution statt Revolution

Getrieben von der ungebrochenen Faszination für den mediterranen Lebensstil wird das Aperitif-Setup weiter an Bedeutung gewinnen. Liköre als vielseitige oder auch alkoholreduzierte Genusslösung passen ideal zum wachsenden Bedürfnis nach bewussterem Konsum. Für Hersteller eröffnen sich hier Chancen durch Innovationen in Geschmack, Design und Mixability.

„Für das Jahr 2026 erwarten wir keine grundlegende Marktverschiebung. Der Likörmarkt in Deutschland bleibt ein attraktives Spielfeld für etablierte Marken ebenso wie für neue Anbieter. Innovationskraft und die Fähigkeit, sich an veränderte, gesundheitsbewusste Konsumgewohnheiten anzupassen, machen Liköre zu einem zukunftsfähigen Segment der Spirituosenbranche“, so Angelika Wiesgen-Pick, Geschäftsführerin des BSI.

Rechtlicher Rahmen: Wann darf sich ein Produkt „Likör“ nennen?

In Deutschland und der EU ist die Bezeichnung „Likör“ klar geregelt. Grundlage ist die EU-Spirituosenverordnung (EU) 2019/787, die unmittelbar in allen Mitgliedstaaten gilt. Demnach darf sich ein Getränk nur dann „Likör“ nennen, wenn es folgende Voraussetzungen erfüllt:

  • Der Alkoholgehalt beträgt mindestens 15 Volumenprozent. (Obergrenze ist offen, aber beträgt meist nicht mehr als 40 Volumenprozent); Ausnahmen: z. B. Eierlikör ab 14 Volumenprozent.
  • Der Likör wird durch Aromatisierung von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs, Destillaten oder Spirituosen hergestellt.
  • Der Mindestzuckergehalt liegt bei 100 Gramm Invertzucker pro Liter; für bestimmte Likörarten wie Kirschlikör gelten erhöhte Mindestwerte; spezielle Kräuterliköre haben niedrigere Zuckergrenzen.
  • Die Süßung erfolgt durch Zucker, Glukose, Fruktose, Honig oder vergleichbare Erzeugnisse.

Darüber hinaus gelten spezifische Anforderungen an die Verkehrsbezeichnungen. Ergänzende Begriffe wie „Kräuterlikör“, „Fruchtlikör“ oder „Eierlikör“ sind nur zulässig, wenn die jeweils definierten produktspezifischen Anforderungen erfüllt werden. Die Kennzeichnung muss zudem den Alkoholgehalt, die Füllmenge, den Hersteller oder Distributeur sowie gegebenenfalls Allergene enthalten. Vor dem Hintergrund wachsender Produktvielfalt und neuer Rezepturen – etwa zuckerreduzierte oder alkoholarme Konzepte – gewinnt die korrekte Abgrenzung zwischen Likör, Spirituose und Spirituosen-Mischgetränk an Relevanz.

Über den BSI:

Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V. (BSI) ist die Dialog-Plattform der deutschen Spirituosenbranche und ihr politisches Sprachrohr sowie Dienstleister seiner vorwiegend mittelständisch geprägten Mitgliedsunternehmen in Deutschland. Mit einer Vielzahl von Direktmitgliedern, Landesgruppenmitgliedern, Fördermitgliedern und Kooperationspartnern vertritt der BSI namhafte Familienunternehmen und Craft-Hersteller sowie internationale Konzerne, die in Deutschland eine Niederlassung haben. Der BSI ist Mitglied in den deutschen Dachverbänden des Lebensmittel- und Ernährungssektors sowie in seinem europäischen Dachverband spiritsEUROPE.

Quelle: BSI
Titelbild: BSI (KI gestützt)

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