Korn neu gedacht

Köln hat wieder ein „Miljö“ – Die Gründer von Miljö Korn im Interview

Glücksspiel, Bestechung und Zuhälterei – das kölsche Miljö war in den 60er bis 80er Jahren eine Hochburg der großen Gangster und kleinen Ganoven und machte seinem Namen als „Chicago am Rhein“ alle Ehre. Heute sind die legendären Zeiten des kölschen Miljös längst Geschichte. In Vergessenheit geraten sie jedoch nicht. So auch nicht bei Robert Koch, der sich durch eine familiäre „Connection“ inspiriert fühlte, gemeinsam mit seinem Kompagnon Christian Geßner den Korn, die Kultspirituose schlechthin der damaligen Zeit, neu aufzulegen. „Miljö“ ist ein feiner Weizenkorn mit Kolanuss, Orangenschale und Bergamotte. Glasklar und fruchtig-herb im Geschmack. Handcrafted in Köln.

Im Interview sprach about-drinks mit den Machern über die Story hinter „Miljö“, was ihn so besonders macht, und wie viel Potential noch im deutschen Korn-Markt steckt.

Wer sind die Macher hinter Miljö? Stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor.

Robert Koch: Wir sind zu weit, mein Kompagnon Christian Geßner und ich. Wir sind eigentlich Werber und betreiben seit 20 Jahren eine Agentur in Köln. 2017 haben wir uns dann einen Traum erfüllt und sind „Schnapshändler“ geworden. Als Rheinspirits sind wir spezialisiert auf rheinische Produkte. Mittlerweile haben wir über 200 Artikel im Sortiment – kein anderer Händler in NRW hat ein so tiefes regionales Sortiment wie wir.

Seit wann gibt es Miljö, und wie entstand die Idee dazu?

Robert Koch: Miljö haben wir im Herbst 2020 auf den Markt gebracht, mitten in der Corona-Zeit. Es war ein ganz schöner Krampf, aber wir haben es trotzdem durchgezogen. Die Idee entstand, wie so oft, aus dem familiären Hintergrund. Mein Großvater Willi van de Loo war in den 1960er bis 1990er Jahren ein bekannter Kölner Autohändler. Dessen unternehmerisches Geschick war ebenso legendär, wie seine Schwäche dafür, mit den lokalen Rotlicht-Größen, dem sog. „Miljö“, um viel Geld zu zocken. Es gibt heute noch alte Zeitungsberichte davon im Netz. Angeblich hat er mehrere Millionen DM verzockt. Ich selber kann mich noch an viele Geschichten erinnern – ich war damals Teenager. Diese Zeit hat mich schwer beeindruckt!

Worin unterscheidet sich Ihr Produkt von anderen Kornbränden?

Christian Geßner: Zunächst mal ist Miljö kein reiner Korn. Wir verwenden einen Weizenkorn mit erhöhtem Malzgehalt als Basis. Dazu kommen dann Essenzen verschiedener Zitrusfrüchte, z.B. Bergamotte und Orangenschale. Und die wichtigste Zutat: Kolanuss von der Elfenbeinküste. Diese mazerieren wir zwei Wochen lang, bevor wir die Zutaten vermählen. Das Ergebnis ist herb-fruchtig und trotz 38% Vol. Alkohol relativ mild. Schon etwas anderes als ein normaler Doppelkorn, sozusagen Korn neu interpretiert.

Wie und wo wird Miljö hergestellt?

Robert Koch: Wir haben lange nach dem richtigen Partner gesucht und ihn dann 2019 in dem Kölner Brenner Peter Esser gefunden. Mit ihm zusammen haben wir die relativ ausgefallene Rezeptur entwickelt. Und in Pittermanns Destillerie wird Miljö heute in kleinen Mengen von jeweils 700 Flaschen je Batch produziert.

Gibt es einen Perfect Serve, den Sie empfehlen können?

Christian Geßner: Ich selber mag ihn am liebsten als Digestif bei Zimmertemperatur. Mein Kompagnon schwört darauf, das Schnapsglas vorher ins Eisfach zu legen. Und viele junge Kunden trinken Miljö wie einen Gin-Tonic – mit einem guten Tonicwater, Eis und Zitronenscheibe. Geht alles…

Was ist die typische Miljö-Zielgruppe?

Robert Koch: Eine typische Zielgruppe haben wir nicht, aber tendenziell würde ich sagen – ab 30 und eher männlich. Wissen Sie, wir haben hier in Köln viele, die bestellen eine Flasche Miljö einfach so, nur aufgrund des Namens und des Flaschendesigns. Das „Miljö“ ist in Köln halt ein bekannter Begriff, zumindest für Leute ab unserem Alter. Jüngere Leute muss man mit dem Geschmack und der Mixability überzeugen – Miljö-Tonic, Miljö-Mule, das geht alles richtig gut.

Über welche Distributionswege wird das Produkt vermarktet?

Christian Geßner: Wir sind bei immer mehr Einzelhändlern vertreten, z.B. Edeka, Rewe, Globus und Hit. Allerdings derzeit (noch) vereinzelt und lokal im Raum Köln/Bonn. In der Gastro sind wir dagegen noch gar nicht vertreten – Corona macht uns den Vertrieb leider gerade fast unmöglich. Natürlich vertreiben wir auch über unseren eigenen Webshop, das läuft natürlich gerade prima.

Viele zeitgemäße und trendige Kornbrände gibt es ja nicht. War das ein Grund, warum Sie Miljö entwickelt haben?

Robert Koch: Auf jeden Fall! Wir beide sind Mitte Vierzig und man ist als Kind mit dem Thema Korn aufgewachsen. Unsere Eltern tranken damals Cola-Korn, nach dem Essen gabs ’nen Klaren, in der Kneipe gab‘s das Herrengedeck, also Bier und Korn. Korn hat damals jeder getrunken, das war irgendwie echt, ehrlich und ohne Schi-Schi. Dass Korn heute einen schlechten Ruf hat, können wir nicht wirklich nachvollziehen. Es gibt scheinbar immer noch zu wenige, die Korn auf zeitgemäße Weise angehen. Die allermeisten Korns sehen halt total altbacken aus, wüsste ich es nicht besser, würde ich das als junger Mensch auch nicht kaufen. Aber an der Qualität liegt es meiner Meinung nach nicht. Korn ist ja sogar ein geschützter Begriff, es darf nur bestimmtes Getreide verwendet werden, er muss in Deutschland produziert werden, es darf nichts nachträglich hinzugegeben werden usw. Wir denken jedenfalls, dass Korn viel besser ist, als sein Ruf. Deswegen wollten wir Miljö auch unbedingt auf Kornbasis entwickeln.

Wie viel Potential steckt Ihrer Meinung nach denn noch im deutschen Korn-Markt?

Christian Geßner: Dass Korn der nächste Gin werden könnte, hat man in der Branche ja schon vor Jahren gemunkelt. Bisher hat sich am Status Quo aber nicht viel verändert. Ich denke Korn könnte eine neue Blüte erleben, wenn sich mehr junge und pfiffige Hersteller dem Thema annehmen. So war es mit Gin ja auch. Richtig hip wurde Gin-Tonic ja erst, als Monkey, Siegfried und Co. richtig coole Sachen gemacht haben. Wir denken, je mehr (junge) Kornmarken dazu kommen, desto mehr Nachfrage entsteht. Andererseits ist Korn in manchen Bars aber auch schon längst wieder angesagt. Man ersetzt viele Drinks auf Wodka-Basis mit einem hochwertigen Korn. Richtig klasse ist das. Aber das ist natürlich (noch) kein Massenphänomen.

Was sind Ihre Pläne für das Jahr 2021? Dürfen wir uns auf weitere Produkte freuen?

Robert Koch: Ja, ganz sicher! Wir arbeiten bereits an einem weiteren Produkt. Kein Gin und kein Korn, aber auf jeden Fall wieder ein „Klassiker“. 😊

Miljö | www.miljoe-korn.de | www.facebook.com/MiljoeKorn | www.rheinspirits.com

+++ Wir bedanken uns bei Robert Koch und Christian Geßner für das offene und sehr interessante Interview und wünschen ihnen weiterhin viel Erfolg! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

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