Teaser Mezcal Atenco

Interview: Mezcal Atenco – Von Oaxaca in Mexiko nach Berlin

Der aus Mexiko stammende Agavenbrand Mezcal ist hier in Deutschland im Verhältnis zu anderen Spirituosen noch wenig bekannt. Dabei blickt er in seinem Heimatland bis ins 11. Jahrhundert zurück, als erstmals Agavensaft fermentiert wurde. Grund genug für Diego Moreno, Cinderella Baksa-Soós und Steve Bug, mit Mezcal Atenco ihre eigene Marke nach Deutschland zu bringen. Hergestellt wird das Ganze selbstverständlich in Mexiko, in einer kleinen traditionellen Destille. Schmecken tut er aber auch den Deutschen – und sogar der US-amerikanische Kult-Regisseur Quentin Tarantino hat bereits eine Flasche genossen.

about-drinks unterhielt sich mit Diego Moreno (Founder and CEO), Cinderella Baksa-Soós (Product Manager) und Steve Bug (Executive Partner) über die Spirituose.

Erläutern Sie bitte kurz für alle, die es nicht wissen, was Mezcal überhaupt ist!
Diego Moreno: Mezcal ist eine sehr ursprüngliche Spirituose aus Mexiko und gehört zur Kultur des Landes. Er wird aus der Agavenpflanze gebrannt. Bis zu 30 verschiedene Sorten Agave, auch Maguey genannt, können hierbei verwendet werden. Ein traditioneller Mezcal wird immer von Hand gefertigt. Selbst die Ernte der Agavenpflanzen, die bei uns mindestens acht Jahre gewachsen sein müssen, passiert von Hand.

Mezcal zu produzieren, bedeutet nicht nur, ein Handwerk zu beherrschen, sondern auch schwerste, körperliche Arbeit. Zunächst werden die Blätter von den Agaven abgetrennt, bis ein ananasförmiges Herz zurück bleibt. Diese 60 bis 100 Kilo schweren „piñas“ werden anschließend zur Destille transportiert und in einem Erdofen für etwa 3 Tage gegart. Danach werden sie zerkleinert, meist mittels einer Steinmühle mit Zugpferd. Die zerkleinerte Masse kommt zusammen mit Wasser in Holzfässer, wo sie zehn Tage fermentiert. Wir nehmen für die Fermentation frisches Quellwasser aus den Bergen. Die entstandene Maische wird abschließend destilliert, klassischerweise mittels Kupferblase.

Erzählen Sie uns etwas über die Geschichte des Mezcals in Mexiko!
Diego Moreno: Das Wort Mezcal stammt von den Azteken und bedeutet „gekochte Agave“ („metl“ = Maguey, „ixcalli“ = gekocht). Die Fermentation von Agavensaft reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Das sogenannte Pulque wurde bereits von den Indios entdeckt und nach der Kolonialisierung der Spanier im 16. Jahrhundert zum Mezcal destilliert. Die Kolonialregierung sah durch die Mezcalherstellung den Absatz ihrer Importprodukte aus Spanien gefährdet und erlies ein Herstellungsverbot für mexikanische Spirituosen, das erst im 17. Jahrhundert wieder aufgehoben wurde.

Wie ist der deutsche Mezcal-Markt derzeit aufgestellt?
Steve Bug: Mezcal erfreut sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. Es gibt heute mehr als 20 Marken auf dem deutschen Markt, Tendenz steigend. Viele Gastronomen und Bartender haben Mezcal schätzen und lieben gelernt. Beim Endverbraucher ist das Produkt dagegen immer noch wenig bekannt, wenngleich das Interesse und die Begeisterungsfähigkeit da sind. Die Nachfrage passiert derzeit vor allem in der Gastronomie.

Wie kamen Sie dazu, einen eigenen Mezcal herzustellen?
Diego Moreno: Ich komme aus Monterrey, das liegt im Norden Mexikos. Ende 2007 bin ich nach Berlin gekommen. Nachdem ich acht Jahre in der Musikindustrie gearbeitet hatte, suchte ich eine berufliche Veränderung. Ich wollte mich wieder auf meine mexikanischen Wurzeln besinnen und den Kontakt zu meiner Heimat stärken. Für Mezcal hatte ich mich schon immer begeistert und die Idee, einen eigenen Mezcal auf den Markt zu bringen und damit die Brücke nach Mexiko zu schlagen, war schnell geboren. Während einer Mexikoreise Ende 2013 hatten meine Partnerin Cinderella und ich das Glück, unseren heutigen Produzenten, Rodolfo Lopez Sosa, kennenzulernen. Die Chemie stimmte sofort und wir entschieden uns kurz nach unserer Rückkehr für die Zusammenarbeit.

Was ist das Besondere an dem Mezcal Atenco. Wie unterscheidet er sich von Anderen?
Cinderella Baksa-Soós: Auf der besagten Mexikoreise haben wir viele Destillen in Oaxaca angeschaut und ihre Mezcals probiert. Erst beim Mezcal von Don Rodolfo hatten wir das Gefühl, hier stimmt alles – der Hersteller, der Ort, die Destille und das Produkt. Don Rodolfo produziert Mezcal in der dritten Generation und wurde bereits für die Qualität seines Mezcals ausgezeichnet. Seine Destille liegt im malerischen Ort San Juan del Río, in den Bergen Oaxacas auf 1.500 Metern Höhe, etwa 2,5 Autostunden von Oaxaca-Stadt entfernt. Ein idealer Ort für den Anbau der Agave.

Alle Zutaten für den Mezcal stammen aus der Umgebung, auch das Wasser für die Fermentation stammt aus der umliegenden Bergquelle. Selbst der Truthahn, den wir für den Pechuga verwenden, kommt von Don Rodolfos Hof. Beim Kochen bzw. Garen der Agaven verwenden wir Bananenblätter zum Abdecken des Ofens, keine Plane. Mezcal Atenco erhält dadurch seinen weichen und fruchtigen Geschmack und bleibt ein 100% natürliches Produkt.

Und die Flasche besteht aus Recyclingglas? Was kam es zu dieser Idee?
Diego Moreno: Beim Mezcal handelt es sich um ein komplett handgefertigtes und natürliches Produkt. Das sollte auch unser Packaging widerspiegeln. Mit einer industriellen Flasche, wie sie die meisten Mezcal-Marken verwenden, wäre dies nicht möglich gewesen. Daher haben wir ein eigenes Design in Auftrag gegeben. Eine Firma in Mexiko fertigt die Atenco-Flaschen aus Recyclingglas, ebenfalls von Hand. Das Ergebnis ist ein einzigartiges Flaschendesign aus handgefertigtem Glas.

Welche verschiedenen Sorten des Mezcal Atencos gibt es? Wodurch zeichnen diese sich aus?
Cinderella Baksa-Soós: Wir haben zwei Produkte, einen Espadín und einen Pechuga. Espadín bezeichnet eine Agavensorte. Es ist die am häufigsten verwendete Sorte, eine recht pflegeleichte Kulturagave. Unsere beiden Produkte werden zu 100% aus der Agave Espadín hergestellt, die mindestens acht Jahre gewachsen sein muss, bis sie geerntet wird. Unser Espadín wird zweifach destilliert, der Pechuga dreifach. Beim dritten Destillationsvorgang wird eine Freilandtruthahnbrust in die Destillationsblase gehängt. Pechuga bedeutet auf Spanisch „Brust“. Ein Pechuga ist auch in Mexiko ein besonderes Getränk und wird für festliche Anlässe wie Hochzeiten hergestellt. Typischerweise in sehr kleinen Mengen, bei uns sind es 500 Flaschen aus der Produktion in 2014. Beim Espadín sind es ca. 3.000 Flaschen, wobei die Hälfte davon in Mexiko geblieben ist.

Star-Regisseur Quentin Tarantino hat Mezcal Atenco schon probiert. Wo war das und wie fiel sein Fazit aus? Welche Rückmeldungen gab es sonst schon?
Steve Bug: Im Februar stellte Quentin Tarantino seinen Film „The Hateful 8“ in Berlin vor. Wir durften ihm eine Flasche Mezcal Atenco Pechuga auf sein Hotelzimmer bringen. Leider konnten wir kein direktes Fazit von ihm bekommen, aber er hat die Flasche bei der Abreise mitgenommen. Es scheint ihm also geschmeckt zu haben! :-)

Das Feedback ist allgemein sehr positiv. Vielen gefällt an Mezcal Atenco die sanfte Rauchnote, die Fruchtigkeit, der weiche Abgang. Beim diesjährigen Craft Spirits Festival in Berlin haben wir die Qualität von Mezcal Atenco von einer Fachjury bestätigt bekommen und zwei Preise gewonnen, eine Bronzemedaille für unseren Espadín und eine Silbermedaille für den Pechuga.

Über welche Distributionswege werden die Produkte vermarktet?
Steve Bug: Mezcal Atenco ist seit August 2015 auf dem deutschen Markt. Wir sind mit dem Vertrieb in Berlin alleine gestartet und arbeiten inzwischen mit Partnern in Hamburg, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern zusammen. Außerdem haben wir einen Vertriebspartner in der Schweiz und weitere Interessenten in Europa. Wir wenden uns vor allem an die Gastronomie und den Handel. Direktverkäufe an Endverbraucher, z.B. durch einen Onlineshop, setzen wir derzeit noch nicht um.

Welche Kommunikationsmaßnahmen setzten Sie bei der Vermarktung ein?
Steve Bug: Zusammen mit der Markteinführung haben wir eine Homepage sowie einen Facebook– und Instagram-Auftritt gelauncht. Das Thema Social Media spielt eine große Rolle, da es eine kostengünstige und einfache Möglichkeit der Bekanntheitssteigerung bietet und wir kurzfristig auf Veranstaltungen aufmerksam machen können. Solche Events, wo Mezcal Atenco probiert werden kann, sind für uns sehr wichtig, da es noch immer viele Menschen gibt, die nicht wissen, was Mezcal ist und wie er schmeckt. Seit Februar setzen wir außerdem auf PR, um das Thema Mezcal stärker in den Medien zu platzieren und ins Bewusstsein der Konsumenten zu rufen.

Wie sehen Ihre weiteren Pläne für dieses Jahr aus?
Cinderella Baksa-Soós: Oh, da gibt es Vieles. Aktuell geht es erstmal nach San Juan del Río für die nächste Produktion. Es erwarten uns knapp 3.000 Flaschen Espadín und 1.000 Flaschen Pechuga, die abgefüllt, beklebt und verpackt werden. Wie auch bei der ersten Produktion helfen wir Don Rodolfo und seiner Familie dabei und freuen uns auf die gemeinsame Zeit.

Mezcal Atenco | mezcal-atenco.com | facebook.com/mezcalatenco

[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_cta_button2 style=“rounded“ txt_align=“left“ title=“Text auf der Schaltfläche“ btn_style=“rounded“ color=“blue“ size=“md“ position=“right“]Wir bedanken uns bei Diego Moreno, Cinderella Baksa-Soos und Steve Bug für das offene und sehr interessante Interview und wünschen Mezcal Atenco viel Erfolg! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt![/vc_cta_button2][/vc_column][/vc_row]

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