„Frankfurt in a Bottle – 069 in your Face!“ – Sascha Lebemann über Frankfurter Schuss
Was mit ein paar Flaschen, viel Experimentierfreude und einem klaren Ziel begann, ist heute fester Bestandteil der Frankfurter Barszene: Der Frankfurter Schuss – ein fruchtiger Mango-Zitronenlikör mit Bio-Alkohol, Charakter und lokalem Herz. Gründer Sascha Lebemann, Barkeeper, DJ und kreativer Kopf hinter dem Projekt, hat seine Vision vom eigenen Likör konsequent verfolgt – vom ersten Ansatz in der heimischen Küche bis zur professionellen Abfüllung bei der Brennerei Henrich im Taunus.
Im Interview spricht er über seinen Weg vom Szene-Barkeeper zum Unternehmer, über Erfolge, Rückschläge und warum Chaos manchmal der Anfang von etwas Großem ist.
Herr Lebemann, der Frankfurter Schuss ist längst mehr als ein Geheimtipp. Wie kam es ursprünglich zur Idee, und wann wussten Sie, dass daraus mehr als nur ein Barkeeper-Experiment werden würde?
Sascha Lebemann: Danke für das Kompliment! Die Idee entstand während meiner Zeit als Barmann in der Schweiz, wo ich einige Jahre jobbte. Ein Gast fragte, ob ich auch mal etwas anderes habe, als „die üblichen Verdächtigen“. Also schaute ich mich in meiner Bar um und griff zu Mango und Zitrone, also eine süße und saure Note.
Als Alkohol-Basis entschied ich mich für Wodka und Rum, um Diversität reinzubringen und es etwas spannender zu machen. Als der Gast dann voller Begeisterung noch viele weitere Runden für sich und seine FreundInnen orderte, dachte ich mir, „das könnte man doch auch in Flaschen abfüllen und anbieten“. Schließlich gibt es kaum leckere Shots, die auch wirklich vielen Menschen schmecken.
Die Wurzeln liegen in Luzern, der Durchbruch kam in Frankfurt. Welche Rolle haben Stadt, Szene und Community bei der Entstehung des Produkts gespielt?
Sascha Lebemann: Die entscheidende Rolle. Ich bin in Frankfurt aufgewachsen, habe den Großteil meines Lebens hier verbracht. Der Frankfurter Schuss ist meine Hommage an die pulsierende Metropole. Deshalb auch der Name. Seit 20 Jahren bin ich als DJ Teil der Frankfurter Szene und von Anfang an in der Event- und Gastronomiebranche aktiv.
Der Frankfurter Schuss ist kein klassischer „Kurzer“, sondern ein fruchtiger Likör-Shot. Wie würden Sie ihn geschmacklich beschreiben?
Sascha Lebemann: Süß und sauer, wie die Stadt Frankfurt!
Mango und Zitrone, milder Bio-Alkohol, 16 % Vol. – worauf kam es Ihnen bei der Rezeptur besonders an?
Sascha Lebemann: Auf Qualität und Vielseitigkeit, die (fast) allen schmecken sollte. Ich habe monatelang an der Rezeptur gearbeitet. Schließlich ist es etwas anderes, ein Produkt zu entwickeln und mit entsprechender Haltbarkeit in Flaschen abzufüllen, als beispielsweise einen Cocktail zu mischen. Das ist gar nicht zynisch gemeint, allerdings höre ich hin und wieder, der Schuss sei ja „nur ein Sour“ – aber es steckt weitaus mehr dahinter.
Ich arbeite ausschließlich mit hochwertigsten Zutaten, und bisher kam kein anderes Muster, was ich schon mehrfach von diversen Anbietern zugeschickt bekommen habe, an unser Ur-Rezept heran. Ich möchte hier nicht zu viel verraten. Das Rezept kenne nur ich, mein Mitgründer und bester Freund und natürlich mein Abfüll-Betrieb.
Der Frankfurter Schuss funktioniert pur, auf Eis oder im Cocktail. Welche Varianten empfehlen Sie selbst für unterschiedliche Anlässe?
Sascha Lebemann: Am besten immer noch als Shot oder einfach im Tumbler auf Eis. Hervorragend funktioniert er auch mit White-Peach als Longdrink oder als Spritz. Im Winter bieten wir auch selbst eine heiße Variante mit Apfelsaft und Zimt an – die ist heftig!
Von der Küche zum Festivalhit: Der Frankfurter Schuss war bereits 2022 auf zahlreichen Events vertreten. Wie wichtig war die Präsenz in der regionalen Partyszene für den Aufbau der Marke?
Sascha Lebemann: Das A & O. Gerade in Frankfurt ist kaum etwas so wichtig, wie die Rückendeckung der Stadt. Wir sind schon ein Lokal-Held, allerdings waren wir erst kürzlich in Berlin auf dem Holy Shit Designmarkt – die Berliner lieben den Schuss. „Die Frankfurter Antwort auf Berliner Luft“, war dabei unser Motto! ;-)
Die Nachfrage ist stark gestiegen, Sie mussten bereits mehrfach den Abfüller wechseln. Was waren dabei die größten Herausforderungen?
Sascha Lebemann: Puh, das ist eine sehr tiefgehende Frage. Ich möchte auch hier nicht zu sehr ins Detail gehen. Ich versuche es charmant zu beschreiben: Der erste Betrieb hat leider ein sehr ähnliches Produkt herausgebracht, woraus ein Interessen-Konflikt entstanden ist. Beim zweiten war ich dadurch sehr verunsichert und wollte auch mein Rezept nicht mehr herausrücken – was es dem Betrieb ehrlicherweise sehr schwer gemacht hat, den Abfüllprozess ordentlich zu planen.
Ich bin dann immer selbst hingefahren und habe meine Mixtur in die Tanks gefüllt bzw. dort angesetzt. Die größte Herausforderung war dann, den heutigen Abfüller zu finden. Und vor allem die Preisgestaltung auszumachen.
Heute wird in der Brennerei Henrich abgefüllt, mit Bio-Alkohol aus kontrolliertem Anbau. Welche Bedeutung haben Nachhaltigkeit und Regionalität für Sie?
Sascha Lebemann: Genau, wir sind hier wirklich „angekommen“. Ich bin sehr dankbar und glücklich mit den Henrich Brüdern – das sind einfach super Jungs. Auch sie hatten nicht die besten Erfahrungen mit dem Thema „Lohnabfüllung“ gemacht. Aber ich konnte sie vermutlich mit meinem Charme überzeugen. :-) Ganz ehrlich? Die beiden müssten das nicht machen, da sie selbst hervorragende Produkte herstellen. Sie wurden auch mehrfach als „Destillerie des Jahres“ ausgezeichnet. Man sieht: Ich bin schon ein wenig stolz darauf, die Jungs als Partner gewonnen zu haben.
Regionalität spielt dabei schon eine Rolle für mich. Es ist viel authentischer und auch einer unserer USPs, dass wir regional produzieren. Zum Thema Nachhaltigkeit: Anfangs hatte ich versucht, Pfand auf meine Flaschen zu erheben, sprich, diese bei Lieferung wieder zurückzunehmen. Als die hunderten Flaschen dann aber in meinem Keller vor sich hin gammelten, musste ich diese Idee leider verwerfen. Der Spülvorgang ist dabei das Problem, also die Hygiene, worauf ich selbstverständlich als geschulter Barmann großen Wert lege.
2023 gab es eine Goldmedaille bei der Frankfurt International Trophy. Was bedeuten solche Auszeichnungen für ein junges Produkt, und wie nutzen Sie sie für die Weiterentwicklung?
Sascha Lebemann: Nun ja, natürlich ist es schön, so eine Auszeichnung zu erhalten. Schließlich habe ich die Probe ja dort eingereicht. Allerdings bedeutet mir ein „Oh, ist das geil!“ von einem Gast auf einem Event am meisten.
Der Frankfurter Schuss ist inzwischen nicht nur in Bars und auf Events präsent, sondern auch im Handel erhältlich. Wo kann man ihn aktuell kaufen?
Sascha Lebemann: Wir sind seit Beginn im Rewe Markt im Frankfurter Shopping Center „MyZeil“ zu haben, dafür bin ich auch sehr dankbar. Ich habe kostenfrei auf der Hochzeit des Marktleiters aufgelegt – eine Hand wäscht schließlich die andere, besonders in FFM. Seit einigen Monaten gibt es uns auch in den Scheck-in Centern in Frankfurt (Danke Markus!). Erst kürzlich konnten wir die Listung in der REWE Region Mitte realisieren – kein einfacher Prozess. Aber wir haben es geschafft, und nun habe ich ordentlich was zu tun.
Abschließend: Was sind Ihre nächsten Ziele mit dem Frankfurter Schuss? Sind weitere Varianten oder neue Produkte in Planung?
Sascha Lebemann: Das ist wohl die detailreichste Frage, bzw. Antwort. Ich habe bereits neue Sorten in meinem Kühlschrank angesetzt. Aktuell macht es aber am meisten Sinn, den Original Frankfurter Schuss zu forcieren. Zum Thema Ziele: Mein ursprüngliches Ziel war es, dass wir einmal Jägermeister kaufen – oder die uns! :-D Aktuell bin ich mit der Entwicklung sehr zufrieden. Wir haben mittlerweile drei Mitarbeiterinnen für Events, Social Media und etwas Backoffice – natürlich nicht in Festanstellung, so viel verdienen wir noch nicht.
Wir haben Anfang Dezember bereits das von mir gesetzte Jahresumsatzziel erreicht. Ab 2026 werden wir nahezu komplett auf die Zusammenarbeit mit den lokalen Fachgroßhändlern umstellen. Sie müssen wissen, dass ich bis heute alle meine Partner selbst beliefere. Mir wird aber immer mehr klar, dass dies dauerhaft nicht funktionieren kann. Alles in allem ist der Frankfurter Schuss ein ständiger Prozess, es wird nie langweilig, und es läuft auch nie alles glatt.
Ich glaube, wir machen das aber ganz gut – und ich bin sehr stolz auf das, was wir erreicht haben und immer wieder schaffen. Man muss hier anmerken, dass ich ein ziemlicher Chaot war und das Thema Unternehmertum für mich immer wieder neu ist. Mich selbst zu organisieren, keine Termine zu vergessen und immer am Ball zu bleiben, ist für mich die größte Herausforderung. Aber einfach kann ja jeder.
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+++ Wir bedanken uns bei Sascha Lebemann für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++
























