Teaser Die Brennerin Franziska Bischof

„Female Distiller of the Year 2018“: Die Brennerin Franziska Bischof im Gespräch

Franziska Bischof, besser bekannt als „Die Brennerin“, ist Edelbrandsommelière mit Leib und Seele. In der Edelbrennerei Bischof, die sie gemeinsam mit ihrem Vater führt, stellt sie handgemachte und „echte“ Produkte her. Natürlich hatte sie zu Beginn als Frau in einem solch männerdominierten Beruf mit einigen Vorurteilen und Herausforderungen zu kämpfen – und hat dies zugegebenermaßen noch immer. Spätestens aber die Auszeichnung „Female Distiller of the Year 2018“, die ihr jüngst verliehen wurde, sollte auch die Letzten von ihr und ihren Produkten überzeugt haben.

about-drinks traf Franziska Bischof zum Interview und sprach mit ihr über die Brennerei und ihre Produke, aber auch über die Vorurteile und Herausforderungen als Frau in der Branche.

Frau Bischof, in welcher Position sind Sie in der Edelbrennerei tätig?
Franziska Bischof: Mein Vater und ich sind Gesellschafter der Edelbrennerei Bischof GbR. Er ist im Haupterwerb Landwirt, ich Brennerin. Außerdem bin ich Geschäftsführerin, Edelbrandsommelière, Produktentwicklerin, Marketingmanagerin, Gästeführerin, Alleinunterhalterin … ich lebe von und für unsere Familienbrennerei. Angestellte gibt es bislang keine.

Was hat Sie dazu bewegt, den Beruf der Bernerin, der für Frauen doch noch recht ungewöhnlich ist, auszuüben?
Franziska Bischof: Ich habe meinem Bauchgefühl gefolgt: Es war eine Entscheidung für den Genuss, das Landleben und die Aufrechterhaltung des Handwerks und der Tradition in unserer Familie. Zuvor habe ich sieben Jahre in Italien gelebt und gearbeitet. Dort habe ich erfahren, was es heißt, zu genießen, und erst dann mit Mitte 20 verstanden, wozu meine Eltern daheim so schuften. Mein Antrieb war es also von Anfang an, die Aromen einzufangen.

Hatten Sie in der von Männern dominierten Branche oft mit Vorurteilen zu kämpfen?
Franziska Bischof: Zu Anfang hatte ich oft mit dem Vorwurf zu kämpfen, dass ich mich nur als Brennerin darstelle, tatsächlich aber nur die Brände meines Vaters verkaufe. Da hat es schon manchmal in mir gekocht. Auf Messen kommt es öfters vor, dass ich zunächst ‚nur’ als Hostess vermutet werde. Erst im Laufe des Gesprächs fällt dann irgendwann der Groschen und es kommt ein ganz verdutztes: „Ach, das machen Sie selbst? Sie sind die Brennerin?“ Einmal habe ich auch ein ganz erstauntes und positives Feedback erhalten, weil meine Brände so ehrlich und markant sind und durchaus ihren Mann stehen. Man hätte sich eher liebliche Spirituosen und Likörchen erwartet. Letztlich ist dieser Überraschungsmoment aber immer positiv für mich.

Würden Sie also sagen, dass es für Frauen in der Branche schwerer ist, Anerkennung und Respekt für ihre Arbeit zu bekommen?
Franziska Bischof: Im Gegenteil. Ich hatte zwar zu Anfang mehr mit so manchem Vorurteil zu kämpfen, wie eben erwähnt. Aber sobald man sich zwei Minuten unterhält und der Gegenüber versteht, dass ich mein Handwerk beherrsche, dann hebt das die Unterhaltung wieder auf ein ganz anderes Niveau. Oft erhalte ich ganz direkt großes Lob für meine Arbeit. Und dabei sind die Leute umso begeisterter, weil ich eine junge Frau bin und nicht ein Mann mittleren Alters, wie sie sich vielleicht den Stereotyp eines Brenners vorstellen würden.

Was war in Ihrer bisherigen Karriere als Brennerin die größte Herausforderung?
Franziska Bischof: Ich besitze keine Verschlussbrennerei, sondern nur eine landwirtschaftliche Abfindungsbrennerei. Das heißt, ich darf jährlich maximal 300 Liter 100%igen Brandes herstellen. Diese Kleinbrennrechte gibt es zu Tausenden in Süddeutschland und beruhen immer auf einem landwirtschaftlichen Betrieb. Allein in Wartmannsroth, unserer kleinen 2.200-Seelen-Gemeinde, gibt es über 80 Brennereien. Für mich bestand und besteht immer noch die größte Herausforderung darin, diese kleine Brennerei klein zu halten und dennoch davon leben zu können. Dazu musste ich vieles im Betrieb völlig umkrempeln, wollte aber gleichzeitig weder meinen Eltern noch den Kunden vor den Kopf stoßen. Beispielsweise bedurfte es einer nicht unerheblichen Korrektur der Preisgestaltung. Mein Vater hat seit Mitte der 90er Jahre erstklassige Brände gemacht und verkauft – nur leider zu einem viel zu niedrigen Preis. Noch heute findet man in Franken handwerklich hergestellte Obstbrände in Literflaschen zu 12 Euro. Das geht solange gut, wie man seinen Lebensunterhalt mit etwas anderem verdient und das „Brennerei-Hobby“ damit finanziert. Ich musste da aber umdenken – und mit mir mein Vater und letztendlich auch unsere Kunden. Dass das nicht immer einfach war oder ist, ist verständlich.

Damit zusammenhängend, ein weiterer Kampf: Der Einsatz für ehrliche, handwerklich gefertigte Spirituosen und für deren Anerkennung. Craft Spirits sind gerade voll im Trend. Nur leider haben noch viel zu viele Konsumenten, aber auch Gastronomen und Wiederverkäufer gar keine Ahnung, was damit eigentlich gemeint ist. Beim Basiswissen hört es meist schon auf: Brand, Geist oder Spirituose? Gin, Distilled Gin oder London Gin? Und das ist auch gar kein Wunder, denn mir scheint es so, als ob viele große Alkoholindustrien, neue Trendspirituosenhersteller/-vertriebe, aber leider auch vermeintliche Brennereien lieber ihre Produkte auf das Unwissen des Konsumenten aufbauen als wirklich Brennerhandwerk und Qualität zu liefern. Da wird Storytelling betrieben, ein aufwändiges Packaging muss her, Bio- und Vegansiegel drauf und schon wird der billigste Bio-Neutralalkohol mit Bio-Aromazusatz für teuer Geld als hipper Gin gefeiert. Einen Unterschied schmecken meist nur ausgebildete Sensoriker.

Aktuell wird in Brüssel an der Neufassung der Europäischen Spirituosenverordnung gearbeitet. Unter anderem auch darüber, ob zukünftig auch in Deutschland die Zuckerung von Bränden bis 20 g je Liter Brand zugelassen wird. Bislang galt bei uns die 10-g-Grenze – in Österreich und in anderen europäischen Ländern waren bereits 20 g zulässig. Und das ohne Kennzeichnung! Wozu braucht es dieses Zuckern überhaupt? Doch nur, um handwerklich nicht besonders gelungene Brände abzurunden und sie gefälliger zu machen. Erstklassige Brände brauchen das nicht. Die sind so schon gut. Eine zulässige Zuckerung ohne Kennzeichnungspflicht dient also letztendlich nur den Industrien und Panschern. Echte, ehrliche und gute Brenner und Brände werden dadurch aber eher in den Schatten gestellt und sind für den Konsumenten nicht erkennbar.

Genauso kritisch: Womöglich werden zukünftig Nährwerttabellen auf Spirituosen zur Pflichtangabe. Große Konzerne werden das leicht bewältigen können. Aber wie sieht es mit den Kleinbrennern aus, die pro Charge im Durchschnitt etwa 50 l von einem Produkt haben? Alle Welt schreit danach, kleine Betriebe zu fördern, Handwerk, Fachwissen und Traditionen zu erhalten. Dann müssen aber auch entsprechende Lösungen und Gesetze geschaffen werden, die nicht nur den Großkonzernen in die Hände spielen, sondern auch kleinen Betrieben das Überleben ermöglichen. In anderen Branchen sieht das ja ähnlich aus. Mein täglicher Kampf gilt also für die wirklich handwerklichen Brenner.

Sie sind vor Kurzem als „Female Distiller of the Year 2018“ ausgezeichnet worden. Was bedeutet das für Sie?
Franziska Bischof: Als ich den Preis in Berlin erhalten habe, war ich völlig perplex und überrascht. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich in der Brenner- und Barszene ausreichend Bekanntheit habe, um für diesen Sonderpreis überhaupt nominiert zu werden. Für mich ist der Preis eine besondere Art der Anerkennung für meine alltägliche Arbeit und für die mühsame Entwicklung des Betriebs und meiner selbst in den letzten Jahren.

Sie haben sehr unterschiedliche Produkte im Angebot: Welche sind das und woher kommen Ihre Inspirationen dazu?
Franziska Bischof: Ich brenne ganz traditionelle Fruchtsorten, die in einer fränkischen Brennerei nicht fehlen dürfen, wie z.B. Quitte, Birne, Schlehe und Vogelbeere. Darüber hinaus aber auch seit jeher schon Korn und Whisky. Mein Vater hat in den 90er Jahren als Vorreiter den ersten Rhöner Whisky eingelagert – ausnahmslos in Fässern aus Rhön- und Spessarteiche. Anders bei Florian, dem komplexen London Gin, bei dem ich meine Liebe zu Duftblumen zum Ausdruck bringen konnte. Die Rohstoffe für die Brände und Geiste kommen, sofern irgendwie möglich, immer aus der Region, meist sogar aus Wildsammlungen und von eigenen Flächen. Jede Frucht, jeder Brand hat seinen ganz eigenen Charakter. Deswegen kriegen die Brände bei mir auch ihren Stereotyp aufgedrückt: Rebell, Wilderer, Herzdame, Amazone, … Die Inspirationen zu neuen Produkten kommen meist durch die Nase. Ich könnte nie etwas brennen, das ich nicht riechen oder schmecken will.

Sind noch mehr Produkte geplant?
Franziska Bischof: Ja. Ich weiß, wirtschaftlich wäre es effizienter, sich auf eines oder wenige Produkte zu konzentrieren. Aber ich habe diesen Beruf nicht ergriffen, um reich zu werden oder um ein Modegetränk groß zu machen und irgendwann für ein paar Millionen an Pernod Ricard zu verkaufen. Ich bin Brennerin, weil diese Arbeit mich erfüllt und glücklich macht. Und dazu gehört die Freude am Experimentieren, an neuen Kreationen, an Geschmackserlebnissen. Genau darin liegt der Reiz des Brenner-Daseins. Ich würde an Langeweile sterben, wenn ich immer nur dieselben drei Produkte machen dürfte.

Was kann man in Zukunft dann noch von Ihnen erwarten?
Franziska Bischof: Noch im Frühsommer werde ich zwei neue Produkte rausbringen, nämlich meinen ersten Weinbrand aus jungem Hammelburger Wein und den ersten 10-jährigen Rhöner Whisky. Von beiden gibt es nur ein Fass, also handelt es sich um sehr limitierte Mengen. Dazu arbeite ich auch gerade mit Marco Wagner (Rhöner und einer der wohl besten Illustratoren überhaupt – http://marcowagner.net) an den Etiketten und gemeinsam veranstalten wir dann eine Vernissage, um Kunst und Brände zu präsentieren. Das ist ein weiterer fabelhafter Aspekt meiner Arbeit: Ich darf immer wieder neue, interessante Menschen kennenlernen, Freundschaften und Bekanntschaften schließen. Es findet eine stetige Entwicklung statt. Aber weiter als zwei bis drei Monate im Voraus mag ich nicht planen. Da bleibe ich lieber spontan und arbeite mit dem, was kommt. Ist doch viel Spannender.

Die Brennerin | diebrennerin.de | facebook.com/diebrennerin
Edelbrennerei Bischof | brennerei-bischof.de | facebook.com/destillathekbischof

[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_cta_button2 style=“rounded“ txt_align=“left“ title=“Text auf der Schaltfläche“ btn_style=“rounded“ color=“blue“ size=“md“ position=“right“]Wir bedanken uns bei Franziska Bischof für das offene und sehr interessante Interview und wünschen Ihr und der Edelbrennerei Bischof weiterhin viel Erfolg! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt![/vc_cta_button2][/vc_column][/vc_row]

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