Die Freien Brauer: Eine starke Gemeinschaft für die Braukunst

Deutschland ist als Biernation bekannt: Neben den zahlreichen Sorten, Spezialitäten, Rezepten mit Bier und natürlich dem Reinheitsgebot ist es für seine traditionsreiche Historie bekannt und beliebt. Aber auch in unseren Nachbarländern Luxemburg, Österreich und den Niederlanden wird großer Wert auf Qualität gelegt – deshalb haben sich 40 mittelständische Familienbrauereien aus den 4 Ländern zusammengeschlossen und eine Gemeinschaft gebildet: Die Freien Brauer. Gemeinsam kümmern sie sich um die Bewahrung von Braukunst und Lebensart und sind dabei keine reine Wirtschaftskooperation, sondern eine Wertegemeinschaft, die beispielsweise mit ihren „Sieben Werten“ ein bedeutendes Netzwerk innerhalb der Bier-Branche darstellt.

about-drinks sprach mit Georg Schneider und Jürgen Keipp von den Freien Brauern über ihren Werteverbund sowie dessen Aufgaben und Ziele.

Wer oder was sind „Die Freien Brauer“?
Georg Schneider: Ganz einfach: Wir sind allesamt freie Unternehmer und orientieren uns an den Sieben Werten, die weit über das Führen einer Brauerei hinausgehen. Uns liegt vor allem der Erhalt der Bierkultur und der Biervielfalt am Herzen, aber auch ein gewissenhaftes und nachhaltiges Unternehmertum.

Jürgen Keipp: Aktuell besteht der Werteverbund aus 40 Gesellschaftern, die nicht nur in Deutschland ansässig sind, sondern auch in Österreich, Luxemburg und den Niederlanden aktiv in der Braubranche mitwirken. Jede Brauerei ist in ihrer Region die führende Marke und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wenn wir von Brauereien sprechen, sprechen wir immer auch von Identifikation mit der Heimat. Alle Gesellschafter sind starke Charaktere und würdige Vertreter ihrer Region.

In welcher Position sind Sie bei den „Freien Brauern“ tätig?
Jürgen Keipp: Als Geschäftsführer bin ich die Schnittstelle zu den anderen Branchenverbänden und bündele alle Interessen der Freien Brauer zentral in Dortmund. Dort organisieren wir den gemeinsamen Einkauf, planen Versammlungen, besondere Aktionen und Arbeitskreise. Wir übernehmen in vielen Fällen die Abstimmung und geben auch Impulse zurück in die Brauereien.

Georg Schneider: Als Präsident und vorher auch als Vizepräsident habe ich die Ehre, unsere Wertegemeinschaft nach außen zu repräsentieren und die inhaltliche Richtung des Verbundes mit zu gestalten. Wichtig ist mir besonders, wie Bier als Getränk und die Bierkultur draußen wahrgenommen werden und was wir kommunikativ beisteuern können. Ich engagiere mich außerdem noch in weiteren Ämtern in der Branche, beispielweise im Brauerbund oder den Brewers of Europe, und kann so genau abstecken, bei welchen Themen nur Die Freien Brauer etwas bewegen können, weil sie unabhängig von verbandspolitischen Zwängen und Aufgaben sind.

Welchen Sieben Werten haben sich „Die Freien Brauer“ verschrieben und warum?
Georg Schneider: Unser oberster Wert, der auch in unserem Namen verankert ist, ist die Freiheit. Alle Gesellschafter sind unabhängig und können freie Entscheidungen treffen. Egal, welche Strategie internationale Konzerne gerade verfolgen, egal, welcher allgemeine Trend die Stimmung bei den Konsumenten beeinflusst. Und wir sind uns unserer gesellschaftlichen Position als Unternehmer bewusst. Wir übernehmen persönliche Verantwortung – für unsere Mitarbeiter, für den Nachwuchs, für Geschäftspartner. Viele von uns blicken auf eine lange Unternehmensgeschichte mit mehreren Generationen zurück, und diese Erfahrungen bringen wir in die Gegenwart mit ein: Wir setzen auf echte Tradition aus Leidenschaft für das Handwerk und leben die tief verwurzelte Heimatverbundenheit.

Jürgen Keipp: Natürlich erstrecken sich die Werte auch auf die Produkte. Bier ist ein Getränk höchster Güte und drückt ein ganz eigenes Lebensgefühl aus. So sollte es auch bleiben. Mit den über 300 Biersorten, die Die Freien Brauer zusammenbringen, bewahren sie die Vielfalt und die Qualität von Bier auf dem Markt. Über den gemeinsamen Einkauf beziehen wir nur die besten Rohstoffe, und jede Brauerei bemüht sich bei der Herstellung im Sinne einer sauberen Umwelt um einen respektvollen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen.

Georg Schneider: Unsere Sieben Werte sind das Fundament der Freien Brauer, und alle Aktivitäten werden daran gemessen. Es war uns damals ein Bedürfnis, in einer Zeit, in der fast alles nur auf die Wirtschaftlichkeit und den Preis reduziert wurde, ein Exempel von Werthaltigkeit zu statuieren. Freie Unternehmer mit freien Entscheidungen – das sind wir, und das braucht unsere Gesellschaft.

Was ist die Hauptaufgabe Ihres Werteverbunds?
Jürgen Keipp: Über Kommunikationsarbeit rund um die Bierkultur konzentrieren sich die Tätigkeiten der Freien Brauer insbesondere auf den gemeinsamen Einkauf und den Erfahrungsaustausch. Wir entwickeln gemeinsame Abfüll- und Logistikkonzepte und bieten den Gesellschaftern verschiedene Dienstleistungen im Versicherungsbereich an. Darüber hinaus gibt es immer wieder gemeinsame Schulungen und Seminare.

Welche weiteren Betätigungsfelder gibt es?
Jürgen Keipp: Es gibt Gesellschafter unter den Freien Brauern, die sich projektbezogen als eigener Arbeitskreis finden. So gab es beispielsweise 2010 die gemischte Box „11 Freunde“, und seit 2012 ist die Bierbox der Freien Brauer auf dem Markt. Mit diesem saisonalen Gebinde kommen Biergenießer aus ganz Deutschland mit neuen Sorten in Kontakt, die sie aufgrund der oft nur regionalen Verfügbarkeit sonst nicht verkosten könnten. Ein weiteres Beispiel ist die aktuelle Craft-Beer-Selektion der Freien Brauer, die über den Onlineshop www.biertraum.de erhältlich ist. Auch Messeauftritte werden im Verbund gemeinsam besprochen und Synergieeffekte genutzt, beispielsweise bei dem Braukunst Live! Festival in München.

In diesem Jahr feiern „Die Freien Brauer“ ihr zehnjähriges Jubiläum. Erzählen Sie uns, was sich in den letzten zehn Jahren getan hat und worauf der Verbund zurückblicken kann.
Jürgen Keipp: Um genau zu sein, blicken wir schon auf über 40 Jahre zurück. In dieser Zeit hat das Thema Bier einen wahnsinnigen Sprung gemacht – und der Verbund auch. Gestartet ist er 1969 in Form einer Brau-Kooperation als Antwort auf einen Großkonzern, der eine überregionale Marke lancieren wollte. Heute sind wir längst nicht mehr aus rein wirtschaftlichen Beweggründen zusammen, haben uns international geöffnet und eine anerkannte Position im Brauwesen. Wir sehen das große Ganze, fördern den informellen Austausch, agieren nachhaltig und tragen die Bedeutung von unternehmerischen Werten nach außen. Diesen eigenen Anspruch haben wir vor zehn Jahren offiziell gemacht und die Brau-Kooperation in Die Freien Brauer umbenannt, was wir in diesem Jahr feiern.

Georg Schneider: Allgemein kann man zu den letzten 40 Jahren, die stark von der internationalen Industrie beeinflusst wurden, sagen, dass regionale Brauereien zum Glück wieder einen festen Platz in der Gesellschaft gefunden haben. Dem jährlich sinkenden Pro-Kopf-Verbrauch und der negativen Preisspirale zum Trotz stehen sie für den Charakter ihrer Heimat und transportieren das landestypische Lebensgefühl. Das Bewusstsein um Genuss und die Identifikation über lieb gewonnene Marken und Rituale erfahren in der Bevölkerung eine Renaissance. Die zunehmende Globalisierung und Mobilität führen spürbar zu einer Sehnsucht nach zu Hause, Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Heute schauen die Leute wieder genauer, wer hinter den Produkten steht, und entscheiden sich immer auch für das herstellende Unternehmen. Und genau das ist es, was wir Freien Brauer geben wollen: Orientierung, Vertrauen und ein gutes Gefühl.

Wie genau wird das Jubiläum begangen?
Jürgen Keipp: Natürlich stoßen wir im Gesellschafterkreis bei unseren Versammlungen im März und September darauf an. Wir möchten das Jahr nutzen, um die Werthaltigkeit von Bier und den Brauereien als verantwortungsbewusste Unternehmer an einen größeren Kreis zu kommunizieren. Wir gehen dazu erstmalig auch den Schritt in die sozialen Medien, um mehr Biergenießer und jene, die es werden möchten, erreichen zu können.

Bitte beschreiben Sie den deutschen Biermarkt – welche Trends zeichnen sich ab, was wird bleiben und was wird kommen?
Georg Schneider: Leider wird der Preiskampf in den nächsten Jahren wohl weitergehen, aber dafür haben wir jetzt auch eine starke Gegenbewegung. Vor allem das Thema Craft Beer wird die Szene noch beschäftigen, wobei der Hype sicherlich bald abflacht und dafür wieder echte Qualität als Maßstab einzieht. Nicht alles, was sich Craft Beer nennt, ist automatisch ein gutes Bier. Daneben werden klassische Biere weiterhin ihren festen Platz im Alltag eines Bierliebhabers bestreiten und ihm gewohnte, lieb gewonnene Genusserlebnisse verschaffen.

Welchen Ausblick können Sie Bierliebhabern und Interessenten für das Jahr 2015 geben? Was haben „Die Freien Brauer“ geplant?
Jürgen Keipp: Wir haben demnächst den Start in Facebook geplant, wo wir alle Aktivitäten unserer Gesellschafter zusammenführen. Jede Brauerei wird das Jubiläum individuell ausgestalten, und es werden sicherlich tolle Veranstaltungen und emotionale Momente dabei sein.

Georg Schneider: Jeder ist gern eingeladen, die zehn Jahre Freiheit mit uns zu feiern!

Die Freien Brauer | die-freien-brauer.com

[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_cta_button2 style=“rounded“ txt_align=“left“ title=“Text auf der Schaltfläche“ btn_style=“rounded“ color=“blue“ size=“md“ position=“right“]Wir bedanken uns bei Georg Schneider und Jürgen Keipp für das offene und sehr interessante Interview und wünschen den Freien Brauern weiterhin viel Erfolg! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt![/vc_cta_button2][/vc_column][/vc_row]

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