Christof Feichtinger: Kaffee aus dem Land des ewigen Frühlings

Guatemala zählt qualitativ zu den besten Kaffee-Produzenten weltweit. Der Kaffeeanbau hat hier eine lange Tradition. Die sonnigen Hochplateaus, nährstoffeiche Böden, das milde Klima und eine klar definierte Trocken- und Regenzeit sind ideale Voraussetzungen für den Anbau von qualitativ hochwertigem und facettenreichen Kaffee. Zwischen der traumhaften Karibik und dem südlichen feuchttropischen Pazifik, im Herzen Mittelamerikas, wachsen die Strictly Hard Beans aus Guatemala. Sie sind die Grundlage für einen außergewöhnlichen Kaffee: Christof Feichtinger – Café de Guatemala. 

Passend zum morgigen „Tag des Kaffees“ spricht Inhaber Christof Feichtinger im Interview über besondere Kaffees, Qualität, fairen Handel und über seine Passion für (Kaffee aus) Guatemala.

Herr Feichtinger, gemeinsam mit Ihrer Frau haben Sie 2011 begonnen, Kaffee aus Guatemala nach Deutschland zu importieren. Warum?
Christof Feichtinger: Wir haben Christof Feichtinger – Café de Guatemala gegründet, weil wir eine Leidenschaft für Kaffee und besonders für Kaffee aus Guatemala haben. Ich bin in Guatemala geboren und aufgewachsen und habe eine tiefe Beziehung zu diesem Land und seinen Einwohnern. Wir möchten dem traditionsreichen Naturprodukt Kaffee mehr entlocken – das Beste für unsere Kunden und das Beste für die Kaffeekleinbauern in Guatemala. Jemand, der gern etwas Besonderes trinkt, wird unseren Kaffee lieben: Kaum jemand kommt an die Kaffeeraritäten und besonderen Ernten, die wir anbieten können. Da Guatemala mein Heimatland ist, haben wir die Möglichkeit, unseren Kaffee direkt und ohne Zwischenhändler zu beziehen und genießen das Vertrauen der Bauern – dafür sind wir regelmäßig vor Ort und verkosten Kaffees von Kleinbauern aus diversen „Provenienzen“ Guatemalas.

Worauf kommt es Ihnen bei Kaffee vor allem an?
Christof Feichtinger: Auf höchste Qualität. Und zwar auf allen Ebenen! Unser Café de Guatemala enthält zum einen nur Bohnen, die ab einer Höhe von 1.300 Metern ü.d.M. wachsen. Diese Güteklasse bezeichnet man in Guatemala als SHB (Strictly Hard Bean). Die Kaffees aus solch hoch gelegenen Anbaugebieten wachsen langsamer und werden dadurch später geerntet. Durch diesen langsamen Reifeprozess erhält man einen sehr hochwertigen Kaffee, mit einem für jede Anbauregion charakteristischen feinen Aroma.

Neben der Geschmacksqualität legen wir zudem sehr hohen Wert auf Nachhaltigkeit: Für unseren Kaffee verwenden wir ausschließlich biologisch angebaute Kaffeebohnen aus den besten Lagen. Der nachhaltige und sparsame Umgang mit den vorhandenen natürlichen Ressourcen ist für den Anbau und die Ernte des von uns bezogenen Kaffees selbstverständlich. Wir beziehen nur zertifiziert ökologisch angebauten Kaffee. Das heißt neben dem Verzicht auf Pestizide treffen die Bauern auch Maßnahmen zur Verhinderung von Bodenerosion. Verschiedene Arten von Schattenbäumen, die die Kaffeesträucher vor direkter Sonneneinstrahlung schützen, erhalten die Pflanzenvielfalt und bieten Schutz für viele Tierarten. Das kommt der vielfältigen Flora und Fauna Guatemalas zugute.

Der direkte und faire Handel liegt Ihnen sehr am Herzen. Warum?
Christof Feichtinger: Durch den direkten Handel möchten wir eine langjährige und partnerschaftliche Beziehung fördern, welche dem Einkommen der Kleinbauern ein stabiles Fundament verleiht. Deshalb verhandeln wir über die Vereinigung FEDECOCAGUA R.L. (Federación de Cooperativas Agrícolas de Productores de Café de Guatemala R.L.) direkt mit den Bauern vor Ort. Die Vereinigung ist ein Dachverband von aktuell über 140 Kaffee- Genossenschaften, der schon 1969 von Kleinbauern gegründet wurde. Ihr Ziel war es damals, selbstbestimmt und unabhängig auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Das haben sie geschafft.

FEDECOCAGUA ist seit über 40 Jahren auf dem Kaffeemarkt erfolgreich tätig und leistete Pionierarbeit im Bereich des fairen Handels. Jede dieser Kleinbauernkooperativen ist auch Miteigentümer des Dachverbandes. Durch FEDECOCAGUA können circa 20.000 guatemaltekische Kaffeekleinbauern ihren Kaffee ohne Mittelsmänner auf dem Weltmarkt effizient über ihren eigenen Dachverband exportieren und vermarkten. Die Gewissheit der Kleinbauern, dass sie zur Vermarktung ihres Kaffees auf ihren Dachverband zurückgreifen können, ermöglicht ihnen eine langfristige Planung. Wir finden das großartig und werden hier all unsere Unterstützung fokussieren. Wir konnten über den direkten Handel zu den Kooperativen eine langjährige und partnerschaftliche Beziehung aufbauen und pflegen und den Kleinbauern mit einem regelmäßigen Einkommen ein stabiles Fundament für ein unabhängiges Leben geben. Damit ist sichergestellt, dass die Bauern immer einen guten Preis erhalten, welcher deutlich über dem üblichen „Fairtrade-Preis“ liegt. Wir zahlen zudem bewusst deutlich mehr als aktuelle Marktpreise, weil wir nur die besten Kaffees haben möchten und wir der Meinung sind, dass ein Naturprodukt nicht zu einem Standardpreis definiert werden sollte. Diese Art des direkten Handels geht weit über das übliche „faire Handeln“ hinaus.

Anhand des Single Origin Codes, der auf jeder Packung zu finden ist, können Sie ganz einfach online rückverfolgen, von welcher Ernte, aus welcher Region und von welcher Kooperative Ihr Kaffee stammt. Wir wollen, dass unsere Kunden die Kaffees verstehen und dann umso mehr genießen können.

Alle Kaffees von Ihnen werden als Single Origin Kaffees bezeichnet. Was bedeutet das?
Christof Feichtinger: Für die meisten Kaffees werden Bohnen aus unterschiedlichen Regionen gemischt, dies nennt man einen „Blend“. Die von uns ausgesuchten Bohnen sind jedoch von so hoher Qualität, dass sie für sich alleine stehen können. Solch einen Kaffee bezeichnet man als Single Origin Kaffee. Mit unseren Single Origin Kaffees bieten wir wahre Kaffee-Schätze aus den verschiedenen Anbauregionen Guatemalas an. Wir verwenden für unsere Kaffees ausschließlich folgenden Varietäten: Tipica, Bourbon, Catimor, Caturra, Catuaí, Maragogype und Pache, welche alle zur Art Coffea arabica (Arabica-Kaffee) gehören.

Sie berichten viel von Land und Leuten und betonen mehrfach, dass Ihnen die Unterstützung der Menschen in Guatemala wichtig ist. Lassen Sie denn auch Ihren Kaffee im Land rösten?
Christof Feichtinger: Wir haben uns bewusst für die Röstung in Guatemala entschieden. So bleibt ein wichtiger Verarbeitungsschritt im Ursprungsland und sichert weitere Arbeitsplätze. Unser Café de Guatemala wird schonend im Trommelröster langzeitgeröstet. Bei dieser sanften Art zu rösten kann sich der geschmackliche Charakter eines Kaffees mit all seinen aromatischen Besonderheiten voll entfalten. Dabei ist aber auch die Erfahrung des Rösters von großer Bedeutung.

Wir haben großes Glück gehabt und in Guatemala Stadt die für uns idealen Röstmeister gefunden. Sie können auf einen Erfahrungsschatz von inzwischen drei Generationen zurückgreifen und machen eine tolle Arbeit.

Wie stellen Sie sicher, dass ihre Kaffees gleichbleibende Qualität haben?
Christof Feichtinger: Wir sind regelmäßig in Guatemala und verkosten die verschiedenen Kaffees. Da es sich bei Kaffee um ein Naturprodukt handelt, ist gerade bei hochqualitativem Kaffee nach der Ernte und vor dem Rösten eine sorgfältige Auslese notwendig. Nur so können wir garantieren, dass die besten Bohnen für unseren Kaffee zum Einsatz kommen. Aber Kaffee ist ein Naturprodukt – wir, die Kleinbauern und der Röster geben Jahr für Jahr unser Bestes, doch die Geschmacksnuancen können variieren. Wie beim Wein auch – das ist ja gerade das Spannende. Unsere gemahlenen Kaffees sind vakuumverpackt, der Kaffee in ganzen Bohnen ist in Einweg-Ventil-Beuteln verpackt. Beide Verpackungsmethoden gewährleisten einen maximalen Erhalt der wichtigen Aromen des gerösteten Kaffees.

Was macht eine gute Kaffeequalität aus?
Christof Feichtinger: Das Terroir sowie die Sorgfalt und Qualität, mit welcher der Kaffee angebaut, geerntet und aufbereitet wird. Er sollte im Idealfall per Hand und zum Zeitpunkt der vollen Reife der Kirsche gepflückt werden. Um Kaffee rösten zu können, müssen die Bohnen auf eine Restfeuchte von ca. 10-12% getrocknet werden. Nach der Ernte werden diverse Verfahren angewandt, um das zu erreichen. Man spricht dabei von zwei Grundarten der Aufbereitung: Der trockenen oder der gewaschenen Aufbereitung (wobei letztere sich zusätzlich in drei unterschiedliche Methoden unterteilen lässt). Mit jeder Aufbereitungsart kann man den Geschmack und Körper des Kaffees beeinflussen. Letztlich gilt auch hier: Abgesehen vom Geschmack, den man mit der jeweiligen Aufbereitungsmethode „treffen“ möchte, ist eine sorgfältige und saubere Verarbeitung des Kaffees das oberste Gebot.

Worauf muss man beim Kaffeekauf achten? Woran kann sich der Kaffeegenießer orientieren?
Christof Feichtinger: Es gibt drei Kriterien, an die sich der Kaffeegenießer orientieren kann. Das ist zum einen die Rückverfolgbarkeit. Es sollte nachvollziehbar sein, woher der Kaffee kommt. Das bedeutet nicht, dass es reicht, dass darauf z.B. „Guatemala“ steht, sondern vielmehr, dass man exakt rückverfolgen kann, woher der Kaffee stammt. Wie beim Wein, ist es auch beim Kaffee wichtig zu wissen aus welcher Region, von welchem Produzenten und aus welcher Lage der Kaffee stammt. Deshalb finden Sie auf unseren Verpackungen den bereits erwähnten Single Origin Code. Ein weiteres Kriterium ist der Preis. Wenn ein Kaffee gut schmeckt und aber weniger als 20,- EUR pro Kilo kostet, kann etwas in der Versorgungskette nicht stimmen. Das ist ein Faktum. Kaffee ist ein viel zu arbeitsintensives Produkt – dafür muss einfach ein bestimmter Mindestpreis gezahlt werden. Ein hoher Verkaufspreis alleine sichert natürlich nicht eine gute Kaffeequalität und eine faire Entlohnung der Arbeiter! Eine wichtige Rolle spielt zudem die Rösttiefe. Eine helle Röstung lässt die terroirspezifischen Aromen in den Vordergrund treten. Eine etwas dunklere Röstung ist für Espresso meist besser geeignet.

Zuletzt wäre noch spannend zu erfahren, wie Sie Ihren Kaffee am liebsten trinken?
Christof Feichtinger: Für mich bedeutet Kaffeetrinken Genuss und Faszination pur. Das fängt schon bei der Zubereitung an – ich bereite mir und meiner Frau jeden Morgen eine Bayreuther Kanne mit Kaffee zu. Das braucht zwar minimal länger als eine Kaffeemaschine, ist aber für mich die absolut schönste Art, Kaffee zu trinken, und inzwischen ein fester Bestandteil unseres Tagesablaufes. Es fasziniert mich jeden Morgen aufs Neue, wie sich kleine Änderungen in der Rösttiefe auf den Geschmack auswirken. Auch wie sich die vielen Aromen und Geschmacksnuancen unterschiedlich entwickeln, wenn man nur kleine Änderungen an der Zubereitung vornimmt. Zudem gelangen bei dieser Zubereitungsart mehr Fette und Schwebstoffe in die Tasse. Diese sind auch Geschmacksträger und verleihen dem Kaffee einen vollen und runden Körper.

Grundsätzlich ziehe ich per Hand zubereiteten Kaffee immer einem Kaffee aus dem Vollautomaten vor, weil ich damit alle Variablen genau im Griff habe, mit ihnen experimentieren und variieren kann und zudem werde ich einem hochwertigem Kaffee so besser gerecht (letzteres ist mein rein persönliches Empfinden!). Einzelne Parameter einstellen und variieren, kann man mit einem guten Vollautomaten natürlich auch, jedoch spricht man bei der Zubereitung im Vollautomaten von einem ein sog. Kolbenkaffee, welcher schneller zubereitet wird somit auch nicht so schonend und langsam wie ein Handfilter oder die Bayreuther Kanne ist. Kaffee mit seinen rund 800 Aromastoffen ist eines der spannendsten Getränke überhaupt – und für mich ein Stück Heimat dazu!

Feichtinger – Café de Guatemala | feichtinger-kaffee.de | facebook.com/Feichtinger.CafedeGuatemala

[vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_cta_button2 style=“rounded“ txt_align=“left“ title=“Text auf der Schaltfläche“ btn_style=“rounded“ color=“blue“ size=“md“ position=“right“]Wir bedanken uns für das offene und sehr interessante Interview und wünschen Feichtinger – Café de Guatemala weiterhin viel Erfolg! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt![/vc_cta_button2][/vc_column][/vc_row]

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