Oberlandbrennerei Interview
Interview

Bio-Whisky, Gin und viel Kreativität: Anna & Marko Schnürch über die Oberlandbrennerei

Zwischen Bergen und der Isar, im oberbayerischen Lenggries, betreiben Anna und Marko Schnürch ihre Oberlandbrennerei. Und das mit einer klaren Philosophie: biozertifiziert, nachhaltig und „vogelwuid“. Als Fachfremde haben sie mit viel Leidenschaft und Experimentierfreude ihren WUYD Whisky und Flower Power Gin entwickelt. Die bereits mehrfach prämierten Produkte überzeugen nicht nur mit Qualität, sondern auch mit viel Kreativität.

Im Interview erzählen die beiden, wie aus einer Schnapsidee ihr WUYD Whisky entstand, warum Blütenpollen in ihren Gin gehören – und weshalb Emotionen bei der Herstellung eine große Rolle spielen.

„Ihr woids Whisky macha? Vogelwuid!“ Wie vogelwild war die Idee für einen eigenen Whisky denn wirklich?

Anna & Marko Schnürch: Für Fachfremde schon recht wuid. Außer dem Entschluss, Whisky zu brennen, hatten wir ja nichts. Aber wir sind von einer Schnapsidee zur eigenen Whiskymarke gekommen. Wuid also.

Oberlandbrennerei Interview

Welche Expertise konntet Ihr selbst dabei einbringen? Wer hat Euch bei Eurem Vorhaben unterstützt?

Anna & Marko Schnürch: Wichtig war, dass ich 15 Jahre Erfahrung im Bierbrauen habe. Zwar privat, aber damit war die Arbeit mit der Maische schon mal nicht schwer. Und wenn dann auch nicht an der Destille und den Zutaten wie dem Malz gespart, sondern auf Qualität geachtet wird, ist das der zweite Baustein. Und der dritte ist Hilfe von außerhalb, sei es vom Destillenhersteller, dessen Mitarbeiter bei Fragen immer erreichbar war, auch am Wochenende, oder auch vom Malzlieferanten.

Ein Seminar beim südostbayerischen Brennerverband hat dann die letzten Unklarheiten beseitigt. Und das Ergebnis hat uns dann vom ersten Brand an überzeugt, bestätigt haben uns das eine Silber- und eine Goldmedaille bei den Craft Spirits Berlin für den NewMake.

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Was ist das Wildeste an Eurem WUYD Whisky? Sind es die Ahornsirup- und Hagebutten-Fässer?

Anna & Marko Schnürch: Ich denke, das Ahornsirupfass, recht häufig findet man das nicht. Die Aromen haben sich von Anfang an sehr gut entwickelt, da sind wir schon gespannt.

Wuid ist natürlich auch der experimentelle Charakter, Dinge beim sehr konventionellen, traditionellen Thema Whisky zu hinterfragen und auch einmal anders zu machen. Wir als kleine Craftbrenner können und dürfen es uns leisten, verschiedenste Fässer auszuprobieren. Oder auch einfach in Bio zu machen. Ein weiteres Beispiel ist die Pflanzkarte, die wir den Flaschen aus Batch 1 mitgeben. Die nötigt Sammler der Erstedition ja fast schon, die Flasche zu öffnen und auszutrinken, statt sie in der Sammlung im Regal verstauben zu lassen.

Wuid ist daran aber im weiteren Sinne mehr. Die wilde Isar und die Natur hier, die zu Nachhaltigkeit und naturnaher Imkerei regelrecht inspirieren, die Herzlichkeit und Gastfreundschaft bei uns in der Brennerei und im Dorf Lenggries, ist zum Wohlfühlen.

Erzählt uns von dem Whisky: Welche Zutaten nutzt Ihr? Welche Rolle spielen die Themen Bio und Nachhaltigkeit?

Anna & Marko Schnürch: Wir haben eine Mischung aus vier verschiedenen Malzen, die trifft unseren persönlichen Geschmack hervorragend. Ab und zu ändern wir die, wie kürzlich in eine 100%-Rauchmalzschüttung. Der Brand ruht jetzt in einem mit rauchigem Whisky vorbelegten Fass aus einer schottischen Brennerei mit „A“. Wuid, ganz anders und spannend.

Bio ist Lebenseinstellung, nicht Gewinnstreben. Wie in unserer Imkerei auch. Da sind wir seit Anfang an biozertifiziert, kostet nicht wenig, bringt uns vom Ertrag her auch nichts, weil wir nur den hier allseits üblichen Preis pro Glas verlangen. Fühlt sich aber gut an und ist für uns richtig. Und so halten wir es auch beim Whisky. Nicht immer das machen, was alle machen. Anders sein. Und sein Möglichstes tun.

Die Destille läuft mit Strom von der eigenen PV-Anlage, das Kühlwasser im Kreislauf, das Malz ist aus Bayern, die Flasche ist nicht nur schön sondern hat auch rund 30% weniger Glas, spart Rohstoff und Energie. Und weil die Flasche an sich sehr schön ist, verzichten wir auf eine Umverpackung. Zum Versand werden die Sendungen mit Papierklebeband verpackt. Eine Kleinigkeit, klar, aber ein Bausteinchen. Da geht noch viel, wissen wir. Aber nicht alles auf einmal.

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Wie wirkt sich das alles auf den Geschmack des Whiskys aus?

Anna & Marko Schnürch: Viel besser. Nein, im Ernst. Wir haben die ersten Fässer konventionell gebrannt und uns dann biozertifizieren lassen und mussten da den Malzlieferanten wechseln. Ergebnis war ein NewMake, der anders schmeckt, nicht besser oder schlechter. Aber das Gefühl ist besser. Und Whisky besteht halt auch aus Emotionen.

Neben Whisky macht Ihr auch Gin. Für Euren Flower Power Gin nutzt Ihr Blüttenpollen. Erzählt uns davon!

Anna & Marko Schnürch: Das ist unser Spezialbotanical. Wir wollten auch da anders sein und kamen auf die Idee unsere Brennerei mit der Imkerei zu verbinden. Neben dem Honig ernten wir auch Blütenpollen. Und den haben wir in unsere Gin-Linien eingebunden, findet man auch nur bei uns.

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Wie schmeckt der Gin dadurch?

Anna & Marko Schnürch: Der Blütenpollen hat einen markanten Eigengeschmack und bringt wunderbare florale Noten rein. Und er bringt die Juroren bei Wettbewerben ins Schwitzen, die kennen keinen Blütenpollen, müssen die Note aber beschreiben. Kommt aber gut an, auch da bestätigen uns das die Goldmedaillen für unsere Gins.

Über welche Distributionswege werden Eure Produkte vermarktet, wo sind Sie erhältlich?

Anna & Marko Schnürch: Am meisten freuen wir uns über die Kundschaft bei uns in der Destille, der direkte Kontakt und das Wissen, wo und wie produziert wird, hat einen deutlichen Mehrwert für die Käufer. Wir haben zusätzlich einen Onlineshop und sind aber auch im Fach- und Einzelhandel vertreten.

Oberlandbrennerei Interview

Ihr steht mit Eurer Oberlandbrennerei noch relativ am Anfang. Habt Ihr konkrete Pläne und Ziele für dieses Jahr?

Anna & Marko Schnürch: Ein wenig wollen wir die Produktion steigern, so dass wir auch Fässer für eine längere Reifezeit abzweigen können. Ansonsten lassen wir uns überraschen, es ergeben sich immer Wege und Möglichkeiten, die man gar nicht auf dem Schirm hat.

Oberlandbrennerei | Website | Instagram | Facebook

+++ Wir bedanken uns bei Anna und Marko Schnürch für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

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