Ferdinands Interview
Interview

10 Jahre Saar Dry Gin: Denis Reinhardt und Erik Wimmers über Ferdinand’s

Dass Wein, in diesem Fall Riesling, und Gin perfekt zueinander passen, beweist Ferdinand’s Saar Dry Gin. Vor 10 Jahren haben die Brüder Denis Reinhardt und Erik Wimmers sowie ihre Freunde Dorothee Zilliken, Winzerin des VDP Weinguts Forstmeister Geltz-Zilliken, und Andreas Vallendar, Master Distiller der Avadis Distillery, den Gin mit der Riesling-Infusion auf den Markt gebracht. Doch dieser Gin ist nicht nur eine Spirituose, sondern vielmehr ein aromatisches Abbild ihrer Heimatregion. Und dieser regionale Bezug spiegelt sich auch in den Produkten wider, die seitdem hinzugekommen sind: Die Gin-Range wurde erweitert, die Vermouth-Linie gelauncht und 4 Bitters entwickelt.

Wir haben mit Denis Reinhardt und Erik Wimmers im Interview gesprochen – über den Saar Dry Gin und das Infusions-Verfahren, die weiteren Produkte sowie die Meilensteine und Herausforderungen der letzten 10 Jahre.

Herzlichen Glückwunsch zum 10. Jubiläum! Springen wir zurück zum Anfang: Wie ist das Produkt entstanden und wie kam es dabei zu der Idee der Riesling-Infusion?

Denis Reinhardt: Durch die enge Freundschaft zu unserer Lieblingswinzerin Dorothee Zilliken vom VDP Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken und Andreas Vallendar, Master Distiller der Avadis Distillery, der gemeinsamen Liebe zu unserer Region, zu unseren Weinen und guten Spirituosen, vor allem zu gutem Gin entstand 2013 Ferdinand’s Saar Dry Gin, verfeinert mit unserem weltberühmten Saar-Riesling. Im Dreiländereck zwischen Deutschland, Luxemburg und Frankreich, dort, wo die Saar auf die Mosel trifft, liegt nämlich eines der faszinierendsten Weinanbaugebiete Deutschlands, aus dem die wohl teuersten Weißweine der Welt stammen.

Wir waren uns alle auf Anhieb einig: Wir wollen einen Gin machen, der unser Terroir und unsere Region mit all ihren Highlights und Besonderheiten widerspiegelt. Die Qualität soll kompromisslos im Vordergrund stehen, keine erfundenen Stories oder sonstiger Quatsch.

Denis Reinhardt (r.) und Erik Wimmers

Welche Meilensteine, aber auch Herausforderungen haben die Marke in dieser Dekade begleitet?

Erik Wimmers: Bereits kurz nach dem Launch bekam der Ferdinand’s Saar Dry Gin 2014 von Simon Difford das Prädikat 5/5 „Outstanding and excellent!“. Es folgten in den letzten 10 Jahren weitere Auszeichnungen sowie der Release weiterer Produkte. Stetig wurde das Exportgeschäft ausgebaut. So wurde 2016 der US-Markt erschlossen und jetzt im Jahr 2023 wird Ferdinand’s Saar Dry Gin in 42 Länder exportiert.

Der wachsende Gin-Markt bot zwar sehr gute Chancen für die Marke, ist dennoch natürlich hart umkämpft, sodass hier immer wieder Flexibilität gefragt war ohne die Authentizität zu verlieren und sich selbst und dem eigenen Qualitätsanspruch treu zu bleiben.

Wie hat sich der Gin-Markt in Deutschland in den vergangenen 10 Jahren verändert. Wie hat Ferdinand‘s auf diese Veränderungen reagiert?

Denis Reinhardt: Haben wir uns zunächst, auch aufgrund der eigenen Affinität, sehr auf die Barszene fokussiert und den Vertrieb dort forciert, so ist doch spätestens mit der Corona-Pandemie und dem gleichzeitig steigenden Interesse vieler Endkunden an detailreicheren Inputs und generell der Kategorie Gin, der Fokus zusätzlich auch auf die Endverbraucher gelegt worden. Zudem erweiterten wir das Ferdinand’s Portfolio recht schnell um die Kategorie Vermouth. Um eine breiter aufgestelle Zielgruppe anzusprechen wurde hier entsprechend auch die Kampagne um unseren Rosé Vermouth „Mach Schluss mit Hugo“ lanciert.

Außerdem wurden 2023 z.B. Themen wie die Ferdinand’s Picknickkörbe für Saar Dry Gin und Rosé Vermouth gelauncht, sodass der Endkunde die Ferdinand’s Experience am eigenen Leibe erfahren kann. Unser Online-Shop diente zunächst zwar nur dem Endkunden ist nun aber mittlerweile auch für B2B Kunden aktiv, sodass auch hier wieder beide Zielgruppen integriert und berücksichtigt werden. Die Ausgewogenheit ist stets unsere Devise.

Ihr habt das Portfolio neben dem Saar Dry Gin im Laufe noch um einige Produkt erweitert. Welche sind das?

Erik Wimmers: Das Ferdinand’s Portfolio umfasst neben unserem klassischen Saar Dry Gin den Ferdinand’s Saar Quince, unsere regionale Hommage an den Sloe Gin, der mit eigens angebauten Muskatellerquitten verfeinert wird. Um der Barszene gerecht zu werden, wurden dann auch die Vermouths White, der in 1.000 Liter Mosel Fuder Fässern gelagert wird, Dry, Red, der unter anderem mit Schönberger Zwetschge, Stevnsbear Kirsche und unreifer grüner Walnuss hergestellt wird, und schließlich auch der Weinaperitif Rosé Vermouth mit regionalem Rhabarber und Holunderblüte gelauncht sowie insgesamt 4 Bitters. Hinzu kommen Special Releases wie unsere Goldcap oder der Ferdinand’s Barrel Aged Red Vermouth, der nun zum 2. Mal in limitierter Auflage von jeweils 400 Flaschen released wurde und 15 Monate in Moscatelfässern gereift ist.

Wie spiegelt sich die regionale Identität der Saar in den Produkten wider?

Denis Reinhardt: Der Hauptfaktor ist natürlich die Infusion mit dem bekannten Saar Riesling bzw. die Rieslingbasis je nach Produkt. Außerdem verwenden wir größtenteils regionale Botanicals, die wir zu großem Anteil auch selbst anbauen und stetig versuchen, diesen Faktor weiter auszubauen. Mindestens genauso wichtig ist natürlich unser Name. Dieser stammt vom königlich-preußischen Forstmeister Ferdinand Geltz, der der Mitbegründer des VDP Mosel Saar Ruwer, dem Verband der Prädikatsweingüter, war.

Ganz zu schweigen von der Zusammenarbeit mit der jüngsten Generation zweier Traditionsbetriebe (VDP Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken und Avadis Distillery) unserer Region, die seit Jahrzehnten, die Region prägen, leben und repräsentieren.

Die Handwerkskunst spielt in der Welt der Spirituosen eine wichtige Rolle. Wie werden Eure Produkte hergestellt?

Erik Wimmers: Unser Gin wird mit größter handwerklicher Sorgfalt hergestellt. Um die Komplexität und Unverwechselbarkeit zu erhalten, verzichten wir konsequent auf industrielle Produktionsverfahren und brennen ausschließlich in kleinen Chargen unter Verwendung heimischer Zutaten aus zumeist eigenem Anbau.

Der Rohbrand wird eigens in unserer Brennerei aus Dinkel, Weizen und Roggen hergestellt. Die in unserem Gin verwendeten Kräuter, Gewürze und Früchte sind fein aufeinander abgestimmt und stammen möglichst aus eigener Produktion. All unsere Botanicals sind handverlesen.

Noch einmal zurück zum Thema Riesling-Infusion: Wie genau funktioniert die?

Denis Reinhardt: Wir verwenden für unsere Riesling Infusion nur die feinsten Spätlesetrauben des VDP Weinguts Forstmeister Geltz-Zilliken aus der Großen Lage „Saarburger Rausch“. Ein aus eigenem Getreide hergestellter und mehrfach destillierter Rohbrand bildet die Basis für die sorgfältige Mazeration der über 30 handverlesenen Kräuter, Gewürze und Früchte. Die zusätzliche Verwendung einer Dampfinfusion frisch geernteter Kräuter fügt dem Gin einzigartige frische, florale Noten hinzu.

Abgerundet wird das Endprodukt mit einer Infusion von Schiefer-Riesling wobei das Gin-Destillat mit einem Traubenmazerat in Spätlesequalität, dessen Jahrgang jeweils auf dem Rückenetikett eingedruckt ist, zusammengeführt wird und somit das einzigartige Geschmacksprofil des Ferdinand’s Saar Dry Gin definiert wird. Nach einer Ruhezeit von vier Wochen wird Ferdinand’s Saar Dry Gin mit entmineralisiertem Wasser auf 44 % vol. Trinkstärke eingestellt, in unsere nostalgisch anmutenden Weinflaschen gefüllt und mit einem mit Bienenwachs versiegelten Naturkorken verschlossen.

Welche Marketingstrategien haben dazu beigetragen, dass Eure Marke in einem sehr wettbewerbsintensiven Markt erfolgreich positioniert ist?

Erik Wimmers: Der Marketingmix von Ferdinand‘s besteht aus verschiedensten Maßnahmen, die bis heute alle in house erarbeitet und weitesgehend umgesetzt werden. Ob der Launch neuer Produkte oder die Erschließung neuer Produktkategorien, das Redesign der bestehenden Produkte oder auch die Platzierung dieser in verschiedensten Medien und Absatzkanälen. Ebenso das Schließen von strategischen Kooperationen mit anderen Marken oder das gezielte Einsetzen von Social Media, an denen man in der heutigen Zeit nicht mehr vorbeikommt, gehören zum essenziellen Werkzeug.

So wurden unter anderem verschiedene Influencerkooperationen geschlossen und stetig intensiviert, sodass zum Beispiel unter anderem der #einekleinenegroni Club gegründet wurde. Des Weiteren erfolgte in den letzten 10 Jahren eine stetige Entwicklung und Neuentwicklung von POS-Materialien und des Packagings, um die Marke stets attraktiv und modern zu halten.

Mit Blick auf die Nachhaltigkeitstrends in der Getränkeindustrie, welche Schritte unternehmt Ihr in diesem Bereich?

Denis Reinhardt: Wir arbeiten stets daran, dass unsere Produktionsprozesse immer nachhaltiger werden. Dies fängt bei der Flaschenproduktion in Richtung Klimaneutralität an. Der Verwendung von recyceltem Glas. Naturkorken ohne Verwendung einer Plastikkapsel, wie bei vergleichbaren Produkten. Des weiteren wurde die Produktion des Ferdinand’s Saar Dry Gin auf den Weg gebracht den Bio Zertifizierungsstandards zu entsprechen. Wir versuchen auch hier am Puls der Zeit zu bleiben und hinterfragen regelmäßig den Status Quo.

Zum 10. Geburtstag schaut man gerne zurück, aber auch nach vorn. Welche Pläne habt Ihr für die kommenden Jahre?

Erik Wimmers: Wir arbeiten gerade an einem Redesign unser Produktrange sowie dem Release einer Produktinnovation, über die wir aktuell aber noch nicht allzu viel verraten möchten. Grundlegend wird es im Hause Ferdinand’s keinen Stillstand geben. Es werden stets neue Ideen generiert und entsprechend umgesetzt oder alt bewährtes weiter fortgeführt und verfeinert.

Ferdinand’s Gin | Website | Instagram | Facebook

+++ Wir bedanken uns bei Denis Reinhardt und Erik Wimmers für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

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