Getränkefachgroßhandel mit verhaltenem Optimismus ins WM-Jahr 2014

Im Umfeld des aktuell positiven Konsumklimas in Deutschland äußern sich auch die Mitgliedsunternehmen des GFGH-Bundesverbandes verhalten optimistisch über das Geschäftsjahr 2014. In einer Konjunkturumfrage bei rund 20 Prozent seiner 540 Mitgliedsbetriebe erwarten 54 Prozent für das erste Halbjahr bessere Umsätze und 42 Prozent steigende Erträge im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings laufe dieses Jahr statistisch gegen das sehr schwache erste Halbjahr 2013, in dem allein der Inlands-Bierabsatz um 4,8 Prozent einbrach, wogegen in diesem Jahr mit einem milden Winter, nahezu sommerlichen Frühlingstemperaturen und der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft die Zeichen deutlich günstiger stünden, relativiert der Bundesverband den Optimismus. „Nach wie vor stehen unsere Mitgliedsunternehmen unter Ertragsdruck“, betont Günther Guder, Geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes. „Zwar stiegen die Umsätze im Jahr 2013 um 4,64 Prozent (2012: plus 3,32 Prozent) auf 20,13 Mrd. Euro (2012: 19,27 Mrd. Euro). Die Gewinne schmolzen dagegen auf durchschnittlich 0,83 Prozent (2012: 2,20 Prozent). 75 Prozent der zehn Top-Biermarken wurden in 2013 dauerhaft über Promotion unter zehn Euro pro Kiste verramscht, und das rigorose Nichtraucher-Schutzgesetz im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW schadet den Gaststättenumsätzen“, nennt er zwei wichtige Gründe. Inzwischen beobachte der Verband seit Jahresbeginn 2014 einen leichten Rückgang der aggressiven Promotionangebote.

Preisaktionismus von LEH und der Discounter sowie staatliche Eingriffe dämpfen Geschäft
„Die gestiegenen Umsätze resultieren aus den Bierpreiserhöhungen, wogegen die erzielbaren Spannen nicht Schritt hielten durch den preisaggressiven Lebensmitteleinzelhandel und Discount und den erhöhten eigenen Marketing- und Handlingkosten für immer größer werdende Sortimente“, erläutert der Bundesverband in seiner aktuellen Verlautbarung. Die seit Jahren festzustellende Erhöhung des Wettbewerbsdrucks und Konzentrationsgrades in der Industrie und im Lebensmitteleinzelhandel sowie in der Gastronomie in Verbindung mit dauerndem Aktionismus bei Bier und seit zehn Jahren anhaltender Dumpingpreise bei Mineralwasser erschwerten wirtschaftliche Geschäfte. Die zahlreichen staatlichen Vorschriften, wie das rigide Nichtraucher-Schutzgesetz, partielle Alkohol- Verkaufsverbote oder das ständige Schrauben an der Lkw-Maut, dämpften die Lage zusätzlich. So wird die Maut auf weitere definierte Bundesstraßen ausgedehnt werden und ab Herbst 2015 sollen auch die Lkw ab 7,5 t mautpflichtig werden.

Die gemeldeten Ergebnisse differieren wie in den Vorjahren sehr stark und verweisen auf nach wie vor sehr unterschiedliche Firmenentwicklungen. Dies betreffe vor allem die Entwicklung in den rund 7.000 eigenen Getränkefachmärkten (GFM). In seiner Frühjahrskonjunkturumfrage konnte der Bundesverband feststellen, dass es ein deutliches Übergewicht der erfolgreicheren kooperierenden und filialisierten Getränkefachmärkte gebe, die unter einem Dach Marketing, Beschaffung und Logistik koordinierten. Etwa 30 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Betriebe erwarten eine positive Umsatzentwicklung im Bereich der Getränkefachmärkte (Vorjahr: 11 Prozent).

Mehr Fachpersonal und Investitionen
Der Bundesverband führt diese Einschätzung zurück auf die anhaltenden Aktivitäten und Investitionen in die Getränkefachmärkte, die den Einkauf für den Konsumenten dank Erlebniswelten, fachkundigem Personal, großer Sortimentsvielfalt und regionaler Spezialitäten auch gegen den preisaggressiven Lebensmitteleinzelhandel und Discounter attraktiv machen. Knapp 96 Prozent der Unternehmen (Vorjahr: 93 Prozent) wollen mehr oder mindestens gleichbleibend in ihre GFM investieren. 17 Prozent der Getränkefachgroßhändler wollen in diesem Jahr mehr Fachpersonal einstellen; Anfang des vergangenen Jahres meldeten dies nur 9,5 Prozent. „Unsere Mitglieder stellen sich nachhaltig mit fachkompetentem Kundendienst den Marktanforderungen, den Konsumenten Spezialitäten wie Craft Biere nahezubringen, die Wirkungen von Mineralwässern zu erläutern oder die Gastronomie zu betreuen“, macht Guder die personalpolitische Bedeutung der mittelständisch geprägten Unternehmen deutlich, deren rund 40.000 Mitarbeiter über 80 Prozent aller Biere, 40 Prozent aller Mineralwässer und Erfrischungsgetränke sowie zehn Prozent der fruchthaltigen Getränke managen.

Wie die neuen Erlebniswelten gut geführter und sortierter Getränkefachmarkte und auch qualitätsorientierter Getränkeabteilungen im LEH die Kunden erfolgreich umsorgen, machten auch die Sieger im Wettbewerb „Deutschlands beste Getränkehändler“ deutlich, die Mitte Februar im Rahmen der Delegiertenversammlung des Bundesverbandes in München präsentiert wurden.

Kompetenz für regionale Spezialitäten und Craft-Biere
In den regionalen Bieren und Spezialitäten wie den Craft-Bieren sieht der Bundesverband eine wesentliche Chance für die Mitgliedsunternehmen. „Unsere Firmen haben im Gegensatz zum LEH oder den Discountern in ihren GFM die geeigneten Fachkräfte, die Kompetenz und den Platz für die notwendige Betreuung und Präsentation, die immer mehr Konsumenten Durst und Spaß bereiten und sowohl den Brauereien als auch unseren Betrieben höhere Wertschöpfungen ermöglicht“, begrüßt Guder diese Entwicklung, für die der Verband schon lange auch gemeinsame Bier-Workshops mit der Bier-Sommelière Sylvia Kopp auflegt. Ebenso positiv wirkt sich das Engagement von immer mehr GFGH-Unternehmen auf dem Gebiet der Sozialen Medien aus. Entsprechend folgen die geplanten Investitionen in die IT mit 26 Prozent an zweiter Stelle hinter denen mit 40 Prozent in den Fuhrpark; eine Folge der von der Politik geforderten Modernisierung der Fahrzeugflotten.

Im Jahresbericht des GFGH-Bundesverbandes nimmt die Interessenvertretung gegen die ständigen politischen und rechtlichen Eingriffe in den Handel erneut breiten Raum ein. Jüngstes Beispiel ist der Erlass des Bundesfinanzministeriums vom 5. November 2013 zur „Umsatzsteuerlichen Behandlung von Transportbehältnissen“, der nach Ansicht von Wirtschaftsprüfern nur zu Mehraufwand an Verwaltung und Bürokratie führe, jedoch zu keinen Steuermehreinnahmen des Fiskus.

Dabei ging es um die unterschiedliche steuerliche Bewertung der Paletten für die Vollgutbelieferung und die Leergutrückgabe. Eine gemeinschaftliche Intervention aller Getränkeverbände in Begleitung dreier Spitzenverbände konnte beim Finanzministerium erreichen, dass die Auswirkungen des Erlasses zunächst bis 30. Juni 2014 verschoben werden.

Liberalerer Nichtraucherschutz gefordert
Im Schulterschluss mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und dem Brauereiverband NRW beklagt der GFGH-Bundesverband das am 1. Mai 2013 eingeführte Nichtraucher-Schutzgesetz, das im einwohnerstärkten Bundesland Nordrhein-Westfalen die Getränke-orientierte Gastronomie in ihrer Existenz gefährdet. Die beteiligten Wirtschaftsverbände plädieren und kämpfen für eine realistische Betrachtung der Auswirkungen dieser Gesetzgebung und für die Wiederbelebung von Ausnahmeregelungen, wie sie in Hamburg oder Hessen gelten. „Eine solche liberalere Auslegung der grundsätzlich berechtigten Schutzmaßnahmen für Nichtraucher entspräche laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage auch dem Willen der Bevölkerungsmehrheit, und das über alle Parteigrenzen hinweg“, erklärt der Bundesverband GFGH.

Für die Gastronomie-orientierten Getränkefachgroßhändler spielt die Entwicklung der selektiven Vertriebswege für Fassbier vor dem Hintergrund der ab Dezembergeltenden Lebensmittelinformationsverordnung mit unterschiedlichen Deklarationsmöglichkeiten eine wichtige Rolle. Getränkefachgroßhändler mit Logistikschwerpunkt werden insbesondere mit den Themen „Leergutdurchmischung“ und „Entsorgung von Einzelflaschen“ konfrontiert. Der Bundesverband startete hierzu eine Initiative beim Kartellamt, um einen Branchen-übergreifenden Konsens zu  finden.

An Aufgaben und Baustellen mangele es weder in der politischen Arbeit des Bundesverbandes noch in der Zusammenarbeit mit den Marktpartnern auf Hersteller- und Handelsseite. Insgesamt sieht GFGH-Vorstand Günther Guder seine Branche jedoch gut aufgestellt, insbesondere im Vergleich zur Situation im europäischen Ausland, wo er als Präsident des Europaverbandes CEGROBB die Interessen auch in Brüssel vertritt.

Quelle: Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels e.V. | bv-gfgh.de

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