DUH nimmt Radeberger ins Visier

Die Deutsche Umwelthilfe hat am Mittwoch in einer Pressekonferenz der Radeberger Gruppe jahrelange Verbrauchertäuschung mit dem Verkauf angeblich falscher Mehrwegflaschen der Marke Corona Extra vorgeworfen.

Nach Recherchen der DUH würden die in Deutschland verkauften Corona-Flaschen entgegen der Behauptung von Radeberger nicht wiederbefüllt, obwohl sie seit Jahren mit dem Mehrweg-Pfandsatz von 8 Cent pro Flasche belegt seien. Damit täusche Radeberger jedes Jahr seine Kunden und missbrauche das Image der ökologisch vorteilhaften Mehrwegflaschen. Darüber hinaus „erschleiche“ sich die Brauereigruppe zu Lasten ehrlicher Mehrweg-Brauereien durch die angeblichen Mehrwegflaschen einen erheblichen Verkaufsvorteil von über 4 Euro pro Bierkasten, so der DUH. Nach der Verpackungsverordnung hätte Radeberger für die ökologisch nachteiligen Einwegflaschen ein Pfand in Höhe von 25 Cent erheben müssen, tatsächlich nehme man nur 8 Cent pro Flasche. Der Einkaufspreis eines Kasten Bieres sei damit deutlich geringer. Zudem müssten die Flaschen an einem Rücknahmesystem für Einwegflaschen teilnehmen, was ebenfalls Kosten verursache, hieß es weiter.

Hintergrund
Bei Testkäufen war der DUH aufgefallen, dass keine der gekauften Corona Extra-Flaschen die für die Mehrweg-Wiederbefüllung typischen Schleifspuren aufwies. Auf Nachfrage der DUH antwortete die Radeberger Gruppe, dass „sämtliches zurückgegebenes Leergut der in Deutschland in Verkehr gebrachten Flaschen der Marke Corona Extra auf demselben Weg von Deutschland über Antwerpen nach Mexiko zu den Brauereien der Grupo Modelo zurücktransportiert werde. Die Flaschen werden dabei in Kunststoffkisten transportiert, was eine ordnungsgemäße Behandlung und Verarbeitung ermögliche.“  Nach weiteren Kontrollen wandte sich die Verbraucherorganisation direkt an die Geschäftsleitung der Brauereigruppe Grupo Modelo S.A.B. de C.V. in Mexiko, die das Corona Extra Bier braut und ausschließlich in Mexiko abfüllt. Diese teilte mit, dass die leeren Flaschen nicht nach Mexiko zurückgeschickt werden, sondern im Importland bleiben würden.

Die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation forderte Deutschlands größte Brauerei-Gruppe auf, eine strafbewährte Unterlassungserklärung abzugeben und die angebliche Irreführung sofort zu beenden. „Bis zur korrekten Kennzeichnung als Einweg und einer durchgehenden Erhebung des Pfandsatzes von 25 Cent muss Radeberger den Vertrieb von Corona Extra in Flaschen  einstellen“, erklärte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH,  und kündigte rechtliche Schritte an, falls die Irreführung der Verbraucher nicht sofort gestoppt werde. „Radeberger versucht sein Corona-Bier ökologisch aufzuhübschen. Dieser dreiste Etikettenschwindel ist ein glatter Rechtsbruch“, so Rechtsanwalt Dr. Remo Klinger, der die DUH in dem Rechtsstreit vertritt.

Radeberger wehrt sich
Die Radeberger Gruppe dementiert die Vorwürfe. Die von der DUH zitierte Aussage der  Grupo Modelo in Mexiko sei nicht richtig und müsse auf einer Fehlinformation beruhen, das habe auch die Grupo Modelo noch einmal bestätigt. Die Radeberger Gruppe habe alle Voraussetzungen geschaffen und umgesetzt, um für Corona Extra einen Mehrwegkreislauf zu etablieren. So habe sie nicht nur gemeinsam mit ihrem Vertragspartner große Investitionen getätigt, um den sicheren Transport der zurückgegebenen Flaschen nach Mexiko zu gewährleisten und sicherzustellen, dass die Flaschen dort unbeschädigt und wiederbefüllbar ankommen, sie investiere auch jedes Jahr hohe sechsstellige Beträge, um das aufwendige Mehrwegverfahren aufrechtzuerhalten. So seien nicht nur für mehrere Millionen Euro Mehrwegkästen für die Marke angeschafft worden, auch der Unterhalt des Mehrwegkreislaufes verursache durch Transporte und komplexe Organisationsabläufe deutlich erhöhte Kosten, erklärte Radeberger in einer Pressemitteilung. Die Vorwürfe der Deutschen Umwelthilfe, die Radeberger Gruppe täusche den Verbraucher, um Gewinne zu maximieren, sei damit nicht nur nicht haltbar, sondern auch unfair und nicht belegt, hieß es weiter.

Hinsichtlich der Gebrauchsspuren auf den Flaschen setze man für Deutschland ausschließlich Neuglas ein, um einen Auftritt der Marke ohne Reibringe und andere Gebrauchsspuren sicherzustellen und dem Premiumanspruch gerecht zu werden, erklärte Radeberger. Der Vertragspartner habe jedoch bestätigt, dass die aus Deutschland zurückgeführten Flaschen wiederbefüllt, dann aber nicht zwangsläufig in Deutschland, sondern in anderen Märkten wiederverwendet werden. Aber auch damit erfülle Corona Extra die Anforderungen an Mehrweggebinde, so die Brauerei-Gruppe.

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