Windspiel Alkoholfrei Pfand
Interview

Zwischen Abmahnung und Gesetzesänderung: Windspiel über Pfand im No-ABV-Segment

­Das Segment der alkoholfreien Spirituosen-Alternativen wächst dynamisch, doch mit der jungen Kategorie kommen auch regulatorische Fragen auf. Eine davon betrifft die Pfandpflicht: Muss auf derartige Produkte in Glasflaschen Pfand erhoben werden? Nachdem die Windspiel Manufaktur eine Abmahnung wegen fehlender Kennzeichnung erhalten hat, hat das Unternehmen eine Anfrage bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister gestellt. Auch die Politik arbeitet bereits an einer gesetzlichen Klärung. 

Wir haben mit Sandra Wimmeler von Windspiel darüber gesprochen, wie es zu dem Verfahren kam, welche Auswirkungen eine Pfandpflicht für Hersteller hätte und warum klare regulatorische Rahmenbedingungen für die Zukunft des No-/Low-Segments so wichtig sind.

Sandra, Windspiel beschäftigt sich seit rund zwei Jahren mit der Frage der Pfandpflicht für alkoholfreie Spirituosen-Alternativen. Wie kam es ursprünglich zu der Abmahnung durch den Verband Sozialer Wettbewerb (VSW)?

Sandra Wimmeler: Das ist tatsächlich eine Frage, die wir uns selbst gestellt haben. Warum ausgerechnet wir als vergleichsweise kleine Manufaktur ausgewählt wurden, ist für uns nicht wirklich nachvollziehbar.

Nach der Abmahnung habe ich mit vielen anderen Herstellern gesprochen. Dabei wurde relativ schnell deutlich, dass vor allem kleinere Manufakturen betroffen waren, während große Hersteller bislang offenbar gar nicht abgemahnt wurden.

Windspiel Alkoholfrei Pfand

Ihr habt während des Verfahrens eine Anfrage bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister gestellt. Was war die zentrale Frage – und wie lautet die Antwort?

Sandra Wimmeler: Die zentrale Frage war, ob alkoholfreie Spirituosen in Glasflaschen pfandpflichtig sind oder nicht. In diesem Punkt herrschte im Markt große Unsicherheit. Niemand konnte eindeutig sagen, wie die Regelung auszulegen ist. Gleichzeitig gibt es im Verpackungsrecht verschiedene Ausnahmen, etwa für alkoholfreien Wein, Sekt oder auch Sirup, die ebenfalls nicht pfandpflichtig sind.

Da die Kategorie alkoholfreier Spirituosen-Alternativen noch relativ jung ist und diese Produkte in der Regel nicht pur konsumiert werden, sondern als Basis für Mixgetränke dienen – ähnlich wie Sirup – war die rechtliche Einordnung bislang nicht eindeutig.

Welche Konsequenzen hätte diese Entscheidung für Hersteller von alkoholfreien Spirituosen-Alternativen?

Sandra Wimmeler: Wenn eine solche Entscheidung für den gesamten Markt gleichermaßen gelten würde, wäre zumindest sichergestellt, dass faire Wettbewerbsbedingungen bestehen. Problematisch wird es jedoch, wenn nur einzelne Marktteilnehmer – insbesondere kleinere Manufakturen – betroffen sind, während große Hersteller außen vor bleiben.

„Das würde zu einer deutlichen Wettbewerbsverzerrung führen.“

Auch für den Lebensmitteleinzelhandel hätte das direkte Auswirkungen. Händler würden Produkte mit Pfand vermutlich zunächst auslisten, wenn gleichzeitig vergleichbare Produkte ohne Pfand verfügbar sind. Hinzu kommt ein praktisches Problem: Die Rücknahme schwerer Glasflaschen ist im aktuellen Pfandsystem nur schwer umsetzbar, da viele Automaten dafür technisch gar nicht ausgelegt sind.

Windspiel Gründer

Sandra Wimmeler und Denis Lönnendonker, die Gründer der Windspiel Manufaktur

Du hast mit vielen anderen Herstellern auf dem Markt gesprochen. Was ist die Meinung?

Sandra Wimmeler: Die Stimmung im Markt war vor allem von großer Verunsicherung geprägt. Viele Hersteller wussten zunächst nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Für zahlreiche kleinere Unternehmen hätte eine verpflichtende Pfandlösung auch unmittelbare Auswirkungen auf bestehende Listungen im Lebensmitteleinzelhandel gehabt – mit potenziell erheblichen wirtschaftlichen Folgen.

Parallel dazu gibt es einen neuen Kabinettsentwurf zur Anpassung des Verpackungsrechts, der eine Befreiung für No-/Low-Spirituosen-Alternativen („NOLA“) vorsieht. Wie ist Deine Einschätzung dazu?

Sandra Wimmeler: Ich begrüße diesen Entwurf ausdrücklich. Wir haben das Thema frühzeitig auch beim Bundesverband der Spirituosen-Industrie (BSI) angesprochen und angeregt, eine vergleichbare Ausnahmeregelung zu schaffen, wie sie bereits für alkoholfreien Wein oder alkoholfreien Sekt existiert. An dieser Stelle möchten wir uns auch ausdrücklich beim BSI bedanken, der das Thema im politischen Prozess konstruktiv begleitet hat.

Im aktuellen Kabinettsentwurf zum neuen Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz ist nun vorgesehen, dass alkoholfreie oder alkoholreduzierte Alternativen zu Spirituosen – sofern sie entsprechend gestaltet und als solche vermarktet werden – von der Einweg-Pfandpflicht ausgenommen werden.

„Dass diese Argumentation nun im Gesetzgebungsprozess aufgegriffen wurde, ist aus unserer Sicht ein wichtiger Schritt für das gesamte Segment.“

Windspiel Alkoholfrei

Wie geht Ihr bei Windspiel aktuell mit der Situation um, solange weder das Gerichtsverfahren entschieden noch das Gesetz verabschiedet ist?

Sandra Wimmeler: Da unser Gerichtsverfahren derzeit noch läuft, versuchen wir eine pragmatische Lösung zu finden, die den Ausgang des Gesetzgebungsverfahrens berücksichtigt.

Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass die Anpassung des Verpackungsrechts voraussichtlich noch in diesem Jahr verabschiedet werden könnte. Insofern hoffen wir auf eine Lösung, die dem politischen Prozess Rechnung trägt und für alle Beteiligten Rechtssicherheit schafft.

Bis dahin kann der VSW weiter abmahnen. Das betrifft bislang –wie Du schon gesagt hast – aber vor allem kleine Manufakturen, nicht die großen Hersteller?!

Sandra Wimmeler: Nach unserem Kenntnisstand ist das tatsächlich so. Das hinterlässt natürlich einen gewissen Beigeschmack. Gerade vor dem Hintergrund, dass bereits ein konkreter Gesetzentwurf vorliegt, ist es schwer nachvollziehbar, warum weiterhin vor allem kleinere Marktteilnehmer abgemahnt werden. Hier stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit weiterer Abmahnungen.

Windspiel Alkoholfrei

Was wünscht Ihr Euch von Politik und Behörden, damit solche regulatorischen Grauzonen künftig schneller geklärt werden?

Sandra Wimmeler: Neue Produktkategorien entstehen häufig schneller, als sich gesetzliche Rahmenbedingungen anpassen können. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar. Wichtig wäre aus unserer Sicht jedoch, dass solche Fragen schneller geklärt werden – insbesondere dann, wenn sie direkte Auswirkungen auf den Wettbewerb haben.

„Klare und einheitliche Regeln helfen allen Marktteilnehmern und verhindern, dass einzelne Unternehmen durch rechtliche Unsicherheiten benachteiligt werden.“

Welche Rolle spielen klare regulatorische Rahmenbedingungen für die weitere Entwicklung des Low-/No-Segments?

Sandra Wimmeler: Das Low- und No-Segment ist noch eine vergleichsweise junge Kategorie, die sich weiterhin dynamisch entwickelt. Entsprechend ist es nachvollziehbar, dass auch die regulatorischen Rahmenbedingungen Schritt für Schritt angepasst werden – wie man zuletzt beispielsweise bei der Diskussion um die Bezeichnung „alkoholfreier Gin“ gesehen hat.

Wichtig ist vor allem, dass Regelungen klar, einheitlich und in der Praxis umsetzbar sind. In Gesprächen mit Entsorgern haben wir beispielsweise mehrfach gehört, dass eine Pfandlösung für schwere Glasflaschen derzeit technisch und logistisch nur schwer darstellbar wäre.

Windspiel | Website | Instagram | Facebook | LinkedIn

+++ Wir bedanken uns bei Sandra Wimmeler für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

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