Debatte

Alkoholsteuer im Fokus: Gesundheitspolitiker fordern Preiserhöhungen

In den ersten Januartagen 2026 haben sich führende Gesundheitspolitiker von SPD und CDU öffentlich für eine Erhöhung der Alkoholsteuern in Deutschland ausgesprochen. Rückenwind erhalten sie durch neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Alkoholische Getränke gehören hierzulande weiterhin zu den günstigsten in der Europäischen Union.

Christos Pantazis, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, argumentiert, dass die derzeitige Alkoholbesteuerung nicht mehr zeitgemäß sei. Die Steuersätze seien seit Jahren kaum angepasst worden und hätten inflationsbereinigt real an Lenkungswirkung verloren. Pantazis verweist auf internationale Erfahrungen, nach denen moderate Preiserhöhungen insbesondere bei Jugendlichen und Vielkonsumierenden den riskanten Alkoholkonsum senken könnten.[1]

Union plädiert für zweckgebundene Abgabe auf hochprozentigen Alkohol

Auch aus der Union kommt Unterstützung. Simone Borchardt (CDU), gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, befürwortet die Einführung einer zweckgebundenen Abgabe. Diese dürfe jedoch kein Instrument der Haushaltskonsolidierung sein, sondern müsse ein gezieltes gesundheitspolitisches Steuerungsinstrument werden. Borchardt fordert einen klaren Fokus auf hochprozentigen Alkohol, da dort das Risiko für Abhängigkeit und schwere Erkrankungen besonders hoch sei. Die Einnahmen sollten in Prävention, Suchtberatung, Therapieangebote und die Versorgung alkoholbedingter Erkrankungen fließen.[1]

Ärzteverband unterstützt höhere Alkoholpreise aus gesundheitlicher Sicht

Auch aus der Ärzteschaft kommt Rückhalt. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hat sich über seine Bundesvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth für höhere Alkoholsteuern ausgesprochen. Eine zweckgebundene Abgabe sei ihrer Ansicht nach sinnvoller und akzeptanzstärkender als eine reine Steuererhöhung. Buhlinger-Göpfarth verweist dabei auf internationale Beispiele wie Litauen, wo eine restriktivere Preispolitik zu einem Rückgang alkoholbedingter Erkrankungen geführt habe.[1]

Alkoholpreise in Deutschland im EU-Vergleich weiterhin niedrig

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Preise für alkoholische Getränke im deutschen Einzelhandel im Oktober 2025 um 14 Prozent unter dem EU-Durchschnitt. Nur Italien wies mit minus 19 Prozent ein noch niedrigeres Preisniveau auf. Am teuersten sind alkoholische Getränke in Finnland, wo die Preise 110 Prozent über dem EU-Durchschnitt liegen.[2]

Auch in mehreren Nachbarländern Deutschlands ist Alkohol deutlich teurer: In Dänemark liegen die Preise 23 Prozent über dem EU-Durchschnitt, in Belgien 13 Prozent und in Polen 9 Prozent.[2]

Alkoholkonsum in Deutschland: Rückläufig, aber weiterhin auf hohem Niveau

Nach WHO-Daten tranken Menschen in Deutschland im Jahr 2022 durchschnittlich 11,2 Liter reinen Alkohol pro Person ab 15 Jahren. Das entspricht rechnerisch rund 448 Gläsern Bier (0,5 Liter) pro Jahr. Im EU-Vergleich liegt Deutschland damit gemeinsam mit Frankreich und Portugal auf Platz neun. Der Konsum ist jedoch rückläufig: Zehn Jahre zuvor lag er noch bei 12,1 Litern pro Kopf.[3]

Alkoholbedingte Erkrankungen und Todesfälle über EU-Durchschnitt

Im Jahr 2022 starben in Deutschland rund 5.500 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums – durchschnittlich 15 Menschen pro Tag. Deutschland verzeichnete 5,9 alkoholbedingte Todesfälle je 100.000 Einwohner und lag damit deutlich über dem EU-Durchschnitt von 3,7 Todesfällen.[3]

Getränkeindustrie unter Druck: Absatzrückgänge und steigende Kosten

Während gesundheitspolitisch Prävention und Kostendämpfung im Vordergrund stehen, blickt die Getränkeindustrie mit Sorge auf die aktuelle Debatte. Die Branche befindet sich bereits seit Jahren in einer angespannten wirtschaftlichen Lage. Der Deutsche Brauer-Bund berichtete im Sommer 2025, dass der Bierabsatz im ersten Halbjahr um 6,3 Prozent auf 3,9 Milliarden Liter gesunken sei. Gleichzeitig belasten gestiegene Kosten für Rohstoffe, Energie, Personal, Verpackung und Logistik die Unternehmen erheblich.[4]

Brauereien unter Strukturwandel: Zahl der Betriebe sinkt

In den vergangenen fünf Jahren haben knapp 100 kleine und mittlere Brauereien in Deutschland aufgegeben. Auch große Braukonzerne wie Radeberger haben Standorte geschlossen, darunter die traditionsreiche Binding-Brauerei in Frankfurt.[5]

Alkoholfreie Biere wachsen weiter und gewinnen Marktanteile

Ein Lichtblick bleibt das Segment der alkoholfreien Biere, das weiterhin stark wächst. Deutschland liegt hier mit mehr als 800 nach dem Reinheitsgebot gebrauten alkoholfreien Marken an der Weltspitze. Der Marktanteil alkoholfreier Biere beträgt inzwischen rund 9 Prozent.[4]

Brauer-Bund warnt vor zusätzlichen Belastungen und fordert Entlastungen

Vor diesem Hintergrund hat der Deutsche Brauer-Bund im Januar 2026 seine Positionen zur Bundestagswahl vorgestellt. Der Verband fordert unter anderem:

  • Planungssicherheit und bezahlbare Energie für die Transformation der Branche
  • Abbau von Bürokratie auf nationaler und europäischer Ebene
  • Schutz der etablierten Mehrwegsysteme
  • Rückkehr zur einheitlichen Besteuerung der Gastronomie mit 7 Prozent Mehrwertsteuer

Der Verband kritisiert Forderungen nach weiteren Verboten und Werberestriktionen. Zudem verweist er darauf, dass junge Menschen heute deutlich verantwortungsbewusster mit alkoholischen Getränken umgingen als frühere Generationen.[6]

Bundesregierung plant Verbot des begleiteten Trinkens

Parallel zur Steuerdebatte plant die Bundesregierung, das sogenannte „begleitete Trinken“ zu verbieten. Derzeit dürfen Jugendliche ab 14 Jahren in Begleitung ihrer Eltern Bier, Wein oder Sekt konsumieren. Ein entsprechender Gesetzentwurf wird Anfang 2026 erwartet.[7]

Alkopopsteuer als früheres Beispiel gezielter Alkoholbesteuerung

Deutschland hat bereits Erfahrungen mit gezielten Steuererhöhungen gesammelt. Im Jahr 2004 wurde die Alkopopsteuer auf süße alkoholische Mixgetränke deutlich angehoben, was zu einem spürbaren Rückgang des Konsums bei Jugendlichen führte. Kritiker wiesen allerdings darauf hin, dass es teilweise zu einer Verlagerung auf andere alkoholische Getränke kam. Die Alkoholsteuer – bis 2017 als Branntweinsteuer bezeichnet – wird in Deutschland bereits seit 1918 erhoben.

Internationale Erfahrungen mit Alkoholsteuern und Mindestpreisen

Mehrere europäische Länder haben in den vergangenen Jahren höhere Alkoholsteuern eingeführt oder Mindestpreise festgesetzt. Schottland führte beispielsweise einen Mindestpreis von 50 Pence pro zehn Milliliter reinem Alkohol ein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Steuererhöhungen seit Jahren als eine der kosteneffizientesten Maßnahmen zur Krebsprävention ein.

Alkoholsteuer-Debatte im Wahljahr 2026: Offene Fragen und Folgen für die Branche

Die konkrete Ausgestaltung einer möglichen Steuererhöhung – ob als allgemeine Anhebung oder in Form einer zweckgebundenen Abgabe – dürfte in den kommenden Monaten im Finanzausschuss intensiv diskutiert werden. Während das Verbot des begleiteten Trinkens als weitgehend konsensfähig gilt, ist bei der Frage höherer Steuern im Wahljahr 2026 mit erheblichem Widerstand zu rechnen. Für die Getränkeindustrie, insbesondere für kleinere regionale Produzenten, könnten die Pläne eine Zäsur bedeuten. Eine gezielte Fokussierung auf hochprozentige Spirituosen würde die Wein- und Bierbranche zumindest teilweise entlasten.

Quellen

[1] Rheinische Post (10. Januar 2026): Gesundheitspolitiker von SPD und CDU fordern höhere Steuern auf Alkohol. Zitate von Christos Pantazis (SPD), Simone Borchardt (CDU) und Nicola Buhlinger-Göpfarth (Hausärzteverband).
[2] Statistisches Bundesamt (2025): Pressemitteilung zu Alkoholpreisen im EU-Vergleich, Stand Oktober 2025. Veröffentlicht im Dezember 2025.
[3] Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Statistisches Bundesamt: Daten zum Alkoholkonsum in Deutschland 2022, alkoholbedingte Todesfälle und EU-Vergleichsdaten.
[4] Deutscher Brauer-Bund (Sommer 2025): Bericht zum Bierabsatz im ersten Halbjahr 2025. Angaben zu Absatzrückgang, alkoholfreien Bieren und Marktanteilen.
[5] Medienberichte über Brauereienschließungen (2020-2025): Informationen zu kleinen und mittleren Brauereien sowie zur Schließung der Binding-Brauerei in Frankfurt durch Radeberger.
[6] Deutscher Brauer-Bund (Januar 2026): Positionspapier zur Bundestagswahl 2026 mit Forderungen zu Energie, Bürokratie, Mehrwegsystemen und Mehrwertsteuer.
[7] Bundesregierung/Medienberichte (Januar 2026): Geplantes Verbot des “begleiteten Trinkens”, Gesetzentwurf in Vorbereitung.

Bildquelle: KI-generiert via Freepik

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