Traditionsunternehmen Möller Säfte schließt zum 30. September
Seit 1936 produziert die Familien-Kelterei Möller in Recklinghausen Frucht- und Gemüse-Säfte – nachhaltig, regional und mit stetig hoher Qualität. Jetzt endet eine Ära: Das Traditionsunternehmen wird seine Produktion in Stuckenbusch zum 30. September 2026 schließen. „Dieser Schritt fällt uns sehr schwer, denn unser Herz hängt am Unternehmen, an unserem Team und an guten, gesunden Obst- und Gemüsesäften aus der Region“, sagt Josef Möller, geschäftsführender Gesellschafter der Familienkelterei Josef Möller GmbH & Co KG. Die Entscheidung hat der Unternehmer gemeinsam mit seiner Tochter Linda getroffen, die seit 2021 in der Geschäftsführung ist.
„Wir haben alle Chancen und Risiken abgewogen und uns letztlich dazu entschlossen, unsere Produktion in Stuckenbusch in einem wohlgeordneten Prozess einzustellen“, so Linda Möller. „Denn als mittelständisches Familienunternehmen können wir uns nicht länger gegen die gravierenden Veränderungen in einem Markt stemmen, der von sinkender Nachfrage, hohe Rohstoffpreise und wenigen großen Industrie-Herstellern dominiert wird.“
Die Saft-Kelterei wird seit jeher von der Familie Möller geführt. Begründet wurde sie von Josef Möller sen., der als einer der Pioniere der Branche 1936 mit der unvergorenen Haltbarmachung von Obstsäften begonnen hatte. Ziel dieser Technologie ist es, Gartenfrüchte wie Äpfel, Rhabarber, Kirschen oder Johannisbeere in Form von Saft als gesunde Lebensmittel lange zu erhalten. In der Nachkriegszeit stieg Möller schnell zu einem der führenden Familien-unternehmen auf: Die Produktionsanlagen wurden mehrfach erweitert, in besten Jahren wurden allein 6.000 Tonnen Äpfel verarbeitet. Über Jahrzehnte stammte die Rohware meist aus sogenanntem Mostobst, das von Bauern, Gärtnern und Privatleuten zur Weiterverarbeitung ins Werk von Möller nach Stuckenbusch gebracht wurde.

Josef Möller führt das Unternehmen gemeinsam mit seiner Tochter Linda (Bilder: Familienkelterei Josef Möller GmbH & Co. KG)
Die Familien-Kelterei Möller verfügt heute über eine vollautomatische Abfüllanlage mit einer Stundenleistung von über 15.000 Flaschen. Bei der Herstellung von Apfelsaft, bis heute wichtigstes Produkt von Möller, werden aus Qualitätsgründen alle Verarbeitungsstufen selbst durchgeführt – von der Frischfruchtauslese über Pressen und Tanklagerung bis zur Abfüllung vor allem in Mehrwegflaschen.
Verändertes Konsumverhalten und sinkende Nachfrage
Aber nach einem Boom in den 90er Jahren hat sich die Nachfrage verändert: „Der Saftverbrauch in Deutschland geht seit 30 Jahren zurück“, sagt Josef Möller. „Und zwar dramatisch: Seit 1995 hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch von 40 auf 24 Liter reduziert.“ Die Gründe sieht der Diplom-Ingenieur in einem geänderten Konsumverhalten: „Früher war der Orangensaft zum Frühstück das Nonplusultra. Heute gibt es viele Konkurrenzprodukte, und wir erleben eine aufgeregte Diskussion um versteckten Zucker, die die vielen positiven Aspekte von Saft ausblendet.“
Möller reagierte mit der Entwicklung neuer Saft-Sorten und Produktlinien: So werden die gesundheitsfördernden Säfte der Möller-Marken „Kur-Reform“ und „Vitagarten“ deutsch-landweit erfolgreich über Reformhäuser und Apotheken vertrieben. „Auch der Trend zu regionalen und nachhaltigen Lebensmitteln hat uns sehr geholfen. Aber es hat nicht gereicht, um den Rückgang im Markt zu kompensieren.“
Hoher Investitionsbedarf
Der dramatisch gesunkene Saft-Verbrauch ist nicht das einzige Problem, mit dem das Familienunternehmen zu kämpfen hat: „Für die aktuelle Absatzlage sind unsere Abfüllanlagen in Stuckenbusch zu groß, um sie wirtschaftlich betreiben zu können“, erklärt Linda Möller. Die Familie hat daher abgewogen, in die „Private-Label“-Produktion einzusteigen und Säfte für Großabnehmer unter deren Eigenmarke abzufüllen.
„Dafür müssten wir das Unternehmen komplett neu aufstellen, unsere Hallen sanieren und Millionen investieren“, erklärt Linda Möller, die nach dem Studium in Geisenheim ein sehr gutes Netzwerk in Deutschland aufgebaut hat und die Branche sehr gut kennt.
Teure Zertifikate und bürokratische Hürden
Zudem werden die bürokratische Vorschriften in der Branche immer anspruchsvoller: Wer in die „Private-Label“-Produktion für die großen Lebensmittel-Händler einsteigt, muss das Zertifikat des International Featured Standard (IFS) erwerben. Ein weltweit anerkanntes und entsprechend teures Siegel, das Mittelständlern den Markteintritt erschwert. „Leider richtet man solche Vorgaben gerne auf die Großbetriebe aus und vergisst dabei den Mittelstand.“ erklärt Josef Möller. Schon jetzt stellen die „sieben Großen“ der Fruchtsaft-Branche in Deutschland 75 % der Gesamtproduktion; für die 350 mittelständischen Betriebe verbleibt nur ein Viertel des Marktes.
Entscheidung schweren Herzens getroffen
„Diese und viele weitere Faktoren haben dazu geführt, dass wir letztlich gesagt haben: Eine solche gewaltige Investition, ein solches Risiko können wir als Familienunternehmen nicht stemmen“, erklären Josef und Linda Möller. „Wir stellen daher schweren Herzens unser Produktion in Stuckenbusch ein.“ Besonders bedauert die Familie, dass sie ihrer Belegschaft die Kündigung zum 30. September 2026 aussprechen musste. Viele der 30 Mitarbeitenden in Produktion, Logistik und Vertrieb gehören seit Jahren zum Team von Möller, einige stehen kurz vor dem Ruhestand.
Neu orientieren in der Saft-Branche
Bis zum Herbst bleibt die Produktion in Stuckenbusch voll erhalten, und das gesamte Sortiment hochwertiger Säfte wird für die Kunden weiter verfügbar sein. Danach wird sich auch Linda Möller, die seit 8 Jahren im Unternehmen arbeitet, neu orientieren müssen. Die 31-jährige würde gern in der Branche bleiben: „Ich liebe einfach Frucht- und Gemüsesäfte.“
FreshPower von Möller bleibt
Und noch etwas bleibt: Die Sirups der Marke FreshPower von Möller wird es auch weiterhin geben. Unter diesem Namen vertreibt Möller erfolgreich einen konzentrierten Trinksirup in 20 Geschmacksrichtungen vor allem an Fitnessstudios – komplett mit vollautomatischen Zapf- und Schanksystemen, die aus dem Konzentrat und Tafelwasser ein farbloses, kalorienfreies Erfrischungsgetränk herstellen.
Quelle/Bildquelle: Familienkelterei Josef Möller GmbH & Co. KG




















