Metsä Board
Interview

Von Monkey 47 bis Kessler Sekt: Nachhaltige und innovative Verpackungen von Metsä Board

Verpackungen sind in der Getränkebranche längst mehr als eine schützende Hülle: Sie transportieren Markenwerte, sorgen für Aufmerksamkeit am Point of Sale und müssen gleichzeitig steigenden Anforderungen an Ressourceneffizienz, Recyclingfähigkeit und Logistik gerecht werden. Genau an dieser Schnittstelle arbeitet Metsä Board. Das finnische Unternehmen entwickelt und produziert leichtgewichtige Premium-Kartonqualitäten aus Frischfasern.

Wir haben mit Bettina Tschoner-Fuchs, Marketing Communications Manager bei Metsä Board für europäische Märkte, gesprochen: über die Möglichkeiten moderner Kartonverpackungen, besondere Projekte aus der Getränkebranche und die Frage, warum Hersteller ihre Verpackung heute strategischer denn je denken sollten.

Seit wann gibt es Metsä Board und was macht das Unternehmen?

Bettina Tschoner-Fuchs: Die Ursprünge von Metsä Board reichen bis ins Jahr 1868 zurück, während das Unternehmen in seiner heutigen Form 1986 durch den Zusammenschluss von Metsäliiton Teollisuus und G.A. Serlachius gegründet wurde. Seit 2012 tragen wir den heutigen Namen. Wir entwickeln und produzieren leichtgewichtige Premium-Kartonqualitäten aus Frischfasern – von Faltschachtelkarton über Food-Service-Kartons bis hin zu weißem Kraftliner.

Für Markenartikler und Hersteller bedeutet das vor allem eines: Verpackung lässt sich heute so gestalten, dass sie Produktschutz, Markenwirkung und Nachhaltigkeitsziele besser zusammenbringt. Unsere Kartons basieren auf reinen Frischfasern aus nordeuropäischen Wäldern, deren Ursprung sich bis zur Quelle zurückverfolgen lässt. Sie sind nachwachsend und recycelbar. Gleichzeitig arbeiten wir daran, bis 2030 in unserer Produktion frei von fossilen Brennstoffen zu werden.

Gerade für Getränkehersteller wird Verpackung damit zu einem strategischen Thema: Sie beeinflusst nicht nur die Wahrnehmung am Point of Sale, sondern auch Materialeinsatz, Transporteffizienz und Recyclingfähigkeit.

Metsä Board

Tea

Für welche Branchen arbeitet Ihr?

Bettina Tschoner-Fuchs: Wir arbeiten mit Unternehmen aus sehr unterschiedlichen Branchen – von Lebensmittel-, Pharma- und Beautyherstellern bis hin zu Elektronik- und Getränkeunternehmen. Dabei steht immer die gleiche Frage im Mittelpunkt: Welche Verpackungslösung passt am besten zum Produkt, zur Marke und zu den Anforderungen des jeweiligen Marktes?

Für die Getränkebranche ist das besonders relevant, weil Verpackung hier mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen muss: Sie soll Aufmerksamkeit erzeugen, Markenwerte transportieren, in der Logistik funktionieren und zugleich heutigen Anforderungen an Ressourceneffizienz und Recycelbarkeit gerecht werden. Dasselbe gilt natürlich auch für POS-Aufbauten wie beispielsweise Displays. Genau an dieser Schnittstelle setzen wir mit unseren Lösungen an.

Je nach Getränk gibt es aber noch weitere Anforderungen, die an die Verpackung gestellt werden: Bei Tee und Kaffee zum Beispiel spielt besonders die Reinheit des Materials eine wichtige Rolle, da das Produkt zum Teil direkten Kontakt mit der Verpackung hat. Störende Gerüche oder Geschmäcker dürfen aber natürlich nicht im Produkt landen. Gerüche können beispielsweise vom Karton selbst oder auch von der Tinte, dem Lack, möglichen Klebstoffen oder einem im Karton verwendeten Laminat verursacht werden. Es gibt viele mögliche Ursachen für Fremdgerüche und Fremdgeschmäcker, weshalb es wichtig ist, diese zu identifizieren und zu minimieren.

Neben analytischen Methoden wie der Gaschromatographie setzen viele Unternehmen – darunter auch unser Unternehmen – sensorische Bewertungsverfahren gemäß der europäischen Norm EN 1230-2 ein, um mögliche Fehlaromen und -gerüche zu beurteilen. Mit diesen Verfahren lassen sich sensorische Abweichungen auch dann nachweisen, wenn die mit instrumentellen Verfahren gemessenen Konzentrationen sehr gering sind. Und Frischfaserkartons lassen sich generell besser kontrollieren, da man ihre genaue Zusammensetzung kennt und alle Chemikalien einen gründlichen Bewertungsprozess durchlaufen.

Welche Produkte bietet Ihr an?

Bettina Tschoner-Fuchs: Unser Sortiment umfasst gestrichenen und ungestrichenen Faltschachtelkarton (GC1 und GC2) sowie weiße Kraftliner und beschichtete Food Service-Qualitäten.

Was unser Portfolio verbindet, ist vor allem der Lightweighting-Ansatz. Für Markenhersteller ist das ein wichtiger Hebel, weil sich mit geringerem Materialeinsatz häufig mehrere Ziele gleichzeitig erreichen lassen: weniger Ressourcenverbrauch in der Herstellung, geringeres Transportgewicht und damit ein reduzierter CO2-Fußabdruck entlang der Lieferkette.

Für Getränkehersteller kann das besonders interessant sein, weil Verpackung in dieser Kategorie nicht nur ein Designträger ist, sondern auch einen unmittelbaren Einfluss auf Effizienz, Handling und Nachhaltigkeits-Performance hat.

Gerade im Bereich Lebensmittel und Getränke sind auch Barrierelösungen ein wichtiger Punkt. Wir bieten einfach und doppelt PE-beschichtete Kartonqualitäten. Einfach beschichteter (1PE) Karton wird beispielsweise für Heißgetränke verwendet, doppelt gestrichener Karton (2PE) wird häufig für Kühlbecher wie Eiscreme und Tiefkühlkostverpackungen verwendet, um eine Barriere gegen Flüssigkeiten und Feuchtigkeit zu schaffen. Diese Barrieren mit noch weniger Kunststoff umzusetzen und gleichzeitig das Endprodukt noch leichtgewichtiger zu gestalten ist ein Punkt, an dem unser R&D-Team kontinuierlich forscht.

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Metsä Board Excellence Center in Äänekoski (Finnland)

Wer zählt zu Euren Kunden aus der Getränkebranche – international und speziell in Deutschland?

Bettina Tschoner-Fuchs: Wir betreuen Markenartikler in verschiedensten Bereichen und unterstützen sie bei ihren Verpackungsanforderungen. Das reicht von kleinen finnischen Brauereien wie Olutmylly, mit denen wir im vergangenen Jahr ein Tastingpack entwickelt haben, über Partner, mit denen wir ein Display für Monkey 47 Gin entwickelt haben, bis hin zu internationalen Spitzenmarken wie Starbucks.

Auch mit deutschen Partnern haben wir in den vergangenen Jahren viel zusammengearbeitet, beispielsweise mit Deutschlands ältester Sektkellerei Kessler und das Weingut Prinz von Hessen. Für erstere haben wir gemeinsam mit Benz & Co. und der Print City Alliance einen hochwertigen Sektkühler aus Karton entwickelt und für letztere eine Verpackung die gleichzeitig Geschenk- und Transportverpackung ist.

Schauen wir uns einige Arbeiten an: 2025 habt Ihr den Karton für das Display von Monkey 47 beigesteuert, das den Wellpappe Austria Award erhielt. Erzähle uns davon!

Bettina Tschoner-Fuchs: Das Projekt rund um Monkey 47 ist ein gutes Beispiel dafür, wie stark Verpackung die Wahrnehmung einer Getränkemarke am POS beeinflussen kann. Gemeinsam mit Halle Karton, der Margarethner Verpackungsgesellschaft (MVG) und Pernod Ricard Austria haben wir ein Display entwickelt, das visuelle Attraktivität, Funktionalität und Materialeffizienz miteinander verbindet.

Besonders auffällig ist die schräge Platzierung der Flaschen, die dem Display eine hohe Dynamik verleiht und die Markenpräsenz im Regal bzw. auf der Verkaufsfläche deutlich steigert. Gleichzeitig sorgen Sicherheitsnasen an den Regalen für Stabilität. Das heißt: Die Konstruktion ist nicht nur aufmerksamkeitsstark, sondern auch alltagstauglich im Handel.

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Monkey 47

Ein Beispiel ist auch die Verpackung für den 1000 Lakes Gin, den ihr im Excellence Centre in Äänekoski entwickelt habt. Was war das Besondere daran?

Bettina Tschoner-Fuchs: Ja, das Projekt ist schon ein bisschen älter, zeigt aber immer noch sehr gut, welche Rolle Verpackung im Premium-Getränkesegment spielen kann. Die Verpackung, die wir damals für 1000 Lakes Gin entwickelt haben schützt nicht nur das Produkt, sondern erzählt auch die Geschichte der Marke. In diesem Fall ging es darum, die Reinheit der Inhaltsstoffe und den Bezug zu finnischem Quellwasser visuell und haptisch erlebbar zu machen.

Daraus entstand eine Verpackungslösung, bei der die Flasche wirkt, als sei sie in einem Eisblock eingefroren. Der Effekt wurde durch verschiedene Druckebenen im UV-Druck auf silbernem, PET-kaschiertem Karton erzielt. Ergänzt wurde das durch Strukturlackierung, die eine frostige Haptik erzeugt.

Für Getränkehersteller ist das aus unserer Sicht ein wichtiger Punkt: Verpackung kann helfen, Produktqualität und Markenwelt schon vor dem Öffnen sinnlich erfahrbar zu machen. Gerade im Spirituosenbereich, wo Kaufentscheidungen oft stark emotional geprägt sind, ist das ein echter Mehrwert.

Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass sich hochwertige Wirkung und Recyclingfähigkeit nicht ausschließen müssen. Trotz des markanten Auftritts wurde kein Kunststoff eingesetzt, sodass die Verpackung leicht recycelbar ist.

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1000 Lakes Gin

Mit der Print City Alliance habt Ihr einen faserbasierten Sekt-Cooler erarbeitet. Wie sieht der genau aus?

Bettina Tschoner-Fuchs: Das Projekt hatte das Ziel, eine multifunktionale Verpackung zu entwickeln, die sowohl im Gebrauch überzeugt als auch als hochwertiger Markenauftritt funktioniert. Gemeinsam mit der Print City Alliance, Benz & Co. (einem Catering-Unternehmen, dessen Erfahrung bis in die 1930er Jahre zurückreicht) und Kessler, Deutschlands ältester Sektkellerei, entstand ein faserbasierter Sekt-Cooler, der vollständig recycelbar ist und gleichzeitig eine starke Präsenz am POS oder in der Gastronomie entfalten kann.

Das Besondere ist das integrierte Kühlsystem. Dafür kam Metsä Board Prime FBB EB zum Einsatz, ein dispersionsbeschichteter Barrierekarton. Die Feuchtigkeitsbeständigkeit wurde zusätzlich durch einen speziellen wasserfesten Lack erhöht. Für den Außenteil wählten wir Metsä Board Prime FBB Bright, weil diese Qualität hohe Stabilität, sehr gute Weißheit und starke Veredelungseigenschaften verbindet.

Für Getränkehersteller ist ein solches Projekt vor allem deshalb spannend, weil es zeigt, dass faserbasierte Verpackung auch in Anwendungen denkbar ist, die traditionell nicht sofort mit Karton in Verbindung gebracht werden. Es geht also nicht nur um den Austausch eines Materials, sondern um neue Verpackungsideen, die Markenwirkung, Funktion und Recycelbarkeit zusammendenken.

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Kessler Sekt

Welche sonstigen, vielleicht auch außergewöhnlichen Projekte habt Ihr umgesetzt?

Bettina Tschoner-Fuchs: Davon gab es tatsächlich mehrere. Spannend ist aus unserer Sicht vor allem, dass solche Projekte oft zeigen, wie viel Innovationspotenzial in Verpackung steckt, wenn man bekannte Lösungen neu denkt.

Eines der neueren Projekte ist das V6-Motor Tasting-Pack für die finnische Brauerei Olutmylly. Die Verpackung wurde so gestaltet, dass sechs Bierdosen wie Kolben eines V6-Motors wirken. Für Getränkemarken ist das ein gutes Beispiel dafür, wie Verpackung zum Erlebnis werden kann: Sie transportiert nicht nur das Produkt, sondern stärkt zugleich Storytelling, Wiedererkennung und Gesprächswert.

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Olutmylly

Was steht in diesem Jahr bei Metsä Board noch an?

Bettina Tschoner-Fuchs: In diesem Jahr treiben wir vor allem Themen voran, die für Markeninhaber und Verpackungsentwickler in Europa unmittelbar relevant sind. Kürzlich haben wir unser neues Packaging Design Studio in Mailand eröffnet. Dort wollen wir die Zusammenarbeit mit europäischen Marken, Verarbeitern und Verpackungsentwicklern weiter intensivieren und Verpackungsinnovationen schneller zur Anwendung bringen.

Wir bieten dort Workshops, Design Sprints und Co-Creation-Sessions an. Unterstützt wird das durch moderne Tools sowie KI-gestützte Design- und Simulationstechnologien, mit denen sich Ideen schneller entwickeln und testen lassen. Für Getränkehersteller ist das besonders interessant, wenn es darum geht, Verpackungen früher im Entwicklungsprozess strategisch mitzudenken – nicht erst am Ende.

Darüber hinaus haben wir Anfang des Jahres ein Schneide- und Distributionszentrum in Winschoten in den Niederlanden erworben und mit Metsä Board Pro FBB Go einen neuen hochwertigen Faltschachtelkarton im Portfolio, der vielseitig einsetzbar ist und mit zuverlässiger Bogenverfügbarkeit unterstützt wird. Gemeinsam mit dem neuen Distributionszentrum können wir für ausgewählte Produkte FastTrack- und ExpressTrack-Services anbieten, die in Europa deutlich verkürzte Lieferzeiten ermöglichen.

Für viele Hersteller wird Verpackung derzeit auch unter dem Aspekt der Resilienz neu bewertet: Verfügbarkeit, Geschwindigkeit, Planbarkeit und Entwicklungspartnerschaft gewinnen an Bedeutung. Genau hier möchten wir 2026 ein starker Partner sein.

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Metsä Board Design Studio in Mailand

Warum sollten Getränkehersteller Verpackung heute strategischer denken als noch vor einigen Jahren?

Bettina Tschoner-Fuchs: Weil Verpackung in der Getränkebranche heute weit über den reinen Produktschutz hinausgeht. Sie prägt, wie ein Produkt im Regal, in der Gastronomie oder im E-Commerce wahrgenommen wird, und sie spielt auch am Point of Sale eine wichtige Rolle – etwa durch Displays oder andere Promotionslösungen, die zusätzliche Sichtbarkeit schaffen.

Gerade in einem wettbewerbsintensiven Markt kann sie dazu beitragen, Markenprofile zu schärfen, Produkte hochwertiger wirken zu lassen und Kaufimpulse auszulösen. Gleichzeitig sind Ressourceneffizienz, Recyclingfähigkeit und Materialeinsatz für viele Hersteller wichtiger geworden. Deshalb wird Verpackung heute immer stärker als Zusammenspiel von Markenauftritt, Funktionalität und Nachhaltigkeit verstanden.

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Metsä Board Excellence Center in Äänekoski (Finnland)

Wie unterstützt Metsä Board Getränkehersteller und Marken bei der Entwicklung neuer Verpackungslösungen?

Bettina Tschoner-Fuchs: Wir verstehen uns nicht nur als Kartonhersteller, sondern auch als Entwicklungspartner. Gerade in der Getränkebranche entstehen die besten Lösungen oft dann, wenn Verpackung früh im Prozess mitgedacht wird – also nicht erst am Ende, wenn es nur noch um die Materialauswahl geht.

Mit unserem Excellence Centre in Äänekoski und dem neuen Packaging Design Studio in Mailand haben wir dafür zwei wichtige Anlaufstellen. Im Excellence Centre entwickeln wir gemeinsam mit Kunden neue Verpackungskonzepte, testen Strukturen, Materialien und Veredelungen und prüfen, wie sich Markenideen konkret umsetzen lassen. Dort können innovative Ansätze entstehen, die Funktion, Nachhaltigkeit und Markeninszenierung miteinander verbinden.

Das Packaging Design Studio in Mailand stärkt zusätzlich die Zusammenarbeit mit europäischen Markeninhabern, Verarbeitern und Verpackungsentwicklern. Dort bieten wir Workshops, Design Sprints und Co-Creation-Sessions an. Unterstützt wird das durch moderne Tools sowie KI-gestützte Design- und Simulationstechnologien, mit denen sich Ideen schneller visualisieren, weiterentwickeln und testen lassen.

Für Getränkehersteller bedeutet das ganz konkret: Sie bekommen nicht nur einen Karton, sondern Unterstützung bei der Frage, wie Verpackung am Point of Sale wirken soll, welche Anforderungen sie in Logistik und Anwendung erfüllen muss und wie sich Nachhaltigkeit, Funktion und Markenauftritt sinnvoll miteinander verbinden lassen.

Metsä Board | Website | LinkedIn

+++ Wir bedanken uns bei Bettina Tschoner-Fuchs für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

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