„Viele Fragen offen“: Gewerkschaft NGG zum Produktionsaus bei Wolters
Die Gewerkschaft NGG Region Süd-Ost-Niedersachsen-Harz, vertreten durch die Geschäftsführerin Katja Derer, zuständig für die Betreuung der Brauereien in der Region und damit auch der Hofbrauhaus Wolters GmbH, nimmt Stellung zur Schließung der Produktion in Braunschweig:
Mit großer Bestürzung haben wir die Ankündigung zur Kenntnis genommen, dass die Produktion der Wolters-Brauerei nun zum 31. Dezember 2026 eingestellt werden soll. Für die Beschäftigten, ihre Familien und den Industriestandort Braunschweig ist dies ein schwerer Schlag.
Besonders verwundert uns die außerordentlich kurze Zeitspanne zwischen der offiziellen Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung und der nun bekannt gewordenen Stilllegungsabsicht. Noch am 1. September 2026 wurde die Insolvenz in Eigenverwaltung offiziell eröffnet. Damit war für Beschäftigte, Öffentlichkeit und die Region die Hoffnung und Erwartung verbunden, dass alle Möglichkeiten zur Fortführung des Brauereibetriebs geprüft und ausgeschöpft werden. Nur knapp vier Wochen später wird nun die Absicht bekanntgegeben, die Produktion bereits zum Jahresende einzustellen. Wenn innerhalb eines Monats aus einer Sanierungsperspektive eine Stilllegungsabsicht wird, muss die Frage erlaubt sein, was sich in dieser kurzen Zeit grundlegend verändert hat. Nach außen betrachtet wirkt dieser Vorgang weniger wie ein geordneter Sanierungsprozess als vielmehr wie eine Vollbremsung.
Gerade vor dem Hintergrund, dass Insolvenzen in Eigenverwaltung üblicherweise auf einen längeren Sanierungs- und Investorenprozess ausgerichtet sind, hätten wir erwartet, dass deutlich mehr Zeit für die Suche nach Investoren, Finanzierungspartnern oder alternativen Fortführungskonzepten eingeräumt wird.
Grundsätzliches Aus für „Wolters“ scheint keineswegs festzustehen
Gleichzeitig wird angedeutet, dass die Marke „Wolters“ möglicherweise weitergeführt werden könnte. Offensichtlich geht es also nicht um das Ende der Marke selbst, sondern zunächst um das Ende der Produktion am Standort Braunschweig. Ein grundsätzliches Aus für „Wolters“ scheint damit keineswegs festzustehen. Genau deshalb ist der Prozess noch nicht abgeschlossen. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, welche konkreten Pläne hinter einer möglichen Weiterführung der Marke stehen und wer künftig von der Strahlkraft eines traditionsreichen Braunschweiger Namens profitieren soll.
Ebenso aufmerksam wird zu beobachten sein, wie es mit der Liegenschaft und dem Grundstück an der Böcklerstraße weitergeht. Braunschweig wird sicher kein Interesse daran haben, dass nach der im Frühjahr 2026 geschlossenen Oettinger-Brauerei nun eine weitere große Industriefläche dauerhaft brachliegt. Zur Erinnerung: Im Frühjahr 2026 haben bereits 130 Beschäftigte der Oettinger-Brauerei in Braunschweig ihren Job verloren. Nun fallen weitere 90 Arbeitsplötze bei der Wolters-Brauerei weg. Innerhalb eines Jahres hat Braunschweig damit 220 gut bezahlte, mitbestimmte Industriearbeitsplätze im NGG-Bereich verloren. Das ist eine Tragödie für die Menschen und uns als Gewerkschaft und ein herber Schlag für den Arbeitsmarkt.
Die Insolvenz in Eigenverwaltung entpuppt sich in der Rückschau als „Goldenes Kalb“. Sie wurde von der Belegschaft und der Öffentlichkeit als Instrument wahrgenommen, das die besten Chancen für den Erhalt von Arbeitsplätzen und eine Fortführung der Brauerei bieten sollte. Tatsächlich liegen zwischen der offiziellen Verfahrenseröffnung und der angekündigten Betriebseinstellung nur wenige Wochen. Auf große Hoffnung folgte ein tiefer Fall. Das Vertrauen in den eingeschlagenen Weg hat dadurch erheblichen Schaden genommen.
Für NGG im Mittelpunkt: die Interessen der Beschäftigten
Für die Gewerkschaft steht jetzt vor allem eines im Mittelpunkt: die Interessen der Beschäftigten. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dürfen nicht die Leidtragenden von Entscheidungen werden, auf die sie keinen Einfluss hatten. Wir werden deshalb alle anstehenden Prozesse kritisch begleiten und die Rechte der Belegschaft konsequent vertreten und erforderlichenfalls auch durchsetzen. Dazu werden sicher zahlreiche Gespräche in den kommenden Wochen notwendig sein.
Unser ausdrücklicher Dank gilt dem Betriebsrat. Die Kolleginnen und Kollegen im Gremium standen in den vergangenen Wochen unter enormem Druck und mussten einer außergewöhnlichen Belastung standhalten. Sie haben die Interessen der Belegschaft in einer äußerst schwierigen Situation vertreten, ihre Rechte waren und sind in einer Insolvenz stark beschränkt. Die Gewerkschaft NGG wird auch weiterhin an der Seite des Betriebsrats stehen bei allem, was es jetzt noch zu bewältigen gilt.
Quelle: Gewerkschaft NGG Region Süd-Ost-Niedersachsen-Harz
Bildquelle: © Marco – stock.adobe.com



















