„Ulms flüssiges Gold“: Ulrike Freund über die Brauerei Gold Ochsen
Seit rund dreieinhalb Jahrzehnten steht Ulrike Freund an der Spitze der Ulmer Traditionsbrauerei Gold Ochsen – und prägt damit nicht nur ein Familienunternehmen, sondern auch ein Stück süddeutscher Bierkultur. In einer Branche, die lange als männlich dominiert galt, hat sie ihren eigenen Weg gefunden und die Brauerei konsequent weiterentwickelt: zwischen Tradition und Innovation, regionaler Verwurzelung und modernen Herausforderungen wie veränderten Konsumgewohnheiten, Digitalisierung und wachsender Bürokratie.
Wir haben mit Ulrike Freund über ihren Werdegang, den Wandel der Branche und die Bedeutung von Qualität und Nachhaltigkeit gesprochen. Außerdem verrät sie, wie Gold Ochsen mit „Ulms flüssigem Gold“ auch in Zukunft erfolgreich bleiben will.
Seit rund 35 Jahren führen Sie die Ulmer Gold Ochsen Brauerei. Als Frau in der Bierbranche – heute ganz normal, früher ungewöhnlich?!
Ulrike Freund: Für mich persönlich war die Geschlechterverteilung innerhalb der Branche eigentlich noch nie ein Thema. Nach wie vor sind Männer in diesem Umfeld zahlenmäßig sicher stärker vertreten als Frauen, gerade in Leitungspositionen. In der Geschichte von Gold Ochsen war das Bild einer Frau an der Spitze jedoch schon bei meiner Ernennung zur Geschäftsführerin nicht neues. So nahm beispielsweise bereits meine Urgroßmutter nach dem Tod ihres Mannes zusammen mit ihrem Schwager die Zügel der Brauerei in die Hand.
Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass Erfolg – egal ob als Mann oder als Frau – vor allem mit Engagement für die Sache einhergeht. Nichtsdestotrotz gab es in meiner Laufbahn gewiss die ein oder andere irritierende Situation. So erinnere ich mich beispielsweise an einen Kundentermin vor vielen Jahren, den ich gemeinsam mit dem damaligen Prokuristen aus unserem Haus wahrgenommen habe. Nachdem der Fokus im Vorfeld die meiste Zeit auf meinem männlichen Kollegen lag, fragte der Kunde dann irgendwann am Verhandlungstisch, ob ich die Sekretärin wäre. Nach Auflösung dieses Rätsels war es ihm sichtlich peinlich, die anschließenden Vertragsabschlüsse liefen gut.
Wie hat sich Ihr Job in den letzten dreieinhalb Jahrzehnten gewandelt?
Ulrike Freund: Eines ist klar: Mein Job ist in den letzten dreieinhalb Jahrzehnten sicher nicht leichter geworden. Wir sprechen heute von ganz anderen wirtschaftlichen Herausforderungen als noch vor dreißig Jahren. So ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier deutlich zurückgegangen, was sich natürlich auf die gesamte Branche auswirkt.
Gleichzeitig nimmt die Bürokratie eher zu als ab: Vorschriften und Verordnungen seitens der Stadt und des Staates werden stetig umfangreicher, Rahmenbedingungen komplexer. All das macht die Führung einer Brauerei heute deutlich anspruchsvoller als früher.
Wie hat sich die Brauerei verändert und in welchen Bereichen musste Sie sich verändern, um am Puls der Zeit zu bleiben?
Ulrike Freund: Wie jedes andere Unternehmen, muss auch eine Brauerei mit sich verändernden Rahmenbedingungen mitwachsen. Neue Kundenbedürfnisse, technologische Errungenschaften und wirtschaftliche Herausforderungen haben den Alltag in der Brauerei in den letzten Jahrzehnten ganz sicher verändert. Ein Thema wie KI ist dabei für uns genauso relevant wie beispielsweise der Umgang mit neuen Medien zur passenden Zielgruppenansprache.
Eine absolute Konstante bei Gold Ochsen ist und bleibt jedoch unser eigener Anspruch im Hinblick auf Qualität und Nachhaltigkeit. Die Herstellung in unserem Haus erfüllt nach wie vor höchste Standards. Hierfür kombinieren wir die handwerkliche Kunst des Bierbrauens mit ausgesuchten, regionalen Rohstoffen und modernster Technik. Das geht nicht ohne entsprechende Investitionen. Ein Großteil unseres Gewinns wird in die laufende Modernisierung gesteckt.
Zuletzt haben wir in der Produktion umfangreich nachgerüstet – mit einem neuen, deutlich energieeffizienteren Kochsystem im Sudhaus sowie zwei neuen Anlagenkomponenten in der Flaschenabfüllung. Statt Investitionsstau setzen wir auf nachhaltiges Wirtschaften. Um rechtzeitig auf neue Umstände reagieren zu können, behalten wir die Entwicklung in allen relevanten Bereichen im Blick.
An welche Highlights und Meilensteine in Ihrer Karriere rund um „Ulms flüssiges Gold“ erinnern Sie sich besonders gerne zurück?
Ulrike Freund: In all den Jahren habe ich viel erlebt und zahlreiche spannende Begegnungen gehabt. Besonders prägend für mich persönlich waren die Auszeichnungen mit der Wirtschaftsmedaille und dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg. Auch den Besuch des Bundeskanzlers Olaf Scholz in der Brauerei im Januar 2023 habe ich als etwas ganz Besonderes und Einmaliges empfunden.
Und natürlich sind nicht zuletzt die wiederholten Auszeichnungen unserer Produkte, beispielsweise beim World Beer Cup oder European Beer Star, ein Beweis dafür, dass wir in der Branche tüchtig mitmischen. Darüber hinaus gibt es die vielen kleinen Momente. So ist es zum Beispiel genauso ein Highlight für mich, wenn mein Nachbar den Geschmack einer neuen Bierspezialität von Gold Ochsen lobt.
Wie ist Gold Ochsen heute aufgestellt? Vor welchen Herausforderungen steht die Brauerei bzw. die gesamte Branche und wie begegnen Sie diesen?
Ulrike Freund: Den allgemeinen Trend sinkender Absatzzahlen beim Bier spüren wir natürlich auch in Ulm. Nichtsdestotrotz sieht sich die Brauerei Gold Ochsen weiterhin gut aufgestellt, zumal wir mit der Herstellung und dem Vertrieb der alkoholfreien Erfrischungsgetränke ein zweites, wichtiges Standbein haben.
Alkoholfreies Bier ist für uns in dem Zusammenhang ein relevantes Bindeglied zwischen den alkoholischen Angeboten und Erfrischungsgetränken. Hier verorten wir auch künftig noch Wachstumspotenzial.
Kommen wir zu den Produkten: „Qualität durch Frische“ ist seit jeher Ihr Versprechen. Wie erreichen Sie das?
Ulrike Freund: Bei der Herstellung überlassen wir nichts dem Zufall und setzen vor allem auf die enge und langfristige Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben: Unsere Braugerste kommt von der benachbarten Schwäbischen Alb, der Hopfen direkt aus dem baden-württembergischen Tettnang und das Brauwasser schöpfen wir aus unserem eigenen Tiefbrunnen, der 234 Meter unter unserem Firmengelände liegt. Für die alkoholische Vergärung unserer Biere verwenden wir unseren eigenen Hefestamm.
Aus diesen Zutaten, unserer Braukunst und der langen Reifephase entsteht der ganz besondere Geschmack der Gold Ochsen Biere, für den wir als Brauerei stehen. Damit unsere ausgezeichneten Biere ihre hervorragenden Qualitäts- und Geschmackseigenschaften behalten, achten wir zudem auf kurze Transportwege.
Welche Produkte umfasst das Kernsortiment? Was zeichnet sie aus?
Ulrike Freund: Aktuell hat die Brauerei Gold Ochsen 16 verschiedene Sorten Bier im Angebot – von alkoholfreien Bieren über Leicht-, Voll- und Lagerbiere bis hin zu Biermischgetränken und Spezialitätenbieren, zu denen auch die jährlichen Sondereditionen gehören, bei denen die Braumeister ihr Können besonders kreativ unter Beweis stellen. Für alle Biere gilt nach wie vor das Reinheitsgebot von 1516, wobei sich jedes einzelne Produkt den Beinamen „Ulms flüssiges Gold“ redlich verdient hat.
Unsere Braumeister arbeiten auf höchstem Niveau mit modernster Technik, aber nach bewährten traditionellen Verfahren ohne Zeitdruck bei der Bierherstellung. Hohe Sorgfalt gilt aber auch bei den zahlreichen alkoholfreien Erfrischungsgetränken, die das Produktspektrum ergänzen. Deren Herstellung unterliegt ebenfalls strengen Anforderungen – sowohl seitens der Lizenzgeber als auch der internen Produktionsverantwortlichen.
Sie stellen seit vielen Jahren bereits alkoholfreie Erfrischungsgetränke für Lizenzpartner her. In diesem Jahr haben sie erstmal ein eigenes Produkt in diesem Segment gelauncht. Warum dieser Schritt und wie lief die Markteinführung?
Ulrike Freund: Die Idee, ein eigenes Cola-Mix-Getränk auf den Markt zu bringen, hat uns bereits seit einigen Jahren begleitet. 2025 war es dann endlich so weit. Für uns zählte im Zuge dessen insbesondere, dem Ganzen eine brauereispezifische Note zu verleihen.
Einzigartigkeit schaffen wir beim „Gold Ochsen colamix“ durch die Zugabe von hochwertigem Gerstenmalz als ein Teil der Süße, das den Geschmack optimal unterstützt und abrundet. Damit sorgen wir für Differenzierung und können eine ganz neue Nische besetzen. Die Vorstellung hat in jedem Fall für Aufmerksamkeit gesorgt.
Ende 2025 haben Sie das Premium Pils Doppelbock als limitierte Edition auf den Markt gebracht. Woher kam die Idee zu der äußerst ungewöhnlichen Kreation?
Ulrike Freund: Die Tradition unseres Jahrgangsbiers wurde vor 13 Jahren begründet. Seitdem widmen sich unsere Braumeister jedes Jahr einer neuen Bierkreation und legen extrem viel Kreativität an den Tag, um ihr Können zu demonstrieren. Beim Premium Pils Doppelbock ging der Anreiz nicht zuletzt von der verwendeten Hopfenneuzüchtung „Tango“ und der Brautechnik der Kalthopfung aus.
Das Ergebnis ist in jedem Fall überzeugend, zumal bei der äußerst ungewöhnlichen Bierspezialität zwei Welten aufeinandertreffen: Zum einen die Sorte Pils mit ihrem schlanken, hellen und leichten Körper sowie ausgeprägter Hopfennote, zum anderen der gehaltvolle Doppelbock mit seiner kräftigen Stammwürze und malzigen Basis. Ein herausforderndes Projekt, aber genau das spornt unsere Braumeister immer wieder an.
Wird es auch in Zukunft weiterhin solche Produkte geben? Welche Pläne haben Sie noch für 2026?
Ulrike Freund: Natürlich gibt es auch 2026 wieder ein Jahrgangsbier. Was es genau wird, ist noch offen, aber da werden sich unsere Braumeister wie immer etwas ganz Spezielles – keinesfalls Alltägliches – einfallen lassen. Ebenso wird es in unserem Kernsortiment in naher Zukunft Veränderung geben, daran arbeiten wir auf Hochtouren. Den Anfang hat der Relaunch unseres Kultbiers OXX gemacht.
Gold Ochsen | Website | Instagram | Facebook
+++ Wir bedanken uns bei Ulrike Freund für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++


























