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KI-basierte Energieoptimierung für die Brauwirtschaft: Torge Lahrsen über encentive

Steigende Energiepreise, volatile Märkte und wachsender Kostendruck stellen die Brauwirtschaft vor neue Herausforderungen. Während Rohstoffe und Logistik seit Jahren im Fokus stehen, entwickelt sich Energie zunehmend zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor. encentive entwickelt eine KI-basierte Lösung für intelligentes Energiemanagement in der Industrie mit dem Ziel, Energiekosten signifikant zu senken und gleichzeitig CO2-Emissionen zu reduzieren.

Wie genau das funktioniert, erklärt Mitgründer Torge Lahrsen im Interview. Er spricht über Kostensenkung, Planungssicherheit und beantwortet die Frage, wie sich digitale Lösungen ohne Eingriff in Qualität und Prozesse in bestehende Strukturen integrieren lassen.

Energie wird für Brauereien immer schwerer kalkulierbar. Wie reagieren Sie mit encentive konkret auf diese neue Realität?

Torge Lahrsen: Wir sehen aktuell, dass sich der Energiemarkt strukturell verändert hat. Durch den steigenden Anteil erneuerbarer Energien schwanken Preise und Verfügbarkeiten deutlich stärker als früher. Für Brauereien bedeutet das: Der Zeitpunkt des Stromverbrauchs wird wirtschaftlich relevanter – und damit auch risikobehafteter, wenn Prozesse weiterhin rein statisch betrieben werden.

Viele Betriebe nehmen diese Veränderung wahr, verfügen aber operativ noch nicht über die Struktur, um flexibel darauf zu reagieren. Genau hier setzen wir an. Wir helfen Brauereien, aus dieser Volatilität eine Chance zu machen, indem energieintensive Prozesse – etwa im Kältebereich oder bei der Eiswassererzeugung – automatisiert so gesteuert werden, dass sie innerhalb definierter Parameter bevorzugt dann laufen, wenn Energie besonders günstig und verfügbar ist.

So entsteht kein Eingriff in die Produktion, sondern eine intelligente Verschiebung der Last im Hintergrund. Das Ziel ist, Energiekosten zu senken, Planungssicherheit zu erhöhen und Energie als aktiven Hebel zu nutzen – gerade in einem Umfeld, in dem sie zu einem immer größeren Kostenfaktor wird.

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Viele Brauereien haben Sorge, dass Energiesteuerung Einfluss auf Produktqualität oder Prozessstabilität haben könnte. Wie stellen Sie sicher, dass das nicht passiert?

Torge Lahrsen: Qualität ist nicht verhandelbar – das ist für uns Grundprinzip. Deshalb greifen wir nicht „hart“ in Prozesse ein. Wir arbeiten ausschließlich innerhalb der physikalisch und mikrobiologisch zulässigen Parameter.

Ein Beispiel ist die Temperaturhysterese bei Gär- oder Lagertanks. Kühlprozesse laufen ohnehin innerhalb eines Toleranzbereichs. Unsere Systeme nutzen genau diesen vorhandenen Spielraum von wenigen Graden, ohne Zieltemperaturen zu überschreiten. Jede Steuerung erfolgt regelbasiert und wird mit dem Betrieb abgestimmt. Die Prozesshoheit bleibt jederzeit in der Brauerei.

Sie zeigen am Beispiel Schwarzbräu, dass gerade kleinere Verbraucher entscheidend sind. Wie identifizieren Sie diese Potenziale konkret?

Torge Lahrsen: Der erste Schritt ist Transparenz. Deshalb führen wir zu Beginn eine unverbindliche Potenzialanalyse durch, in der wir Flexibilitätspotenziale identifizieren und wirtschaftlich bewerten. In vielen Betrieben sind einzelne Verbraucher zwar bekannt, aber nicht systematisch ausgewertet. Wir erfassen und strukturieren die Energieflüsse digital und analysieren Lastprofile über längere Zeiträume, um konkrete Ansatzpunkte sichtbar zu machen.

Dabei zeigt sich oft, dass Mantelkühlungen, Kühlräume oder Ladeprozesse zwar einzeln klein erscheinen, aber regelmäßig laufen und dadurch planbar sind. Genau diese Regelmäßigkeit macht sie flexibel steuerbar. Wenn mehrere solcher Verbraucher gebündelt werden, entsteht ein relevanter Hebel zur Lastverschiebung und Kostensenkung.

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Bedeutet das für Brauereien große Investitionen in neue Technik?

Torge Lahrsen: In den meisten Fällen nicht. Entscheidend ist weniger neue Hardware als die digitale Anbindung bestehender Systeme. Sofern Anlagen digital angebunden und steuerbar sind, lassen sie sich über gängige Industriestandards wie OPC UA oder Modbus in ein Energiemanagementsystem integrieren.

Wir erleben häufig, dass Brauereien technisch bereits gut ausgestattet sind, aber die Systeme isoliert voneinander arbeiten. Die eigentliche Innovation liegt in der intelligenten Vernetzung und der automatisierten Entscheidungslogik – nicht im Austausch von Anlagen.

Sie sprechen von automatisierten Fahrplänen. Was passiert da konkret im Hintergrund?

Torge Lahrsen: Unsere Plattform verarbeitet kontinuierlich interne Verbrauchsdaten sowie externe Signale. Mithilfe von KI werden Prognosen erstellt – beispielsweise zur Lastentwicklung oder zu erwartenden Strompreisen berechnet die Plattform optimierte Fahrpläne für definierte Verbraucher.

Das System entscheidet also nicht spontan, sondern vorausschauend und datenbasiert. Kühlprozesse können etwa leicht vorgezogen oder verzögert werden, wenn günstige Zeitfenster verfügbar sind. Für den Betrieb bedeutet das: weniger manuelle Eingriffe, aber mehr wirtschaftliche Kontrolle.

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Wird sich das Thema Ihrer Einschätzung nach in der Getränkeindustrie durchsetzen – oder bleibt es ein Nischenthema für Vorreiter?

Torge Lahrsen: Ich bin überzeugt, dass sich das Thema durchsetzen wird. Energie wird künftig ein strategischer Wettbewerbsfaktor sein – gerade im Mittelstand. Steigende Preisvolatilität und regulatorische Entwicklungen wie CO₂-Bepreisung oder die Netzentgeltreformen erhöhen den wirtschaftlichen Druck, Energieverbrauch zu flexibilisieren.

Brauereien, die heute beginnen, ihre Energieflüsse aktiv zu steuern, verschaffen sich nicht nur Kostenvorteile, sondern auch mehr Planungssicherheit. Das Thema ist kein kurzfristiger Trend, sondern Teil einer strukturellen Transformation des Energiesystems – und damit auch der Getränkeindustrie.

encentive | Website | LinkedIn

+++ Wir bedanken uns bei Torge Lahrsen für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

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