Interview

Island Collective: Christoph Zingelmann über die Zukunft von Brand Experiences

Marken wollen heute nicht mehr nur sichtbar sein – sie wollen erlebt werden. Genau hier setzt Island Collective an. Die Hamburger Creative Brand Experience Agentur entwickelt u.a. für Pernod Ricard, Diageo, Red Bull, Ratsherrn, AB InBev und Thomas Henry Markenwelten, Live-Erlebnisse und Aktivierungen, die im Gedächtnis bleiben sollen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Events und gastronomische Konzepte, sondern um Strategie, Kreativität, Community und kulturelle Relevanz.

Wir haben im Interview mit Founder Christoph Zingelmann über erfolgreiche Brand Experiences, veränderte Anforderungen von Getränkemarken, neue Konsumgewohnheiten und die Chancen von KI für die Eventbranche gesprochen.

„Creative Brand Experience Agentur“: Was verbirgt sich hinter diesem Anspruch und wie hat sich die Agentur seit der Gründung entwickelt?


Christoph Zingelmann: Wir sind keine klassische Eventagentur – und genau da drin liegt unser Anspruch. Natürlich geht es bei unseren Projekten um Live-Erlebnisse, aber unser Ansatz beginnt deutlich früher. Wir entwickeln Strategien für Marken, übersetzen Markenidentitäten in erlebbare Konzepte und schaffen komplette Markenwelten, die Menschen emotional erreichen. Das geht über die reine Organisation und Umsetzung eines Events hinaus.

Dabei ist der kreative Anspruch ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Wir wollen nicht einfach Veranstaltungen produzieren, sondern Gänsehautmomente schaffen – Erlebnisse, die für die Zielgruppe neu, relevant und erinnerungswürdig sind. Eine erfolgreiche Brand Experience entsteht dann, wenn eine Marke nicht nur sichtbar wird, sondern fühlbar und erlebbar ist.

Seit der Gründung haben wir diese Entwicklung konsequent vorangetrieben. In den Anfangsjahren bestanden viele Projekte noch stärker aus operativer Umsetzung und Produktion. Mit der Zeit haben wir unseren Kunden aber immer mehr strategische Kompetenz, kreative Konzepte und Ideen angeboten – und genau diesen Bereich kontinuierlich ausgebaut.

Heute verstehen wir uns als Partner für Marken, die nicht nur präsent sein wollen, sondern eine echte Verbindung zu ihrer Zielgruppe aufbauen möchten. Dafür haben wir inzwischen ein starkes Creative Team mit knapp 10 Mitarbeitenden aufgebaut, das Strategie, Konzept und Kreation zusammenbringt.

Bevor Du Dich vollständig auf das Agenturgeschäft konzentriert hast, hast Du selbst Festivals und B2C-Events veranstaltet. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit prägen die Arbeit für Marken bis heute?


Christoph Zingelmann: Ich glaube, diese Zeit war die Grundlage für unsere heutige Professionalität, weil wir das Geschäft wirklich von der Pike auf gelernt haben. Gerade die ersten Jahre haben uns geprägt: Wir waren zu zweit, haben Konzepte entwickelt, DJs gebucht, jede Getränkekiste selber getragen, Scheinwerfer und Anlagen aufgebaut, Flyer und Poster in der Stadt verteilt, Pressetexte geschrieben, PR-Arbeit gemacht und – wenn es notwendig war – auch selbst an der Tür mit angepackt oder hinter dem DJ-Pult gestanden.

Diese Erfahrung hilft uns bis heute, weil wir nicht nur aus einer strategischen oder theoretischen Perspektive auf Events schauen, sondern die komplette Wertschöpfungskette kennen. Wir wissen, was hinter einer erfolgreichen Veranstaltung steckt, welche Herausforderungen in der Umsetzung entstehen und wie wichtig jedes einzelne Detail für das Gesamterlebnis ist.

Gleichzeitig sind in dieser Zeit unser Erfahrungsschatz und unser Netzwerk entstanden – zwei Faktoren, die unsere Arbeit heute maßgeblich prägen. Wir wissen, welche Partner, Künstler und Spezialisten für bestimmte Projekte relevant sind und wie man die richtigen Menschen zusammenbringt.

Und auch unser damaliges Mantra „einfach machen“ begleitet uns bis heute.

Natürlich arbeiten wir heute strategischer und mit größeren Strukturen, aber diese Hands-on-Mentalität ist geblieben. Ideen entstehen nicht nur am Schreibtisch. Am Ende zählt immer die Fähigkeit, sie umzusetzen und Realität werden zu lassen – echte Gänsehaut Momente eben.

Ihr begleitet Projekte von der Strategie über die kreative Idee bis hin zur Umsetzung und Erfolgsauswertung. Warum ist es aus wichtig, Markenkommunikation ganzheitlich zu denken, statt nur einzelne Maßnahmen umzusetzen?

Christoph Zingelmann: Gerade im Event- und Experience-Business ist ein gut kuratiertes Storytelling von entscheidender Bedeutung. Eine erfolgreiche Markenaktivierung besteht heute nicht mehr aus einzelnen, isolierten Maßnahmen, sondern aus vielen Elementen, die miteinander verbunden sind und aufeinander einzahlen. Jede Entscheidung – von der ersten Idee über die Gestaltung des Erlebnisraums bis hin zur Kommunikation und Aktivierung vor Ort – beeinflusst die Wahrnehmung der Marke.

Die ganzheitliche Betrachtung hilft dabei, mögliche Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und sicherzustellen, dass alle Bausteine einer Experience dieselbe Geschichte erzählen. Man muss die einzelnen Maßnahmen nicht nur im Blick haben, sondern auch verstehen, wie sie miteinander funktionieren und welche Rolle sie innerhalb des Gesamtkonzepts spielen.

Natürlich bedeutet ganzheitliches Arbeiten nicht, alles selbst machen zu müssen. Im Gegenteil: Für bestimmte Themen braucht es die richtigen Spezialisten und Partner. Es gibt immer Menschen, die in einzelnen Disziplinen besser sind, über spezifisches Know-how verfügen oder genau die richtigen Kontakte und Netzwerke für ein Projekt mitbringen – sei es bei Künstlern, Produktion, Design oder Technologie.

Die entscheidende Aufgabe ist deshalb, diese unterschiedlichen Kompetenzen sinnvoll zusammenzuführen und daraus eine konsistente Experience zu entwickeln. Wenn Strategie, Kreativität, Partner und Umsetzung ineinandergreifen, entsteht am Ende ein Erlebnis, das nicht nur funktioniert, sondern Menschen emotional erreicht und nachhaltig im Gedächtnis bleibt.

Island Collective

Credit: Christoph Leon Jakubek

Zu Euren Kunden zählen u.a. Pernod Ricard, Diageo, Red Bull, Ratsherrn, AB InBev und Thomas Henry. Was erwarten Getränkemarken heute von einer Agentur und wie haben sich diese Anforderungen in den vergangenen Jahren verändert?

Christoph Zingelmann: Früher lag der Fokus vor allem auf dem gastronomischen Service. Es ging darum, die passenden Events zu identifizieren und dort ein hochwertiges gastronomisches Angebot mit funktionierenden Abläufen, guten Drinks und einer zuverlässigen Logistik umzusetzen. Das war der Kern der Zusammenarbeit.

Heute ist dieser gastronomische Part eher das Fundament. Darauf bauen wir komplette Markenwelten auf.

Es geht um eine Visual Identity, Erlebnisräume, kreative Aktivierungen, Merchandise, Content, Community-Building und vor allem um Erlebnisse, die Menschen langfristig mit einer Marke verbinden. Marken wollen heute nicht mehr nur präsent sein – sie wollen relevant sein.

Der Grund dafür ist einfach: Geschmack, Packaging und Produktqualität bewegen sich in vielen Kategorien auf einem sehr hohen Niveau. Gleichzeitig ist der Wettbewerb enorm gewachsen. Die Auswahl für Konsumentinnen und Konsumenten war noch nie so groß. Gerade auf Festivals oder Großveranstaltungen können sich die wenigsten Besucher im Nachhinein daran erinnern, welches Bier oder welche Spirituose ausgeschenkt wurde.

Woran sie sich aber erinnern, ist das Erlebnis. Wenn eine Marke durch eine kreative Aktivierung, eine besondere Experience oder einen unerwarteten Moment emotional aufgeladen wird und Menschen diese Erfahrung gemeinsam mit ihren Freunden erleben, entsteht echte Markenbindung. Genau diese emotionale Verknüpfung macht später häufig den Unterschied bei der nächsten Kaufentscheidung.
Deshalb erwarten Getränkemarken heute von einer Agentur nicht mehr nur eine perfekte operative Umsetzung, sondern vor allem strategische Beratung, kreative Ideen und Experiences, die kulturell relevant sind, zur Zielgruppe passen und langfristig einen Beitrag zum Markenwert leisten.

 Was macht eine Markenaktivierung heute wirklich erfolgreich? Und warum reicht klassische Werbung allein oft nicht mehr aus?

Christoph Zingelmann: Die entscheidende Frage ist doch: Wo erreichen Marken ihre Zielgruppen heute überhaupt noch – und in welchem Umfeld werden sie wirklich wahrgenommen? Gleichzeitig stellt sich die Frage, wer klassische Werbung überhaupt noch bewusst konsumiert. Viele Menschen haben gelernt, Werbung auszublenden. Hinzu kommt, dass sich in Zeiten von KI und algorithmisch generierten Inhalten vieles nicht mehr wirklich authentisch anfühlt.

Produktversprechen werden kritischer hinterfragt und das Vertrauen in klassische Markenkommunikation nimmt tendenziell ab. Genau darin liegt aber die Stärke von Live-Erlebnissen.

Sie schaffen echte Begegnungen zwischen Mensch und Marke. Das Produkt kann probiert, getestet, angefasst oder erlebt werden. Aus einer Werbebotschaft wird eine persönliche Erfahrung. Ein Probierkontakt im Rahmen eines ganzheitlichen, idealerweise multisensorischen Markenerlebnisses ist aus meiner Sicht deutlich wertvoller als jeder noch so gut optimierte Online-Sales-Funnel. Denn hier können sich Menschen ihre eigene Meinung bilden und selbst entscheiden, ob eine Marke hält, was sie verspricht.

Besonders wirkungsvoll wird eine Markenaktivierung dann, wenn sie in einem emotional aufgeladenen Umfeld stattfindet – etwa bei einem Sportevent, Konzert, Festival, einer Messe oder Ausstellung. Dort treffen Marken auf Communities, die über gemeinsame Interessen, Werte oder eine gemeinsame Kultur miteinander verbunden sind. In solchen Momenten entstehen Aufmerksamkeit, Identifikation und echte Erinnerungen. Das emotionale Involvement ist dort um ein Vielfaches höher als vor einem Bildschirm.

Für mich ist genau das der entscheidende Unterschied: Klassische Werbung erzählt, wie sich eine Marke anfühlen soll. Live-Kommunikation gibt den Menschen die Möglichkeit, es selbst zu erleben. Und genau diese eigenen Erfahrungen bleiben langfristig im Kopf.

Island Collective

Credit: Christoph Leon Jakubek

Ein Schwerpunkt von Island Collective ist die Entwicklung kompletter Markenwelten und Brand Identities für Live-Auftritte. Wie entsteht aus einer ersten Idee ein Erlebnis, das Besucher nachhaltig mit einer Marke verbinden?

Christoph Zingelmann: Zunächst braucht es natürlich immer ein gutes Kundenbriefing. Je klarer die Zielsetzung, die Marke und die Zielgruppe definiert sind, desto besser können wir strategisch arbeiten. Darauf aufbauend starten wir mit der Analyse und entwickeln daraus einen klaren Creative Brief für unsere Kreation.

Ab diesem Punkt beginnt der eigentliche kreative Prozess – und der lässt sich nur bedingt planen. Manchmal liegt die Idee praktisch auf der Hand und entwickelt sich innerhalb weniger Stunden. Manchmal muss man aber auch tiefer graben, recherchieren, Dinge hinterfragen und unterschiedlichste Perspektiven einnehmen, bis man auf die richtige Leitidee stößt.

Entscheidend ist dabei weniger die Idee an sich, als das kreative Spielfeld, das sie eröffnet. Eine wirklich gute Leitidee schafft Raum für viele unterschiedliche Aktivierungen, Touchpoints und Erlebnisse, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Markenauftritt ziehen. Genau dadurch entsteht eine konsistente Brand Experience statt einzelner, losgelöster Maßnahmen. Am Ende wollen wir keine schöne Bühne bauen oder einen Stand gestalten.

Wir wollen Momente schaffen, die Menschen emotional berühren und langfristig mit einer Marke verbinden.

Denn genau diese emotionale Erinnerung sorgt dafür, dass eine Experience nachhaltig wirkt und aus Besucherinnen und Besuchern im besten Fall echte Markenbotschafter werden.

Künstliche Intelligenz verändert derzeit nahezu jede Branche. Du siehst diese Entwicklung für den Event- und Experience-Bereich jedoch eher als Chance. Wie kann KI Ihre Arbeit künftig sinnvoll unterstützen, ohne die kreative und menschliche Komponente zu ersetzen?

Christoph Zingelmann: Ja, absolut – da knüpfe ich auch an meine Antwort auf Frage 5 an. Ich bin überzeugt, dass Menschen in einer immer digitaleren Welt wieder stärker nach echten Begegnungen suchen. Social Media und KI beschleunigen diese Entwicklung sogar noch. Je mehr Zeit wir vor Bildschirmen verbringen und je mehr Inhalte algorithmisch erzeugt werden, desto größer wird das Bedürfnis nach echten Erlebnissen, nach Nähe, Berührung und sensorischen Reizen.

Genau das können Live-Events leisten. Menschenmengen, Tanzen, Loslassen, Schweiß, Lautstärke, Lachen, leuchtende Augen, aber auch Rausch, Freiheit und das Gefühl, sich selbst wieder zu spüren – das sind Momente, die kein Bildschirm und keine KI ersetzen können. Sie erzeugen Erinnerungen, Gänsehaut und echte Verbundenheit. Und genau diese Erlebnisse braucht der Mensch.

Deshalb sehe ich KI ganz klar als Werkzeug und nicht als kreativen Ersatz.

Island Collective

Credit: Christoph Leon Jakubek

Eine KI kann Daten analysieren, Muster erkennen und Inhalte generieren. Sie kann aber keine Gänsehaut fühlen, keine Communities oder Subkulturen wirklich verstehen und keine kulturelle Relevanz intuitiv erfassen. Sie kennt keine Emotionen – und das ist aus meiner Sicht auch gut so.

Gleichzeitig wäre es falsch, die Möglichkeiten von KI nicht zu nutzen. In unserem Agenturalltag unterstützt sie uns bereits bei Recherche, Strukturierung, Textentwicklung, Illustrationen, Visualisierungen, Konzeptbausteinen oder der Projektplanung. Das spart Zeit und schafft Freiräume für das, was wirklich den Unterschied macht: Ideen, Kreativität, Intuition und Empathie.

Am Ende entstehen die besten Experiences nicht durch Algorithmen, sondern durch Menschen, die Menschen verstehen. Genau deshalb bin ich überzeugt, dass KI unsere Arbeit sinnvoll ergänzen wird – die kreative und emotionale Komponente aber auch in Zukunft menschlich bleibt.

Gleichzeitig beobachtest Du ein wachsendes Bedürfnis nach echten Begegnungen und gemeinsamen Erlebnissen. Welche Entwicklungen nimmst Du derzeit bei Festivals, Events und in der Gastronomie wahr?

Christoph Zingelmann: Ich beobachte aktuell eine starke Diversifizierung – sowohl im Festivalmarkt als auch in der Gastronomie. Wie auch bei unserer täglichen Arbeit gilt: Am Ende entscheidet die Qualität der Idee und des Konzepts. Genauso wichtig ist aber die konsequente Umsetzung und das Erlebnis, das Menschen am Ende tatsächlich mitnehmen. Die innovativste Idee für ein Burger-Restaurant bringt nichts, wenn Interior, Produktqualität und Service nicht überzeugen. Das Gesamterlebnis muss stimmig sein.

Ich glaube deshalb, dass es die breite Gastronomie in Zukunft noch schwerer haben wird. Entweder man hat ein wirklich starkes Konzept, eine herausragende Qualität, ein glaubwürdiges Storytelling oder eine Prime Location – im Idealfall natürlich alles zusammen.

Wer sich nicht klar differenziert und keine eigene Positionierung entwickelt, wird es zunehmend schwer haben, langfristig relevant zu bleiben.

Island Collective

Credit: Christoph Leon Jakubek

Eine ähnliche Entwicklung sehe ich auch bei Festivals, allerdings ist der Markt dort noch vielschichtiger. Die Location kann ein entscheidender Faktor sein – muss sie aber nicht. Manchmal reicht auch einfach ein Acker. Entscheidend ist vielmehr eine klare Idee und ein Konzept, das die richtige Zielgruppe emotional anspricht. Gleichzeitig muss man sich positionieren: Entweder man bietet eine große Mainstream-Experience oder bewusst ein eher hedonistisches, nicht kommerzielles Underground-Festival an. Dazwischen wird es zunehmend schwierig, weil Besucher heute sehr genau wissen, welche Art von Erlebnis sie suchen und wie sie unterhalten werden wollen.

Natürlich leben Festivals auch von ihren treuen Communities und den Künstlerinnen und Künstlern auf den Bühnen. Gleichzeitig müssen sie sich kontinuierlich weiterentwickeln. Ein spannendes Beispiel ist für mich das Wacken Open Air. Über mehr als 30 Jahre hat das Festival eine außergewöhnlich starke Identifikation innerhalb der Metal-Community aufgebaut und zählt zu den erfolgreichsten Festivals weltweit. Gleichzeitig stellt sich heute die Frage, wie neue Zielgruppen erreicht werden und welche Impulse das Festival musikalisch oder kulturell setzt.

Ich habe den Eindruck, dass man sich dort teilweise zu lange auf dem bestehenden Erfolg ausgeruht hat. Die Stammgäste und viele der prägenden Bands sind inzwischen älter geworden. Irgendwann wird der Festivalbesuch oder auch der Auftritt für viele nicht mehr selbstverständlich sein. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wer schließt diese Lücke und wie gelingt es, die nächste Generation für eine Marke oder ein Festival genauso zu begeistern wie die letzte? Genau darin liegt aus meiner Sicht eine der größten Herausforderungen für die gesamte Eventbranche.

Island Collective

Immer mehr Menschen – insbesondere jüngere Generationen – gehen bewusster mit Alkohol um und verändern ihre Ausgehgewohnheiten. Wie verändert dieser gesellschaftliche Wandel aus Deiner Sicht die Markenkommunikation?

Christoph Zingelmann: Im ersten Schritt bringt das veränderte Konsumverhalten natürlich auch Chancen für einen Teil der Industrie mit sich. Kategorien wie Natural Sodas, Flavoured Waters, Kombucha, Matcha, Coconut Water und andere Functional Beverages entwickeln sich weiterhin sehr positiv und profitieren vom steigenden Gesundheits- und Lifestylebewusstsein der Konsumenten.

Gleichzeitig sehen wir seit Jahren einen rückläufigen Konsum im Bier- und Spirituosensegment. Das ist also keine große Überraschung, sondern ein langfristiger Trend. Entsprechend haben nahezu alle Hersteller mit 0,0%-Alternativen sowie alkoholfreien Produktinnovationen reagiert. Parallel dazu ist der RTD-Markt (Ready-to-Drink) in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. Konsum findet heute eben nicht mehr ausschließlich in Bars oder der Gastronomie statt, sondern zunehmend am Kiosk, im Park oder einfach draußen – Hauptsache unkompliziert, spontan und günstiger.

Für die Markenkommunikation bedeutet das vor allem eines: Sie wird noch stärker über Lifestyle, Communities und kulturelle Relevanz funktionieren.

Getränke werden immer weniger über ihre funktionalen Eigenschaften verkauft, sondern über die Momente, Erlebnisse und das Lebensgefühl, für das sie stehen. Marken wollen Teil bestimmter Szenen und Subkulturen sein, Identifikation schaffen und Menschen das Gefühl geben, dazuzugehören. Genau diese emotionale Aufladung wird in Zukunft noch wichtiger als das eigentliche Produkt.

Island Collective

Credit: Christoph Leon Jakubek

Blick in die Zukunft: Welche Trends werden Brand Experiences in der Getränkeindustrie in den nächsten drei bis fünf Jahren prägen?

Christoph Zingelmann: Ich bin überzeugt, dass Brand Experiences künftig noch stärker von ihrer emotionalen Relevanz leben werden. Aufmerksamkeit allein reicht nicht mehr aus – Marken müssen Orte schaffen, an denen Menschen gerne Zeit verbringen und echte Erlebnisse mitnehmen.

Der Trend geht aus meiner Sicht klar hin zu multisensorischen Erlebnisräumen, die alle Sinne ansprechen und BesucherInnen aktiv einbinden. Gerade in der Getränkeindustrie entstehen so emotionale Verbindungen, die weit über den Produktmoment hinaus wirken.

Entscheidend wird sein, Marken nicht nur sichtbar, sondern spürbar zu machen. Wer authentische Begegnungen schafft und Communities Teil der Markenwelt werden lässt, wird langfristig die stärkste Bindung zur Brand aufbauen.

Kontakt Island Collective

Wer noch mehr erfahren oder selbst mit Island Collective zusammenarbeiten möchte, kann sich gerne bei Christoph Zingelmann melden:

Island Collective | Website | Instagram | LinkedIn

+++ Wir bedanken uns bei Christoph Zingelmann für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

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