Islay Cask Company Interview
Interview

„Entstanden aus echter Leidenschaft“: Oliver Wilkening über die Islay Cask Company

Die Islay Cask Company ist ein unabhängiger Abfüller für Fassstärke-Whiskys, vor allem von der Insel Islay. Dem Team geht es bei den Produkte nicht nur um Fässer, sondern vor allem um die Menschen. Viele der Projekte entstehen aus langjährigen Verbindungen und echten Freundschaften. Einer der Köpfe hinter dem Projekt ist Oliver Wilkening.

Im Interview haben wir mit ihm über die Entstehung der Islay Cask Company, aktuelle Abfüllungen und die Bedeutung der Insel Islay gesprochen. Übrigens: Wer Oliver Wilkening in Schottland mit seiner orangenen Mütze sieht und anspricht, bekommt von ihm einen Free Dram ausgeschenkt.

Die Islay Cask Company hat einem klaren Fokus: ehrliche, fassstarke Whiskys, vor allem von Islay. Was war und ist der Antrieb hinter dem Projekt?

Oliver Wilkening: Die Islay Cask Company ist aus echter Leidenschaft entstanden. Bei einem gemeinsamen Abend im Wintergarten – gutes Essen, gute Gespräche und viel Whisky. Unsere enge Verbindung zum Vereinigten Königreich bestand schon lange, durch Reisen, Musik und viele Aufenthalte auf Islay. Der Wunsch, dieses Gefühl nicht nur einmal im Jahr zu erleben, führte zur Idee eines eigenen Fasses. Mit klar verteilten Rollen ging es dann auf die nächsten Islay-Reisen und nach ein paar Anläufen, konnten wir dann 2017 unser erstes Fass kaufen.

Viele der Whiskys stammen von Islay – etwa Caol Ila, Kilchoman, Bruichladdich. Was fasziniert Dich persönlich an dieser Insel und am Charakter ihrer Brennereien?

Oliver Wilkening: Die Faszination für Islay geht bei uns weit über den Whisky hinaus. Es ist die Insel selbst: die Menschen, die Abgeschiedenheit, das Meer, die raue Landschaft. Wir reisen bewusst außerhalb der Saison nach Islay – im Frühjahr oder Herbst – und lernen die Insel dann von einer sehr authentischen Seite kennen.

Dazu kommt die Geschichte der Brennereien: Bruichladdich mit seiner Neugründung aus dem Port Charlotte Hotel heraus oder Kilchoman als Farm Distillery, die neue Wege gegangen ist. Und natürlich mögen wir persönlich stark rauchige Whiskys – Islay ist dafür einfach ein idealer Ort.

Islay Cask Company Interview

Die Abfüllungen sind stark limitiert, nicht gefärbt, nicht kühlfiltriert und erscheinen meist in Fassstärke. Warum ist dieser unverfälschte Stil so wichtig, auch im Vergleich zum breiteren Markt?

Oliver Wilkening: Der unverfälschte Stil ist für uns eine Frage des Respekts gegenüber dem Whisky und gegenüber den Genießern. Wir möchten niemandem vorschreiben, dass 46 % die „richtige“ Stärke sind. Fassstärke gibt den Menschen die Freiheit, selbst zu entscheiden: pur, mit ein paar Tropfen Wasser oder ganz anders. Nichtfärbung und Nicht-Kühlfiltration sind für uns keine Marketingbegriffe, sondern logische Konsequenzen dieser Haltung.

Mit der Reihe Casks, Plants & Blossoms verbindet Ihr Whisky mit botanischen Namen. Ein eher ungewöhnlicher Ansatz in der Branche. Was steckt hinter dem Konzept?

Oliver Wilkening: Casks, Plants & Blossoms ist sehr persönlich geprägt. Unser Michael (Krätzig, Anm. d. Red.) ist ausgebildeter Gärtnermeister, und bei einem früheren Islay-Besuch hat er sogar Vorgartenbesitzer in Bowmore beraten. Daraus entstand die Idee, Whisky und Botanik miteinander zu verbinden. Alle Abfüllungen dieser Serie tragen botanische Namen, alphabetisch geordnet – weitere Fässer werden folgen. Es geht uns dabei um Natürlichkeit, Wachstum und Vielfalt, nicht um ein künstliches Storytelling.

Islay Cask Company Torabhaig

Zuletzt habt Ihr mit der Torabhaig Distillery auf Skye und mit St. Kilian in Deutschland zusammengearbeitet. Was macht solche Kooperationen so spannend – auch abseits von Islay?

Oliver Wilkening: Kooperationen abseits von Islay sind bei uns nicht aus Beliebigkeit entstanden, sondern aus einer bewussten Entscheidung. Man bekommt nicht immer genau das Islay-Fass, bei dem man sagt: Das ist es. Deshalb haben wir die Signature-Serie ins Leben gerufen – als Raum für ausgewählte Brennereien außerhalb Islays, die dennoch unsere Haltung teilen.

Gerade beim deutschen Whisky waren wir anfangs sehr skeptisch. Unsere Prämisse war lange: Warum nach Japan fahren, um ein Schnitzel zu essen? Die Zusammenarbeit mit St. Kilian Distillers kam erst zustande, nachdem uns dortige Fassproben und Blindverkostungen – sogar auf Islay – eines Besseren belehrt haben.

Bei der Torabhaig Distillery wiederum hat uns neben dem Alter des Fasses vor allem der klare maritime Charakter überzeugt. Solche Kooperationen sind für uns spannend, wenn sie Substanz haben – unabhängig von der Herkunft.

Die neue Torabhaig-Abfüllung zählt zu den ältesten unabhängigen Bottlings dieser jungen Brennerei. Was hat Euch an genau diesem Fass überzeugt?

Oliver Wilkening: Bei Torabhaig hatten wir die seltene Gelegenheit, ein Fass zu bekommen, das älter ist als offizielle Abfüllungen der Brennerei. Das allein war schon besonders. Entscheidend war aber der Charakter: ein klarer maritimer Einfluss, ein deutlicher Atlantik-Touch. Für mich lässt sich das augenzwinkernd beschreiben wie ein „abgebranntes Krankenhaus am Atlantik mit einem Hauch Vanille“ – und genau das macht ihn so spannend.

Islay Cask Company St. Kilian

Celtic Pact II ist ein sehr besonderes Fassprojekt mit St. Kilian – inklusive Oloroso-Finish in einem Octave-Fass mit bewegter Geschichte. Was macht dieses Projekt für Dich persönlich besonders?

Oliver Wilkening: Das Celtic Pact II-Projekt ist vor allem deshalb besonders, weil es aus einer engen, freundschaftlichen Zusammenarbeit entstanden ist. Die Fassauswahl machen wir gemeinsam mit St. Kilian, probieren vorab viel, diskutieren viel und entwickeln die Idee zusammen weiter. Das Oloroso-Finish im Octave-Fass mit seiner eigenen Geschichte verleiht dem Whisky zusätzliche Tiefe. Persönlich schätze ich an solchen Projekten genau diesen gemeinsamen Prozess.

Ihr arbeitet auch mit einem Weingut wie St. Antony zusammen – ein ungewöhnlicher, aber spannender Partner. Welche Rolle spielen solche Finishes für die Abfüllungen?

Oliver Wilkening: Mit dem Weingut Weingut St. Antony verbindet uns ein sehr gutes Verhältnis. Solche Partnerschaften ermöglichen uns Zugang zu außergewöhnlichen Fässern. Wir lieben besonders die Kombination aus Rauch und Rotwein – gerade deutscher Pinot Noir harmoniert überraschend gut mit rauchigem Whisky. Aber auch ungewöhnlichere Finishes, etwa mit Rieslingfässern, haben gezeigt, welches Potenzial darin steckt.

Islay Cask Company Interview

Eure Whiskys entstehen in sehr kleinen Auflagen – teils nur 112 oder 247 Flaschen pro Abfüllung. Wie gelingt es Euch, in diesem exklusiven Rahmen eine Community aufzubauen? Wo sind die Abfüllungen erhältlich?

Oliver Wilkening: Die sehr kleinen Auflagen ergeben sich bei uns ganz natürlich daraus, dass wir konsequent Einzelfassabfüllungen machen. Eine Abfüllung kann eben nur so groß sein wie der Inhalt des jeweiligen Fasses – nicht mehr und nicht weniger.

Die Community entsteht deshalb vor allem über Nähe und Transparenz: über unseren eigenen Online-Shop, handverlesene Fachhändler, Messen, Tastings und insbesondere unseren Newsletter. Dort erfahren Abonnenten zuerst von neuen Abfüllungen und haben frühzeitig Zugriff. Es geht uns nicht um breite Verfügbarkeit, sondern um einen direkten Austausch mit Menschen, die genau diesen Ansatz schätzen.

Bei der Islay Cask Company geht es nicht um Masse, sondern um Haltung. Wie beurteilt Ihr den aktuellen Whisky-Markt, und wie wollt Ihr Euch darin künftig positionieren?

Oliver Wilkening: Der Whisky-Markt ist aktuell stark fragmentiert und sehr marketinggetrieben. Wir positionieren uns bewusst dagegen. Es geht uns nicht um Masse oder schnelle Trends, sondern um Haltung, Transparenz und Substanz. Wir kaufen nur Fässer, hinter denen wir auch wirklich stehen können. Wenn eine Marke oder eine Brennerei gerade einen Hype erlebt, heißt das nicht automatisch, dass wir diesen Weg mitgehen.

In den vergangenen Jahren war es zudem zunehmend schwierig, Fässer zu Preisen zu bekommen, die sowohl für uns als auch für die Endkunden noch nachvollziehbar sind. Der Markt hat sich stark verändert: Fässer werden häufig über Broker gehandelt, dazu kamen zuletzt vermehrt Investment-orientierte Zwischenhändler. Das hat Preise nach oben getrieben – oft ohne Bezug zur tatsächlichen Qualität. Dieser extreme Hype flacht derzeit spürbar ab, was wir grundsätzlich als positive Entwicklung sehen – für unabhängige Abfüller und für Konsumenten.

Gleichzeitig stehen wir natürlich in einem herausfordernden gesamtwirtschaftlichen Umfeld, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Teilen der EU und im Vereinigten Königreich. Wir hoffen sehr, dass viele der jungen Destillerien diese Phase überstehen. Gerade dort entstehen derzeit besonders spannende Whiskys und Konzepte, die den Markt langfristig bereichern werden.

Islay Cask Company | Website | Instagram | Facebook | LinkedIn

+++ Wir bedanken uns bei Oliver Wilkening für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

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