„Die Transformation ist keine Abkehr vom Bier“: Anders Krantz über Carlsberg
Der Biermarkt verändert sich. Menschen wählen ihre Getränke heute situationsbezogener als je zuvor. Gleichzeitig werden alkoholfreie Produkte immer wichtiger. Carlsberg Deutschland richtet sein Angebot gezielt an diesen Bedürfnissen aus und entwickelt sich mit einer klaren Strategie vom klassischen Brauereikonzern zu einem modernen Multi-Beverage-Unternehmen. Die Transformation ist allerdings keine Abkehr vom Bier, sondern die Weiterentwicklung eines starken Biergeschäfts.
„Bier bleibt unser Herzstück. Gleichzeitig wollen wir Menschen mit starken Marken in immer mehr Genussmomenten begleiten und dadurch nachhaltiges Wachstum schaffen“, sagt Anders Krantz, CEO von Carlsberg Deutschland. Wir haben mit ihm im Interview darüber gesprochen.
Sie führen Carlsberg Deutschland seit Februar 2026. Wie liefen die ersten Monate als CEO?
Anders Krantz: Sehr spannend, aufschlussreich und vor allem sehr inspirierend. Obwohl ich die Carlsberg Gruppe bereits seit vielen Jahren kenne, hat jedes Land natürlich seine eigene Kultur, Dynamik und Konsumgewohnheiten. Deshalb war es mir zu Beginn besonders wichtig, mich mit unterschiedlichsten Stakeholdern wie unseren Mitarbeitenden, Kunden, Partnern sowie den Menschen, die unsere Marken jeden Tag kaufen und genießen, auszutauschen, um die jeweiligen Perspektiven, Bedürfnisse und Arbeitsprozesse zu verstehen.
Besonders beeindruckt hat mich die Leidenschaft, mit der unsere Teams arbeiten, und die starke Verankerung unserer Marken in ihren Regionen. Gleichzeitig habe ich eine hohe Bereitschaft gespürt, neue Wege zu gehen und die Zukunft unseres Unternehmens aktiv mitzugestalten. Genau diese Kombination aus Tradition und Innovationskraft macht Carlsberg Deutschland für mich so besonders.
Der Bierabsatz in Deutschland sinkt seit Jahren. Wo sehen Sie trotzdem noch Wachstumspotenzial?
Anders Krantz: Der Biermarkt verändert sich, aber das bedeutet nicht, dass die Wachstumsmöglichkeiten verschwinden. Im Gegenteil: Gerade alkoholfreie Biere entwickeln sich sehr dynamisch. Der Markt ist 2025 um rund 12 % gewachsen, Carlsberg 0.0 sogar um 50 %. Das zeigt, welches Potenzial diese Kategorie noch hat und bestätigt uns darin, dass wir mit unserer konsequenten Fokussierung auf Qualität und Geschmack auf dem richtigen Weg sind.
Gleichzeitig entstehen neue Konsumanlässe und Erwartungen an Getränke. Wer die Bedürfnisse der Menschen früh erkennt und passende Angebote entwickelt, kann auch in einem anspruchsvollen Markt erfolgreich wachsen. Unser Ziel ist es, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten und nicht nur darauf zu reagieren.
Carlsberg Deutschland entwickelt sich zum Multi-Beverage-Unternehmen. Was bedeutet dieser Schritt konkret?
Anders Krantz: Für uns bedeutet das, Menschen nicht nur in der Bierkategorie zu begleiten, sondern in deutlich mehr Genussmomenten und Konsumsituationen. Bier bleibt unser Herzstück, gleichzeitig erweitern wir unser Angebot Schritt für Schritt um weitere attraktive Getränkekategorien.
Davon profitieren nicht nur Konsumentinnen und Konsumenten, sondern auch unsere Partner im Handel und in der Gastronomie. Sie erhalten aus einer Hand ein breiteres Angebot für unterschiedliche Zielgruppen und Anlässe und können damit zusätzliche Wachstumschancen erschließen.
Die Transformation ist dabei keine Abkehr vom Bier, sondern die Weiterentwicklung eines starken Biergeschäfts. Deshalb sprechen wir bewusst von einem Multi-Beverage-Unternehmen, das Bier weiterhin im Herzen trägt.
Sie setzen auf milde Bierstile, alkoholfreie Biere, Cider, RTDs und Softdrinks. Welches dieser Felder verspricht das größte Wachstum?
Anders Krantz: Wir sehen in allen vier Feldern attraktive Chancen. Besonders dynamisch entwickelt sich aktuell das alkoholfreie Segment. Alkoholfreie Biere sind längst kein Nischenprodukt mehr, sondern für viele Menschen eine selbstverständliche Wahl geworden.
Gleichzeitig sehen wir auch großes Potenzial bei Cider, Ready-to-Drink-Produkten und Softdrinks, weil sie neue Konsumanlässe erschließen und neue Zielgruppen ansprechen können.
Entscheidend ist für uns, ein ausgewogenes Portfolio aufzubauen. Die größte Chance für nachhaltiges Wachstum liegt aus meiner Sicht darin, Menschen mit starken Marken über unterschiedliche Genussmomente hinweg zu begleiten und ihnen die dafür jeweils passenden Getränkeangebote zu bieten.
Welche Veränderungen beobachten Sie aktuell bei den Bedürfnissen der Konsumenten – und wie reagiert Carlsberg darauf?
Anders Krantz: Menschen entscheiden heute bewusster und deutlich situationsbezogener als noch vor einigen Jahren. Die Frage lautet immer häufiger nicht mehr „Welches Bier trinke ich?“, sondern „Welches Getränk passt gerade zu diesem Moment?“
Viele Konsumentinnen und Konsumenten wechseln heute ganz selbstverständlich zwischen unterschiedlichen Kategorien. Sie greifen je nach Anlass einmal zu Bier, ein anderes Mal zu einer Limonade oder einer alkoholfreien Alternative. Diese Flexibilität möchten wir mit unseren Marken und unserem Portfolio ermöglichen.
Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Qualität, Geschmack und Auswahl. Darauf reagieren wir mit Innovationen, neuen Angeboten und starken Marken, die für unterschiedliche Genussmomente relevant sind.
Mit Lübzer LÜMO sind Sie in den Softdrink-Markt eingestiegen. Welche weiteren Getränkekategorien könnten für Carlsberg interessant werden?
Anders Krantz: Mit LÜMO haben wir einen wichtigen Schritt in eine neue Kategorie gemacht und sind mit der bisherigen Resonanz sehr zufrieden. Grundsätzlich beobachten wir den Markt kontinuierlich und schauen uns neue Entwicklungen sehr genau an.
Wichtig ist dabei nicht die Frage, welche Kategorie gerade besonders angesagt ist, sondern ob sie langfristiges Potenzial besitzt und zu unseren Marken sowie unseren Kompetenzen passt. Genau deshalb werden wir auch künftig sehr bewusst entscheiden, welche Chancen wir verfolgen.
Welche Rolle wird alkoholfreies Bier künftig spielen? Kann es langfristig zu einer tragenden Säule des Biergeschäfts werden?
Anders Krantz: Davon bin ich überzeugt. Alkoholfreie Biere gehören zu den spannendsten Entwicklungen der letzten Jahre und gewinnen kontinuierlich an Bedeutung.
Dabei profitieren sie nicht nur von einem bewussteren Lebensstil, sondern vor allem davon, dass Qualität und Geschmack heute ein Niveau erreicht haben, das viele Konsumentinnen und Konsumenten überzeugt. Für uns ist alkoholfreies Bier deshalb nicht nur eine Ergänzung, sondern eine wichtige strategische Säule für die Zukunft.
Gerade jüngere Menschen trinken häufig weniger Alkohol. Ganz sicher eine Herausforderung , aber sehen Sie darin auch eine Chance für neue Produkte?
Anders Krantz: Absolut. Jede Veränderung im Konsumverhalten bringt Herausforderungen mit sich, aber eben auch Chancen.
Jüngere Generationen wählen Getränke deutlich vielfältiger aus, probieren Neues aus und wechseln selbstverständlicher zwischen unterschiedlichen Kategorien. Das eröffnet Raum für Innovationen und neue Genussmomente. Entscheidend ist aus meiner Sicht nicht, einer Generation vorzuschreiben, was sie trinken soll, sondern Angebote zu schaffen, die relevant sind, begeistern und zu ihrem Lebensstil passen.
Sie kennen verschiedene internationale Märkte und die Carlsberg Gruppe sehr gut. Was kann der deutsche Markt von anderen Ländern lernen – und umgekehrt?
Anders Krantz: Jeder Markt hat wie eingangs gesagt seine Besonderheiten. Deutschland verfügt über eine einzigartige Bierkultur, eine enorme Markenvielfalt und sehr anspruchsvolle Konsumentinnen und Konsumenten. Das macht den Markt herausfordernd, aber auch unglaublich spannend.
Von anderen Ländern können wir lernen, wie neue Kategorien entstehen oder wie und wo sich Konsumgewohnheiten verändern. Umgekehrt wird die deutsche Brau- und Markenkompetenz innerhalb der Carlsberg Gruppe sehr geschätzt. Gerade diese Verbindung aus internationalem Austausch und lokaler Stärke schafft einen echten Mehrwert.
Wenn wir drei Jahre vorausblicken: Wie soll sich Carlsberg Deutschland bis dahin verändert haben?
Anders Krantz: Ich wünsche mir, dass wir in drei Jahren weiterhin als starker und verlässlicher Partner für Handel, Gastronomie und Konsumentinnen und Konsumenten wahrgenommen werden – mit erfolgreichen Biermarken, attraktiven Wachstumskategorien und einer klaren Rolle im deutschen Getränkemarkt. Gleichzeitig möchte ich, dass wir uns unseren Unternehmergeist bewahren: die Bereitschaft, Neues auszuprobieren, mutige Entscheidungen zu treffen und Chancen früh zu erkennen.
Wenn wir in drei Jahren sagen können, dass wir unsere Bierkompetenz gestärkt, neue Wachstumsfelder erfolgreich erschlossen und die Transformation aus eigener Kraft vorangetrieben haben, dann haben wir viel richtig gemacht.
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+++ Wir bedanken uns bei Anders Krantz für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

























