PAPACKS
Interview

„Die Beverage-Industrie steht vor einem Wandel bei Verpackungen“ – Tahsin Dag über PAPACKS

PAPACKS entwickelt und produziert nachhaltige Verpackungslösungen aus Faserstoffen und hat sich vom Start-up zu einem international agierenden Technologieunternehmen entwickelt. Mit mehr als 120 Patentfamilien, eigenen Produktionsstandorten in Deutschland und den Niederlanden sowie einer Kapazität von über einer Milliarde Formteilen pro Jahr zählt das Unternehmen heute zu den Vorreitern im Bereich Faserguss-Verpackungen. Vom Hauptsitz in Köln aus treibt PAPACKS gemeinsam mit internationalen Partnern die weltweite Verbreitung seiner Technologien voran.

Im Interview spricht Tahsin Dag, Gründer und CEO von PAPACKS, über die Entwicklung des Unternehmens, innovative Faserguss-Technologien, die neue Fiber Box, den Einsatz von Industriehanf als Rohstoff und die Zukunft nachhaltiger Verpackungslösungen.

2013 haben wir PAPACKS in einem ersten Interview auf about-drinks vorgestellt. Kannst Du nochmals kurz erzählen, wie damals alles begann?

Tahsin Dag: 2013 war kein klassischer Unternehmensstart, sondern ein Perspektivwechsel. Ich habe ganz bewusst für diese Mission mein hochdotierten Management Job geschmissen und damals mit PAPACKS angefangen. Ich kam aus der Getränkeindustrie und habe gesehen, dass zentrale Themen wie Verpackung, Rückführung und Materialkreislauf nicht ganzheitlich gedacht wurden.

papacks

Zu viel Kunststoff, ineffiziente Systeme, wenig Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette. Wir haben angefangen mit einfachen Lösungen für Trays und Rückführungssysteme. Rückblickend war das der Startpunkt für etwas, das heute deutlich größer ist als ein einzelnes Produkt – aber die Logik ist die gleiche geblieben.

Was war damals Eure Idee hinter PAPACKS? Wie hat sie sich im Laufe der Jahre verändert?

Tahsin Dag: Am Anfang ging es darum, Verpackung besser zu machen. Heute geht es darum, Systeme neu zu denken. Aus einer Produktidee ist eine Technologie-Plattform entstanden: Forschung und Entwicklung, Materialien, Faserguss, Beschichtungen, eigene Maschinen, Produktionskonzepte und Infrastruktur. Wir sprechen heute nicht mehr über einzelne Verpackungen, sondern über vier Kerntechnologien – Wet Moulding, Thermoforming, Drymolding und Hollow Body Forming – und über industrielle Lösungen, die sich skalieren lassen. 120 Patentfamilien schützen diesen Weg.

Papacks

Aus dem Garagen-Start-up ist heute eine international tätige Gruppe geworden. Wie ist PAPACKS heute aufgestellt?

Tahsin Dag: PAPACKS hat sich vom klassischen Hersteller zum Technologie- und Infrastrukturpartner entwickelt. Wir verbinden Entwicklung, Patente, Produktion und ein Lizenzprogramm. Operativ betreiben wir Produktionen an drei europäischen Standorten – in Arnstadt, in Appingedam/Niederlande und Köln – mit einer Kapazität von bis zu einer Milliarde Formteilen pro Jahr. Die Produktionsstandorte sind BRCGS- zertifiziert also für Lebensmittelkontakt ausgelegt.

Unser strategischer Ansatz ist klar: Produktion dorthin bringen, wo der Markt ist. Das reduziert Transportwege, erhöht Effizienz und schafft lokale Wertschöpfung. Persönlich vertrete ich PAPACKS zudem als Gründer und wieder gewählter Präsident der EMPPA – der European Moulded Pulp Producer Assoziation also einem Branchenverband und Lobbyverband für Faserguss in Europa mit Sitz in Berlin und Brüssel. Bei der Gründung waren es 3 Unternehmen, heute sind es über 33 global aktive Unternehmen im Verband.

Ihr habt zahlreiche Awards erhalten und zig Patente angemeldet. Erzähle uns davon!

Tahsin Dag: Awards sind eine Bestätigung von außen. Beim WorldStar Packaging Award – einer der unabhängigsten Auszeichnungen unserer Branche – sind wir seit 2022 jedes Jahr ausgezeichnet worden. Eine internationale Jury bewertet jedes Jahr ein konkretes Produkt – das ist keine Lobesrede über das Unternehmen, sondern eine Bewertung von Innovation und Umsetzung.

Papacks

Unsere Fiber Box ist allein in den letzten zwölf Monaten dreifach prämiert worden: Sie hat den Deutschen Verpackungspreis 2025 in der Kategorie „Nachhaltigkeit – Materialsubstitution” gewonnen, beim WorldStar Packaging Award 2026 vier Auszeichnungen erhalten – darunter den Sonderpreis „Packaging That Saves Food” sowie die Kategorien Food, Packaging Materials and Components und Transit – und zuletzt bei den Dieline Awards 2026 den ersten Platz in der Kategorie „Plastic Free” und den dritten Platz in der Kategorie „Food”. Drei voneinander unabhängige Jurys haben damit dieselbe Lösung als industriell relevant bestätigt.

Papacks

Persönlich wurde ich 2024 von European CEO, einer in 28 europäischen Ländern verbreiteten Wirtschaftspublikation, als CEO des Jahres in der Verpackungsindustrie ausgezeichnet. Ich nehme das als Auszeichnung für die gesamte PAPACKS-Mannschaft – eine industrielle Plattform aufzubauen, ist keine Ein-Personen-Leistung. Der entscheidende Faktor ist aber unser technologisches Fundament: 120 Patentfamilien rund um Materialien, Anwendungen und Produktionsprozesse. Patente sind in unserer Industrie kein Marketing-Asset, sondern die Voraussetzung dafür, dass aus Ideen reproduzierbare industrielle Verfahren werden können.

Welche Produkte bietet PAPACKS heute an? Wie werden sie hergestellt und welche Rolle spielt Hanf dabei?

Tahsin Dag: Unser Portfolio umfasst Anwendungen in Food, Beverage, Consumer, Kosmetik, Industrie und Logistik. Dazu gehören klassische Verpackungen ebenso wie komplexere Lösungen – Hohlkörper von Flaschen, Tubes und Behältern beispielsweise Supplements, Displays und Verpackungen oder eigene Produkte für Produktplatzierung und Marketing, Verpackungen für den Transport in der Kühlkette wie unsere Fiber Box, alles aus nachwachsenden Rohstoffen und im Altpapier recyclebar.

Papacks

Hergestellt werden die Produkte über vier Verfahren: Wet Moulding für klassischen Faserguss, Thermoforming für dünnwandige Faserformteile, Drymolding für flache Produkte und unsere selbst entwickelte Technik für Flaschen, Tubes und Behälter mit der PAPACKS® Model S10 Maschine für Hohlkörper sie anders bisher im Fasergussverfahren nicht herstellbar waren. Wo Lebensmittelkontakt oder Feuchtigkeitsschutz erforderlich ist, arbeiten wir mit pflanzlichen Beschichtungen für die wir auch die entsprechende Applikationstechnologie selbst gebaut haben um notwendige Barrieren aufzubringen.

Papacks

Unsere Rohstoffe sind aus Holzfrischfaser und Industriehanf welche wir gezielt für Anwendungen, in denen die mechanischen Eigenschaften – Festigkeit, Faserlänge – einen Unterschied machen einsetzen. Hanf ist schnell nachwachsend und regional anbaubar; das macht ihn zu einem strategischen Rohstoff für die nächste Generation industrieller nachwachsender Materialien für Fasern, der ohne das Fällen von Bäumen auskommt.

Papacks

Hinzu kommen PPWR Regulierungen und Erfordernisse zur CO2 Emissionsreduzierung als Anforderungen an die Unternehmen, hier kann unsere Technologie und Produkte einen hohen Impact liefern, um diese Ziele für Unternehmen in Zukunft erfüllen zu können.

Besonderes Augenmerk liegt auf der neuen Fiber Box. Was steckt dahinter? Wo wird sie eingesetzt?

Tahsin Dag: Die Fiber Box ist eine faserbasierte Transportverpackung für Seafood unter Kühllogistik – vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt, im Altpapier-Strom rückführbar. Sie ist für die Kühlkette und deren Anforderungen ausgelegt; die Lebensmittelkontakt-Konformität ist durch das Prüfinstitut Eurofins bestätigt. Produziert wird sie an unserem BRCGS- zertifizierten Standort Arnstadt. Konstruktiv reduziert die Nestbarkeit das Lagervolumen leerer Boxen um rund 66 Prozent – ein Logistik-Faktor, der in der Praxis oft den Ausschlag gibt gegenüber nur stapelbaren Boxen. Im EU-Tarifsystem für die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) fällt sie als Papierfraktion in die derzeit niedrigste Tarifkategorie.

Papacks

Erster Anwender und First Mover im operativen Einsatz ist Transgourmet Seafood – die Box ist dort im Realbetrieb und wurde gemeinsam ausgiebig getestet mit allen Anforderungen. Der Einstieg ist die Fisch- und Seafood-Industrie, einer der größten Anwender für den Bedarf von Boxen zum Transport. Darüber hinaus sehen wir Anwendungen in der Getränkteindustrie und Lebensmittel- und Pharma-Logistik, im Catering, im E-Commerce und überall dort, wo Kühlketten eine Rolle spielen.

Natürlich lässt die Box sich auch als Bundle-Box und für das Marketing perfekt nutzen, um seine Produkte im LEH oder Online zu präsentieren.

Mit welchen Kunden arbeitet Ihr bereits zusammen? Für welche Marken und Unternehmen sind Eure Produkte spannend?

Tahsin Dag: Wir arbeiten mit Unternehmen, die skalieren können und wollen: große Handelsstrukturen, Foodservice-Anbieter, Industrieunternehmen und internationale Marken. Spannend werden unsere Produkte überall dort, wo zwei Anforderungen zusammenkommen: regulatorischer Druck auf der einen Seite, und ein konkretes Schutz- oder Lebensmittelkontakt-Problem auf der anderen Seite. Entscheidend ist für uns, dass Projekte in die industrielle Umsetzung gehen und Volumen erreichen – damit die Lösung auch wirtschaftlich und operativ für alle funktioniert.

Papacks

Blick auf die Technologie: Mit dem PAPACKS® Model S10 habt Ihr eine Anlage entworfen, die die komplette Supply Chain abbilden kann. Erzähle uns davon!

Tahsin Dag: Das PAPACKS® Model S10 ist ein zentraler Baustein unserer Strategie. Es ermöglicht die industrielle Produktion komplexer Faserguss-Produkte – Flaschen, Behälter, Dosen, Tubes, technische Hohlkörper. Dabei geht es nicht nur um die Maschine selbst, sondern um das Zusammenspiel von Rohstoff, Formgebung, Trocknung, Beschichtung und Skalierung.

Damit schaffen wir die Grundlage für reproduzierbare industrielle Prozesse in großem Maßstab. Das ist die Voraussetzung dafür, faserbasierte Verpackung nicht nur in einzelnen Werken, sondern als skalierbares und übertragbares industrielles System zu denken – und damit echte Alternativen zu bestehenden Materialien zu etablieren.

Da die Formgebung bei der Abfüllung bei vielen eine große Rolle spielen, sind technische Möglichkeiten wie spezielle Hinterschnitte und Gewinde notwendig, damit Abfüllanlagen nicht aufwendig umgebaut werden. Dies können wir mit unserer neuen Technologie und Anlage abbilden und oft eins zu eins kopieren.

Das Model S10 wird Ende Mai in Amsterdam vorgestellt. Wo genau?

Tahsin Dag: Wir präsentieren das PAPACKS® Model S10® auf der Moulded Fibre Packaging Europe Conference 2026 von Smithers am 27. Mai in Amsterdam. Für uns ist das mehr als eine Produktvorstellung – es ist ein Signal an den Markt, dass die Technologie bereit ist für die nächste Stufe. Jetzt geht es um Partnerschaften und industrielle Umsetzung.

Papacks

Direkt im Anschluss zeigen wir die Faserguss-Flaschenmaschine auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum (OWF26) vom 31. Mai bis 2. Juni 2026 in Bad Saarow – dem zentralen wirtschaftspolitischen Forum für den Standort Ostdeutschland, das in diesem Jahr von Bundeskanzler Friedrich Merz eröffnet wird.

Am 1. Juni nehme ich gemeinsam mit der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen und dem Thüringer Wirtschaftsministerium am Workshop „Thüringen als Land industrieller Exzellenz” teil. Dass wir mit zwei Produktionslinien in Arnstadt dort eingeordnet werden, ist eine industriepolitische Bestätigung: faserbasierte Verpackung im Maßstab ist nicht nur ein Materialthema, sondern ein Standortthema.

Blick in die Zukunft: Du hast erzählt, dass Energy-Drink-Dosen auf der Liste stehen. Was noch?

Tahsin Dag: Energy-Drink-Dosen sind ein spannendes Beispiel, weil sie hohe Volumen und globale Märkte verbinden. Darüber hinaus sehen wir Potenzial in faserbasierten Flaschen, in Cooling- und Cold-Chain-Lösungen, in Kosmetik- und Food-Anwendungen und in industriellen Spezialformaten.

Wie lange so eine Entwicklung dauert, zeigt unsere faserbasierte Kaffeekapsel – beispielsweise kompatibel für Nespresso-Maschinen: industriell produzierbar, 2024 mit dem WorldStar Packaging Award ausgezeichnet. Von der ersten Verfahrensidee bis zu einer Kapsel, die im Brüh-Druck dicht hält und im Altpapier zurückgegeben werden kann, vergehen schnell sieben Jahre Entwicklung. Das ist die ehrliche Zeitachse, wenn man ein Format wirklich ablösen will und nicht nur ein optisch ähnliches Bauteil baut. Wir stehen vor einem Materialwechsel, der viele Branchen betreffen wird.

Was sind aktuell Eure kurz- und langfristigen Ziele mit PAPACKS?

Tahsin Dag: Kurzfristig liegt der Fokus auf Skalierung: Kapazitäten ausbauen, Projekte in Serie bringen, Märkte aktiv entwickeln. Dazu gehört die weitere Markteinführung der Fiber Box und der Flaschen-Linie um das PAPACKS® Model S10®. Langfristig entwickeln wir uns vom Hersteller zum Plattform-Betreiber. Material, Verfahrenstechnologie, Maschinen und lokale Fertigung gehören intelligent miteinander verbunden – nicht in Einzelprojekten, sondern in einer Infrastruktur, die sich übertragen lässt. Wir wollen nicht nur Produkte liefern, sondern Strukturen schaffen, die langfristig Bestand haben.

Der zentrale Baustein dafür ist der PAPACKS Campus Thüringen, den wir aktuell planen: ein Standort, an dem Forschung in Produktion mündet. Markenartikler kommen mit realen Verpackungsproblemen – und gehen mit validierten, industriell skalierbar produzierbaren Lösungen. Von nachwachsenden Fasern – Hanf, Miscanthus, Agrarreststoffe – bis zur fertigen Verpackung. Ein Campus. Alles unter einem Dach.

Die letzten Jahre waren geprägt von Aufbau und Entwicklung. Heute sehen wir, dass viele Märkte bereit sind für den nächsten Schritt. Gerade in der Beverage-Industrie wird sich in den kommenden Jahren viel verändern. Die Technologien sind da, die Nachfrage wächst, und die regulatorischen Rahmenbedingungen entwickeln sich entsprechend. Für uns ist klar: Die Transformation hat begonnen. Und wir freuen uns darauf, sie gemeinsam mit starken Partnern aktiv zu gestalten.

PAPACKS | Website | Facebook | Instagram | LinkedIn

+++ Wir bedanken uns bei Tahsin Dag für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

Neueste Meldungen

St. Kilian Bonifatius
Veltins
Mühlen Kölsch CSD
Tanduay Rum Sauternes
Capri-Sun Produktion
Bud Spencer Whisky Cola
Aberfeldy Macleod
St. Kilian Bonifatius
Veltins
Mühlen Kölsch CSD
Tanduay Rum Sauternes
Capri-Sun Produktion
Bud Spencer Whisky Cola
Aberfeldy Macleod
Jever Stehausschank
ValueGrain Krombacher
Alle News
about-drinks Newsletter jetzt kostenlos abonnieren!

Aktuelle Top-News und Personalien, spannende Interviews und attraktive Stellenangebote: Mit unserem wöchentlichen Newsletter sind Sie immer bestens informiert.

Newsletter abonnieren!
close-link