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Zuckersteuer

„Brüssels Bürokratie-Monster schützt den Zucker, nicht den Verbraucher“ – MBG-Chef kritisiert Zuckerpolitik

MBG-CEO Andreas Herb rechnet mit der deutschen Zuckerpolitik ab und trifft damit einen Nerv der Getränkebranche.

Selten formuliert ein Unternehmer seine Branchenfrustration so unverblümt wie Andreas Herb, CEO der MBG Group, in einem aktuellen LinkedIn-Beitrag: „Mir wird immer klarer: Die politische Bürokratie in Europa verhindert Fortschritt, statt ihn zu ermöglichen.” Der Auslöser ist die geplante Zuckerabgabe auf Softdrinks und der Umgang der europäischen Behörden mit alternativen Süßungslösungen.

Zuckersteuer ab 2028: Kabinett macht den Weg frei

Am 29. April 2026 hat das schwarz-rote Kabinett die Weichen für eine Zuckersteuer auf Softdrinks gestellt. Noch muss der Bundestag zustimmen, doch die Richtung ist klar: Limonaden, Colas, Eistees und Energy Drinks sollen ab 2028 je nach Zuckergehalt besteuert werden. Das Modell ist gestaffelt: Getränke mit mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter werden mit 26 Cent pro Liter belastet, ab acht Gramm steigt der Satz auf 32 Cent – das Finanzministerium rechnet mit jährlichen Einnahmen von bis zu 500 Millionen Euro.

Für Herb ist die Debatte jedoch weit mehr als eine Steuerfrage. In seinem Beitrag kritisiert er einen grundlegenden Widerspruch in der europäischen Regulierungspolitik: „Das absurde Ergebnis: Einerseits wird der hohe Zuckerkonsum kritisiert, andererseits werden vielversprechende Alternativen nicht mit der nötigen Geschwindigkeit nutzbar gemacht.“ Sein Fazit: „Brüssels Bürokratie-Monster schützt am Ende den Zucker, nicht den Verbraucher.“

Innovationen blockiert, Steuern eingeführt – die Logik der Politik

Was Herb besonders aufbringt: Während die Politik eine Lenkungssteuer auf Zucker einführt, kommen moderne kalorienarme Zuckerersatzstoffe wie Allulose oder Monkfruit in der EU nicht vom Fleck. „Während große Teile der Lebensmittelindustrie international längst mit modernen und kalorienärmeren Alternativen wie Allulose und Monkfruit arbeiten, werden Unternehmen in Deutschland und Europa durch langsame Prüfverfahren, unklare Zuständigkeiten und regulatorische Hürden ausgebremst”, schreibt er.

Der regulatorische Hintergrund gibt ihm zumindest teilweise recht: Im Juni 2025 stellte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) fest, dass die Sicherheit von D-Allulose nicht festgestellt werden konnte – mit Verweis auf Lücken in den toxikologischen Daten und fehlende Langzeitstudien. Allulose bleibt damit für den europäischen Markt gesperrt, obwohl der Stoff in den USA, Japan, Südkorea und Singapur bereits vermarktet wird und nach mehreren Quellen auch in Mexiko zugelassen ist.

Entscheidend für die Einordnung: Der Antragsteller hatte die von der EFSA mehrfach angeforderten ergänzenden Daten trotz wiederholter Aufforderung nicht eingereicht – die Ablehnung war damit nicht primär das Ergebnis politischer Entscheidungen, sondern einer unvollständigen Datenlage. Gleichzeitig zeigt der Fall jedoch, wie langwierig Novel-Food-Verfahren in Europa im Vergleich zu anderen Märkten wahrgenommen werden.

Branchenecho: Herb steht nicht allein

Mit seiner Kritik steht der MBG-Chef nicht allein. Der Deutsche Brauer-Bund bezeichnete die Kabinettsentscheidung zur Zuckersteuer als „Desaster für die Betriebe”. Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), kritisierte gegenüber der Rheinischen Post vor allem den fiskalischen Charakter der Maßnahme: „Es geht einzig und allein darum, mit dieser Steuer Haushaltslöcher zu stopfen.“

Herb formuliert die Konsequenz für Hersteller in seinem Post unmissverständlich: „Für Hersteller von Getränken und Lebensmitteln bedeutet das einen massiven Wettbewerbsnachteil. Wer verbraucherfreundliche, technologisch moderne Rezepturen entwickeln will, stößt in Europa nicht auf Chancen, sondern zuerst auf Formulare.”

Freiwilligkeit gescheitert – aber warum?

Die Bundesregierung begründet die geplante Zuckerabgabe auch mit den begrenzten Erfolgen freiwilliger Selbstverpflichtungen der Industrie. Ziel der Nationalen Reduktionsstrategie war es ursprünglich, den Zuckergehalt in Softdrinks bis 2025 deutlich zu senken. Eine unabhängige Zwischenevaluation ergab jedoch bis 2021 lediglich geringe Fortschritte. Branchenverbände verweisen dagegen auf deutlich stärkere Reduktionen seit 2018. Die tatsächliche Entwicklung bleibt deshalb umstritten – auch weil unterschiedliche Datengrundlagen und Produktsegmente herangezogen werden.

Aus Herbs Sicht liegt die Verantwortung für das Scheitern der Selbstverpflichtung ohnehin nicht allein bei den Herstellern: Wer reformulieren wolle, brauche zugelassene Zutaten – und genau diese fehlten. „So entsteht der fatale Eindruck, dass die Regulierung nicht mehr dem Verbraucherschutz dient, sondern zum Bremsklotz für Entwicklung und Investitionen geworden ist.”

Herbs Forderung: Politikwechsel statt Steuerpolitik

Herb endet seinen LinkedIn-Beitrag mit einem klaren Appell: „Deutschland und Europa brauchen dringend einen Politikwechsel. Wer es mit der Gesundheit und weniger Zucker in Lebensmitteln ernst meint, darf moderne Alternativen nicht länger durch Bürokratie ersticken. Wir brauchen wissenschaftsbasierte, schnelle Entscheidungen und ein Umfeld, das Fortschritt belohnt.”

Ob dieser Ruf Gehör findet, bleibt offen. Fest steht: Die Zuckersteuer kommt – und mit ihr eine Debatte, die die Getränkebranche noch lange beschäftigen wird.

Titelbild: stock.adobe.com – xy

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