Bis zu 8.000 gefährdete Jobs: Münsterländer Kornbrennereien schließen sich nationalem Appell an
Der Bundestag hat den Gesetzentwurf zur Erhöhung der Alkoholsteuer in erster Lesung beraten und an den Haushaltsausschuss überwiesen. Die „Allianz Kulturerbe Münsterländer Kornbrennereien“ warnt vor den Folgen: Nach eigener Einschätzung könnten bei den erwarteten Absatzrückgängen bundesweit bis zu 8.000 Arbeitsplätze im Mittelstand, Handwerk und entlang regionaler Wertschöpfungsketten gefährdet sein. Zugleich schließt sich die Allianz einer bundesweiten Branchen-Initiative gegen die Steuerpläne an.
Zum 1. Januar 2027 soll die Steuer auf Spirituosen von 13,03 auf 15,64 Euro je Liter reinen Alkohols steigen. Die „Allianz Kulturerbe Münsterländer Kornbrennereien“, ein Zusammenschluss von 17 mittelständischen Familienbrennereien der Region, warnt vor erheblichen Folgen für den Mittelstand. Nach ihrer Einschätzung könnten bei einem erwarteten Absatzrückgang bundesweit bis zu 8.000 Arbeitsplätze gefährdet sein.
„Die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze ist zwar eine Schätzung, beschreibt aber ein reales Risiko“, erklärt Rüdiger Sasse, Sprecher der Allianz Kulturerbe Münsterländer Kornbrennereien. Ein Absatzeinbruch treffe nicht nur die Brennereien, sondern auch die Landwirtschaft, die Glas- und Verpackungsindustrie, die Logistik, den Handel, die Gastronomie und den Tourismus. „Genau diese mittelständischen Strukturen müssen in den Beratungen sichtbar werden.“
Allianz schließt sich nationalem Appell an
Die Allianz Kulturerbe Münsterländer Kornbrennereien reiht sich in eine breite Branchenallianz aus Wein-, Sekt- und Spirituosenwirtschaft ein, die sich mit einem offenen Brief an den Bundestag wendet. Getragen wird sie unter anderem vom Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) und dem Bundesverband Wein, Sekt und Spirituosen (BWS). Mehr als 100 Unternehmen und Organisationen haben diesen Brief bereits mitgezeichnet.
„Das Thema reicht weit über das Münsterland hinaus“, so Sasse. „Die Initiative zeigt, dass Sektkellereien, Spirituosenhersteller und ihre Partner vor denselben Herausforderungen stehen.“ Zusätzliche Verbrauchsteuern lassen sich demnach im Markt nur begrenzt weitergeben. Die Folgen tragen letztlich Betriebe, Beschäftigte und ganze Regionen. Bundesweit prägen mehr als 10.000 zugelassene Brennereien mit rund 50.000 Beschäftigten die Branche. Allein im Münsterland zählen zu der Allianz 17 Mitgliedsbetriebe mit rund 660 Beschäftigten. Amtliche Statistiken erfassen in der Regel jedoch insbesondere größere Unternehmen. Die wirtschaftliche Bedeutung des Mittelstands bleibt dadurch vielfach unsichtbar.
„Eine einseitige Erhöhung der Spirituosensteuer greift gesundheitspolitisch zu kurz. Die Steuer trifft nicht gezielt den schädlichen Alkoholkonsum, sondern eine mittelständische Traditionsbranche“, sagt Sasse. „Wer Spirituosen einseitig verteuert, während Bier, Wein und Perlwein verschont bleiben, senkt damit nicht wirksam den Alkoholkonsum. Stattdessen droht eine Verlagerung des Konsums, die das Aus für Betriebe riskiert, die unsere Region seit Jahrzehnten prägen.“
Die Forderung der Allianz
Die Allianz fordert, die Erhöhung auf maximal einen Euro je Liter reinen Alkohols zu begrenzen. Außerdem solle die Wirkung der Reform auf Konsum, Steueraufkommen und Beschäftigung verbindlich evaluiert werden. Zudem solle der Einführungstermin nicht auf den 1. Januar fallen, sondern ausreichend Vorlauf für Preislisten, Lagerbestände, Handel, IT und Zoll lassen.
Darüber hinaus sollen KMU-Schutzinstrumente für unabhängige, regional produzierende Brennereien geprüft werden. Langfristig setzt sich die Allianz für ein Steuersystem ein, das sich am tatsächlich enthaltenen reinen Alkohol orientiert und die unterschiedlichen Getränkekategorien steuerlich konsistenter behandelt.
„Wir stellen uns nicht gegen eine verantwortungsvolle Alkoholpolitik“, erklärt Sasse abschließend. „Wir wollen eine Regelung, deren Wirkung belegt ist, die dem Mittelstand ausreichend Zeit für die notwendige Anpassung lässt und bestehende steuerliche Ungleichgewichte nicht weiter verschärft.“
Mehr Informationen zum BWSI sowie den offenen Brief finden Sie hier.
Über die Allianz Kulturerbe Münsterländer Kornbrennereien
Die Allianz Kulturerbe Münsterländer Kornbrennereien ist ein Zusammenschluss von Kornbrennereien aus dem Münsterland. Nach aktuellem Stand gehören ihr 17 Unternehmen mit insgesamt rund 660 Beschäftigten an. Die überwiegend familiengeführten, kleinen und mittleren Betriebe sind handwerklich geprägt und eng mit den Bereichen Landwirtschaft, Gastronomie, Tourismus und Handel sowie weiteren Bereichen der regionalen Wertschöpfung verbunden.
Die Allianz setzt sich für den Erhalt und die Weiterentwicklung der traditionellen Kornbrennkunst im Münsterland ein. Die handwerkliche Brennkunst wurde im Jahr 2025 von der Deutschen UNESCO-Kommission in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Sie umfasst überliefertes Wissen, handwerkliche Verfahren sowie die Weitergabe von Erfahrungen über Generationen hinweg.
Die Mitgliedsunternehmen führen diese Tradition in einer regional geprägten Form fort und vertreten gemeinsam die Interessen der münsterländischen Kornbrennereien. Sprecher der Allianz ist Rüdiger Sasse, Inhaber der Feinbrennerei Sasse in Schöppingen.
Die Forderungen der Allianz im Überblick
Die Allianz fordert eine maximale Erhöhung der Alkoholsteuer um 1 Euro je Liter reinen Alkohols sowie eine verbindliche Evaluation ihrer Wirkung auf den Alkoholkonsum, das Steueraufkommen, die Arbeitsplätze, die regionale Wertschöpfung und die KMU vor jeder weiteren Änderung. Statt einer Einführung zum 1. Januar fordert sie einen für den Mittelstand verträglichen Stichtag mit ausreichender Vorlaufzeit für Preislisten, Lagerbestände, Handel und Zoll.
Zudem sollen gezielte Instrumente zum Schutz von KMU für unabhängige, regional produzierende Brennereien eingeführt werden, um eine einseitige Belastung mittelständischer Familienbetriebe zu vermeiden. Zudem verlangt die Allianz eine Gleichstellung von Korn im Alkoholsteuergesetz, insbesondere in § 11 AlkStG, damit traditionelle Kornbrennereien nicht gegenüber anderen Alkoholarten benachteiligt werden.
Langfristig braucht es aus Sicht der Allianz ein gerechtes und gleichmäßiges Steuersystem, das sich am Liter reinen Alkohol orientiert – unabhängig davon, ob dieser in Bier, Wein, Perlwein oder Spirituosen enthalten ist.
Über die Gefährdung mehrere tausend Arbeitsplätze
Die deutsche Spirituosenbranche ist überwiegend klein- und mittelständisch geprägt. Mehr als 10.000 zugelassene Brennereien und handwerkliche Betriebe sichern bundesweit rund 50.000 Arbeitsplätze, direkt sowie entlang regionaler Wertschöpfungsketten. In amtliche Statistiken werden jedoch vor allem die wenigen Dutzend Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten erfasst.
Nach Auffassung der Allianz wird dadurch die Beschäftigungswirkung einer Steuererhöhung unterschätzt. Laut Schätzungen der Allianz könnte ein spürbarer Absatzrückgang durch die Steuererhöhung dazu führen, dass mehrere tausend Arbeitsplätze im Mittelstand, im Handwerk und in angrenzenden Branchen wie der Landwirtschaft, der Glas- und Verpackungsindustrie, der Logistik, dem Handel, der Gastronomie und dem Tourismus gefährdet wären.
Quelle/Bildquelle: Allianz Kulturerbe Münsterländer Kornbrennereien






















