Aberargie Interview
Interview

Aberargie feiert Premiere: Thomas Plaue über die „Barley-to-Bottle“-Philosophie

Die Aberargie Distillery launcht ihren ersten Single Malt Scotch Whisky. Schlumberger bringt den „Inaugural Release“ nach Deutschland. Mit dem Produkt kehrt die Familie Morrison nach mehr als drei Jahrzehnten zur Herstellung von Single Malt zurück – und setzt dabei auf Authentizität, Transparenz und eine konsequente Barley-to-Bottle“-Philosophie. 

Zum Debüt haben wir mit Thomas Plaue, nationaler Verkaufsleiter und Head Ambassador Spirituosen bei Schlumberger, über die Besonderheiten der Farm-Destille, die strategische Markteinführung und die Perspektiven der Marke im deutschen Premium-Whisky-Segment gesprochen.

Mit Aberargie erweitert Schlumberger sein Portfolio um eine neue schottische Destillerie. Was zeichnet die Aberargie Distillery aus Ihrer Sicht besonders aus?

Thomas Plaue: Aberargie ist die Farmdestille der Familie Morrison und eine 100%ige „Vom Feld ins Glas“-Brennerei. Einzig das Mälzen der Gerste wird extern erledigt, wobei sichergestellt ist, dass sie ihr eigenes Getreide auch wieder zurückbekommen. Dazu setzen sie auf das Zusammenspiel von Golden Promise als „alte“ Gerstensorte und Laureate als moderne Variante.

Golden Promise liefert einen volleren, getreidigeren Charakter, Laureate einen leichteren, fruchtigeren Brand mit etwas mehr Würze. Beides wird separat destilliert und jeweils sowohl in First Fill Ex Bourbon, als auch First Fill Ex Oloroso Sherry Fässern gelagert. So kann die Familie ihren Whisky variieren und bestimmte Aromen in den Vordergrund stellen.

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Hinter Aberargie steht die Familie Morrison, die bereits im 18. Jahrhundert im Whiskygeschäft aktiv war. Welche Bedeutung hat diese Rückkehr zur eigenen Single-Malt-Produktion?

Thomas Plaue: Aberargie ist die Rückkehr der Familie als vollwertige Distiller. Trotz ihrer fünf Generationen als Blender, Broker, Abfüller und Händler, erinnerte man sich immer mit Wehmut an die erfolgreichen Morrison Bowmore Zeiten. Die „Rückkehr“ nach Islay ist ihnen 2020 mit ihrer Islay Single Malt Whisky Marke Mac Talla in gewisser Weise gelungen. Trotzdem hat eine eigene Brennerei natürlich nochmal ein anderes Gewicht. Wie stolz er auf Aberargie ist, konnte ich beim Abendessen mit Jamie Morrison im Januar erleben. Das hat auch bei mir die Begeisterung noch zusätzlich entfacht.

Die ersten Fässer wurden 2017 befüllt, nun folgt 2026 das „Inaugural Release“. Wie bewerten Sie diesen Zeitpunkt aus strategischer Sicht?

Thomas Plaue: Der Zeitpunkt ist aus meiner Sicht perfekt gewählt. Zum einen hat man dem Whisky genug Zeit im Fass gegeben, um bei seinem Debut mit Reife und Komplexität überzeugen zu können. Zum anderen hat man mit einer cleveren Marketingkampagne seit Herbst 2025 das Interesse an Aberargie so gesteigert, dass die knapp 1.200 Flaschen für Deutschland in acht Stunden ausverkauft waren. Und die Strategie ist mit dem Launch noch nicht vorbei. Dazu kann man mit dem 10. Geburtstag im nächsten Jahr direkt weiter anknüpfen.

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Sie haben die „Vom Feld ins Glas“-Philosophie schon angesprochen. Was bedeutet dieser Ansatz konkret für Herstellung und Qualitätsverständnis?

Thomas Plaue: Die „Barley-to-Bottle“-Philosophie ist, was die Brennerei ausmacht, und startet bei dem regenerativen Ansatz, mit dem die Farm bewirtschaftet wird. Als Jamie Morrison die Farm gekauft hat, musste er zunächst den Boden neu aufbauen. Jahrelange intensive Landwirtschaft hatten den Boden ausgelaugt, sodass hier kaum noch Erträge möglich waren. Das hat man mit Untersaaten und Zwischenanbau gelöst. Neuerdings werden die Äcker zwischendurch mit Schafen und Rindern beweidet. Dadurch kann man komplett auf weiteren Dünger verzichten. Auch wird nicht das gesamte Feld gepflügt, um CO² in der Erde zu halten.

Nach der Ernte wird die Gerste extern gemälzt. Die restliche Produktion ist wieder zu 100% „On Site“. So ist sichergestellt, dass die Qualität auch in Zukunft den hohen Anforderungen der Familie genügt.

Die Destillerie legt sogar die exakten Anteile der verwendeten Gerstensorten offen. Welche Rolle spielt diese Transparenz im Premium-Whisky-Segment?

Thomas Plaue: Transparenz ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Vor allem wir Deutschen tendieren gern dazu, es ganz genau wissen zu wollen, wenn wir uns für etwas interessieren. Da ist die Angabe der Zusammensetzung der Gerste und Fässer natürlich ein riesiger Pluspunkt. Wie sie zukünftig damit umgehen werden, wird sich zeigen.

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Der Whisky reift in First-Fill-Ex-Bourbon- und Ex-Sherryfässern und wird mit 48,2 % Vol., ohne Kühlfiltration und ohne Farbstoff abgefüllt. Wie lässt sich der Charakter des Inaugural Release geschmacklich beschreiben?

Thomas Plaue: Ich hatte im Januar das Glück mit Kollegen aus ganz Europa die Brennerei zu besichtigen. In diesem Zuge haben wir auch von den einzelnen New Makes, über die verschiedenen Brände aus jeweils Bourbon und Sherry Fässern, bis hin zum fertigen „Inaugural“ Release probieren dürfen. Dabei wurde mir richtig klar, wie unterschiedlich die beiden Gerstensorten geschmacklich sind. Golden Promise ist mächtig, ölig und füllt den ganzen Mund mit einer malzigen Süße aus. Laureate ist viel leichter, fruchtiger nach Apfel und Birne mit einer leichten Pfefferschärfe am Ende.

Golden Promise mit dem Oloroso Fass war großartig, denn hier kommen die dunklen Frucht-, Holz- und Nussnoten dazu. Laureate gefiel mir mit Bourbon Fass etwas besser. Die hellen Früchte bekamen dadurch Noten von Kokos und Vanille. Beim „Inaugural“ Release kommen all diese Aromen zusammen. Vordergründig hat man die Frische und die Frucht, bevor schnell die cremigen und malzigen Noten einsteigen. Am Ende kitzelt diese leichte Pfeffernote den Gaumen.

Auch das Design greift die landwirtschaftliche Herkunft der Brennerei auf. Wie wichtig ist eine solche klare Markeninszenierung bei einer Neueinführung?

Thomas Plaue: Eine klare Corporate Identity gehört heute zu jeder Marke dazu. Sie fördert die Wiedererkennung und spiegelt den Ansatz der Produzenten wider. Morisson hat hier 2020 einen großen Schritt nach vorn gemacht mit ihrer eigenen Flasche mit Morrison Emblem und Schriftzug und der Prägung ihrer Werte „Patience, Intuition und Integrity“ im Flaschenboden.

Für Aberargie hat man sich für eine neue Flaschenform entschieden, die den Forsyths Brennblasen nachempfunden ist. Das Etikett ist die Front des Brennhauses. Das Grün steht für die Farm und die goldene Linie zeigt den Horizont von der Brennerei aus. Besonders gefallen hat mir der kleine lederne Schlüsselanhänger. Alles in allem sehr gelungen.

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Mit einer UVP von 74 Euro positioniert sich Aberargie im gehobenen Segment. In welchem Wettbewerbsumfeld bewegt sich der Whisky in Deutschland?

Thomas Plaue: Wenn ich an verschiedene Einführungen in den letzten Jahren denke, ist Aberargie mit 74 Euro für ihre Inaugural Release in Deutschland in guter Gesellschafft. Im Hinblick auf die eigene nachhaltige Landwirtschaft und die Investitionen, die man in getätigt hat, ist der Preis mehr als angemessen. Meine Hoffnung ist, dass die meisten Flaschen tatsächlich geöffnet und probiert werden, um eine treue Fanbase für die Marke zu schaffen.

Welche Zielgruppen sprechen Sie mit dem Inaugural Release an?

Thomas Plaue: Aberargie richtet sich an alle Genießer, die bewusst Wert auf Qualität legen. Die Transparenz und der Einsatz von Golden Promise als Rückgrat vieler legendärer Whiskys der 70er und 80er Jahre macht Aberargie zusätzlich interessant für Kenner und Nostalgiker, denn diese Ansätze findet man definitiv wieder und weiß sie dann auch zu schätzen.

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Welche Erwartungen haben Sie an die Markteinführung in Deutschland, und welche Rolle spielt der Fachhandel dabei?

Thomas Plaue: Aberargie ist für uns eine spannende Erweiterung unseres Portfolios. Mit Aberargie können wir aber auch umso mehr die Kompetenz von Morrison Scotch Whisky Distillers hervorheben, was allen ihren Marken zugutekommt.

Der Fachhandel spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die knapp 1.200 Flaschen gingen überwiegend in kleineren Tranchen an ca. 80 Fachhändler, die zumeist zusätzlich Flaschen aus dem Morrison Portfolio mitbestellt haben. Das hat Spaß gemacht.

Wie sehen Sie die langfristige Perspektive von Aberargie im deutschen Markt – bleibt es bei einem besonderen Debüt oder entwickeln Sie hier eine nachhaltige Marke im Schlumberger-Portfolio?

Thomas Plaue: Aberargie ist definitiv gekommen, um zu bleiben. Bis zum ersten Standard werden wir wohl noch etwas warten müssen, aber ich kann schon verraten, dass im Herbst die Reise zum Verständnis von Aberargie weitergehen wird. Das wird spannend und darauf freue ich mich sehr.

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Aberargie | Website | Instagram

+++ Wir bedanken uns bei Thomas Plaue für das offene und sehr interessante Interview! Wenn auch Sie eine interessante Marke haben, dann sollten wir uns unterhalten. Senden Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff „about-drinks Interview“ an redaktion@about-drinks.com – wir freuen uns auf Ihren Kontakt! +++

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