O-I Marketing Manager Matthias Warneke im Gespräch über den Wettbewerb der Getränkeverpackungen.
Im Vorfeld von „drinctec“ und „International Fruit World“ sprach Mercurio Drinks mit O-I Marketing Manager Matthias Warneke über die Vorzüge der Glasflasche und den Einfluss von staatlicher Regulierung und der Marktmacht der Discounterauf den Verpackungswettbewerb in Deutschland.
Mercurio Drinks: Herr Warneke, in Wikipedia fanden wir eigene Artikel zur „Getränkedose“ und zur „PET-Flasche“, jedoch nur einen kleinen Absatz über die „Getränkeflasche“. Ist dieses Ungleichgewicht repräsentativ für die Deutschen, wenn sie über die beste Verpackung für ihre Getränke urteilen?
Matthias Warneke: Schauen Sie doch einmal unter „Flasche“ oder „Glasflasche“, wo Sie schon sehr viele Informationen erhalten. Noch besser ist jedoch der Suchbegriff „Glas“, der Sie zu umfangreichen Ergebnissen zum Werkstoff Glas, dessen chemische Zusammensetzung, Geschichte, Produktionsverfahren, Anwendungen, Glaskunst etc. führt. Glas ist eben viel mehr als ein Werkstoff, aus dem Flaschen und Lebensmittelgläser produziert werden. Glas findet in vielen Bereichen Anwendung, z.B. in der Automobilindustrie- und Gebäudetechnik. Glas hat eine mehrere Jahrtausende alte Geschichte. Hohlglas, sprich Behälterglas, ist dabei eine wichtige Anwendung und wird in Wikipedia auch hinreichend behandelt. Sie finden dort übrigens auch einige sehr gute Hinweise auf weiterführende Literatur für alle, die sich tiefer in das Thema Glas und Glasverpackungen einarbeiten wollen. Das Ungleichgewicht sehe ich hier dann doch eher zu Gunsten von Glas, was in der Tat repräsentativ ist.
Mercurio Drinks: Der europäische Behälterglasverband, die „Féderation Européenne du Verre d´Emballage“ (FEVE), kommt in einer aktuellen Studie zu dem Ergebnis, dass Glas „eines der beliebtesten Verpackungsmaterialien in Europa und Deutschland“ sei und bleibe. Wie passt diese Aussage zu den beständig sinkenden Quoten für Mehrwegflaschen?
Matthias Warneke: Dies ist in der Tat eine sehr interessante Studie, die brandaktuell ist und unter 6.200 Verbrauchern in zwölf europäischen Ländern durchgeführt wurde! Rund 45 Prozent der europäischen Verbraucher bevorzugen Glas bei Fruchtsaft und Wasser, in Deutschland sind es sogar rund 47 Prozent. Die sinkenden Quoten für Mehrwegflaschen bei Mineralwasser und Saft passen in der Tat nicht zu diesen Ergebnissen. Wobei man aber klar und deutlich sagen muss, dass diese Entwicklung in Deutschland durch sehr spezielle Faktoren getrieben wird und auch nicht unbedingt den Verbraucherwillen widerspiegelt.
Trotz des Versuchs des Gesetzgebers, mit Einwegpfand auf Mineralwasser den Mehrweganteil zu stärken, entwickelt sich die Gebindestruktur gegenläufig. Saft ist von dieser Regelung ausgenommen. Um hier weiter die Ursachen zu analysieren, muss man die besonderen Positionen der sogenannten (Hard-)discounter in Deutschland verstehen, die inzwischen rund 60 Prozent des AfG Marktes bedienen. Wenn diese Formate nun für Saft und Mineralwasser auf Plastik-Einweg setzten, dann schlägt sich dies logischerweise sofort massiv auf die Verpackungsstruktur in diesen Segmenten nieder.
Nun kann man anführen, dass in einer idealen Welt die Nachfrage das Angebot bestimmt. Diese Betrachtung ist angesichts der Markt- und Preismacht des Discounts im AfG Bereich aber sicher nicht gültig. Fakt ist, dass sich laut FEVE Studie rund 47 Prozent der deutschen Verbraucher Saft in Glas wünschen, aber nur rund 21 Prozent der Säfte im Handel in Glas angeboten werden. Hier verschenken Handel und Markenartikler Potenzial, indem sie den Verbraucherwillen ignorieren. Im Biersegment, wo Glas traditionell die vom Verbraucher bevorzugte Verpackung ist, konnte Glas-Mehrweg den Anteil in den vergangenen Jahren sogar noch erhöhen.
Mercurio Drinks: Auf der International Fruit World (IFW), einem Fachkongress im Rahmen der drinktec 2009, referieren Sie über „Added Value und Nachhaltigkeit“ von Glasverpackungen als wichtige Bestandteile der Produktwahrnehmung. Liegt die Zukunft der Glasflasche allein in der Hand designter Individualflaschen und umweltbewusster Verbraucher?
Matthias Warneke: Die Verbraucher in Europa und insbesondere auch in Deutschland sind äußerst umweltbewusst. Daher haben wir mit Glas sehr starke Argumente. Auch sehen wir unsere Zukunft gerne bei dieser Verbrauchergruppe. Aber Glas punktet auch in den Bereichen Design und Wertigkeit sowie mit seiner Vielzahl der möglichen Dekorations- und Etikettiertechniken. Hinter beiden Begriffen „Added Value“ und „Nachhaltigkeit“ verbirgt sich allerdings noch einiges mehr. Glas ist wie kein anderes Verpackungsmaterial in der Lage, all diese Aspekte positiv zu belegen. Als Beispiele seien hier nur die Bereiche Lebensmittelsicherheit, Migration und Geschmacksschutz genannt. Nicht zuletzt deshalb wird dem Verbraucher immer wieder empfohlen, sein Wasser in Glasflaschen zu kaufen.
Mercurio Drinks: Letztendlich entscheidet aber nicht nur der Verbraucher über Akzeptanz und Nutzung der unterschiedlichen Getränkeverpackungen. Auch der Staat – Stichwort Einwegpfand – redet da ein Wörtchen mit. Zum Guten?
Matthias Warneke: Ich hatte hierzu ja schon einiges gesagt. Insgesamt kann man wohl schwerlich eine Entwicklung weg von umweltfreundlichen und Ressourcen schonenden Glas-Mehrwegsystemen, hin zu Plastik-Einweg als positiv ansehen. Mal ganz abgesehen von den Auswirkungen auf die Umwelt geht mit dem uniformen Discount-Angebot im AfG-Bereich auch die regionale Vielfalt verloren, die gerade den Deutschen Markt so interessant und dynamisch macht. Die regionalen Fruchtsaftkeltereien und Mineralbrunnen setzten klar auf Glas-Mehrwegsysteme – für die Umwelt, für den Geschmack und für den Konsumenten.
Mercurio Drinks: Welchen Stellenwert messen Sie in dieser Diskussion Initiativen wie „Saft liebt Glas“ bei, in der sich Fruchtsaft-Industrie, Getränkefachgroßhandel sowie Umwelt- und Verbraucherorganisationen für Mehrwegglasflaschen aussprechen?
Matthias Warneke: Eine sehr großen Stellenwert und deswegen begrüßt O-I und die Glasindustrie solche Initiativen sehr. Der Verbraucher weiß sehr wohl die Vorteile von Glas zu schätzen, hat aber nicht bei jedem Einkauf die Möglichkeit, Produkte im Glas zu wählen. So verfolgen Initiativen, wie „Saft liebt Glas“ oder auch die „Friends-of-Glass“ Kampagne der FEVE zwei Haupt-Zielrichtungen:
Es gilt erstens, den Verbraucher in seiner positiven Bewertung des Werkstoffes Glas zu bestätigen und zweitens, dem Handel aufzuzeigen, dass es viele gute Gründe gibt, möglichst viele Produkte in Glas anzubieten – dem Produkt zuliebe, dem Verbraucher zuliebe, der Umwelt zuliebe und auch dem eigenen Erfolg zuliebe!
Mercurio Drinks: Herr Warneke, Sie heben immer wieder auf die besonderen ästhetischen Gestaltungsmöglichkeiten des Werkstoffs Glas ab, welche Designerflasche ist denn Ihr Liebling?
Matthias Warneke: Es ist schwer, sich hier für eine einzige Flasche zu entscheiden. Glas bietet so viele Möglichkeiten und es gibt so viele unterschiedliche wirklich gelungene Ausführungen. Ein Highlight ist sicherlich die 750ml Flasche von evian PURE. Die gestreckte Wassertropfen-Form hat im Bereich der Glasverpackungen für nicht-alkoholische Getränke bereits Kultstatus erlangt. Die Badoit-Glasflasche weist ebenfalls diese schlichte Form auf, die saisonal bedingt durch Sonderdrucke variabel gestaltet wird. Sehr erfolgreich und schön ist auch die Flasche des Smoothies true fruits. Es ist ein tolles Beispiel dafür, wie Glas den Markenauftritt eines Produktes optimieren kann.
Zur Person:
Matthias Warneke ist Marketing Manager bei O-I für den Bereich alkoholfreie Getränke in Europa. Der Diplom-Ökonom ist verantwortlich für das Produkt- und Marktmanagement in diesem Segment. Vor seinem Eintritt in das Unternehmen Ende 2005 sammelte Warneke langjährige Erfahrungen im Vertrieb und Marketing im B2B-Bereich internationaler Unternehmen.
Quelle: Mercurio Drinks | www.mercurio-drinks.de
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